13. Tag: Basta

13. Tag: Basta

Heute wurde nicht mehr gewandert, sondern letzten Einkäufen (der leckere Käse muss unbedingt exportiert werden) und dem Tennisspiel gefrönt (zumindest von männlicher Seite). Es gibt in Baceno nämlich einen Campo Sportivo mit kostenlosem Tennisplatz und Hilmar hat Tennisschläger mitgebracht. Statt Abendessen wurde gegrillt und ein schöner Urlaub nimmt nun ein Ende. Wie gut, dass wir immer wieder hier herkommen können!

12. Tag: Rifugio Citta di Busto

12. Tag: Rifugio Citta di Busto

Unsere Zeit in Baceno neigt sich dem Ende zu und langsam werden die Beine etwas wandermüde. Gar nichts machen war aber auch nicht die Lösung. Folglich ging es heute ins Nachbartal. Um etwas genauer zu sein bis zum Ende vom Formazzatal. Unterhalb der Staumauer des Lago di Morasco parkten wir unser Auto und machten uns auf den Weg zum Rifugio Citta di Busto. Den ersten Teil der Route kannten wir schon, da sie auch zur Alpe Bettelmatt führt. An einem Abzweig konnten wir uns zwischen zwei Varianten entscheiden und nahmen den ersten Abzweig. Schon ging es steil den Hang hinauf zwischen Alpenrosen und Felsblöcken. Irgendwann, als wir dachten eir hätten eigentlich schon slle Höhenmeter gemacht, erspähten wir auf einem Felsgrat Hinweisschilder. Etwas irritiert lasen wir Sentiero solo per esperti. Hm, naja so wild war das nun auch wieder nicht, hat mich aber erstmal wieder erschreckt, da ich dachte da kommt noch wer weiß was auf mich zu. Es wurde zwar noch etwas steiler und kurze Abschnitte waren eher schmal, aber der Hinweis war nun doch übertrieben.

Gerade als ich gar keine Lust mehr hatte, stolperte ich über ein recht großes Bergkristallbruchstück. Juchu. Prompt war ich motivierter den Aufstieg fortzusetzen. Der weitere Weg erwies sich als wahre Fundgrube für Bergkristallstückchen. Von winzig bis Walnuss gross, soviele habe ich noch nie gefunden. Auch die Hütte vom Rifugio Citta di Busto (2480 m) war mal wieder urig. Für den Weg hinunter wählten wir die andere Variante und der Abstieg verlief auf einem gut erkennbaren Pfad über die Alpe Bettelmatt zurück zum See. Dieser Weg war allerdingswesentlich frequentierter, was dazu führte, dass wir (nachdem wir morgens fast auf eines drauf getreten waren) keine Murmeltiere mehr zu Gesucht bekamen.

Unterwegs: 5 Std. Rauf & Runter: 750 Hm

Da wir anscheinend noch nicht ausgelastet waren, ging es abends zur Cistella – aber das Restaurant und nicht der Berg. Nichtsdestotrotz machte das nochmal 200 Hm rauf & runter und einige Schweißtropfen aus…

11. Tag: Am Fuße des Monte Rosa

11. Tag: Am Fuße des Monte Rosa

Heute wollten wir eine alte Tour wiederholen, die Monte Rosa Runde zum Rifugio Zamboni-Zappa. Die lange Anfahrt nach Macugnaga wurde wie gehabt mit dem Blick auf die imposanten Hänge des Monte Rosa Massivs belohnt. Der Weg war in einem deutlich besseren Zustand als beim letzten Mal und ohne Probleme erreichten wir erst die Alpe Rosareccio und kurze Zeit später die Hochebene Piani Alti. Von dort wäre es nur noch etwa 1 Stunde bis zum Rifugio gewesen, aber wir mussten soviele Pausen für Fotos einlegen, dass es etwas länger dauerte. Egal dafür waren wir hierher gefahren. Nach dem obligatorischen Café im Rifugio Zamboni-Zappa (2065 m) sind wir noch einen kleinen Hügel zu einer Kapelle hochgelaufen von wo die vergletscherten Hänge noch eindrucksvoller zu sehen waren. Gerade als wir den Rückweg antreten wollten, donnerte es und wir sahen eine Lawine abgehen.

