Damit Platz für Neues ist, muss dass Alte beendet werden…

Ich hatte schon auf dem Helambu Trek angefangen zu schreiben und das soll ja nicht umsonst gewesen sein. Hier der Bericht:

15.-20.Tag Was nicht tötet härtet ab (oder macht völlig fertig)Teil II – Helambu Trekking

Was ich die ganze Zeit zu erwähnen vergessen hatte: die Zeitverschiebung. Die 3 1/2 Std zwischen Deutschland und Indien fand ich schon merkwürdig, da ich sonst nur volle Stunden kannte. Aber als wir dann in Nepal noch eine 1/4 Stunde weiter stellen mussten wurde es endgültig absurd – die 1/4 Stunde dient wohl vor allem der Abgrenzung zum großen Nachbarn Indien… Außerdem wird vieles nach dem hinduistischen Kalender berechnet und dort schreiben wir gerade das Jahr 2072.‘

Jetzt aber zum Trekking. Wir dachten ja in Nepal wird alles besser. Partiell war das auch so, zumindest was die Infrastruktur und die Temperaturen anging, dafür war es höllisch anstrengend (ich frag mich wirklich wofür man vorher Sport macht, wenn man doch wieder am nächsten „Hügel“ hängen bleibt!)

Aber von vorne.

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Am ersten Tag wartete unser Guide schon morgens auf uns und wir wurden mit dem Auto nach Sundarijal gebracht. Dort wurden unsere beiden Taschen fest zusammen geschnürt, mit einem Stirnriemen versehen und dem Porter aufgebürdet. Unser Porter war diesmal ein Student, der sich damit Geld verdienen wollte. Binod war mal völlig anders als unser erster Porter- steht’s um seine Frisur besorgt, machte in den Pausen gerne Selfies, fotografierte Blumen und Landschaft und dauernd klingelte sein Handy. Leider war er auch nicht ganz so kräftig wie der andere und man sah schon sehr wie anstrengend das für ihn war und er tat mir echt leid (hab ihm schon immer meine Traubenzucker Drops zugesteckt). Scheiß Ferienjob… Wir staunten dann auch nicht schlecht als unser Guide Rit sich eine 10l Plastikbox aus dem Rucksack kramte und erstmal Elektrolyte und ein paar Pillen einwarf bevor es los ging. Später merkten wir auch warum, anscheinend hat er ein Problem mit seinem Bein… Es ging dann erstmal bei schöner Sonne über viele Treppen und an Bauernhäusern entlang steil bergauf und auch mal wieder ein Stück bergab bis wir in das auf einem Bergrücken gelegene Chisapani gelangten. Welch eine Überraschung als es sogar eine solarbetriebene warme Dusche gab. Wir sonnten dann noch ein wenig auf der Dachterrasse und waren ganz angetan vom ersten Tag der uns so locker vom Fuß ging…

