12. Tag: Bravi!

12. Tag: Bravi!

Wir sind gestern anscheinend gerade rechtzeitig in der Hütte angekommen, denn den Rest des Abends und die Nacht über hat es unaufhörlich geregnet. Morgens guckte zum Glück die Sonne wieder heraus. Nach dem Frühstück ein letzter Abstieg durch den Wald. Bis auf die Knie protestierten die Knochen und Muskeln überraschenderweise weniger als erwartet.

In Forni di Sopra angekommen wurden wir gleich mehrfach von verschiedenen Grüppchen alter Frauen auf ihrem Morgenspaziergang lautstark mit Bravi! Siete in gamba! begrüsst. Heißt soviel wie: Tüchtig! Ihr seid fit!

Das ist doch mal ein Willkommen – wir fühlten uns auch gleich viel fiter 😉

In Forni deckten wir uns noch mit der hiesigen Spezialität, geräuchertem Ricotta ein. Dann ein letzter italienischer Café und wir machten uns auf den Rückweg. Deutschland kommt uns nach den Bergen sehr heiß vor…

11. Tag: Steil ist immer relativ

11. Tag:  Steil ist immer relativ

Die heutige Wanderung begann mit einem gemütlichen Waldaufstieg der jäh vor einem imposanten Schotterfeld endete. Unser Weg sollte die nächsten Stunden hier hinauf gehen. Der Pfad war weder technisch anspruchsvoll noch (dank vieler Steinmännchen) schwer zu finden. Allerdings war das Gehen anstrengend, da man gerne mal zurückrutschte. Eingerahmt waren wir rundherum von wunderschönen Bergspitzen.

Das Schotterfeld ging in eine breite Schotterrinne über, die nach drei Stunden auf einer grünen Hochebene endete. Dort konnten wir einige Gämse beobachten und dachten schon wir hätten den höchsten Punkt erreicht.

Soweit war es eine schöne Wanderung. Der höchste Punkt war es allerdings noch lange nicht. Denn nun begann der Teil, der jenseits unseres Komfortbereiches lag. Schon während der Rast konnten wir etwas entfernt eine Wandergruppe ausmachen, die ein weiteres steiles Geröllfeld herunterkam. Leider mussten wir dort rauf. Zu unserer Überraschung hörte der Weg allerdings nicht kurz danach auf, sondern zog sich recht lang parallel zum Hang bis zur Forcella Leone. Der erste Blick über den Rand der Forcella offenbarte eine weitere, auf den ersten Blick quasi unpassierbare, Schotterrinne ins Tal. Sie war tatsächlich steil, aber doch passierbar. Mit leicht wackeligen Knien erreichten wir den Abzweig zum Bivacco Marchi Granzotto und brauchten erstmal eine Pause.

Der Hüttenwirt der Pordenone Hütte hatte uns für den Abstieg zum Rifugio Giaf eine andere Scharte zum Abstieg empfohlen, als den in unserem Wanderführer beschriebenen Weg, da dieser im Winter sehr gelitten hätte und Steinschlag gefährdet sei. Also ging es zunächst wieder aufwärts. Die erste Scharte sah nach purer Kletterei aus. Die konnte er unmöglich gemeint haben. Die zweite Scharte hatte immerhin eine Wegnummer, war also zumindest ein offizieller Weg, sah aber noch steiler und gerölliger aus als der Weg, den wir kurz zuvor abgestiegen waren. Dummerweise hörte unsere Karte am Bivacco auf, so dass wir weder recht wussten ob das die vom Hüttenwirt gemeinte Scharte war, noch nach einer anderen Alternative suchen konnten. Merke: niemals, auch nicht für die letzten 1-2 Stunden, ohne die passende Karte loslaufen.

Wir entschieden uns ‚mal zu schauen‘, ob wir uns den Weg zutrauen. Langsam und sehr vorsichtig die Füße setzend ging es abwärts. Immer wieder traten wir kleinere Lawinen los und auch zwei Vögel schafften es Steinschlag auszulösen… Immer zur nächsten Markierung schlichen wir abwärts und entspannt fühlten wir uns mal gar nicht. Unangenehmerweise machte die Rinne auch noch einen Knick, den wir erst nach etwa der Hälfte des Weges einsehen konnten. So ging es weiter hinab immer mit der Befürchtung alles wieder hoch laufen zu müssen. Gerade als der weitere Weg sichtbar wurde stürzte Tina und riss sich an dem spitzen Gestein den Finger auf. Hat erstmal ordentlich geblutet und unser Erste Hilfe Pack hatte seinen ersten Einsatz.