Auf dem Rückweg sind wir zu früh auf die Moräne abgebogen, über das Geröll rutschend erreichten wir dann aber doch den markierten Weg über den Belvedere Gletscher. Der sieht hier übrigens gar nicht wie ein Gletscher, sondern viel mehr wie eine Schutthalde aus, da er komplett mit Geröll bedeckt ist. Kurze Zeit später waren wir an der Seilbahnstation Belvedere und wo sie schon mal da war, haben wir sie natürlich auch benutzt 😉 Eine absolut lohnenswerte Tour und auch beim zweiten Mal kein bisschen langweilig (nicht umsonst hängt ein Foto der Monte Rosa Ostwand über unserem Küchentisch)!

Unterwegs: 5 Std (inkl. Pause und Sessellift) Rauf: 850 Hm Runter: 300 Hm

10. Tag: Lago d‘Orta

10. Tag: Lago d‘Orta

Nach gestern war ein Ruhetag dringend nötig. Das heutige Ziel daher kein Berg, sondern ein See, der Lago d’ Orta. Zunächst ging es aber in Omegna beim Alessi Fabrikverkauf vorbei und wir besitzen nun den 5. Espressokocher. Wenn er doch so formschön ist 😉 Weiter ging es nach Orta San Giulio. Ein sehr schöner, wenn auch etwas überlaufener Ort (empörend fanden wir allerdings, dass ein Café dort 2,30€ kostete. In den Bergen und Domodossola beträgt der Standardpreis für Café 1,00€).

Diesmal sind wir auch mit dem Boot zur Isola San Giulio (auch Insel des Schweigens genannt mit noch aktivem Benediktinerinnenkloster) übergesetzt, wo uns die Kirche faszinierte. Ein schönes verwinkeltes Gebäude mit alten Malereien an Decken und Wänden und einem toten Heiligen mit Goldmaske im Glassarg im Keller. Sehenswert! Wir machten die Umrundung des Sees mit dem Auto dann noch komplett und gönnten uns in Pella noch sehr leckeres Eis mit Blick auf den See.

9. Tag: Passo della Rossa

9. Tag: Passo della Rossa

Gemeinsam mit den Nachbarn wollten wir heute eine eher kurze Tour machen: einmal von der Alpe Devero zum Passo della Rossa. Ok, es sind dann doch für uns 6 Stunden geworden und für die Nachbarn sogar 8.

Vom Devero ging es zunächst mal wieder steil durch Wald nach oben. Aber schon bald blieben die Bäume zurück. Das Gelände blieb steil, wurde aber felsiger und verlief an einem plätschernden Bach entlang.

Nach einer Rast auf der Piana Rossa, einer malerischen Hochebene auf der früher Ziegen weideten, nahm die Steilheit noch mal deutlich zu. Nach einem kurzen, kräftigen Aufstieg änderte sich die Landschaft erneut: es wurde blockig. Große Felsblöcke säumten den Weg und schon bald konnten wir die Eisenleiter erahnen, die als Schwierigkeit im Wanderführer erwähnt wurde. Die erwies sich aber als eher unspektakulär, dafür mussten wir zwischendurch immer wieder mal Hand an den Fels legen, um eine Felsstufe zu überwinden.

Nach der Kraxelei erreichten wir den Bocca della Rossa (2392 m) und wieder änderte sich die Landschaft: zwischen runden, glattgeschliffenen Felsen tümten sich große und kleine Felsblöcke. Wunderschön. Der weitere Weg war gut markiert und führte mal wieder über einige ausgedehnte Schneefelder.

Da der eigentliche Passo della Rossa nicht aufrauchte, beschlossen wir umzudrehen. Hilmar und Benicio wollten weiter und über den Passo di Crampiolo absteigen. Unser Abstieg ging fix und eh wir uns versahen standen Café, Arranciata und Torta auf dem Tisch. Nachdem die anderen uns berichteten, wie ihr weiterer Weg verlaufen war (noch mehr Schneefelder und ein langer Abstieg über nerviges Geröll), waren wir froh umgedreht zu sein. Benicio meinte auch „die“ Wanderung würde er nicht noch einmal machen… Aber er hat sich ja wacker geschlagen.

