12. Tag: Bravi!

12. Tag: Bravi!

Wir sind gestern anscheinend gerade rechtzeitig in der Hütte angekommen, denn den Rest des Abends und die Nacht über hat es unaufhörlich geregnet. Morgens guckte zum Glück die Sonne wieder heraus. Nach dem Frühstück ein letzter Abstieg durch den Wald. Bis auf die Knie protestierten die Knochen und Muskeln überraschenderweise weniger als erwartet.

In Forni di Sopra angekommen wurden wir gleich mehrfach von verschiedenen Grüppchen alter Frauen auf ihrem Morgenspaziergang lautstark mit Bravi! Siete in gamba! begrüsst. Heißt soviel wie: Tüchtig! Ihr seid fit!

Das ist doch mal ein Willkommen – wir fühlten uns auch gleich viel fiter 😉

In Forni deckten wir uns noch mit der hiesigen Spezialität, geräuchertem Ricotta ein. Dann ein letzter italienischer Café und wir machten uns auf den Rückweg. Deutschland kommt uns nach den Bergen sehr heiß vor…

11. Tag: Steil ist immer relativ

11. Tag:  Steil ist immer relativ

Die heutige Wanderung begann mit einem gemütlichen Waldaufstieg der jäh vor einem imposanten Schotterfeld endete. Unser Weg sollte die nächsten Stunden hier hinauf gehen. Der Pfad war weder technisch anspruchsvoll noch (dank vieler Steinmännchen) schwer zu finden. Allerdings war das Gehen anstrengend, da man gerne mal zurückrutschte. Eingerahmt waren wir rundherum von wunderschönen Bergspitzen.

Das Schotterfeld ging in eine breite Schotterrinne über, die nach drei Stunden auf einer grünen Hochebene endete. Dort konnten wir einige Gämse beobachten und dachten schon wir hätten den höchsten Punkt erreicht.

Soweit war es eine schöne Wanderung. Der höchste Punkt war es allerdings noch lange nicht. Denn nun begann der Teil, der jenseits unseres Komfortbereiches lag. Schon während der Rast konnten wir etwas entfernt eine Wandergruppe ausmachen, die ein weiteres steiles Geröllfeld herunterkam. Leider mussten wir dort rauf. Zu unserer Überraschung hörte der Weg allerdings nicht kurz danach auf, sondern zog sich recht lang parallel zum Hang bis zur Forcella Leone. Der erste Blick über den Rand der Forcella offenbarte eine weitere, auf den ersten Blick quasi unpassierbare, Schotterrinne ins Tal. Sie war tatsächlich steil, aber doch passierbar. Mit leicht wackeligen Knien erreichten wir den Abzweig zum Bivacco Marchi Granzotto und brauchten erstmal eine Pause.

Der Hüttenwirt der Pordenone Hütte hatte uns für den Abstieg zum Rifugio Giaf eine andere Scharte zum Abstieg empfohlen, als den in unserem Wanderführer beschriebenen Weg, da dieser im Winter sehr gelitten hätte und Steinschlag gefährdet sei. Also ging es zunächst wieder aufwärts. Die erste Scharte sah nach purer Kletterei aus. Die konnte er unmöglich gemeint haben. Die zweite Scharte hatte immerhin eine Wegnummer, war also zumindest ein offizieller Weg, sah aber noch steiler und gerölliger aus als der Weg, den wir kurz zuvor abgestiegen waren. Dummerweise hörte unsere Karte am Bivacco auf, so dass wir weder recht wussten ob das die vom Hüttenwirt gemeinte Scharte war, noch nach einer anderen Alternative suchen konnten. Merke: niemals, auch nicht für die letzten 1-2 Stunden, ohne die passende Karte loslaufen.

Wir entschieden uns ‚mal zu schauen‘, ob wir uns den Weg zutrauen. Langsam und sehr vorsichtig die Füße setzend ging es abwärts. Immer wieder traten wir kleinere Lawinen los und auch zwei Vögel schafften es Steinschlag auszulösen… Immer zur nächsten Markierung schlichen wir abwärts und entspannt fühlten wir uns mal gar nicht. Unangenehmerweise machte die Rinne auch noch einen Knick, den wir erst nach etwa der Hälfte des Weges einsehen konnten. So ging es weiter hinab immer mit der Befürchtung alles wieder hoch laufen zu müssen. Gerade als der weitere Weg sichtbar wurde stürzte Tina und riss sich an dem spitzen Gestein den Finger auf. Hat erstmal ordentlich geblutet und unser Erste Hilfe Pack hatte seinen ersten Einsatz.

Was tun? Hoch sah genauso unangenehm aus wie runter. Wir redeten uns kurzer Hand ein, dass es einfacher werden würde. Also weiter. Es wurde nicht wirklich einfacher. So einen steilen, rutschigen Weg, ohne Ausweg oder Abkürzung sind wir noch nie gegangen! Nach einer gefühlten Ewigkeit war das Tal erreicht. Leider ließ die Beschilderung zu wünschen übrig und in Ermangelung einer Karte (siehe oben) für dieses Stück (Handy hatte leider auch kein Netz) liefen wir dann prompt noch einen Halbkreis um das Rifugio herum statt den direkten Weg zu erwischen.

Das aufziehende Gewitter im Nacken stolperten wir durch den Wald und schafften es grad noch vor dem richtigen Regenguss zum Rifugio Giaf. Knapp 8 Stunden waren wir auf unterwegs. Krasser Tag! Die Hüttenwirtin meinte dann noch, der andere Weg wäre noch steiler. Aha, da fragen wir uns allerdings wie das noch gehen soll…

Fazit: die Dolomiten sind wirklich schön, aber die Wege meist geröllig, sehr steil und eher anspruchsvoll selbst wenn die Hüttenwirte und Wanderbeschreibungen etwas anderes sagen – zumindest für Freizeitwanderer wir uns.

10. Tag: Zum Rifugio Pordenone

10. Tag: Zum Rifugio Pordenone

Das Rifugio Flaiban Pacherini war der Einstieg zu unserer Hüttenrunde. Ganz offiziell nennt sich die Runde „Anello delle Dolomiti Friulane“ und führt uns heute zum Rifugio Pordenone. Der erste steile und selbstverständlich geröllige Anstieg führte uns nach etwa 200 Höhenmetern zum Lagerplatz der gestrigen Pfadfinder, die gerade ihre Sachen packten. Sie scheinen die Nacht gut überstanden zu haben. Völlig unbeeindruckt von der Aufbruchstimmung und den vielen Menschen tummelten sich 4-5 Steinböcke auf einer Wiese. Zwei jüngere Männchen (hatten noch nicht so große Hörner) liessen ihre Geweihe ineinander krachen.

Weiter ging es etwas sanfter über Wiesen zum Passo di Suola. Kurz vor dem Pass haben wir noch mal drei Steinböcke gesehen, die sich in der Sonne ausruhten. Der Pass belohnte mit wunderbarem Blick zurück, ins nächste Tal und auf die nächsten Bergketten. Was für ein Panorama!

Weiter ging es auf schmalen Wegen am Hang zur Forcella Rua Alta hinauf. Je höher wir kamen, desto ausgesetzter und schottriger wurden einzelne Stellen. Die angebliche Drahtseilsicherung scheint dem letzten Winter zum Opfer gefallen zu sein.

