Off the track

Björn hatte sich zwischenzeitlich eine Erkältung eingefangen und wollte sich mal ein wenig schonen und den Tag in der Hütte verbringen. Mich lockte das schöne Wetter jedoch nach draußen und ich machte eine kurze Runde Richtung Niilanpää. Laut Karte sollte es sich bei einem Teil des Weges um Naturloipen (nicht mit dem Loipengerät gespurt) handeln. So war ich dann doch etwas irritiert als sich die erste Naturloipe als Schneemobilpiste entpuppte auf der mir auch gleich drei von den Dingern mit Vollgas entgegen kamen. Außerdem schien sich gerade halb Finnland auf die gleiche Loipe begeben zu haben. Es war Rushhour. Die Landschaft war trotzdem recht schön und nach 2,5 km bog ich schon auf die zweite Naturloipe ab, die ihrem Namen alle Ehre machte. Es war eine einfache Spur, schön durch die leicht hügelige Landschaft und den Wald gezogen, ich war ganz allein unterwegs und konnte die Natur in vollen Zügen genießen. Weit und breit kein Schneemobil zu sehen oder zu hören.

Das Fjell-Center bzw. seine Guides bieten ein kostenloses Wochenprogramm mit Skikurs, Skitouren verschiedener Länge, Schneeschuhwanderungen, Fatbike fahren etc. an. So wollte ich am Nachmittag die Gelegenheit nutzen und eine solche Tour mitmachen. Im Programm hieß es: „13.00-15.00 Guided relaxing skiing trip into Urho Kekkonen nationalpark 5 km“ – klang doch ganz entspannt. Aber wie immer kam es anders als gedacht. Der Guide (auf finnisch Opa – lustigerweise war er auch schon einen tacken älter) hatte morgens schon gesagt, wenn sich keine Anfänger anmelden, könnten wir auch eine Skitour querfeldein machen, die dann bis ca. 16.00 Uhr dauern würde. Dem war dann so. Ich lieh mir beim Verleihservice noch Backcountry-Ski. Die sind etwas breiter, schwerer und wesentlich robuster als normale Langlaufski und haben Stahlkanten und auch die Stöcke haben wesentlich größere Teller für tiefen Schnee. Wir waren eine sehr überschaubare Gruppe von 5 Leuten (inkl. Guide), die sich da auf den Weg machte. Zuerst ging es eine Weile paralell zur gepurten Loipe zum Kiilopää hinauf, um diesen dann querfeldein zu umrunden.

Da oben war es zwar ganz schön windig, aber das Panorama ist unglaublich. Eine riesige weiße Fläche breitete sich vor uns aus und unter uns meilenweit die bewaldeten Hügel Lapplands. Ich konnte von hier oben sogar meine Loipe von heute Vormittag sehen. In einer Vertiefung zwischen Kiilopää und Niilanpää ging es dann hinunter. Im Tiefschnee abwärts fahren war allerdings schwieriger als erwartet und meine geplanten schönen großen Bögen zum Bremsen anstatt von  „Schredderpflug“ endeten dann doch mehrmals in einer Schneelandung – aber Spaß gemacht hat es!

Unten angekommen ging es wieder mehr oder weniger paralell zur gespurten Loipe und am Ende ein Stück querfeldein zur Luulampi Fjell-Hütte. Diese Hütte ist bewirtschaftet und man kann heiße Getränke und diverse Süßwaren bekommen. Außerdem ist es muckelig warm, da es sowohl einen großen offenen Kamin in der Mitte der Hütte, als auch einen vollbeheizten, gußeisernen Kanonenofen gibt. Eine kleine Pause tat ganz gut, Kakao und Kringeli füllten die Speicher wieder auf und wir konnten uns wenig später auf den Rückweg machen. Diesmal ging es hinter der Hütte direkt den Berg hinauf. Wo es zu steil wurde, verlegte sich der Guide auf große Serpentinen und die eine oder andere Spitzkehre. Mittlerweile war jedoch auch klar, dass wir unseren Zeitplan im Leben nicht einhalten würden. Der Weg zog sich noch recht steil dahin bis wir oben auf dem Ahopäät und damit auf dem 3. Fjell ankamen. Auch hier wieder ein beeindruckendes Panorama und eine lange Abfahrt im Tiefschnee (diesmal nur mit einer Schneelandung).  Ziemlich erschöpft, aber sehr glücklich waren wir mit 1 1/2 Std. Verlängerung / Verspätung wieder zurück beim Fjell-Center. Björn hatte zum Glück schon die Sauna eingeheizt, so dass ich nur noch die Klamotten von mir werfen musste und meine müden Glieder in der Wärme entspannen konnte. Was für ein grandioser Tag 🙂

Urlaubsliteratur