Unterwegs: 6 Std. Rauf & Runter: 850 Hm

8. Tag: Pizzo Diei statt Cistella

8. Tag: Pizzo Diei statt Cistella

Der Plan für Sonntag stand schon lange fest, es sollte auf die Cistella (2880 m) gehen. Das ist der Berg auf den man hier die ganze Zeit sieht und nach dem auch das hiesige Stammlokal in Croveo benannt ist. Da der Anstieg von „unserer“ Seite recht ambitioniert ist (1700 Hm), wollten wir es von der anderen Seite und mit Seilbahnunterstützung wagen (diese wiederum fährt zur Zeit nur am Wochende). Also sind wir früh nach San Domenico aufgebrochen und fuhren gleich mit der ersten Tour hinauf nach Dosso. Oben angekommen galt es mal wieder den richtigen Weg zu finden und wenig später zeigte sich die nächste Herausforderung: ein Schneefeld in einer steilen Bergflanke. Zum Glück war der Schnee etwas sulzig und es ließen sich gute Tritte treten. (Schade nur, dass ich gestern die Snowspikes aus dem Rucksack ausgepackt habe. Die hatten wir die ganze Zeit mitgeschleppt und wenn man sie endlich mal brauchen kann…) Die nach uns kommenden Italiener dankten es uns. Kaum lag dieses Schneefeld hinter uns, verschwanden die Wegmarkierungen leider unter weiteren Schneefeldern. Nach einigem Herumgeirre folgten wir einfach einer geführten Gruppe, die einen direkten Aufstieg mit Klettereinsatz gewählt hatte. Der Aufstieg gestaltete sich entsprechend abenteuerlich, dafür gewannen wir schnell in den Blöcken an Höhe.

Es galt dann diverse weitere Schnee- und Schotterfelder zu queren und die eine oder andere etwas exponierte Stelle zu meistern bis irgendwann auch wieder Wegmarkierungen auftauchten und wir kurze Zeit später auf dem Pizzo Diei standen (mit 2909 m sogar etwas höher als die Cistella und somit der höchste Punkt des Tages). Eigentlich ist er nur eine riesige Schotterkuppe allerdings mit sagenhaftem Rundumblick. Fasziniert liessen wir das Bergpanorama auf uns wirken bevor wir uns weiter auf den Weg Richtung Cistella machten.

Wieder gab es keinen richtigen markierten Weg bzw. dieser schien unter einem gletscherähnlichen Schneefeld verschwunden zu sein, welches wir lieber nicht betreten wollten. Ein paar Schafe hat das allerdings nicht gekümmert. Die standen mitten in diesem steilen Feld bis zum Bauch im Schnee. Da fragt man sich schon ein wenig, was sie da bloß zu suchen haben?! Wir suchten uns jedenfalls eine Alternativroute und wechselten zwischen Kletterpassagen und Schneefeldern bevor wir etwa 1 Stunde vor der Cistella beschlossen lieber umzukehren, nicht, dass wir wohlmöglich die letzte Seilbahn verpassen… Zwischenzeitlich waren wir wieder auf Markierungen gestoßen und zurück waren diese deutlich besser zu erkennen. Diesmal führte der Weg allerdings seitlich unterhalb des Pizzo Diei vorbei. Als uns an einer Stelle die weitere Wegführung nicht klar war, kamen zum Glück ein paar Italiener um die Ecke und wir sahen wo wir lang mussten (und, dass der Weg auch problemlos zu meistern war). Allerdings galt es trotzdem noch einige breite und steile Schneefelder zu passieren. Beim 2. oder 3. Schneefeld rutschte eine uns entgegenkommende Wandererin ab und viele Meter herunter bevor sie endlich zum Halten kam. Zum Glück schien sie unverletzt und setze ihren Weg auch gleich fort. Etwas verschreckt, änderten wir daraufhin unsere Taktik und quälten uns zwischen oberer Schneefeldkante und Felswand weiter. So war der Weg sicherer, aber wir mussten wieder etwas klettern und es blieben auch mehrere Schrammen am Körper zurück…

Es folgten noch einige weitere Schneefelder und immer wieder auch kleinere Kraxeleien bevor wir wieder am Lift waren. Der Abstieg war trotz allem wesentlich kürzer als ursprünglich befürchtet und wir schaukelten zufrieden nach dieser eindrucksvollen Tour ins Tal. Mittlerweile war der Lift gut besucht. Er ist nämlich gleichzeitig der Zugang zu diversen Mountainbike-Downhill-Strecken und so kamen uns viele martialisch aussehende Mountainbiker (mit den ganzen Protektoren etc. sehen sie fast wie Ritter mit Rüstung oder Robocops aus) mit ihren Rädern entgegengeschaukeltund ein paar konnten wir auch bei der Abfahrt beobachten.