Irgendwann erreichten wir die Forcella (Scharte), die ihrem Namen alle Ehre machte. Es war wirklich nur ein kleiner Einschnitt am Grat und dann ging es auf der anderen Seite steil hinab. Zum Glück nur kurz, wäre ja sonst schade um die ganzen schwer erarbeiteten Höhenmeter gewesen. Schon ging es weiter zur nächsten Scharte, zur Forcella Pramaggiore, dem höchsten Punkt unserer heutigen Wanderung (2295m). Es fehlte nur noch der letzter Anstieg. Der war zwar auch noch mal sehr steil, aber eh wir uns versahen waren wir oben. Ein kapitaler Steinbock hatte sich direkt am höchsten Punkt unseres Weges in Position gebracht. Alle Anstrengung war vergessen denn der Steinbock wollte sich nicht vom Fleck bewegen. Zuletzt waren wir grad noch 3 Meter voneinander entfernt und er guckte uns direkt an. Krass – schüchtern war der mal gar nicht.

Laut Beschreibung sollte es nun nur noch abwärts gehen. Beschwingt machten wir uns auf den Weg. Aber 1100 Höhenmeter sind lang. Irgendwann nervte der Weg durch den Wald nur noch. Auch der Fluss hob unsere Laune nur kurz. Weiter durch das ausgetrocknete Flussbett. Wie schon gestern wollte sich das Refugio einfach nicht zeigen. Und ein Anstieg zum Schluss (auch wenn es nur 75 Höhenmeter sind) ist übrigens eine Zumutung! Erst kurz vor der Ankunft konnten wir die Hütte endlich sehen, da sie im Wald versteckt ist. Käsekuchen kann so lecker sein!

P.S. Wir haben wieder Glück und ein Zimmer für uns, obwohl die Hütte ganz gut besucht ist.

9. Tag: Zum Rifugio Flaiban Pacharini

9. Tag: Zum Rifugio Flaiban Pacharini

Nach einem reichhaltigem Frühstück fuhren wir zunächst nach Forni di Sopra. Ein sehr hübscher, quirliger Ort mit schönen alten Häusern. Nach einem letzten Café brachen wir auf.

Wieder eine steile, schottrige Piste zunächst durch Wald später über breite Schotterfelder hinauf. Erst spät war das Rifugio auszumachen. Die kleine Hütte mit 16 Schlafplätzen schmiegt sich an den Berg und wird erst sichtbar wenn man fast angekommen ist. Sie wurde 2008 neu aufgebaut und erzeugt ihren Strom per Photovoltaik selbst, eine Art „Ökohütte“.

Angeblich lassen sich in direkter Nähe der Hütte häufig Steinböcke blicken. Ich bin gespannt bisher hat es noch nicht geklappt, aber der Nachmittag ist ja noch jung 😉

Einige Stunden später: heute keine Steinböcke, aber andere Wanderer auf der Hütte haben unterwegs welche gesehen. Vielleicht morgen.

Statt der Steinböcke beobachteten wir eine Gruppe Pfadfinder, die schrecklich große Rucksäcke mit sich herumschleppten und nach einer längeren Rast am Rifugio den Berg weiter hinaufstiefelten. Kurze Zeit später fing es auch noch zu regnen an – schön ist es nicht das Pfadfinderleben….

Wir haben heute dafür besonderes Glück und ein Zimmer für uns alleine 🙂

3. Tag: Alpinismo Tradizionale

3. Tag: Alpinismo Tradizionale

Wir waren durch Zufall darauf gestossen, dass 2015 das mittlerweile sechste Messner Mountain Museum Corones eröffnet worden war. Bei unseren bisherigen Dolomitenurlauben haben wir schon drei besucht (Firmian, Ripa und Dolomites) und fanden sie allesamt sehr beeindruckend. Auch der Themenschwerpunkt traditionelles Klettern und Bergsteigen gefiel uns. Da es nicht weit weg war und der Muskelkater sich schon beim Frühstück bemerkbar machte, fuhren wir kurzentschlossen hin.

Das Museum liegt auf dem Kronplatz einem beliebten Skigebiet und Ausflugsziel zu dem dutzende Seilbahnen fahren. Egal, wir waren ja wegen des Museums da. Die Architektur des Museums – von Zaha Hadid (dürfte eines ihrer letzten Werke gewesen sein) – ist faszinierend. Leider ist das aber auch der spannendste Aspekt des Museums.

Der Rest wirkte etwas zusammengewürfelt. Es war nicht wirklich nachvollziehbar wie sich das traditionelle Klettern und Bergsteigen entwickelt hat und wo es heute steht. Nervig war auch der starke Fokus auf Messner selbst. Schade. Wenn man eh gerade in der Nähe ist kann man sich das Ganze ansehen, aber dafür einen Umweg zufahren lohnt nicht.

Eigentlich wollten wir danach noch ins Lumen, ein Museum über Bergfotografie, aber 17 Euro pro Person war uns dann doch zu happig. Stattdessen begnügten wir uns damit in dem wunderschönen Museums Café einen Espresso Macchiato zu trinken und den Tandem-Paraglidern zuzusehen.

Danach ging es nach Sexten. Unsere heutige Herberge Gasthof Panorama macht ihrem Namen alle Ehre!

2. Tag: Garlitzenklamm

2. Tag: Garlitzenklamm

Das radioaktive Wasser schien gewirkt zu haben und ich fühlte mich morgens fit genug einen Klettersteig auszuprobieren. Nach einem leckeren Frühstück mit ‚Verhackertem‘ (ein Brotaufstrich aus geräuchertem, kleingehacktem Speck, Knoblauch und Pfeffer) und leckerem Käse ging es daher in die Garlitzenklamm. In und um die Klamm sind mittlerweile 5 Klettersteige angelegt. Wir hatten uns zwei mit der Bewertung B/C vorgenommen, den Familien- und den Garlitzenklettersteig.

Zuerst also der vermeintlich leichtere Familienklettersteig. Ups, der hat mich voll auf kaltem Fuß erwischt. Ich fand ihn sehr exponiert, hing wie ein Klammeräffchen am Stahlseil und musste mir auf der Hälfte erstmal eine Pause samt Traubenzuckerzufuhr genehmigen. Nun ja, Björn sagt immer geschafft ist geschafft…

Danach noch den Galitzenklettersteig. Ich allerdings nur bis zur Hälfte, im zweiten Teil sind mehrere C Stellen (laut unserem Klettersteigführer auch eine C/D Stelle), da wollte ich es nicht drauf ankommen lassen. Björn hat gleich noch ein Stück vom Dopaminsteig gemacht (D), um das mal auszuprobiert zu haben. Nach einer Pause wiederholten wir „Familie“. Diesmal ging es ohne Pause, wesentlich schneller und besser, nichtsdestotrotz hatte ich zwischenzeitlich wieder Wackelknie. Vielleicht sollte ich mich auf reine Schluchtenklettersteige spezialisieren 😉

Björn rockerte nochmal im Eiltempo durch den Garlitzensteig und das Dopaminstück und hatte sich dann auch endlich ausgetobt.

Erschöpft und einige blaue Flecken reicher (kommt davon, wenn man sich so festklemmt…) kehrten wir ins Hotel zurück.

Am Nachmittag fuhren wir nach Lienz, um die vergessenen Utensilien für unsere Hüttentour zu kaufen: Stirnlampe und Hüttenschlafsack. So unorganisiert wie diesmal sind wir selten in den Urlaub aufgebrochen…

1.Tag Jungbrunnen

Nach einer Zwischenübernachtung in Bad Aibling sind wir heute ob der Wettervorhersage und meiner Erkältung nicht direkt nach Italien sondern erstmal nach Osttirol gefahren. Statt unser Zelt bei Gewitter aufzubauen also zwei Nächte im Hotel. Selbiges nennt sich Bad Jungbrunn und war ursprünglich eines der ältesten Heilbäder Österreichs (erste Erwähnung 1580). Es verfügt nach wie vor noch über eine eigene Heilquelle dessen Wasser Eisen, Schwefel und Mangan enthält und geringfügig radioaktiv ist. Da kann es mit uns ja nur aufwärts gehen 😉

Die ursprüngliche Tagesplanung wurde während des Kaffees vorm Gasthof von einem kräftigen Gewitter mit Hagelschauern umgeworfen (und die Entscheidung für Hotel statt Zelt deutlich bestätigt…). Heute also keinen Klettersteig.

