3. Tag: Nascosto – Versteckt

Nach Hagel und Gewitter gestern Abend, präsentierte sich das Wetter heute morgen mit blauem Himmel und Sonnenschein. Wir beschloßen einen kleinen Abstecher zur Bocchetta Gattascosa zu machen und das Panorama der 4000er Berge auf der schweizerischen Seite zu begutachten (war allerdings nicht so beeindruckend, war aber auch Richtung Schweiz noch recht bewölkt). Im Anschluss machten wir uns auf unseren eigentlichen Weg zum Refugio Laghetto.

Zunächst ging es über ein Hochmoor zurück nach San Bernardo. Da gab es erstmal Café und Crostata, die uns gestern schon angelacht hatte. Anschließend verlief der Weg die meiste Zeit im Wald und bot wohltuenden Schatten. Es war nämlich wieder ganz schön heiß. Auf Dauer zog sich der Weg ganz schön. Auf eine Kurve folgte die nächste und die verfallenen Häuser der Alpe Oriaccia, die wir schon von Weitem gesehen hatten und als Rastplatz auserkoren hatten, tauchten so lange nicht auf, dass wir mit einem anderen sonnigen Fleck Vorlieb nahmen (zwei Kurven weiter, war die Alpe dann natürlich erreicht…).

Der letzte Anstieg zum Refugio Laghetto war tatsächlich wie angekündigt steil – sehr steil. Schnaufend und vor Schweiß triefend ackerten wir uns den Berg hinauf. Das Refugio blieb bis kurz vor unserer Ankunft verborgen, so dass wir leise zweifelten ob wir wohl richtig sind. Endlich Angekommen waren die Anstrengungen bald vergessen. Café, Arranciata, warme Dusche und sehr sympathische Hüttenwirte, sowie eine fantastische Sicht waren der Lohn für den schweißtreibenden Anstieg.

Die Hütte wird von einem Team aus 4 älteren Männern und Frauen und 2 jüngeren Männern bewirtschaftet. Alle wuseln irgendwie beschäftigt herum und sind super freundlich und hilfsbereit. Nach dem Duschen wird einem ein Fön angeboten, die hinterm Haus versteckte Wäscheleine für die nassen Sachen gezeigt und einem anderen Wanderer, dem der Trekkingstock gebrochen ist, dieser mit Hilfe von Holz und Gewebeband repariert. Außerdem hat die Hütte eine wunderschöne Lage in einem Talkessel oberhalb von einem kleinen See. Überall blühen Alpenrosen und andere Almblümchen und die Murmeltiere hopsen durch die Wiese. Was will man mehr?!

Auch das Abendessen war fantastisch. Vorweg „Bergantipasti“ sprich Speck, Salami, Brot und gebratene Polentaschnitten mit Käse Primo: selbstgemacht Pasta mit Ragu Secundo: Bagnato (angeblich ein typisch piemontesisches Gericht – Rindfleisch mit einer Sauce aus vielen Kräutern etc. sehr lecker!) Dolce: Crostata oder Apfelkuchen oder Schokokuchen. Der jüngste Mann im Trupp war im übrigen der Chefkoch und sehr ambitioniert uns sein Essen nahe zu bringen. Dafür bemühte er sogar seine Englisch Brocken. Besondere Betonung legte er noch darauf, dass alles hausgemacht und das meiste auch aus Vollkornmehl sei. Außer uns waren noch 3 andere GTA Wanderer auf der Hütte 2 deutsche Männer, die beide gerade ein Sabbathalbjahr machen (nein, keine Lehrer) und den kompletten GTA laufen wollen. Respekt! Sie haben sich zufällig getroffen und gleich zusammen getan. Außerdem war noch eine junge Frau da. Wir haben sie erst für eine Französin gehalten, aber dann stellte sich heraus, dass sie eine Österreicherin ist, die bloss mir den Hüttenleuten französisch gesprochen hat, da sie kein italienisch kann. Die wiederum wendeten zwischenzeitlich französich auf alle an und es wurde ein wilder Sprachenmix am Abend. Im übrigen waren die Hüttenleute eh keine Freunde von Traurigkeit. Beim Abendessen floss der Genepi reichlich (auch am Nachmittag war uns schon Grappa zum Café angeboten worden) und es wurden einige Zigaretten vor der Tür geraucht. Ich frag mich bloß, was die machen, wenn die mal alle sind, der nächste Zigarettenautomat ist etwas weit…

Unterwegs: 6 Std. Rauf: 790 Hm Runter: 740 Hm