Was tun? Hoch sah genauso unangenehm aus wie runter. Wir redeten uns kurzer Hand ein, dass es einfacher werden würde. Also weiter. Es wurde nicht wirklich einfacher. So einen steilen, rutschigen Weg, ohne Ausweg oder Abkürzung sind wir noch nie gegangen! Nach einer gefühlten Ewigkeit war das Tal erreicht. Leider ließ die Beschilderung zu wünschen übrig und in Ermangelung einer Karte (siehe oben) für dieses Stück (Handy hatte leider auch kein Netz) liefen wir dann prompt noch einen Halbkreis um das Rifugio herum statt den direkten Weg zu erwischen.

Das aufziehende Gewitter im Nacken stolperten wir durch den Wald und schafften es grad noch vor dem richtigen Regenguss zum Rifugio Giaf. Knapp 8 Stunden waren wir auf unterwegs. Krasser Tag! Die Hüttenwirtin meinte dann noch, der andere Weg wäre noch steiler. Aha, da fragen wir uns allerdings wie das noch gehen soll…

Fazit: die Dolomiten sind wirklich schön, aber die Wege meist geröllig, sehr steil und eher anspruchsvoll selbst wenn die Hüttenwirte und Wanderbeschreibungen etwas anderes sagen – zumindest für Freizeitwanderer wir uns.

10. Tag: Zum Rifugio Pordenone

10. Tag: Zum Rifugio Pordenone

Das Rifugio Flaiban Pacherini war der Einstieg zu unserer Hüttenrunde. Ganz offiziell nennt sich die Runde „Anello delle Dolomiti Friulane“ und führt uns heute zum Rifugio Pordenone. Der erste steile und selbstverständlich geröllige Anstieg führte uns nach etwa 200 Höhenmetern zum Lagerplatz der gestrigen Pfadfinder, die gerade ihre Sachen packten. Sie scheinen die Nacht gut überstanden zu haben. Völlig unbeeindruckt von der Aufbruchstimmung und den vielen Menschen tummelten sich 4-5 Steinböcke auf einer Wiese. Zwei jüngere Männchen (hatten noch nicht so große Hörner) liessen ihre Geweihe ineinander krachen.

Weiter ging es etwas sanfter über Wiesen zum Passo di Suola. Kurz vor dem Pass haben wir noch mal drei Steinböcke gesehen, die sich in der Sonne ausruhten. Der Pass belohnte mit wunderbarem Blick zurück, ins nächste Tal und auf die nächsten Bergketten. Was für ein Panorama!

Weiter ging es auf schmalen Wegen am Hang zur Forcella Rua Alta hinauf. Je höher wir kamen, desto ausgesetzter und schottriger wurden einzelne Stellen. Die angebliche Drahtseilsicherung scheint dem letzten Winter zum Opfer gefallen zu sein.

Irgendwann erreichten wir die Forcella (Scharte), die ihrem Namen alle Ehre machte. Es war wirklich nur ein kleiner Einschnitt am Grat und dann ging es auf der anderen Seite steil hinab. Zum Glück nur kurz, wäre ja sonst schade um die ganzen schwer erarbeiteten Höhenmeter gewesen. Schon ging es weiter zur nächsten Scharte, zur Forcella Pramaggiore, dem höchsten Punkt unserer heutigen Wanderung (2295m). Es fehlte nur noch der letzter Anstieg. Der war zwar auch noch mal sehr steil, aber eh wir uns versahen waren wir oben. Ein kapitaler Steinbock hatte sich direkt am höchsten Punkt unseres Weges in Position gebracht. Alle Anstrengung war vergessen denn der Steinbock wollte sich nicht vom Fleck bewegen. Zuletzt waren wir grad noch 3 Meter voneinander entfernt und er guckte uns direkt an. Krass – schüchtern war der mal gar nicht.

Laut Beschreibung sollte es nun nur noch abwärts gehen. Beschwingt machten wir uns auf den Weg. Aber 1100 Höhenmeter sind lang. Irgendwann nervte der Weg durch den Wald nur noch. Auch der Fluss hob unsere Laune nur kurz. Weiter durch das ausgetrocknete Flussbett. Wie schon gestern wollte sich das Refugio einfach nicht zeigen. Und ein Anstieg zum Schluss (auch wenn es nur 75 Höhenmeter sind) ist übrigens eine Zumutung! Erst kurz vor der Ankunft konnten wir die Hütte endlich sehen, da sie im Wald versteckt ist. Käsekuchen kann so lecker sein!

P.S. Wir haben wieder Glück und ein Zimmer für uns, obwohl die Hütte ganz gut besucht ist.