Ein sehr schöner Tag, die Cistella wird allerdings ein anderes Mal dran glauben müssen. Von der Bacenoseite aus, wäre eventuell eine Überlegung wert – vielleicht sind 1700 Hm doch nicht so schlimm 😉

Dauer: 5 Stunden Rauf & Runter: 600 Hm

7. Tag: Ricreazione e Domodossola – Erholung und Domodossola

7. Tag: Ricreazione e Domodossola – Erholung und Domodossola

Am 7. Tage sollst du ruhn und möglichst wenig Schritte tun… So galt es heute sich auszuruhen und lediglich einzukaufen. Samstag ist Markttag in Domodossola: Gemüse, Obst, Käse und Wurst – der Einkauf für die nächste Woche war also gleich mit einem pittoresken Marktbummel erledigt. Gestern hatte Björn länger in Locatellis Kochbuch „Made in Italy“ geblättert und diverse Leckereien herausgesucht. Wir dürfen gespannt sein. Zwischenzeitlich waren auch die Nachbarn in Baceno angekommen und hatten schon angefangen eine ganze Poollandschaft aufzubauen. (Kleiner Fußbadpool, mittlerer Chillpool und großer „Ich dümpel als ganzes im Wasser Pool“ – so lässt sich die Hitze aushalten 🙂

Der Rest des Tages verlief ruhig. Lesen, schreiben, kochen.

6. Tag: Affrettarsi – Beeilt

6. Tag: Affrettarsi – Beeilt

Heute wollten wir es ruhig angehen lassen und das wieder schöne Wetter genießen. Von der Alpe Colma sollte es erst den Höhenrücken entlang und dann runter nach Villadossola gehen, um von dort den Bus zu nehmen. Da wir auch noch schnell auf dem Pizzo Castello vorbei schauen wollen, rechneten wir nicht damit rechtzeitig für den Mittagsbus im Tal zu sein (der nächste fährt dann erst wieder abends nach Baceno).

Die Überraschung war dementsprechend groß, als wir nach unserem Abstecher auf den Pizzo Castello (1607 m – sagenhafter 360 Grad Rundumblick bis zum Monte Rosa) ein Schild sahen, auf dem der Weg nach Villadossola mit 1,5 Stunden angegeben war. Im Schweinsgalopp sind wir den Berg runter, über Stock und Stein und durch mannshohe Farnfelder. Obwohl wir auch noch einmal den falschen Weg einschlugen (statt Villadossola stand irreführend auf einmal Pallenza auf dem Wegweiser) und auch noch die richtige Bushaltestelle erfragen mussten, standen wir auf die Minute genau an der Bushaltestelle und der Bus fuhr vor. In Domodossola hatten wir kurz Zeit für ein Eis und Café und schon ging es weiter nach Baceno. Mittlerweile machte sich der rasante Abstieg allerdings ordentlich bemerkbar. Die Knie wollten sich eigentlich nicht mehr biegen lassen, die Oberschenkel brannten und die Waden fühlten sich auch recht hart an. Außerdem hatte ich mir eine Zecke eingefangen… Aber ab jetzt können wir uns ja erholen und frisch gewaschene Wäsche ist doch was Feines 😉

Unterwegs: 3 Std. 45 min. Runter: 1380 Hm

Rauf: 100 Hm

5. Tag: Barare – Geschummelt

5. Tag: Barare – Geschummelt

Nach einem eher untypischen Frühstück mit Käse und Speck, begannen wir unsere letzte Etappe auf dem GTA.

Nachts hatte es geregnet und so ging es zunächst über nasse, rutschige Grashänge ins Tal (so rutschig, dass selbst Björn hin und wieder ins Straucheln kam). In Antronapiana angekommen gab es erstmal Café, denn wir hatten beschlossen heute ein wenig zu schummeln und anstatt den Weg die Straße entlang lieber den Bus zu nehmen.

Hatten wir uns gestern noch über unser Wetterglück gefreut, zogen heute dichte Wolken auf und während wir im Café saßen, fing es an zu regnen.

Nach kurzer Busfahrt erreichten wir unseren Einstieg. Das Wetter meinte es jedoch wieder gut mit uns und der Regen hatte schon wieder aufgehört. 1000 Höhenmeter lagen vor uns, die zwar anstrengend waren, aber Regen und Gewitter ließen auf sich warten und so konnten wir trockenen Fußes hinauf laufen. Nach knapp 3 Std. war es geschafft.

