2. Tag Durch Schnee und Eis

Eigentlich sollte die heutige Etappe bis zum Rifugio Campo Base gehen. Das hatte sich allerdings bei dem Versuch zu reservieren als belegt herausgestellt, so dass wir noch weiter gemusst hätten. 
Bei schönstem Sonnenschein machten wir uns morgens auf den Weg und verliefen uns schon das erste mal nach 10 min. Diesmal allerdings nur kurz… Am imposanten Rocca Senghi vorbei ging es talaufwärts, die Murmeltiere pfiffen und das Leben war schön.  

 Bald galt es die erste Herausforderung zu meistern, ein Bach musste überquert werden. Das ging noch mit von Stein zu Stein springen. Kurze Zeit später kam der Nächste, diesmal allerdings eher ein Fluss. Es half alles nichts, Schuhe aus bzw. Crocs an und durchgewatet. Saukalt (Schmelzwasser) und recht reißend. Zum Glück hatten wir unsre Stöcke zum abstützen. Danach verlief der Weg durch eine Klamm bergauf. Immer wieder stießen wir in den Furchen auf steile Schneefelder, die wir queren mussten. Auch hier wieder die Augen zu und durch. Weiter oben wurde es zwar etwas ebener, aber es mehrten sich auch die Schneefelder. Unterwegs trafen wir 2 Französinnen, die meinten, dass noch mehr Schnee kommen würde und sie bis zu einer Weggabelung ca. 300Hm unterhalb des Colle di Bellino (dem höchsten Punkt dieser Etappe auf 2804m) gelaufen und dann umgekehrt wären. Hier hätten wir vielleicht stutzig werden sollen… Wurden wir aber nicht, querten Schneefeld um Schneefeld bei immer noch schönem Sonnenschein bis zu besagter Weggabelung. Leider sah man nach diesem Schild nur noch einen Pflock als Wegmarkierung und danach nichts mehr, nur noch Schnee… Wir irrten eine ganze Weile herum, stiegen eine Rinne hoch, sahen in der Ferne und ca. 100m höher wohl den Colle di Bellino. Mittlerweile war es jedoch schon 14.30 Uhr, wir hatten noch nicht die Hälfte der Strecke geschafft, zwischendurch sackten wir auch schon mal bis zur Hüfte im Schnee weg und wir hatten keine Ahnung wie es wohl hinter dem Pass mit Schnee o.ä. aussieht. Es fiel uns nicht leicht, aber wir beschlossen umzukehren… Das war wohl auch richtig so, denn es zog sich mittlerweile zu. Außerdem konnten wir uns so noch eine kurze Esspause gönnen – die mit der Sichtung eines Steinbocks belohnt wurde! Ganz gemütlich stand er auf dem Berg uns gegenüber und graste. Zuvor hatten wir auch schon mehrere Adler gesehen. Auf dem Rückweg merkten wir erst richtig wieviele Schneefelder wir gequert hatten… Auch der Fluss war durch die viele Sonne und das neue Schmelzwasser weiter angeschwollen. Wurde von uns aber souverän (wenngleich nicht alpin)  gemeistert 😉 In eine Wolke gehüllt ging es über die Alpweiden zurück – hier sind wir fast über die Murmeltiere gestolpert, so neugierig reckten sie ihre Hälse empor. Unsere Rückkehr im Refugio Meleze sorgte für ein wenig Schmunzeln, aber die hatten anscheinend vorher auch keine Ahnung wieviel Schnee noch dort oben ist… Fazit des Tages: viel Sonne, ca.100 Murmeltiere, 4 Adler, 1 Steinbock, 2 Flußquerungen, div. steile Schneefelder, hüfttiefer Schnee und sehr stolz das alles gut gemeistert zu haben 🙂

Refugio Meleze – (fast) Colle di Bellino und zurück ca. 15 km +\- 1100 Hm unterwegs 8 1/2 Std.