9. Tag: Zum Rifugio Flaiban Pacharini

9. Tag: Zum Rifugio Flaiban Pacharini

Nach einem reichhaltigem Frühstück fuhren wir zunächst nach Forni di Sopra. Ein sehr hübscher, quirliger Ort mit schönen alten Häusern. Nach einem letzten Café brachen wir auf.

Wieder eine steile, schottrige Piste zunächst durch Wald später über breite Schotterfelder hinauf. Erst spät war das Rifugio auszumachen. Die kleine Hütte mit 16 Schlafplätzen schmiegt sich an den Berg und wird erst sichtbar wenn man fast angekommen ist. Sie wurde 2008 neu aufgebaut und erzeugt ihren Strom per Photovoltaik selbst, eine Art „Ökohütte“.

Angeblich lassen sich in direkter Nähe der Hütte häufig Steinböcke blicken. Ich bin gespannt bisher hat es noch nicht geklappt, aber der Nachmittag ist ja noch jung 😉

Einige Stunden später: heute keine Steinböcke, aber andere Wanderer auf der Hütte haben unterwegs welche gesehen. Vielleicht morgen.

Statt der Steinböcke beobachteten wir eine Gruppe Pfadfinder, die schrecklich große Rucksäcke mit sich herumschleppten und nach einer längeren Rast am Rifugio den Berg weiter hinaufstiefelten. Kurze Zeit später fing es auch noch zu regnen an – schön ist es nicht das Pfadfinderleben….

Wir haben heute dafür besonderes Glück und ein Zimmer für uns alleine 🙂

8. Tag: Pieve di Cadore

8. Tag: Pieve di Cadore

Letzter Tag vor der Hüttenwanderung. Eigentlich hatten wir heute schon starten wollen, aber da das erste Rifugio ausgebucht war, mussten wir ein wenig schieben. Zum Glück kann Björn Italienisch 😉 – so konnten wir uns Zeit beim Zeltabbau lassen und auch noch Pieve di Cadore besuchen. Ein nettes kleines Städtchen, dessen berühmtester Bewohner Tizian gewesen sein dürfte. Seinem angeblichen Geburtshaus haben wir dann auch einen Besuch abgestattet.

Danach ging es ins Brillenmuseum, was tatsächlich sehr spannend war. Unglaublich wie sich die Sehhilfen im Laufe der Zeit weiterentwickelt haben. Außerdem gab es obskurste Brillenmodelle aus den letzten 70 Jahren zu bestaunen. Die Gegend um Pieve di Cadore hatte sich seit der Jahrhundertwende als Standort für Brillenmanufakturen etabliert. Auf der Weiterfahrt nach Forni di Sotto fielen uns auch plötzlich alle auf.

In Forni di Sotto gab es in der Dorfkneipe nach anfänglichen Verständnisschwierigkeiten Pasta mit Ragu. Dazu ‚White Christmas‘ aus den Lautsprechern!??! Ansonsten ist der Ort nicht sonderlich ansehnlich, was aber seinen Grund hat…

Forni di Sotto hat heute eine moderne Bausubstanz. Das liegt daran, dass im Mai 1944, während des Zweiten Weltkrieges, kurz vor dem Ortseingang eine Einheit der deutschen Wehrmacht von Partisanen angegriffen und ein deutscher Offizier getötet wurde. Als Vergeltung wurde am 26. Mai das Dorf von Panzern umstellt, die Häuser zerschossen, die Ställe mit Flammenwerfern vernichtet und die flüchtenden Einwohner mit MGs beschossen.

Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Forni_di_Sotto

Bis auf die Brunnen blieb nichts vom Dorf übrig. Trotzdem gibt es auch hier diverse Häuser, die als Albergo Diffuso fungieren. Ein interessantes italienisches Konzept, um alte Dörfer vor dem Zerfall zu bewahren und eine gewisse Infrastruktur aufrecht zu erhalten.

7. Tag: Lago d‘ Olbe

7. Tag: Lago d‘ Olbe

Im Wanderführer war die heutige Tour als lohnende Wanderung in den karnischen Alpen beschrieben. Zunächst war sie aber in erster Linie eine quälend lange, sehr steile Schotterpiste durch den Wald.

Erst nach etwa 500 Höhenmetern gelangten wir in das Tal des Rio della Mini era. Der Wald blieb zurück und machte Wiesen und einem wunderschönen Ausblick Platz. Etwas später standen wir dann am Lago d’Olbe.

Eine kleine Kapelle oberhalb des Sees war den Opfern und Überlebenden der Nazi Gewalt gewidmet. Der Abstieg ging flotter – vielleicht auch weil die Baita del Rododendro mit einer Jause wartete.