11. Tag: Steil ist immer relativ

Die heutige Wanderung begann mit einem gemütlichen Waldaufstieg der jäh vor einem imposanten Schotterfeld endete. Unser Weg sollte die nächsten Stunden hier hinauf gehen. Der Pfad war weder technisch anspruchsvoll noch (dank vieler Steinmännchen) schwer zu finden. Allerdings war das Gehen anstrengend, da man gerne mal zurückrutschte. Eingerahmt waren wir rundherum von wunderschönen Bergspitzen.

Das Schotterfeld ging in eine breite Schotterrinne über, die nach drei Stunden auf einer grünen Hochebene endete. Dort konnten wir einige Gämse beobachten und dachten schon wir hätten den höchsten Punkt erreicht.

Soweit war es eine schöne Wanderung. Der höchste Punkt war es allerdings noch lange nicht. Denn nun begann der Teil, der jenseits unseres Komfortbereiches lag. Schon während der Rast konnten wir etwas entfernt eine Wandergruppe ausmachen, die ein weiteres steiles Geröllfeld herunterkam. Leider mussten wir dort rauf. Zu unserer Überraschung hörte der Weg allerdings nicht kurz danach auf, sondern zog sich recht lang parallel zum Hang bis zur Forcella Leone. Der erste Blick über den Rand der Forcella offenbarte eine weitere, auf den ersten Blick quasi unpassierbare, Schotterrinne ins Tal. Sie war tatsächlich steil, aber doch passierbar. Mit leicht wackeligen Knien erreichten wir den Abzweig zum Bivacco Marchi Granzotto und brauchten erstmal eine Pause.

Der Hüttenwirt der Pordenone Hütte hatte uns für den Abstieg zum Rifugio Giaf eine andere Scharte zum Abstieg empfohlen, als den in unserem Wanderführer beschriebenen Weg, da dieser im Winter sehr gelitten hätte und Steinschlag gefährdet sei. Also ging es zunächst wieder aufwärts. Die erste Scharte sah nach purer Kletterei aus. Die konnte er unmöglich gemeint haben. Die zweite Scharte hatte immerhin eine Wegnummer, war also zumindest ein offizieller Weg, sah aber noch steiler und gerölliger aus als der Weg, den wir kurz zuvor abgestiegen waren. Dummerweise hörte unsere Karte am Bivacco auf, so dass wir weder recht wussten ob das die vom Hüttenwirt gemeinte Scharte war, noch nach einer anderen Alternative suchen konnten. Merke: niemals, auch nicht für die letzten 1-2 Stunden, ohne die passende Karte loslaufen.

Wir entschieden uns ‚mal zu schauen‘, ob wir uns den Weg zutrauen. Langsam und sehr vorsichtig die Füße setzend ging es abwärts. Immer wieder traten wir kleinere Lawinen los und auch zwei Vögel schafften es Steinschlag auszulösen… Immer zur nächsten Markierung schlichen wir abwärts und entspannt fühlten wir uns mal gar nicht. Unangenehmerweise machte die Rinne auch noch einen Knick, den wir erst nach etwa der Hälfte des Weges einsehen konnten. So ging es weiter hinab immer mit der Befürchtung alles wieder hoch laufen zu müssen. Gerade als der weitere Weg sichtbar wurde stürzte Tina und riss sich an dem spitzen Gestein den Finger auf. Hat erstmal ordentlich geblutet und unser Erste Hilfe Pack hatte seinen ersten Einsatz.

Was tun? Hoch sah genauso unangenehm aus wie runter. Wir redeten uns kurzer Hand ein, dass es einfacher werden würde. Also weiter. Es wurde nicht wirklich einfacher. So einen steilen, rutschigen Weg, ohne Ausweg oder Abkürzung sind wir noch nie gegangen! Nach einer gefühlten Ewigkeit war das Tal erreicht. Leider ließ die Beschilderung zu wünschen übrig und in Ermangelung einer Karte (siehe oben) für dieses Stück (Handy hatte leider auch kein Netz) liefen wir dann prompt noch einen Halbkreis um das Rifugio herum statt den direkten Weg zu erwischen.

Das aufziehende Gewitter im Nacken stolperten wir durch den Wald und schafften es grad noch vor dem richtigen Regenguss zum Rifugio Giaf. Knapp 8 Stunden waren wir auf unterwegs. Krasser Tag! Die Hüttenwirtin meinte dann noch, der andere Weg wäre noch steiler. Aha, da fragen wir uns allerdings wie das noch gehen soll…

Fazit: die Dolomiten sind wirklich schön, aber die Wege meist geröllig, sehr steil und eher anspruchsvoll selbst wenn die Hüttenwirte und Wanderbeschreibungen etwas anderes sagen – zumindest für Freizeitwanderer wir uns.