Stattdessen ein Spaziergang zum Tristacher See mit Pommes im Strandcafé. Urlaub mal anders 😉

Anschließend ein kurzer Abstecher nach Lienz ins hübsche kleine Schloss Bruck zu einer durchaus sehenswerten Ausstellung von Albin Egger-Lienz.

13.Tag: Letzte Male 

13.Tag: Letzte Male 

Nun hieß es Abschied nehmen von Pico. Die Sonne strahlte besonders schön und kein einziges Wölkchen war um den Pico herum zu sehen. Leider hatte Björn am Morgen beim Wenden vor unserem Häuschen noch eine Steinmauer touchiert und das Auto hatte nun einen Kratzer. Der Mann von der Autovermietung war aber super nett und meinte nur: „Don‘t worry. That happens all the time.“ Außerdem wären wir ja voll versichert. Nun gut. Darum kümmern wir uns dann bei der Rückkehr.>

Aus dem Flugzeug konnten wir ein letztes Mal die kunstvollen Steinmauern von oben bewundern und fast hätten wir auch noch  einen Blick auf unser Häuschen erhaschen können, aber genau da war ein kleines Wölkchen. In Ponta Delgada schien auch die Sonne und ganz entspannt ging es mit einem Taxi in die Stadt. Praktischerweise gibt es hier Festpreise für die Fahrten von und zum Flughafen. Sehr angenehm, in Lissabon musste ich mich nämlich mal sehr mit einem Taxifahrer streiten, der kein Taxameter hatte und mehr als das doppelte vom üblichen Preis wollte.

Überhaupt sind die Leute hier alle super nett und hilfsbereit und man fühlt sich wirklich willkommen. Fast alle sprechen extrem gut englisch, da es sehr enge Bindungen in die USA und Kanada gibt. Ein Großteil der Bevölkerung verfügt über Verwandte, die dorthin ausgewandert sind oder hat dort eine zeitlang gearbeitet. Verständigung ist also kein Problem. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Herumschlendern, Galao trinken und Kuchen essen und entdeckten dabei tatsächlich noch Dinge, die wirklich noch nicht gesehen hatten. So versteckt sich in der Krümmung vom Schiffsanleger ein Meerwasserschwimmbad, welches ganz gut besucht war. Die Beine habe ich zwar auch ins Wasser gesteckt, aber zum richtigen Baden war es mir doch zu kalt. Eher so Ostseetemperatur im Frühsommer…

Bis zum Abendessen lungerten wir am Pier herum, bewunderten die großen Segelkatamarane und ließen uns die Sonne auf dem Pelz brennen. Nach und nach kehrten die hiesigen Whale Watching Boote zurück. Etwas neidisch las ich, dass sie gestern wohl einen Pottwal und heute einen Buckelwal gesichtet hatten. Die würde ich auch gerne mal sehen. Aber wir haben ja jetzt gelernt, dass große Boote gar nicht gut sind, da sie durch ihre lauten Geräusche die Wale stressen. Und hier fahren alle mit großen Booten hinaus… Außerdem wird noch Schwimmen mit Delfinen angeboten, was man aber auch nicht tun soll. Espaço Talassa, die mit denen wir draußen waren, bietet das aus Tierschutzgründen nicht mehr an.

Für das Abendessen konnten wir 2 Plätze im Tasca ergattern. Ein sehr gutes und immer volles Restaurant im ehemaligen Gefängnis. Teile des Gebäudes stammen von 15??. Ein letztes Mal Fisch bz. Muscheln satt. Morgen heißt es dann schon aufstehen, um den Flug nach Frankfurt zu nehmen…

12.Tag: Wein, Wale und Meer

12.Tag: Wein, Wale und Meer

Gut, dass wir am Vortag auf dem Pico waren: Nieselregen und dichte Wolken über dem Hochland waren das erste was wir beim Blick nach draußen sahen.

Also ein Besuch im Museu da Industria Baleeira in der alten Walfabrik in São Roque. Zu sehen war hauptsächlich was mit den Walen an Land passierte und die dazugehörigen Werkzeuge und Maschinen: Zerlegen, Ölgewinnung, Fleisch Konservierung und Knochenmühlen. Blutiges Geschäft. 

Nach dem Museum fuhren wir noch mal in eines der Weinanbaugebiete, nach Santa Luzia. Die unzähligen Steinwälle (eckig für Weinreben, rund für Feigen) haben durchaus ihren Charme, auch wenn viele auf den ersten Blick aufgegeben aussehen (könnte aber auch am Frühjahr liegen).

Für den Nachmittag stand noch einmal Whale Watching auf dem Programm. Trotz der miesen Bedingungen – auf der Südseite herrschte Nebel und bei der morgendlichen Ausfahrt gab es wohl „nur“ normale Gemeine Delfine – entschieden wir uns für die Tour. Eine gute Entscheidung. Heute war der Seegang nicht ganz so stark und es herrschte weniger Wind als beim letzten Mal, das Boot schlug demnach auch nicht ganz so hart auf. Das nützte einem unserer Mitfahrer jedoch herzlich wenig. Ihm ging es so schlecht (trotz Tablette), dass er wohl die nächsten 10 Jahre kein Boot mehr betreten wird. Weiter draußen lichtete sich der Nebel, es kam sogar die Sonne heraus und war plötzlich total warm. Zuerst stießen wir auf mehrere Rundkopfdelfine – mittlerweile ja meine Lieblinge, die uns diesmal länger erhalten blieben. Die können bis 800 m tief tauchen. Einer machte sogar Kopfstand bzw. streckte seine Schwanzflosse ordentlich in die Luft für uns.

Es folgte eine Gruppe Gemeine Delphine, die zum Spielen aufgelegt war und sich eine ganze Weile direkt um und unter unserem Boot tummelte. Sehr faszinierend. Zu guter Letzt stießen wir noch auf ein paar Grindwale, wobei die eigentlich auch Delfine sind, wenn auch ziemlich Große. Die wiederum waren so freundlich sich dreimal zu zeigen. Auf dem Rückweg kamen wir noch an sehr vielen Portugiesischen Galeeren (ganz garstige Quallen  mit bis zu 30 m Tentakeln) und einer unechten Caretta Meeresschildkröte vorbei. Letztere ißt hauptsächlich Erstere, aber da die wie flatteriges Plastik aussehen, fressen die Schildkröten häufig genug Plastiktüten o.ä., was im Meer dümpelt…

Für das Abendessen kehrten wir in unser Heimatörtchen zurück. Es gab wieder den leckeren Orangensalat und ebenso leckere Muscheln.
Auf dem Weg zu unserem Häuschen gaben die Gelbschnabel Sturmtaucher ihr ganzes Können zum Besten. Sie klingen einfach in keinster Weise wie Vögel – vielleicht werden die Geräusche mein neuer Handyklingelton… Unterwegs noch ein paar Mispeln, an die könnte ich mich echt gewöhnen, fürs Frühstück gepflückt und dann war es schon Zeit ins Bett zu gehen.

11.Tag: Auf den Pico auf Pico

11.Tag: Auf den Pico auf Pico

Endlich – die Wetter Vorhersage lässt eine Pico Besteigung zu. Wir brachen früh auf um rechtzeitig um 8 Uhr an der casa da montanha zu sein und eines der knapp 300 GPS Geräte zu ergattern ohne die man nicht auf den Vulkan darf. Anscheinend ist dort in den letzten Jahren häufiger was passiert.

