10. Tag: Zum Rifugio Pordenone

Das Rifugio Flaiban Pacherini war der Einstieg zu unserer Hüttenrunde. Ganz offiziell nennt sich die Runde „Anello delle Dolomiti Friulane“ und führt uns heute zum Rifugio Pordenone. Der erste steile und selbstverständlich geröllige Anstieg führte uns nach etwa 200 Höhenmetern zum Lagerplatz der gestrigen Pfadfinder, die gerade ihre Sachen packten. Sie scheinen die Nacht gut überstanden zu haben. Völlig unbeeindruckt von der Aufbruchstimmung und den vielen Menschen tummelten sich 4-5 Steinböcke auf einer Wiese. Zwei jüngere Männchen (hatten noch nicht so große Hörner) liessen ihre Geweihe ineinander krachen.

Weiter ging es etwas sanfter über Wiesen zum Passo di Suola. Kurz vor dem Pass haben wir noch mal drei Steinböcke gesehen, die sich in der Sonne ausruhten. Der Pass belohnte mit wunderbarem Blick zurück, ins nächste Tal und auf die nächsten Bergketten. Was für ein Panorama!

Weiter ging es auf schmalen Wegen am Hang zur Forcella Rua Alta hinauf. Je höher wir kamen, desto ausgesetzter und schottriger wurden einzelne Stellen. Die angebliche Drahtseilsicherung scheint dem letzten Winter zum Opfer gefallen zu sein.

Irgendwann erreichten wir die Forcella (Scharte), die ihrem Namen alle Ehre machte. Es war wirklich nur ein kleiner Einschnitt am Grat und dann ging es auf der anderen Seite steil hinab. Zum Glück nur kurz, wäre ja sonst schade um die ganzen schwer erarbeiteten Höhenmeter gewesen. Schon ging es weiter zur nächsten Scharte, zur Forcella Pramaggiore, dem höchsten Punkt unserer heutigen Wanderung (2295m). Es fehlte nur noch der letzter Anstieg. Der war zwar auch noch mal sehr steil, aber eh wir uns versahen waren wir oben. Ein kapitaler Steinbock hatte sich direkt am höchsten Punkt unseres Weges in Position gebracht. Alle Anstrengung war vergessen denn der Steinbock wollte sich nicht vom Fleck bewegen. Zuletzt waren wir grad noch 3 Meter voneinander entfernt und er guckte uns direkt an. Krass – schüchtern war der mal gar nicht.

Laut Beschreibung sollte es nun nur noch abwärts gehen. Beschwingt machten wir uns auf den Weg. Aber 1100 Höhenmeter sind lang. Irgendwann nervte der Weg durch den Wald nur noch. Auch der Fluss hob unsere Laune nur kurz. Weiter durch das ausgetrocknete Flussbett. Wie schon gestern wollte sich das Refugio einfach nicht zeigen. Und ein Anstieg zum Schluss (auch wenn es nur 75 Höhenmeter sind) ist übrigens eine Zumutung! Erst kurz vor der Ankunft konnten wir die Hütte endlich sehen, da sie im Wald versteckt ist. Käsekuchen kann so lecker sein!

P.S. Wir haben wieder Glück und ein Zimmer für uns, obwohl die Hütte ganz gut besucht ist.