Die Alpe Colma liegt sehr malerisch und mit großartiger Aussicht auf einem Kamm und wir wurden als erstes vom Hund und danach vom Hüttenwirtspaar begrüßt (alle sehr sympathisch). Beim obligatorischen Café und Arranciata erwiesen die beiden sich dann als eingefleischte Ökos: der Tabak wird mit einer (handbetriebenen) Maschine geschnitten und zu Zigaretten gerollt, der Café von Hand gemahlen und selbstverständlich wurde auch die Pasta handgemacht. Außerdem wurden wir gebeten alle elektrischen Geräte auszumachen, da sie elektrosensitiv seien. Sie haben zwar selber ein Handy, damit die erreicht werden können, das liegt aber gut gesichert hinter einem mit Alluminiumfäden gewebten Vorhang und abends wird bis auf für ein paar Lichtschalter der komplette Strom abgestellt. Im übrigen schien das auch ein Thema zu sein, welches sie schwer beschäftigte…

Eigentlich sollten noch 2 weitere Deutsche kommen (sie hatten telefonisch reserviert), tauchten allerdings nicht auf. Die Hüttenwirtin meinte auch, das würde in letzter Zeit häufiger passieren (das gleiche hatte auch schon der Hüttenwirt in Cheggio gemeint). Ziemlich blöd, vor allem, wenn sich größere Gruppen angekündigt haben und nicht auftauchen. Dann muss das Essen weggeschmissen werden. Abgesehen davon ist dann auch immer unklar, ob nicht vielleicht etwas passiert ist. Also immer absagen, wenn etwas dazwischen kommt bzw. noch besser tatsächlich kommen!

Zur Alpe Colma kam aber dafür noch ein junger Italiener, der sich ebenfalls vorgenommen hat den kompletten GTA zu erwandern. Er ist allerdings besonders ambitioniert und macht immer 2-3 Etappen pro Tag. So war er heute vom Bivacco Marigonda (liegt in der Nähe der Alpe Laghetto) aufgebrochen und dementsprechend fertig… Es hatte zwischenzeitlich auch immer wieder ordentlich geregnet… Als wir beim Abendessen waren, tauchte auch noch einer unserer Weitwanderer von der Alpe Laghetto auf. Nachdem wir die beiden das letzte Mal bei der Alpe Preia gesehen hatten, von wo sie vor uns aufgebrochen waren, hatten sie sich wohl erstmal für 2 Std. Verlaufen. Am Passo della Preia hatte er beschlossen, dass er nicht mehr weiter wollte und dort gezeltet. War in der Nacht wohl eher unangenehm. Fettes Gewitter und Sturm… Das erklärte jedenfalls warum wir a) die beiden beim Abstieg nach Cheggio gar nicht mehr gesehen haben und b) warum wir später am Refugio in Cheggio nur einen von ihnen haben Vorbeiwandern sehen.

Das Abendessen war (wie nicht anders zu erwarten) sehr Lecker. Primo: besagte selbstgemachte Pasta mit Ragu Secondo: Fleisch mit Zitronensauce und Salat dazu selbstgebackenes Brot. Statt Nachtisch kam der selbstgebrannte Grappa und Genepi auf den Tisch. Björn war noch einen Moment länger unten und bekam Zuccherini kredenzt. Eine hiesige Spezialität – Zuckerwürfel mit Kräutern in Alkohol (in diesem Falle Genepi) eingelegt. Das macht Laune 😉

Unterwegs: 6 Stunden (inklusive 1 1/2 Stunden Wartezeit auf den Bus) Runter: 600 Hm Rauf: 1000 Hm

4.Tag: Scorrevole – Abgerutscht

4.Tag: Scorrevole – Abgerutscht

Nach einem typisch italienischen Hüttenfrühstück: Weißbrot, Zwieback, Marmelade und Café machten wir uns auf den Weg nach Cheggio. Die feundlichen Hüttenwirte wiesen uns gleich noch den kürzesten Weg. So war nach knapp 20 Minuten der erste Pass des Tages, der Passo di Campo erreicht. Nun ging es erstmal über Bergwiesen bergab. Früh am morgen war es noch kühl und wir kamen schnell voran und das Bergpanorama rundherum war mal wieder sagenhaft.