Sundarijal – Chisapani Bergauf 1150 Hm / Berggab 350 Hm

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Zweiter Tag: Aus dem erhofften Sonnenaufgang am nächsten morgen bei dem wir einen schönen Blick auf die Annapurna gehabt hätten, wurde allerdings mal wieder nichts. Chisopani war komplett in Wolken gehüllt und so ging es dann nach dem Frühstück in dichtem Nebel steil bergab (sogar Rit hat sich erstmal ein Stück verlaufen). Danach ging es genauso steil wieder bergauf diesmal allerdings bei Sonne und schwüler Hitze, was mir extrem zu schaffen machte. Beim nächsten „Hügel“ dachte ich, ich könnte es nicht mehr schaffen und hatte schon den ersten halben Nervenzusammenbruch (vielleicht auch ’nen ganzen…). Irgendwie ging’s dann doch noch bis oben wo ein Dal Bhat ein wenig die Batterien auflud.IMG_3243 Danach wieder steil bergab, um wieder steil bergauf zu gehen, das fiel so schwer! – Hätte uns wirklich stutzig machen sollen, warum die Etappe in unserem Trekkingfüher in 2 Teile geteilt ist… Sehr verwundert waren wir als uns unterwegs ein Bus begegnete und zwar auf einem Stück bei dem ihm der 4-Rad Antrieb auch nicht mehr richtig half.Abgesehen davon fragte man sich wirklich wo er a) herkommt und b) hin will, denn richtige Orte ganz zu schweigen von Straßen gab es weit und breit nicht (auch nicht auf der Karte). Dann fuhr er leider auch noch in die falsche Richtung, sonst hätte ich ihn genommen 😉 SAM_1732Nach einer kleinen Ortschaft (mittlerweile hat es wieder zu regnen angefangen) ging es nochmals ordentlich hoch und Maike und ich taten jeden Schritt in dem sicheren Glauben dort oben dann endlich angekommen zu sein! Doch Rit meinte: „Noch ca. 10 min bergauf und dann noch eine Stunde bergab.“, da war mir ja endgültig zum heulen…. Zum Regen gesellte sich noch starker Wind, es wurde eiskalt und die Landschaft erinnere mich stark an die schottischen Highlands, aber irgendwie schafften wir es doch noch zur Lodge in Kutumsang. Ich war so fertig wie noch nie in meinem Leben und dachte ich könnte nie wieder einen einzigen Schritt tun! Die Lodge war zum Glück gemütlich mit schönem warmen Aufenthaltsraum. Eine lauwarme Dusche und eine Kanne heißer Lemontea weckten meine Geister wieder etwas. Das Abendessen musste ich allerdings kurzzeitig unterbrechen um nach draußen zu eilen und Fotos zu schießen, da sich doch tatsächlich ein paar (auch nach Himalaya Standard „richtige“) Berge im Abendrot zeigten! Die Gelegenheit darf man nicht verpassen, wer weiß wann es wieder Bergsicht gibt. Habe allerdings keine Ahnung welche das waren. IMG_3271Dann ging es früh ins Bett – sowieso erstaunlich wie sehr sich die Schlafgewohnheiten ändern. Ich bin ja sonst nicht diejenige, die so früh ins Bett geht… Aber sowohl Bettgeh- als auch Aufstehzeit verschob sich mal locker 2 Stunden nach vorne (Heißt spätestens um 21.00 Uhr ins Bett und um 6.00 Uhr wieder raus).

Chisapani – Kutumsang Bergauf 1200 / Hm Bergab 950 Hm

Dritter Tag: Ich hätte ja gedacht, dass ich mich nach der gestrigen Tour nicht mehr bewegen könnte, aber es ging erstaunlich gut. Zur guten Laune trug dann auch der morgendliche Sonnenschein bei, der uns entgegen lachte – Berge waren, da recht diesig, allerdings mal wieder nicht zu sehen. Eigentlich handelte es sich heute um meine „Furcht-Tour“, da die meisten Höhenmeter und auch die höchste Gesamthöhe (Tharepati 3600 m) des ganzen Helambutreks auf dem Plan standen. Aber wie es immer so ist, diesmal lief es unerwartet gut. Zumindest am Anfang. Ich kann anscheinend auch mehr damit anfangen, wenn es bergauf geht bis der höchste Punkt erreicht ist und danach wieder runter (halt wie ein Gipfel in den Alpen…).

Auch auf diesem Wegstück stießen wir auf (in unseren Augen) Kurioses: einen Mann der Mitten im Blattwerk eines Baumes saß um besseren Handyempfang zu haben und währenddessen ein paar Äste (für was auch immer) abschlug und Holzfäller. Allerdings ohne Motorsägen und ähnlichen Schnickschnack. Eigentlich hörten wir erst nur ein Gerumpel und machten den Weg frei. Da kam auch schon der erste Mann auf Flop Flops den steinigen Pfad herunter gesprintet, um den Bauch ein Seil mit dem er einen ordentlichen Vierkantbalken (aus dem kurz zuvor gefällten und behauenem Baum) hinter sich herzog bzw. vor ihm wegrannte. Dem ersten folgten dann noch vier weitere mit ähnlichem Schuhwerk bekleidete Männer (ok, manche hatten richtige Badelatschen) mit ähnlichen Balken und Tempo. Wir waren schwer beeindruckt. Schon ohne Balken, der mir jederzeit in die Hacken springen könnte, eine Herausforderung, die ich im meinen Flip Flops nicht suchen würde… SAM_1745Am Pass in Mangengoth machten wir in einer Lodge unsere Mittagsrast und konnten mal wieder die hiesige Feuertechnik bewundern. Die Äste werden einfach lang in den Ofen gesteckt und angezündet. Immer wenn ein Teil verbrannt ist, wird nachgeschoben. Wird wohl keiner Brandschutzverordnung gerecht, scheint aber gut zu funktionieren.