Eine kurze Einweisung und schon ging es hinauf. Wir starteten oberhalb der Wolkendecke so dass wir nur den Berg und eine endlose weisse Fläche sahen. Zum Glück ist Basalt auch nass extrem griffig. So liess sich der sehr steile Anstieg gut meistern. Der Weg ist mit 47 Pfosten markiert (genau so, dass sich jeweils der nächste Pfosten sehen lässt). Kann Vor- oder auch Nachteile haben, wenn sich daran ablesen lässt wie gut man voran kommt bzw. wieviel noch vor einem liegt…

Der felsige Untergrund wurde erst geröllig dann nahm die Steigung ab und plötzlich standen wir am Kraterrand.

Von dort ging es zum Kraterboden. Jetzt blieb nur noch der kleine Piquinho. Ein etwa 150 m hoher Kegel im Kraterbecken. Unter zu Hilfenahme der Hände ging es eine steile Rinne hinauf. Zwischenzeitlich strömte heiße Luft aus Felsspalten und das Gestein fühlte sich warm an. Der Pico ist nach wie vor ein aktiver Vulkan. Auch auf der Spitze finden sich solch warme Gebläse… Sehr angenehm wenn man lange im kalten Wind des Gipfels stand.

Geschafft – 1140 m Aufstieg und wir standen auf 2351 m auf dem höchsten Berg Portugals. Runter war allerdings eine Qual 😉 Nach auf die Minute genau 7 Stunden gaben wir die GPS-Geräte wieder ab und erhielten gar ein Besteigungs-Zertifikat. Auf dem Rückweg nach Praihna steckten wir mal wieder in einer Kuhherde fest.

9. Tag: Regenbogen

9. Tag: Regenbogen

Der Tag blieb stürmisch, aber endlich ließ sich die Sonne zwischendurch blicken und bescherte uns schöne Regenbogen.

Um die Zeit bis zur Besichtigung von Portugals größter Lavahöhle, der Gruta das Torres, zu überbrücken fuhren wir noch mal an die Küste nach Porto Cachorro. Wir waren so fasziniert von einer Felsformation in der sich die Wellen spektakulär brachen, dass wir fast eine Stunde dort blieben.

Das aufgepeitschte Meer wurde mit Wucht in die Fels-spalten gedrückt und Wasserfontainen suchten sich dann ihren Weg nach oben. Sehr cool!

Glücklich und naß machten wir uns zur Höhle auf. Ausgerüstet mit Helm und Taschenlampe, da es in der Höhle kein festinstalliertes Licht gibt, stiegen wir ab.

Auch wenn man nur 500 Meter der 5 km langen Lavatunnel besichtigen kann, lohnte sich der Besuch. Ein gut informierten Guide (diesmal allerdings nicht ganz so charmant wie der in Ponta Delgada) wies wieder auf die Besonderheiten hin und erklärte wie die unterschiedlichen Felsformationen entstanden sind.

Ob des guten Wetters entschieden wir uns über die Hochebene zurück zu fahren, was sich schnell als Fehler heraus stellte. Dort oben hingen die Wolken fest und es regnete mal wieder in Strömen. Fast hätten wir die Herde Kühe auf der Straße übersehen.

Apropos Kühe: die sind auf Pico ebenfalls sehr häufig anzutreffen, sehen aber ganz anders als auf Sao Miguel aus. Hier gibt es eher Weiße, Beige und Braune.

Nachmittags erkundeten wie dann noch ein wenig São João, wo unser Guesthouse ist. Das Dorf ist ‚bekannt‘ für seinen Käse, der noch heute dort hergestellt wird. Vielerorts hat allerdings die Fleischproduktion den Käse verdrängt – das erklärt vielleicht auch die anderen Kuhfarben. Außerdem gibt es sehr schöne Badebuchten, im Sommer lässt es sich dort bestimmt gut planschen.

8. Tag: Sturm

8. Tag: Sturm

Tja was soll man zu diesem Tag sagen… Es ist dunkel, es stürmt und in ‚guten‘ Perioden wird der Dauerregen von Nieselregen abgelöst – in schlechteren, und die überwiegen, von Starkregen und der ist echt eindrucksvoll. Und da denkt man als Bremer/in wäre man Regen gewöhnt…

In der Hoffnung irgendwo etwas trockeneres Wetter zu finden sind wir einmal komplett um die Insel gefahren. Auf dem Weg haben wir bei einem Töpfer gehalten und ein paar Mitbringsel gekauft, in einem Restaurant zu Mittag gegessen und auf einem Weinkooperative eine Weinprobe gemacht. Das Aussteigen kostete jedoch immer Überwindung.

Denn geregnet hat es die ganze Zeit ohne Unterbrechung. Den Nachmittag verbrachten wir im Guesthouse. Helen hatte uns freundlicherweise einen Radiator ins Zimmer gestellt und der fand nun Verwendung. Zwischendurch dachten wir allerdings so manches Mal das Dach würde wegfliegen.

Zum Abendessen sind wir wieder ins Fonte Hotel gefahren und oh wunder, nach dem Abendessen war es trocken und wir konnten an den Klippen noch beeindruckendere Wellen als beim letzten Mal bewundern.

Auf dem Rückweg gab es eine spektakuläre Wolkenszenerie – der Regen scheint demnach aber noch nicht ausgestanden zu sein…

7. Tag: Wein und Meer

7. Tag: Wein und Meer

Beim Frühstück trafen wir auf die anderen Guesthouse Bewohner. 2 Franzosen und 2 Deutsche. Die Erzählungen waren etwas ernüchternd. Die Franzosen waren auf 2 Walausfahrten und haben keine Wale gesehen (aber Delfine) und die beiden deutschen Jungs haben es zwar gestern auf den Pico geschafft, aber das war wohl mehr als grenzwertig. Nach dem ersten Drittel überall Schnee, weiter oben blankes Eis, am Gipfel die Aussicht gleich Null, da alles in Wolken gehüllt war und als Dank ein mörderischer Muskelkater… Mal sehen ob wir das Projekt Pico noch starten. Dafür müssen die Bedingungen definitiv besser werden.

Wir begannen dann den Tag mit einer Fahrt in das Anbaugebiet des Verdelho Weines. Kleine Parzellen die mit Lavasteinen gesäumt sind soweit das Auge reicht, welche mittlerweile sogar zum Weltkulturerbe zählen. Die Mäuerchen schützen vor Wind und die schwarzen Steine speichern die Sonnenwärme.

Direkt am Meer konnte man den vulkanischen Ursprung der Insel sehr deutlich sehen.

Nachmittags wollten wir eigentlich unsere Whalewatching Tour machen. Als wir die Leute von der morgendlichen Tour zurückkommen sahen, war ich mir nicht mehr so sicher, ob das eine gute Idee ist. Die sahen alle patschnass, ziemlich blass und generell recht gebeutelt aus, denn es herrschte ordentlicher Seegang. Da der Wind das Meer noch weiter aufpeitschte, wurde unsere nachmittägliche Ausfahrt nach dem Briefing abgesagt. Die Wale seien für den Wellengang zu weit draußen, da hätte niemand Spaß bei. So wie die Leute der morgendlichen Tour aussahen, würde ich dem zustimmen, aber Wale haben sie zumindest gesehen…

Stattdessen sind wir mit einer sympathischen Berlinerin, die sonst mit uns rausgefahren wäre, zum Walausguck gelaufen. Früher wurde von diesen Türmen Ausschau nach Walen gehalten und bei einer Sichtung Alarm geschlagen, damit die Canoas, die Walfangboote auslaufen konnten. Das waren offene Ruderboote mit sieben Mann Besatzung. Harpuniert wurde per Hand. Kaum zu glauben, dass die letzten Wale erst 1987 vor Pico erlegt wurden. Mittlerweile wird der Walausguck wieder benutzt, um die Wale für das Whalewatching ausfindig zu machen und die Boote entsprechend zu dirigieren. Die Sicht aus dem Turm war in der Tat sehr gut. Wale haben wir aber keine gesichtet, dafür umso mehr Informationen bekommen. So werden anscheinend immer wieder Wale von Frachtern überfahren, da sie, wenn die Schiffe schneller als 10 Knoten fahren, nicht mehr rechtzeitig abtauchen können 🙁

Zum Abendessen ging es in die Inselhauptstadt Madalena – von Stadt kann allerdings nicht die Rede sein, ist eher ein Dorf, aber der Blick hinüber zur Nachbarinsel Faial recht schön.

