2. Tag: Pass Probleme Teil II

„Papa“ kam überpünktlich mit seinem Geländewagen direkt vors Rifugio gerauscht (hier kann ich ja tatsächlich verstehen, warum man ein solches Auto fährt…) und wir hatten unsere Pässe zurück. Pass Problem Teil I gelöst. Dem Start stand nichts mehr im Wege und wir erklommen bei angenehmen Temperaturen und völlig wolkenfreiem Himmel die ersten 350 Hm. Wir hatten unerwartet viele Mitwanderer, da wird doch immer behauptet die Italiener würden nicht wandern, aber anscheinend machten viele einen Sonntagswanderausflug. Oben gelangten wir an einen hübschen See, den Lago del Malinvern und erhaschten schon mal einen Blick auf die nächsten uns bevorstehenden Höhenmeter.


Nach einer kurzen Rast ging es weiter. Viele Leute, die uns entgegen kamen, kamen uns irgendwie bekannt vor… Warum, klärte sich bald auf: vor uns lagen mehrere steile Schneefelder und viele waren umgekehrt. Wir mussten aber über den Pass. Pass Probleme Teil II 😉 Etwas unangenehm, dass die Schneefelder ziemlich vereist waren und auch noch Tiefblicke ins Tal gewährten. Nichtsdestotrotz ging Björn voran und schlug mit seinen Stiefeln Steigspuren in den verharschten Schnee. Klappte eigentlich ganz gut. Björn dachte aber wohl die ganze Zeit daran, was passieren könnte, wenn man ausrutscht… Die anderen Schneefelder versuchten wir soweit wie möglich zu umgehen, was aber auch nicht viel besser war, da wir auf steilen, rutschigen Schutt ausweichen müssten und schließlich die Wanderstöcke verstauten, um die Hände einsetzen zu können (Kathi: ich fühlte mich ein wenig an den Passo di Rostagni erinnert!).


Am Pass Coletto di Valscura auf 2520m angelangt, eröffnete sich ein sagenhaftes Panorama auf das nächste Tal. Da es sehr windig war, verschoben wir unsere Rast, stiegen diverse Serpentinen ab zum nächsten See, dem Lago Inferiore di Valscura und pausierten mit Blick aufs Wasser. Der See schien als Picknickplatz und für Sonnenbäder sehr beliebt zu sein und war gut besucht. Im Anschluss ging es für uns viele weitere Serpentinen bergab. Ich beschwerte mich gerade bei Björn, dass hier viel zu viele Menschen rumlaufen wurden, als, dass man die Chance hätte irgendwelche Tiere zu sehen. Kaum gesagt, sprang kurze Zeit später ein junges Steinbock Weibchen direkt vor uns vom Weg auf einen Felsen und bewegte sich nicht weiter fort. Ganz so, als wolle sie sich für ein paar Fotos ins rechte Licht setzen. Die haben wir natürlich gemacht 🙂


Der Weg führte Serpentine um Serpentine weiter auf einer alten Militärstraße hinab. Aus diversen Wasserfällen und Bächen plätscherte Wasser. Anfänglich noch beschwingt, zog und zog sich der Weg immer mehr. Immer mehr Leute tauchten auf, saßen auf den Wiesen und an den Bächen in der Sonne. Ein Flussstück war derart belagert, dass schon Freibadstimmung auf kam…. Schließlich gelangten wir zum Rifugio Valasco, einem ehemaligen Jagdschloss, auch hier alles voller Leute. Es folgten noch 1 Std. Fußgängerautobahn nach Terme di Valdieri. Björns recht zutreffende Bezeichnung für Terme di Valdieri: großer Parkplatz mit angehängten Häusern. Die angehängten Häuser sind 2 Hotels (das eine mit dem Thermalbad), 2 Bars und 1 Besucherzentrum für den Nationalpark Alpe Marittime. Untergekommen sind wir im Hotel ohne Thermalbad, dafür mit nostalgischem 50er Jahre Charme. Den Altersdurchschnitt haben wir auch gleich massiv gesenkt.
Abends kehrte Ruhe ein, die Parkplätze waren leer. Terme di Valieri ist wohl das Ziel der Wahl an einem sonnigen Sonntag im Juni.

Rifugio Malinvern – Terme di Valdieri +780 Hm / -1250 Hm ca. 16 km unterwegs 7 Std.