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Danach ging es auch schon weiter und leider zog sich das Wetter auch schon wieder zu. Man sah sogar relativ früh die erste Hütte auf dem Tharepati Pass, aber der Weg zog sich viel länger als erwartet. Zwischendurch mussten wir teilweise durch Restschnee stapfen und es wurde schon recht frisch. Rit hatte uns schon vorgewarnt, dass es dort Oben kalt und zugig ist. Da es noch relativ früh war und wir keine Lust hatten eine kalten Nachmittag und eine kalte Nacht zu haben, entschieden wir uns weiter zu gehen und nach Melamchigaon abzusteigen.IMG_3303 Keine Ahnung, ob das die richtige Entscheidung war. Kaum waren wir los, fing es an zu regnen, wenig später kam Gewitter mit ordentlich Hagel hinzu und Regen und Hagel sollten uns bis nach unten begleiten. So ging es also 2 Stunden einen sehr steilen Treppenweg hinab.

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Wir haben uns sehr beeilt, sind sozusagen hinunter galoppiert, ansonsten braucht man wohl mehr als 3 Stunden für die Strecke. Nach Querung meiner ersten Hängebrücke – war gar nicht schlimm – kamen wir recht aufgeweicht in unserem „Homestay“ an. Es gab das übliche Lodgezimmer mit 2 Holzpritschen mit etwas Schaumstoff und der Toilette einmal ums Haus herum (welch ein Glück, dass die Hunde hier immer so freundlich sind…), aber gegessen wurde in der Wohnküche der Besitzer inkl. dem freundlichen und recht alten Großelternpaar, welches über Feuer und Herd wachte. Hier trafen wir auch auf 2 andere Reisende, eine junge Schwedin und eine ältere Holländerin, die nach dem Abstieg von Tharepati keine Lust mehr hatte weiter zu gehen und nun auf den Bus wartete, der wohl hin und wieder vorbei kommt. (Mehr davon, lässt sich bei Maike nachlesen). Nach der ganzen Strapaze ging es wieder früh ins Bett.

Kutumsang – Melamchigaon Bergauf 1200 Hm / Bergab 1200 Hm

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Vierter Tag: Welch ein Wunder, auch nach dem gestrigen Schweinsgalopp hielt sich der Muskelkater in Grenzen, die Sonne schien und es gab Bergsicht (leider waren die Berge nicht ganz so imposant). An Getreidefeldern entlang ging es erstmal steil hinab zum Melamchi Khola, um dort den Fluss mittels einer Hängebrücke zu queren.

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Danach ging es natürlich wieder aufwärts, an diverse Chorten und Bauernhöfen vorbei bis nach Tharkegyang zum Mittagessen. Heute waren wir flott unterwegs und konnten noch weiter bis nach Ghangyul. Dort wurden wir von einer Frau auf einem Feld gleich freudig auf Englisch angequatscht, die sich als Dolma vorstellte und uns mitteilte, dass ihr die Lodge gehöre und wir es uns schon mal bequem machen sollten, ihre Schwiegertochter wäre da und sie würde nach der Feldarbeit auch kommen.

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An der Dolma Lodge angekommen, konnten wir nach einer „Buket Shower“ noch schön die Sonne und die Aussicht genießen. So sollte Trekking immer sein – so haben wir uns das vorgestellt 🙂 Das Abendessen gab es wieder in der Wohnküche (diesmal mit einem Fernseher bestückt, was eher Seltenheitswert hier hat) im Kreis der Familie. Alle sehr nett und besonders Dolmas kleine10 Monate alte Enkelin war ganz entzückend und freute sich über die vielen neuen Leute, die sie bespaßten.