6. Tag: Verspätungen

6. Tag: Verspätungen

Früh sollte es nach Pico gehen. Statt Ananas satt nur das vom Hotel eingepackte Sandwich zum Frühstück, aber so hätten wir fast noch den ganzen Tag Sonne auf Pico. Die Vorhersage für die nächsten Tage ist ansonsten leider wieder schlecht. Nun ja, der Konjunktiv deutet es an – der Tag verlief anders. Das Positive vorweg, am Flughafen angekommen wurden wir unser Auto trotz der vorherigen Befürchtungen ohne Beanstandung los. Vielleicht sind doch nicht alle Mietwagenvermieter ‚Verbrecher‘? Der Check-In und Security-Check verliefen ganz geschmeidig. Wir saßen sogar schon im Bus zum Flugzeug, nur fuhr der leider nicht los.

Nach einer unverständlichen portugiesischen Durchsage stiegen die meisten Leute wieder aus, anscheinend Wartungsarbeiten am Flugzeug. Alle mussten zurück ins Flughafengebäude. Nach 30 Minuten eine erneute Durchsage: der Abflug verzögert sich um 12 Stunden!!! Es gibt keine anderen Flüge nach Pico. Na toll! Draußen regnete es Bindfäden und Ponta Delgada kennen wir mittlerweile ganz gut. Von daher blieben wir im Flughafen, machten erstmal von unserem Voucher Gebrauch und besorgten uns ein Frühstück. Die Aussicht hier 12 Stunden zu verbringen fand ich allerdings gar nicht prickelnd 🙁

Als die Schlange am SATA-Schalter etwas kürzer war, nutzte ich die Gelegenheit. Ich hatte auf der Abflugsanzeige gesehen, dass es um 13.35 Uhr doch noch einen Flug nach Pico geben sollte und wollte wenigstens nachgefragt haben… Eine sehr gestresste SATA-Mitarbeiterin – Sie musste vorher eine sehr aufgebrachte Gruppe von 40 Amerikanern in ein Hotel in Ponta Delgada verfrachten, deren Flug gecanceled worden war und die erst am Montag!!! weiterfliegen können – vollbrachte für uns ein kleines Wunder und konnte uns auf den 13.35 Uhr Flug umbuchen. Juchu! Der hatte zwar auch wieder eine 3/4 Stunde Verspätung, aber das scheint hier normal zu sein. Zumal wir beim Boarding mitbekamen, dass es sich bei dem Flug um einen Erstsatzflug für den gestrigen ausgefallenen Flug handelte und die meisten Leute schon gestern hätten fliegen sollen… Mit einer für SATA Verhältnisse minimalen Verspätung von 6 Stunden und viel früher als befürchtet, landeten wir bei Sonnenschein auf Pico. Auch da hieß es allerdings warten. Der Autoverleih war noch geschlossen und die Mitarbeiterin brauchte ein Weilchen bis sie kam und noch ein längeres Weilchen bis sie sich durch die ganzen Formulare gekämpft hatte. Dafür haben wir jetzt einen neuen Citroen C3, der wesentlich spritziger ist, als der vorherige bei Steigungen sehr schwächelnde Ford Fiesta.

Froh endlich da zu sein, machten wir uns auf den Weg. Unser erster Eindruck: Pico ist schön, schöner als Sao Miguel. Wir konnten auch einen Blick auf die Spitze des Pico erhaschen – der war allerdings bis zur Hälfte schneebedeckt! Mal sehen, ob wir da noch rauf kommen…

Unser Guesthouse Miradouro da Papalva (Rotkehlchen-Ausblick) hat eine wunderschöne Lage mit Panoramablick auf die Küste und sehr nette Betreiberinnen, die ins gleich mit diversen Tips versorgten.

Einen dieser Tips befolgten wir sogleich und fuhren zum Abendessen zum Restaurant des Aldeia da Fonte Hotels. Das Essen war köstlich, aber noch viel schöner ist die Hotelanlage. Perfekt in die Natur eingepasst, verteilen sich verschiedene kleine Häuser aus schwarzem Lavastein über mehrere Ebenen in einem Garten / Wald die Steilküste entlang. Wenn ich mal besonders viel Ruhe brauche, quartiere ich mich hier ein. Der zugehörige Cliff Trail hat einen direkten Zugang auf die Felsen am Meer, wo sich wunderbar die Brandung und der Sonnenuntergang bestaunen ließen.

5. Tag: Zum Höllenfenster

5. Tag: Zum Höllenfenster

Vorerst letzter Tag auf Sao Miguel. Bevor es morgen weiter nach Pico geht, stand heute noch eine Wanderung zum Janela do Inferno, dem Höllenfenster an.

Schon auf dem Weg zum Ausgangspunkt war es extrem nebelig. Dichte Bewölkung heißt hier wohl, dass die Wolken auf der Straße kleben… Zeitweilig konnten wir gerade mal 10 vielleicht 20 m weit sehen. Zunächst ging es an Weiden mit den allgegenwärtigen Kühen vorbei.

Der Nebel ließ alles wie weichgezeichnet erscheinen. Auch die Geräusche waren gedämpft, so dass meist nur das Vogelgezwitscher und vereinzelte Regentropfen zu hören waren. Irgendwann verließen wir die landwirtschaftlich genutzten Flächen und bogen in den Wald ein. Auch hier sorgte der Nebel zusammen mit dem dichten Wald für eine Stimmung wie aus einem Fantasy Film.

Dazu trugen auch zwei längere Tunnel bei. Der erste wirkte wie in den Berg gegraben. Unregelmäßig, mal schmaler, mal breiter, zum Teil nur 1,50 m hoch und 72 m lang. Der zweite sehr schmal, dafür aber gemauert.

Nach etwas mehr als einer Stunde standen wir vor dem Höllenfenster: einem Loch im Fels dem ein kleiner Wasserfall entsprang. Zurück ging es ähnlich wie auf dem Hinweg, erst Wald, dann Kuhweiden. Im Dorf begegnete uns mal wieder ein Trupp Romeiros.

Um noch einmal auf die Kühe zurück zu kommen: sie sind auf nahezu jeder Grünfläche anzutreffen. Sogar in Ponta Delgada gibt es vereinzelte Weiden inmitten von Wohnblöcken. Am Anfang hatten wir uns noch gewundert, warum hier so viele Pickups mit Wassertanks durch die Gegend fahren, wo es doch häufig genug regnet. Es handelt sich aber um Milchtanks. Die Kühe werden mit mobilen Melkanlagen direkt auf den Weiden gemolken und die Milch von fort mit dem Pickup weiter zur Molkerei transportiert. Die Kühe sehen zwar aus wie unsere Holsteiner aus dem platten Norden, an den steilen Hängen stehen sie aber wie Almvieh am Berg und Glocken haben sie auch um (die sehen allerdings eher wie Kirchenglocken aus). Genauso allgegenwärtig wie die Kühe, ist hier auch Käse. Es gibt verschiedenste Sorten und jede Insel hat ihre eigenen Käsespezialitäten.

