Klettersteige am Gardasee

Eigentlich hatte der Klettersteigkurs schon im Sommer statt finden sollen, musste aber kurzfristig auf den Oktober verschoben werden und nun war es endlich soweit. Vom Flughafen brachte mich Chrissie bei Kathrin (mit ihr war ich letzten Herbst auf der Faneshütte und im Sommer auf der Kampenwand) vorbei und wir fuhren nahtlos zum Gardasee weiter. Abends gab es noch eine schnelle Pizza mit Achim (unserem Klettersteigführer) und Anna (mit ihr war ich im Sommer auf dem Schinder) in Arco und dann fiel ich auch schon müde ins Bett. War ja auch ein langer Tag gewesen. Morgens noch in Olhao, abends schon in Arco… Nach dem Frühstück ging es dann frisch gestärkt zum ersten Klettersteig am Colodri. Ein wenig Schiss hatte ich ja schon. War ja schließlich mein erster Klettersteig (Anna und Kathrin hatten schon welche im Frühjahr gemacht). Aber wir sind ja auch ein ‚Schisserkurs‘ wie Anna immer sagt, also gehört das wohl dazu 😉 Ich bekam von Achim noch eine kurze Einführung und schon ging es los. Zwischendurch gab es schöne – wie Björn immer sagt – „Tiefblicke“ und ich hatte leichte Wackelknie, aber insgesamt alles halbe Höhe und es machte total Spaß. Oben abgekommen wollte ich gleich den nächsten machen 🙂

Aber erst einmal ging es auf der Rückseite des Colodri den Fußweg unterhalb der Burg hinab nach Arco, wo wir eine Pause mit leckerem Espresso bei schönstem Sonnenschein machten. Am Nachmittag fuhren wir dann nach Dro zum Rio Sallagoni Klettersteig. Der führt durch eine Schlucht und war auch gleich etwas anspruchsvoller. Der erste Teil (der leicht überhängend war) hat mich dann auch ein paar Nerven gekostet, aber geschafft haben wir ihn trotzdem ganz gut. Allerdings war ich danach ziemlich platt.

Auf dem Weg nach unten bin ich auch prompt auf dem losen Schotter ausgerutscht und habe meinen Knöchel umgeknickt. Scheine gerade etwas unfallgefährdet zu sein… Aber auch das ist gerade nochmal gut gegangen und ließ sich mit etwas Diclofenacsalbe beheben. Abends gab es wieder Pizza, diesmal im Ai Conti, was sich in einem uralten Gebäude mit imposanter Deckenbemalung befindet. Speisen mit Stil 😉
Am nächsten Tag ging es nach Biecesa zum Klettersteig auf den Cima Capi. Einer der wegen seiner schönen Aussicht beliebtesten Klettersteige an Gardasee. Ob des schönen Wetters war er auch heute gut besucht (im Sommer muss er allerdings die Hölle sein. Da dürfte man da im Stau stehen). Als das Getümmel am Einstieg erstmal überwunden war, war es der pure Genuss.

Wieder Unten konnten wir im netten Cafe La Grotte noch die Sonne genießen und Abends gab es dann wieder Pizza. Der letzte Tag brach an. Heute stand ein Klettersteig am Monte Baldo (auf der anderen Seeseite), der Gerardo Sega, auf dem Programm. Anna machte sich schon seit dem Vortag Sorgen, aber Achim behauptete steif und fest der Klettersteig wäre nicht schlimmer / schwieriger, als die der vorherigen Tage (allerdings vergaß er zu erwähnen, dass er WESENTLICH ausgesetzter und länger ist, als alle anderen). Hätte ich vorher gewusst, was da auf mich zu kommt, hätte ich es wohl nicht gemacht… Die erste Hälfte bestand hauptsächlich aus all den Sachen, die ich beim Wandern hasse. Aber von Vorne: der Einstieg bestand aus einer 8 m hohen Leiter, die senkrecht eine Felswand hinauf ging. War zu schaffen, aber als Einstieg für mich auch nicht gerade entspannt. Kaum oben angekommen, ging es auf einem 1-2 Fuß breiten Sims in beeindruckender Höhe an einer Felswand entlang (heißt es ging links von mir richtig in die Tiefe und meine Knie haben gezittert wie nichts Gutes).

Nach der ersten Kurve wurde der Sims etwas breiter, dafür kamen nun noch Büsche hinzu, über die man die Sicherungen des Klettersteigsets schleifen musste. Das hinaufklettern in einer Rinne sorgte für ein wenig Entspannung bzw. Befreiung von den ewigen „Tiefblicken“, dafür musste man kurze Zeit später auf einem schmalen Pfad einen steilen Grashang queren und zwar ohne Sicherungsmöglichkeit. Auch nicht nach meinem Gusto… Gesichert ging es dann wieder auf dem Sims weiter, einmal sogar etwas überhängend um eine Ecke, um dann ungesichert auf einem breiteren Sims durch einen schwer beeindruckenden Felsendom zu führen. Die Szenerie war unglaublich imposant und das trotz schwitziger Hände und Wackelknie. Am Ende des Sims gelangten wir an einen bewaldeten Rücken, wo wir eine kleine Pause einlegten (die war auch nötig, nach dem ganzen Gezittere brauchte ich dringend etwas Nervennahrung). Danach ging es für meinen Geschmack etwas entspannter weiter. Technisch war es zwar eigentlich schwerer, da nun viel geklettert werden musste, aber es war nicht mehr ganz so ausgesetzt. Einen Anflug von Panik bekam ich nur noch einmal, als Anna Achim mitteilte, dass sie keine Kraft mehr hätte und wie weit es noch wäre, damit sie sie sich einteilen könne. Achim war scheinbar auch schon etwas angespannt und antwortete nur, was sie sich denn da noch einteilen wolle, wenn sie eh nicht mehr könne. Da beide direkt über mir waren, sah ich Anna schon auf Achim fallen und mir beide auf den Kopf purzeln. Also Augen zu und durch. Hat Anna zum Glück auch gemacht und da es tatsächlich die Ausstiegswand wa, war es auch bald vorbei. Noch ein letzter Spreizschritt und wir waren auf dem Plateau und der Gerardo Sega war erfolgreich beendet. Was für eine grandiose Tour. Im Leben hätte ich nicht gedacht, dass ich mich jemals so etwas trauen würde!

Durch schönste Herbstlandschaft ging es dann zurück zum Auto. Noch eine Einkehr im Albergo Albino, diesmal mit Pasta statt Pizza und dann ging es zurück nach München. Am nächsten Morgen brachte mich die Deutsche Bahn ausnahmsweise mal völlig komplikationslos zurück in die norddeutsche Tiefebene. Eines ist sicher, es werden nicht meine letzten Klettersteige gewesen sein und eine Weihnachtgeschenkidee für den Göttergatten habe ich schon 😉