Melamchigaon – Ghangyul Bergauf 800 Hm / Bergab 500 Hm

Fünfter Tag: Immer noch Sonne. Wir verabschiedeten uns von den netten Gastgebern und zogen weiter. Theoretisch hätte es nur bergab gehen sollen, aber es war mal wieder das „nepalesische Bergab“ mit soviel Bergauf zwischendrin, dass man an der Erdkrümmung zweifelt… Der Weg war anfangs auch gar nicht nach meinem Geschmack, da er am Hang entlang und die meiste Zeit seitlich steil bergab ging. Über das nette Örtchen Sermathang und an einem großen goldenen Buddha vorbei (zu dem man aber nicht mit einem Motorrad fahren durfte?!

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Wir haben eine Ecke weiter tatsächlich eines gesehen, wie auch immer das dort hingekommen war…) landeten wir, nachdem wir eine Weile zwei alten Nepali folgten, die recht flott unterwegs waren (zumindest so flott, dass wir sie uns nicht zu überholen trauten) und sich die ganze Zeit lautstark unterhielten bzw. der eine die ganze Zeit auf den anderen einredete in Kakani. Leider hatte es gegen Ende der Strecke mal wieder zu regnen angefangen und uns wurde fast ein wenig langweilig am Nachmittag bzw. w ir hatten endlich mal Zeit Postkarten zu schreiben, da es aus Eimern schüttete. Abends gab es das Abschiedsessen und Bier – Rit hatte uns gleich am ersten Tag darauf hingewiesen, dass „alle“ Trekkinggruppen am Ende der Tour Guide und Porter zu gutem Essen und Bier einladen (und natürlich ordentlich Trinkgeld geben). Dann rief auch schon wieder das Bett bzw. Die Pritsche…

Ghangyul – Kakani Bergauf ? / Bergab 700 Hm

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Sechster Tag: Der letzte Tag begann mit genauso viel Regen wie der vorherige aufgehört hatte und wir trödelten mit dem losgehen. Die Vorstellung die nächsten 4 Stunden in Regen zu laufen war einfach nicht sonderlich ansprechend. Zumal Rit abends gesagt hatte, dass es sehr steil hinunter ginge und wenn es regne, der Weg zu einer Matschabfahrt würde. Aber es half alles nichts – Regenponcho an (übrigens eine der sinnvollsten Anschaffungen vor dieser Reise) und los nach Melamchi Bazar. Der Regen hörte zum Glück bald auf, die Wege waren weniger aufgeweicht als erwartet und flottes Abwärts gehen scheint uns gut zu liegen. So waren wir bereits nach 2 1/2 Std. in Melamchi Bazar. IMG_3450Unterwegs begegneten uns sehr viele Menschen, die auf dem Weg zu einer Hochzeit waren. Alle herausgeputzt und in ihrer besten Kleidung (und auch mal mit einem lebenden Huhn als Hochzeitsgeschenk unter dem Arm). Beeindruckend welch weite Wege -auch noch alles steil bergauf- die Leute auf sich nehmen, um dorthin zu gelangen. Hochzeiten scheinen auch gleichzeitig Heiratsmärkte zu sein, so waren sehr viele Grüppchen von jungen Frauen und Männern unterwegs. Auf dem Weg hinunter wurde es merklich wärmer und feuchter und auch die Vegetation änderte sich massiv. Kurz vor Melamchi mutete es gar tropisch an in sattem Grün, mit vielen Bananenstauden etc. IMG_3473Unten angekommen stürzten Binod und Rit gleich an den Fluß und wuschen sich erstmal ausgiebig. Es kam sogar ein frisches T-Shirt aus Rits Rucksack hervor. Melamchi Bazar war recht geschäftig und laut und schien sowas wie ein Umschlagplatz für Busse zu sein, die überall hielten, be- und entladen wurden. Wir waren froh den Helambu Trek gemeistert zu haben und freuten uns auf eine lange, warme Dusche und das Füße hochlegen auf der Dachterrasse des Hotels. Aber es kam alles anders als erwartet…

Kakani – Melamchi Bazar Bergab 1150 Hm

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Kurz nachdem wir abgeholt worden und mit dem Auto unterwegs nach Bhaktapur waren, erwischte uns das Erdbeben. Ich kann nur immer wieder sagen, dass wir unglaubliches Glück hatten genau dort zu sein, wo wir waren und viel schneller den Berg hinunter gekommen zu sein als gedacht. Aber davon ein anderes mal mehr.