Zurück in Ponta Delgada haben wir eine Marktlücke entdeckt: Autostaubsauger. Unser Mietwagen hat nämlich die merkwürdige Klausel (stand natürlich nur im Kleingedruckten und such erst zu spät gesehen), dass er Innen genauso zurückgebracht werden muss wie wir ihn entgegen genommen haben – sauber bzw. frisch gesaugt…, ansonsten droht eine Gebühr von 100€! Natürlich gibt es an den hiesigen Tankstellen keine Autostaubsauger und den Car Wash konnten wir nicht finden. Nun muß Fussmatten (zum Glück aus Gummi) ausschütteln und etwas abspülen reichen – Wasser gibt es ja genug 😉

4. Tag: Dichte Wolken und Thermalbäder

4. Tag: Dichte Wolken und Thermalbäder

Juchu, Wetter wie in Bremen. Nass, grau und nebelig. Der Plan war nach Furnas zu fahren. Dort beginnt bei den Caldeiras eine kurz, steile Wanderung auf den Pico do Ferro. Die heißen Quellen von Furnas sind wesentlich größer als die, die wir schon auf dem Weg zum Salto do Cabrito gesehen hatten. In vielen Löchern steckten die Schilder der Restaurants, die dort ihren Cozido kochen – das heißt dann wohl, dass dort gerade etwas vor sich hin köchelte.

Schon beim Einstieg in unsere Tour gab es einige Hinweise, dass der Weg zum Gipfel eventuell nicht klappen könnte, was uns aber erstmal nicht störte. Wir stiegen durch einen dichten Wald umgeben von Vogelgezwitscher den Berg hinauf bis unser Weg plötzlich abbrach und wir vor einer Schneise im Wald standen. Auf einer Breite von mehreren Metern war der Berg ins Tal gerutscht. Einen Weg oberhalb des Erdrutsches gab es nicht, also hieß es für uns umkehren.

Weiter in die ‚Stadt‘. Laut Reiseführer ein hübscher Ort der zum Schlendern einlädt. Um es kurz zu machen: konnten wir nicht bestätigen.

Dafür lagen vor der Kirche zwei ordentlich gestapelte Haufen Stöcke. Das mussten die Romeiros sein, die wir auf unseren Weg den Berg hinauf schon gehört hatten. Da klangen sie allerdings mehr wie Fußball-Hooligans. In der Kirche war ihr Gesang jedoch ganz beeindruckend, zumal es sich um eine recht große Gruppe handelte.

Wirklich schön war dann unser eigentliche Ziel der Parque Terra Nostra mit seinem Thermalbecken. Auf dem 12 Hektar Areal kann man zwischenzeitlich glatt vergessen, dass es ein Park und kein Wald ist. Das Bad im 38 Grad warmen Becken war dann der krönende Abschluss. Das Becken hat eine Tiefe von 1,50 m und von der Wasserfarbe sollte man sich nicht abschrecken lassen, die liegt am hohen Eisengehalt. Es ist als würde man in einer riesigen Badewanne schwimmen – schnell schwimmen geht gar nicht, dafür ist es sehr entspannend. Neben dem Großen, gibt es auch noch zwei kleinere Jacuzzi Becken, in denen man sich warmes Wasser auf den Nacken laufen lassen kann.

Auf dem Rückweg haben wir dann noch einen Zwischenstop auf der Teeplantage Cha Porto Formoso gemacht. Mit 6 Tonnen Jahresproduktion eine kleine Teeplantage und eine der beiden einzigen europäischen (die andere und etwas größere Cha Gorreana liegt aber auch nur 1,5 km entfernt). Nach der obligatorischen Führung gab es den schmackhaften Bio Tee zum Probieren – und natürlich auch zu kaufen 🙂

3. Tag: Ananas und Lavatunnel

3. Tag: Ananas und Lavatunnel

In Erwartung der vorhergesagten 100% Regenwahrscheinlichkeit blieben wir heute in Ponta Delgada.

Da es morgens noch halbwegs trocken sein sollte, besuchten wir erstmal den wunderschönen Jardim Antonio Borges. Der Park ist zwar recht klein, aber auf mehreren Ebene angelegt mit Höhlen und Brücken. Außerdem gibt es riesige alte Bäume mit beeindruckendem Wurzelwerk.

Weiter ging es zu einer Ananas Plantage. Dort guckten wir uns die Gewächshäuser mit den Ananaspflanzen in verschiedenen Stadien an. Ein recht kurzweiliger Zeitvertreib und wir wissen nun das Ananas 18 – 24 Monate benötigen bevor sie essbar sind. Ananas waren sogar eine zeitlang eines der Hauptexportgüter der Azoren. Aber da die Ananas hier in Gewächshäusern gezogen werden, sind sie teurer als die Überseeware und decken mittlerweile nur noch den hiesigen bzw. portugiesischen Bedarf. Da sie nahezu reif geerntet werden sind sie saulecker und befinden sich zu meiner großen Freude jeden Morgen in unserem Hotel auf dem Frühstücksbuffet 🙂

Zurück in Ponta Delgada besuchten wir das naturhistorische Museu Carlos Machada in einem ehemaligen Nonnen Kloster: Raum nach Raum eingelegte, präparierte und ausgestopfte Fische, Vögel, Säugetiere und Insekten. Dazu drei Zweiköpfige Kälber – spannend aber seltsam.

Der zweite Teil des Museums mit dem Schwerpunkt sakrale Kunst ist in einer ehemaligen Kirche, der Igreja do Colegio untergebracht. Die sakrale Kunst war nicht wahnsinnig interessant, viele gekreuzigte Jesusfiguren. Allerdings gab es auch einen imposanten geschnitzten Altar für den alleine sich die 2 EUR Eintritt gelohnt haben.

Zum Abschluss des Tages besuchten wir noch die Gruta do Carvao. Ein etwa 10.000 Jahre alter Lavatunnel der ca. 15 Meter unter der Stadt verläuft. Besichtigen konnten wir zwar nur einen kleinen Teil, aber der war spannend zumal der Guide recht gut informiert war und viele Details auf eine sehr charmante Art vermittelte.

2. Tag: Marodierende Hähne

2. Tag: Marodierende Hähne

Das Wetter sollte heute noch mal gut werden, daher stand Aussicht auf dem Plan.

Auf einer langen Fahrt in den Osten der Insel gab es unzählige zum Teil wunderschöne Aussichtspunkte, sogenannte Miradouros. Wobei das dem Ganzen nicht gerecht wird. Viele Aussichtsplattformen waren eher mittelgroße Parks. Mit Bänken (häufig auch überdacht), Grillmöglichkeiten, Toiletten und liebevoll angelegten Gärten. So entwickelte sich dann auch schnell ein „Miradouro-Hopping“.

In Faial da Terra stand dann wieder ein Wasserfall (davon gibt es hier viele), der Salto do Prego und das verlassene Dorf Sanguinho auf dem Programm. Wieder (gestern auch schon) kam uns der Wald hier dschungeliger vor als der Dschungel in Vietnam und es piepste und tschierpte von allen Seiten.

Entdecken ließen sich allerdings nicht so viele Vögel und fotografieren schon gar nicht, aber ihr Konzert war sehr schön – der Wasserfall übrigens auch 😉

Die ‚Rotte‘ Hähne, die uns auf dem Aufstieg schon aufgelauert hatte, wurde fast schon aggressiv als wir auf dem Rückweg kurz Pause machten und den Rucksack öffneten um Wasser zu trinken. Wohl in Erwartung von Krümeln hüpften zwei Hähne beinahe hinein. Als wir weiter gingen wurden wir ziemlich beschimpft bzw. uns wurde ordentlich nachgekräht.

