8. Tag Giro d’Italia und touristisches Murmeltier

Der Plan für heute war früh aufstehen und spätestens um 8.00 Uhr los, um die lange Strecke nach Sambuco gut zu schaffen. Leider haben unsere Pläne an sich, dass sie sich gerne ändern. Als wir morgens den Patrone vom La Font fragten, ob er in Sambuco anrufen und zwei Betten für uns reservieren könne (die Albergo della Pace sollte laut unseren Büchern das ganze Jahr über geöffnet haben) hieß es „chiuoso“ und zwar bis zum 16.6. Nun war guter Rat teuer. Es muss schon ein lustiges Bild gewesen sein. Wie wir zu dritt auf der Treppe vorm Hotel saßen und über der Karte brüteten. 2 Etappen auf einmal konnten wir nicht schaffen; nach Partenze auf der Straße runter hätte uns nichts gebracht, von dort kämen wir nicht weiter; zurück, auf gar keinen Fall. Dann dir Idee vom Chef, wir sollten ins Hotel Regina delle Alpi in Pietraporzio. Das wäre von Sambuco nicht weit und damit mit einer viel befahrenen Straße verbunden, wir könnten Autostop machen… Es wurde also für uns reserviert und die Wirtin erklärte sich sogar bereit uns aus Sambuco mit dem Auto abzuholen, dem Aufbruch stand nichts mehr im Wege. Es war jetzt allerdings schon 1 1/2 Std. später als geplant.
Der heutige Abschnitt stand ganz im Zeichen der Rennrad fahrens, denn unser Aufstieg zum Colle dei Morti (2480 m) war 1999, 2001 und 2003 Teil des Giro D’Italia und auf der Passhöhe steht ein Steinbildnis von Marco Pantani.  

 Dementsprechend sind die geteerten Serpentinen auch bei mehr oder minder ambitionierten Rennradfahrern beliebt (ich weiß ja nicht, ob ich Lust hätte da mit dem Fahrrad hinauf zu eiern …). Bei den auch hier noch zu findenden Schneefeldern sind Radfahrer noch schlechter dran – sie müssen ihr Rad durchschleppen…  

CKurz vor dem Pass stellte Kathi fest, dass sie noch unseren Zimmerschlüssel vom Hotel in der Tasche hatte. Das Problem ließ sich zum Glück bald lösen, da sich 2 italienische Wanderer (die gibt es durchaus auch) bereit erklärten ihn dort abzugeben. Es läge eh auf ihrem Weg. Sehr nett 🙂 Den Colle dei Morti erreichten wir bei schönstem Sonnenschein und es herrschte für hiesige Verhältnisse richtig viel Betrieb. Alle nutzten die Gelegenheit für eine Esspause. Auch ein Murmeltier wusste auch sich dies zu Nutzen zu machen, tauchte kurz auf, ließ sich Kekse, Brot o.ä. hinwerfen, fraß gemütlich, freute sich über die entzückten Aufschreie und gezückten Kameras der Leute und wenn diese zu nahe kamen (heißt bis auf ca. 2-3 m), galoppierte es im gestreckten Murmeltiergalopp von dannen. Sehr lustig. Ach ja, für Fahrräder interessierte es sich auch bzw. machte Männchen daran. 

 Nach diesem kurzweiligen Zeitvertreib ging es die Straße bergab und mit jedem Schritt weitete sich das Panorama. Was für eine Sicht! Was für Berge! Im weiteren Verlauf verließ unser Weg die Straße und wir wanderten durch wunderschön blühende Almwiesen mit grandioser Sicht hinab.  

 Zum Ende verengt sich das Tal zu einer beeindruckenden Schlucht durch die sich der Pfad in vielen Serpentinen hinabschlängelt. 

 Das war erst sehr schön, wurde auf Dauer aber auch sehr anstrengend und die Knie fingen an zu schmerzen. Wenig hilfreich war auch, als wir von 3 älteren Kletterern im Eiltempo überholt wurden. Die waren so flott unterwegs, dass wir nur neidisch wurden. Als wir dann endlich in Sambuco ankamen, saßen sie schon komplett umgezogen bei Bier und Panini in der Bar… Wir waren jedenfalls froh, dass Maura angeboten hatte uns abzuholen und nutzten es gerne. So hatten wir noch genug Zeit uns vor dem Abendessen zu duschen und schon mal einen Aperitivo zu nehmen. Kathi war sehr erfreut festzustellen genau passend zum Champions League finale Juve – Barca an einem Ort mit live Übertragung zu sein. Die Barca Fans waren allerdings in der Minderheit 😉

Castelmagno – Sambuco ca. 18,5 km +750 Hm / -1300 Hm unterwegs 7 1/2 Std.