14. Tag Irrungen und Wirrungen

Beim Aufwachen morgens hörten wir es schon…. Es schüttete ohne Ende. Bei so einem Regen wollten wir auf keinen Fall 5 1/2 Std. bis zum Rifugio wandern und noch einen Tag in Vinadio zu verbringen erschien uns ebenfalls wenig attraktiv. Die Busbeauftragte hatte ihre Buspläne jedoch sehr gut studiert. Um 8.35 Uhr könnten wir einen Bus nach Cuneo nehmen, wahlweise dort bleiben oder gleich nach Baceno ins Haus unserer Freunde, für das wir vorsichtshalber den Schlüssel mitgenommen hatten, reisen. Das hieß aber wiederum einen Spurt einzulegen. Zum Glück haben wir ja nicht viel mit. Schnell alles in den Rucksack gestopft, noch etwas Wasser ins Gesicht und Zähne geputzt. Es blieb sogar Zeit für einen schnellen Café und die B&B Wirtin packte uns noch die Crostata (Mürbeteigkuchen mit Fruchtgelee, gibt es sehr häufig zum Frühstück) für unterwegs ein. 
Pünktlich waren wir an der Bushaltestelle, nur leider kam diesmal kein Bus. Sehr merkwürdig. Kathi verfiel in Aktionismus und wollte es mit Auto Stop versuchen, ich glaubte ja nicht so recht daran – kann mich nicht mal mehr daran erinnern, wann ich das letzte mal einen Tramper gesehen hatte… Aber es funktionierte – schon das dritte Auto hielt und eine Frau in unserem Alter nahm uns mit, sagte aber vorher, dass sie unterwegs stoppen und noch jemanden treffen müsse und ob das ok. sei. Natürlich 🙂 Im Auto erhielten wir auch die Erklärung für den nicht aufgetauchten Bus. Es ist erster Ferientag (an alle Lehrer: hier haben sie 3 Monate Sommerferien von Mitte Juni bis Mitte September!) und es gilt ein anderer Fahrplan bzw. der für periodo non scolastico. Unterwegs hielten wir an einer Käserei, die gleichzeitig sowas wie ein Spezialitäten Laden für die Region ist. Da unsere Fahrerin sich doch länger treffen wollte, vermittelte sie uns gleich an Freunde von sich weiter, die nach Cuneo zum einkaufen wollten und uns direkt in dort zum Bahnhof brachten.  

 Wie nett und wie problemlos alles klappte. Im Bahnhof sahen wir, dass wir es mit drei Zügen genau rechtzeitig bis Domodossola schaffen könnten, so dass wir den letzten Bus von dort nach Baceno erreichen würden. Fahrkarten gekauft, noch kurz die Wartezeit mit einem Café und Proviantkauf überbrückt und rechtzeitig zur Abfahrt des Zuges zurück. Leider stand auf der Anzeige ‚cancelato‘ und nicht nur bei unserem Zug… Schon kannten wir ein neues italienisches Wort ’scoipero‘- Streik bzw. in diesem Fall Bahnstreik. Vor 21.00 Uhr würden keine Züge fahren, zumindest keine Regionalzüge. Warum davon nichts beim Fahrkartenautomaten stand ist mir ein Rätsel, die Schalter hatten eh vorsichtshalber geschlossen. Was nun? In einer 1/4 Std. würde ein Bus nach Saluzzo fahren (ha, ha dort kennen wir ja schon ein B&B mit sehr zuckerhaltigem Frühstück von unserer ersten Nacht) und von dort gäbe es einen weiteren nach Turin. Wenn man schon mal unterwegs ist… So fuhren wir also nach Saluzzo, dann mit einem anderen Bus Richtung Turin.  

 Unterwegs setzte dieser uns in einem Ort, von dem wie nicht mal den Namen wussten, ab (das war definitiv nicht aus dem Fahrplan ersichtlich). Kurze Zeit später tauchte jedoch der nächste Bus auf, der dann tatsächlich bis Turin fuhr. Aber Dank Streik gab es ja mehrere Leute, die nach Turin wollten, so hatten wir genügend Orientierungspunkte 😉 In Turin noch ein paar Stationen Metro bis zum Bahnhof Porta Nuevo. Unsere Hoffnung von dort einen Zug zu bekommen, zerschlug sich allerdings schnell. Überall standen Leute rum, keiner wusste was und das Service Center war so voll, dass wir von einem Besuch absahen… Vor dem Bahnhof gab es eine Touri-Info, die steuerten wir stattdessen an. Und trafen gleich auf andere Deutsche, die gerade ihre Tour auf dem GTA beginnen wollten und ihren Startpunkt nicht erreichen konnten. Außerdem war einer von ihnen die ganze Reisekasse geklaut worden. Ganz professionell war ihr im Bus die Hosentasche aufgeschlitzt und das Geld (1000,-€!) geklaut worden. Diese Geschichte hat uns ein wenig verschreckt, so dass wir auf unsere Sachen aufgepassten wie die Luchse… In der Touri-Info waren sie recht hilfsbereit und sprachen sogar deutsch, aber einen Bus oder Zug nach Domodossola konnten sie leider auch nicht für uns finden. Also Übernachtung in Turin. Mit einer Liste von B&Bs in der Hand machten wir uns auf den Weg. Eines sollte direkt um Ecke sein. Wir fanden zwar die Adresse, aber bei den Klingeln stand nichts weiter. Passender Weise kam gerade eine Frau heraus, die sich sogar als Besitzerin des B&B herausstellte, aber es war leider belegt. Sie nahm uns bei der Hand und versuchte es beim B&B ihrer Freundin, leider auch voll. Sie erklärte uns noch den Weg zu zwei weiteren. Auch die klapperten wir ab, das eine belegt, das andere reagierte nicht aufs Klingeln. Das konnte ja heiter werden. Hierzu ist noch zu sagen, dass es so eine ‚richtige‘ Bahnhofsgegend war – Prostitution und Drogenhandel direkt vor der Haustür. Also doch mal bei booking.com nachgeschaut. (Warum haben wir das nicht gleich gemacht?!) Ok. Hotel Romano direkt beim Bahnhof um die Ecke und nicht so teuer – perfekt. Nach dem Einchecken suchten wir noch mal den Bahnhof auf, um diese blöden Zugtickets um zu tauschen. Es war zwar etwas leerer, dauerte aber doch eine Stunde bis wir endlich dran kamen. 

 Danach noch eine kurze Stadttour – Turin wirkt ganz nett, viele schöne alte Häuser und Plätze (erinnerte mich ein bisschen an Lissabon). Viel Zeit hatten wir allerdings nicht, der Hunger plagte und müde waren wir nach dem ganzen Gefahre auch.