Ein Hahn lief auch noch ein gutes Stück hinter uns her und gab erst in der verlassenen Siedlung auf…

Leider hatten wir auf dem Rest der Tour nicht mehr so viel Glück. Der Weg zum Miradouro do Pico Bartolomeu war von riesigen Schlaglöchern übersät. Mit dem Leihwagen hatten wir keine Chance und mussten schon bald wieder umdrehen. Es wurde langsam bedeckt, hinzu kam auch noch eine Baustelle am nächsten Miradouro, der uns Aussicht auf den gesamten Osten der Insel beschert hätte, so dass wir ihn links liegen ließen…

In Furnas gelang es mir dann endlich mal die Romeiros zu fotografieren (heißt – nicht verwackelt, mit Lenkrad, von hinten o.ä.), da wir direkt an ihnen vorbei fuhren. Die ersten hatten wir schon gestern auf dem Weg nach Mosteiros gesichtet und heute immer wieder mal größere und kleinere Grüppchen, die uns allerdings immer entgegen kamen. Da im Hotel sowohl Warn-, als auch Infozettel auslagen, wussten wir zumindest was es damit auf sich hat: Romeiros sind Pilger, die sich in der Fastenzeit für sechs Wochen auf den Weg um die Insel machen und in jeder Kirche, Kapelle o.ä. halt machen, die der Nossa Senhora (unserer lieben Frau bzw. Maria) geweiht ist. Insgesamt mehr als 100 Stops. Gut erkennbar sind sie an ihren Umhängen und Schals (und ihrem Gesang -Beten…). Jeden Tag wird um 3.30 Uhr gestartet und geendet erst um 19.00 Uhr – kein Wunder, dass Björn sie prompt als religiöse Fanatiker bezeichnete. Allerdings wohl nicht so sehr wegen der Zeiten und dem Wandern, sondern eher wegen dem Singen 😉 Vorne läuft der Führer, der Weg und Tempo vorgibt und ganz am Ende folgt mit ein wenig Abstand der „Seelensucher“, der Gebetsanfragen entgegen nimmt. Durchgeführt wird dieses Art von Pilgern wohl schon seit dem 16. Jahrhundert. Achja, und es ist (natürlich) ein reines Männerding…

Abends hatten wir dann Zeit Ponta Delgada zu erkunden. Entgegen der Meinung unseres Reiseführers ein hübscher Ort.

1. Tag: Ilha verde – die grüne Insel

1. Tag: Ilha verde – die grüne Insel

Der erste Tag unseres Urlaubs begann perfekt: Sonne, blauer Himmel. Schon früh waren wir am ersten Ausflugsziel des Tages – dem Lagoa do Fogo. Der Blick auf den See war zwar nicht so spektakulär wie häufig beschrieben, aber trotzdem waren wir von der Landschaft sehr angetan. Saftiges Grün in allen Schattierungen. Wir genossen einige Zeit den Ausblick und ließen uns dabei von einer Möwenkolonie Anschreien. Nach einer Weile wurde es allerdings kühl im steifen Wind und wir kehrten zu unserem Auto zurück.

Wir quälten den Leihwagen weiter die Berge rauf und runter um für eine Wanderung nach Caldeiras, einem Miniort mit kleiner Therme, zu gelangen. Schwefelgeruch lag in der Luft. Dank Geothermie dampft die Erde aus allen möglichen Spalten und die Einheimischen nutzen die Wärme zum Kochen.

Durch dichten Wald und immer entlang an und auf dicken Wasserrohren führte uns der Weg zum Wasserfall Salto do Cabrito. Als wir ankamen war dort gerade eine Canyoninggruppe unterwegs und wir beobachteten von oben ihr treiben. Canyoning ist ja nach wie vor noch auf der Liste der Dinge, die wir ausprobieren wollen…

Bei schönstem Sonnenschein ging es im Anschluss die Nordküste entlang nach Mosteiros im äußersten Nordwesten von Sao Miguel. Blau und Weiß verdrängten das Grün. Die Wellen, die sich an den vorgelagerten Inseln und Felsen brachen, gaben ein ordentliches und vor allem eindrucksvolles Spektakel ab. Aber irgendwann war genug Geschaut und wir widmeten uns Cafe und Pastel de Nata in der Sonne. Das Leben ist schön 🙂

Nach der kleinen Stärkung ging es weiter zum letzten Ziel des Tages – der Caldeira das Sete Cidades. Leider waren wir zu blöd den riesigen Parkplatz zu finden (die Zufahrt sah allerdins auch aus wie das Tor zu einem Privatgelände…) und parkten etwas weiter am Straßenrand. Die Orientierungslosigkeit hielt allerdings an. Wie fanden den Aufstieg zum Aussichtspunkt nämlich nicht – ein Schild hätte wirklich geholfen – stattdessen wanderten wir durch einen dichten Wald , die Warnschilder „Achtung: rutschiger Hang. Zugang vorübergehend gesperrt“ ignorierend. Vorbei ging es an unzähligen Pumpenhäuschen und diversen abgerutschten Bäumen. Das Ganze hatte einen morbiden Charme und führte uns am Ende doch noch zum Standard Selfiebild der Azoren 😉

Azoren

Azoren

Da Ostern dieses Jahr so spät liegt, gibt es keine Reise in den Schnee. Stattdessen soll es auf die Azoren gehen.

Die Anreise gestaltete sich allerdings recht langwierig. Zum einen da wir zur Sicherheit einen früheren, durchgehenden Zug zum Flughafen nach Frankfurt genommen hatten, zum anderen, da unser Flug leider 1,5 Std. Verspätung hatte.

Ab unserer Ankunft auf Sao Miguel, der Hauptinsel der Azoren, verlief allerdings alles wie am Schnürchen. Die Sonne lachte, das Kofferband spuckte schnell unsere Taschen aus, der Schalter für unseren Mietwagen war mit drei Personen besetzt, die auch noch flott alle vor uns und auch uns abfertigten und so fuhren wir wenig später nach Punta Delgada. Selbst den Weg zu unserem Hotel in der Altstadt fanden wir problemlos, ebenso einen Parkplatz.

Schnell eingecheckt und dann auch schon los auf die Suche nach einem Restaurant für das Abendessen gemacht. Sonntags ist das anscheinend etwas schwieriger, da die meisten Restaurants geschlossen und die wenigen, die offen haben dementsprechend voll sind. Das Glück war uns aber weiterhin hold und wir konnten den letzten Platz im Calcada do Cais ergattern. Nach uns tauchten noch viele weitere Essenssuchende auf, die nicht soviel Glück hatten. Die ersten wurden noch auf 15 min später vertröstet, daraus wurde allerdings bald 1Std. Wir freuten uns uns jedenfalls über unseren Platz, zumal das Essen auch noch lecker war 🙂

6. Tag: Schluchtenwanderung

6. Tag: Schluchtenwanderung

Für den letzten Klettersteig-Tag hatten wir uns eine recht einfache, dafür längere Tour ausgesucht: die Ferrata Burrone Giovanelli, 750 Hm ca. 4 Std.

Drei sehr luftige , lange Leitern markierten gleich den Einstieg. Damit hatten wir aber dann auch schon die schwerste Stelle hinter uns, etwas Wackelnknie hatte ich aber trotzdem erstmal. Dann ging es steil den Berg hinauf in einfachem Gelände.

Wunderschön breiteten sich die Weinreben unter uns im Tal aus und schon bald standen wir vor dem Einstieg zur Schlucht. Ein kurzer Aufschwung und WOW! Man konnte sich gar nicht entscheiden wohin zuerst gucken. Links und rechts ragten die Wände zum Himmel, die Schlucht wurde immer schmaler und ließ nur einen kleinen Spalt blauen Himmels sichtbar. Ehrfürchtig wanderten wir die enge Schlucht hoch.

