8. Tag: Pizzo Diei statt Cistella

Der Plan für Sonntag stand schon lange fest, es sollte auf die Cistella (2880 m) gehen. Das ist der Berg auf den man hier die ganze Zeit sieht und nach dem auch das hiesige Stammlokal in Croveo benannt ist. Da der Anstieg von „unserer“ Seite recht ambitioniert ist (1700 Hm), wollten wir es von der anderen Seite und mit Seilbahnunterstützung wagen (diese wiederum fährt zur Zeit nur am Wochende). Also sind wir früh nach San Domenico aufgebrochen und fuhren gleich mit der ersten Tour hinauf nach Dosso. Oben angekommen galt es mal wieder den richtigen Weg zu finden und wenig später zeigte sich die nächste Herausforderung: ein Schneefeld in einer steilen Bergflanke. Zum Glück war der Schnee etwas sulzig und es ließen sich gute Tritte treten. (Schade nur, dass ich gestern die Snowspikes aus dem Rucksack ausgepackt habe. Die hatten wir die ganze Zeit mitgeschleppt und wenn man sie endlich mal brauchen kann…) Die nach uns kommenden Italiener dankten es uns. Kaum lag dieses Schneefeld hinter uns, verschwanden die Wegmarkierungen leider unter weiteren Schneefeldern. Nach einigem Herumgeirre folgten wir einfach einer geführten Gruppe, die einen direkten Aufstieg mit Klettereinsatz gewählt hatte. Der Aufstieg gestaltete sich entsprechend abenteuerlich, dafür gewannen wir schnell in den Blöcken an Höhe.

Es galt dann diverse weitere Schnee- und Schotterfelder zu queren und die eine oder andere etwas exponierte Stelle zu meistern bis irgendwann auch wieder Wegmarkierungen auftauchten und wir kurze Zeit später auf dem Pizzo Diei standen (mit 2909 m sogar etwas höher als die Cistella und somit der höchste Punkt des Tages). Eigentlich ist er nur eine riesige Schotterkuppe allerdings mit sagenhaftem Rundumblick. Fasziniert liessen wir das Bergpanorama auf uns wirken bevor wir uns weiter auf den Weg Richtung Cistella machten.

Wieder gab es keinen richtigen markierten Weg bzw. dieser schien unter einem gletscherähnlichen Schneefeld verschwunden zu sein, welches wir lieber nicht betreten wollten. Ein paar Schafe hat das allerdings nicht gekümmert. Die standen mitten in diesem steilen Feld bis zum Bauch im Schnee. Da fragt man sich schon ein wenig, was sie da bloß zu suchen haben?! Wir suchten uns jedenfalls eine Alternativroute und wechselten zwischen Kletterpassagen und Schneefeldern bevor wir etwa 1 Stunde vor der Cistella beschlossen lieber umzukehren, nicht, dass wir wohlmöglich die letzte Seilbahn verpassen… Zwischenzeitlich waren wir wieder auf Markierungen gestoßen und zurück waren diese deutlich besser zu erkennen. Diesmal führte der Weg allerdings seitlich unterhalb des Pizzo Diei vorbei. Als uns an einer Stelle die weitere Wegführung nicht klar war, kamen zum Glück ein paar Italiener um die Ecke und wir sahen wo wir lang mussten (und, dass der Weg auch problemlos zu meistern war). Allerdings galt es trotzdem noch einige breite und steile Schneefelder zu passieren. Beim 2. oder 3. Schneefeld rutschte eine uns entgegenkommende Wandererin ab und viele Meter herunter bevor sie endlich zum Halten kam. Zum Glück schien sie unverletzt und setze ihren Weg auch gleich fort. Etwas verschreckt, änderten wir daraufhin unsere Taktik und quälten uns zwischen oberer Schneefeldkante und Felswand weiter. So war der Weg sicherer, aber wir mussten wieder etwas klettern und es blieben auch mehrere Schrammen am Körper zurück…

Es folgten noch einige weitere Schneefelder und immer wieder auch kleinere Kraxeleien bevor wir wieder am Lift waren. Der Abstieg war trotz allem wesentlich kürzer als ursprünglich befürchtet und wir schaukelten zufrieden nach dieser eindrucksvollen Tour ins Tal. Mittlerweile war der Lift gut besucht. Er ist nämlich gleichzeitig der Zugang zu diversen Mountainbike-Downhill-Strecken und so kamen uns viele martialisch aussehende Mountainbiker (mit den ganzen Protektoren etc. sehen sie fast wie Ritter mit Rüstung oder Robocops aus) mit ihren Rädern entgegengeschaukeltund ein paar konnten wir auch bei der Abfahrt beobachten.

Ein sehr schöner Tag, die Cistella wird allerdings ein anderes Mal dran glauben müssen. Von der Bacenoseite aus, wäre eventuell eine Überlegung wert – vielleicht sind 1700 Hm doch nicht so schlimm 😉

Dauer: 5 Stunden Rauf & Runter: 600 Hm