13. Tag: Auf nach Frankreich

Heute hieß es Abschied nehmen. Nachdem wir seit Palanfrè nahezu jeden Tag gemeinsam mit Ralf und Ursel zu Abend gegessen, gefrühstückt und viele nette Gespräche geführt haben, trennten sich nun unsere Wege. Ralf und Ursel nehmen weiter den AVLM und laufen bis Ventimiglia, wir nehmen die AV (Alta Via) nach Saorge in Frankreich und fahren einen Tag später von dort mit der Tenda Bahn nach Ventimiglia. Zuerst mussten wir ein Stück des gestrigen Weges bis zum Passo Muratone zurückgehen. 


Dort bogen wir nach Westen bzw. nach Frankreich ab und es ging im schattenspendenden Wald unzählige Kehren den Berg hinab. Der Wald war sehr schön grün, zwischendurch kamen wir an mehreren plätschernden Bächen vorbei und liefen parallel zum tief im Talgrund liegenden Fluß. Nach einer eindrucksvollen Schlucht, wo sich die Felswände um uns ordentlich in die Höhe reckten, überquerten wir den Fluß an einer alten Brücke, wo wir auch schon die ersten badenden Kinder sichteten. Die Landschaft wurde viel trockener und die Zikaden zirpten laut. Wir kamen an ein paar alten Steinhäusern, in denen, den Sanskrit Bemalungen und den Ganesha Figuren im Garten nach zu urteilen, wohl ein paar Hippies wohnen, vorbei und eine halbe Stunde später waren wir in Saorge. 


Wir stießen sogar relativ schnell auf ein Schild mit ‚Bergiron‘ leider folgten danach keine weiteren Schilder mehr und wir irrten eine Weile im Ort umher, bis wir in einem Garten ‚Einheimische‘ sichteten, die ich mit meinen letzten Brocken Schul-Französisch nach dem Weg fragte. Aha, hinter dem Kloster den Berg hoch. Beim Kloster entdeckten wir tatsächlich ein weiteres Hinweisschild mit dem Zusatz 150m – erstaunlich wie lang 150m auf einem Feldweg den Berg hoch (@Ralf: unser Git liegt direkt am Cromagnon Trail) sein können… Wir sind in einem kleinen separaten Häuschen (Björn sagt: wohnlich gemachter Schafstall) untergebracht. Toilette und Bad sind in 2 kleinen Nischen versteckt. Kurz geduscht und auf zur Ortserkundung. 


Da wir heute keine Paninis mitgenommen hatten, hatten wir auch entsprechend Hunger und landeten schnell vor / in einem Bistro, wo es sehr leckere Quiche mit Salat! gab. Das Bistro schien auch der Treffpunkt der örtlichen Hippies zu sein, die sich hier ihre Aperitifs einflößten. Ältere Hippies gibt es hier anscheinend einige. 
Gut gestärkt ging es zur Ortserkundung. Saorge zählt angeblich zu den 40 schönsten Orten Frankreichs und ist ein eindrucksvolles Beispiel spätmittelalterlicher Stadtplanung. Die Häuser ziehen sich hauptsächlich drei Straßen entlang. 


Als im Laufe der Jahrhunderte die Bevölkerung wuchs, wurden die engen Straßen kurzer Hand überbaut, darauf Erweiterungen gesetzt oder Gebäude aufgestockt. So entstand ein Gewirr von schmalen Gassen, hohen Häusern, verwinkelten (Treppen-)Durchgängen und Tunneln. Sehr schön anzusehen, aber zum Wohnen wahrscheinlich nicht nicht ganz so praktisch. Wie bitte bekommt man ein neues Sofa hierher? 


Beim Abendessen waren wir zuerst die einzigen Gäste und saßen oben vorm Haupthaus. Sieht mit seinen Schieferplatten auf dem Dach wie ein Hexenhaus auf, die kurz darauf auftauchende große, schwarze Katze machte das Bild dann perfekt. Später kamen noch 2 ältere und ebenfalls etwas hippieresque aussehende Engländer bei der Git Betreiberin zu Besuch. Die Gegend scheint als Aussteiger Ort ganz beliebt zu sein und ich hätte nicht erwartet, dass ich einen englischen Akzent im Französischen heraushören kann… Bleibt nur noch eine Frage offen für Morgen: Wo ist der Bahnhof?

Gola di Gouta – Saorge

+340 Hm / -890 Hm ca. 17,5 km unterwegs 4 Std.