Nach einiger Zeit rasteten wir in der Nähe eines hohen Wasserfalls. Gestärkt überwanden wir das letzte Stück der Schlucht, die nun immer breiter und grüner wurde und standen bald am Ausgang.

Der Weg zurück führte über einen extrem steilen (40% Gefälle) Fahrweg zurück zum Auto. Dann noch ein Cafe-Stop in Mezzocorona vor der hübschen Kirche und zurück nach Arco für ein letztes leckeres Abendessen bei Antica Corte.

5. Tag: Erholungs-Ferrata

5. Tag: Erholungs-Ferrata

Nachdem die gestrige Ferrata meine Nerven etwas strapaziert hatte, wollten wir es diesmal ruhiger angehen lassen. So handelt es sich bei der Ferrata Sasse eher um eine seilversicherte Wanderung als einen Klettersteig.

Abwechselnd durch Wald und Fels und immer nahe der Wasserlinie des Lago di Idro verlief der Weg dann auch ohne Schwierigkeiten. Um so überraschender war dann der Ausstieg: eine senkrechte Verschneidung von 10-15 m Höhe. Eigentlich gab es ausreichend Tritte und Griffe, allerdings war der Fels sehr bröselig. Plötzlich löste sich unter meinem Griff ein recht großes Felsstück und polterte mit viel Geschepper die Wand hinunter, um mit einem ordentlichen Platschen in den See zu plumpsten. Hat mich etwas erschreckt, weiter ist zum Glück nichts passiert, ich war aber heilfroh, dass niemand unter mir gewesen war. Der Kletterhelm und die Steinschlaggefahr-Schilder bekamen jedenfalls eine völlig neue Bedeutung.

Zurück ging es über den Sentiero Contrabbandieri. Ein recht schmaler Pfad ein ganzes Stück oberhalb des Klettersteiges, dem hin und wieder auch ein Seil spendiert wurde.

Café und Arranciata wurden dann auf dem Rückweg auf einer sehr schönen Hotelterrasse mit Blick auf den knallblauen Lago di Ledro genossen.

Insgesamt ein sehr schöner Tag – auch wenn der Klettersteig etwas anspruchsvoller hätte sein dürfen.

4. Tag: Kunstvoller Aufstieg

4. Tag: Kunstvoller Aufstieg

Heute ging es zur Ferrata Artpinistico delle Niere, einem Klettersteig auf dem man einige Kunstwerke bewundern kann – wenn denn die Aufmerksamkeit dafür reicht. Der Einstufung nach auch der schwierigste der bisherigen Klettersteige – C.

Erstmal haben wir uns allerdings verlaufen. Statt direkt beim Parkplatz in den Klettersteig einzusteigen, sind wir durch den Wald geirrt und haben auf italienische Beschilderungen geschimpft. Irgendwann bemerkten wir allerdings unseren Fehler und haben den Einstieg dann doch gefunden.

Die ersten Meter waren gleich deutlich kletterlastiger als die vorherigen Touren. Nach einigen Höhenmetern wurde der Weg immer ausgesetzter. Wir erreichten die schwierigste Stelle: ein 15 Meter senkrechter Aufstieg, eingestuft als C, mit ordentlich Tiefblick. Nach einigen Diskussionen war die Entscheidung getroffen – ich kehrte um, Björn kletterte weiter und wir trafen uns nach der Schlüsselstelle wieder (die ließ sich zum Glück umgehen).

Wieder vereint ging es weiter den Berg hinauf. Das Terrain blieb ausgesetzt (so ausgesetzt, dass ich mich doch einige Male sehr zusammen reißen musste). Immer wieder galt es luftige Bänder zu queren. Irgendwann dann der höchste Punkt. Fotos, kurze Pause und ein Fluchen: da wo ein Draht wirklich mal sinnvoll gewesen wäre, gab es natürlich keine Sicherung!

Ausgesetzt aber weiterhin schön ging es nun den Berg wieder hinunter. Die nächste Schlüsselstelle, ein C Abstieg, meisterte ich diesmal problemlos. Nichtsdestotrotz hat mich dieser Klettersteig einige Nerven gekostet… Auf dem Parkplatz dann endlich das wohlverdiente Focaccia. Gesättigt, noch voller Adrenalin und unbelehrbar wie immer entstand der Plan noch schnell die Mini Ferrata Ballino – Cascata Rio Ruzza beim Lago di Tenno zu machen. Natürlich verliefen wir uns erstmal wieder und als wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich vor dem Wasserfall standen, war die Luft raus. Ich hatte keine Lust mehr, war todmüde und hungrig. Björn stieg noch schnell in den kurzen senkrechten Steig ein. Nach wenigen Minuten war der Kessel erreicht und der Steig auch schon zu Ende. Einige Fotos und schnell zurück nach Arco. Wir wollten endlich duschen und hatten einen Bärenhunger. So standen wir auch pünktlich zur abendlichen Öffnungszeit bei der Pizzeria auf der Matte.

3. Tag: Cima Rocca Klettersteig-Runde

3. Tag: Cima Rocca Klettersteig-Runde

Heute sollte es die Cima Rocca Runde werden – bestehend aus drei miteinander verbundenen Klettersteigen: Via Ferrata F. Susati, Via Ferrata M. Foletti und Sentiero dei Camminamenti, insgesamt rund 850 Höhenmeter, Dauer ca. 6 Std.

Nach etwa 1,5 Std. Zustieg beim dem hin und wieder schon die Hände zur Hilfe kamen, seilten wir uns an. Nun ging es zügig in leichter Kraxelei den Berg hinauf. Schon bald machten wir eine kurze Rast auf der Cima Cape und genossen den Tiefblick auf den Gardasee.

Weiter über einen Grad, danach die Bergflanke querend über zwei Platten und dann ein Stück abwärts gelangten wir zum Bivacco Arcione. Bis hierher war ich auch schon letztes Jahr gekommen, allerdings waren wir damals wesentlich später dran und stiegen vom Bivacco nach Biacesa ab.

Heute waren wir gut in der Zeit. Wir hatten den Klettersteig bisher fast für uns alleine gehabt, nun trafen wir allerdings gleich auf mehrere (größere) Gruppen.

Das letzte Stück ist insbesondere bei Gruppen mit Kindern sehr beliebt, da der Weg zum Cima Rocca durch mehrere zum Teil lange und verschachtelte Tunnel aus dem ersten Weltkrieg führt, zu deren Begehung man ganz abenteuerlich Stirn-/Taschenlampen braucht. Der dazugehörige Klettersteig ist allerdings noch leichter als die ersten beiden und wir verzichteten immer häufiger darauf uns einzuklinken.

Leider hat Björn seine Kamera bei dem Versuch ein Ausstiegsfoto aus dem Tunnel zu machen die Leiter hinunter geworfen – zum Glück hatte ich meinen Helm auf 😉 Nein, getroffen hat die Kamera mich nicht, aber leider ist ihr der Sturz nicht gut bekommen. Zumindest das Display ist kaputt 🙁

Die Tunnel waren wirklich sehr beeindruckend und ohne Wegmarkierungen hätten wir uns in dem Tunnelgewirr problemlos verlaufen können.

Hinunter ging es dann flott über eine geteerte Strasse und es gab auch wie im letzten Jahr wieder Käsekuchen im netten Cafe in Biacesa. Danach noch ein kurzer Abstecher zum Lago di Ledro. Zum Baden war mir das Wasser aber doch zu kalt und so reichte es die Füsse hineinzuhalten.