Irgendwann war das Tal erreicht und wir mussten wieder aufwärts. Die Wege hatten im Winter allerdings ordentlich gelitten. Immer wieder waren Stücke abgerutscht. Im Wanderführer stand noch „Die heikle Querrung einer abschüssigen Grasflanke ist jüngst durch einen breiteren Weg entschärft worden.“ Denkste! Nach etwa 2,5 Stunden standen wir an besagter Grasflanke. Leider war gar kein Weg mehr vorhanden, da er auf einer Länge von 20-30 m ins Tal gerutscht war. Vorsichtig und mit klopfendem Herzen tasteten wir uns oberhalb des Abbruchs Schritt für Schritt weiter. Kein Spass auf dem rutschigen Gras!  Aber irgendwie haben wir es geschafft und konnten unseren Weg dann normal fortsetzen.

Wir kamen zur Alpe Preia mit alten unterirdischen Ställen von den einer als Rastplatz ausgebaut worden war. War aber leider nicht zu benutzen, da der Zugang von einem Schneefeld versperrt wurde. Apropos Schneefelder, davon waren auf dem weiteren Weg einige zu queren, die aber keine Probleme machten. Nach einer gefühlten Ewigkeit standen wir am höchsten Punkt des heutigen Tages am Passo della Preia (2327 m).

Von nun an ging es nur noch bergab, aber gerne steil, teilweise recht rutschig und auch immer wieder ziemlich zugewachsen. Der Weg zog sich und in den Oberschenkeln, Knien und Hüften machte sich das viele bergab ganz schön bemerkbar. Der Weg am Ufer des Lago Alpe dei Cavalli zog sich entsprechend und auch diesmal hat sich das Rifugio versteckt.

Allerdings nur am untersten Dorfrand von Cheggio. Es folgte the same procedure as every day. Café, Arranciata diesmal erweitert durch Kuchen (wir hatten so einen Hunger), Duschen und in der Sonne vorm Haus beim Gebimmel der Kuhglocken aufs Abendessen warten. Auch hier im Rifugio Citta di Novara wurden wir wieder sehr nett empfangen und uns wurden gleich Liegestühle und eine große Flasche Wasser hingestellt. Außerdem wurde uns freundlicherweise ein Zweibettzimmer zugeteilt. Das erfreut das Wandererherz! Der Refugio-Hund ist etwas älter und nicht so aufs Spielen versessen, meinen Kuchen hätte er aber gerne gehabt 😉

Primo: Pasta mit Tomatensugo und Salat!
Secondo: Scaloppine mit Zucchini und Karotten-Zwiebel Sauce
Dolce: Torta

Unterwegs: 7 Stunden Rauf: 700 Hm Runter: 1250 Hm

3. Tag: Nascosto – Versteckt

3. Tag: Nascosto – Versteckt

Nach Hagel und Gewitter gestern Abend, präsentierte sich das Wetter heute morgen mit blauem Himmel und Sonnenschein. Wir beschloßen einen kleinen Abstecher zur Bocchetta Gattascosa zu machen und das Panorama der 4000er Berge auf der schweizerischen Seite zu begutachten (war allerdings nicht so beeindruckend, war aber auch Richtung Schweiz noch recht bewölkt). Im Anschluss machten wir uns auf unseren eigentlichen Weg zum Refugio Laghetto.

Zunächst ging es über ein Hochmoor zurück nach San Bernardo. Da gab es erstmal Café und Crostata, die uns gestern schon angelacht hatte. Anschließend verlief der Weg die meiste Zeit im Wald und bot wohltuenden Schatten. Es war nämlich wieder ganz schön heiß. Auf Dauer zog sich der Weg ganz schön. Auf eine Kurve folgte die nächste und die verfallenen Häuser der Alpe Oriaccia, die wir schon von Weitem gesehen hatten und als Rastplatz auserkoren hatten, tauchten so lange nicht auf, dass wir mit einem anderen sonnigen Fleck Vorlieb nahmen (zwei Kurven weiter, war die Alpe dann natürlich erreicht…).

Der letzte Anstieg zum Refugio Laghetto war tatsächlich wie angekündigt steil – sehr steil. Schnaufend und vor Schweiß triefend ackerten wir uns den Berg hinauf. Das Refugio blieb bis kurz vor unserer Ankunft verborgen, so dass wir leise zweifelten ob wir wohl richtig sind. Endlich Angekommen waren die Anstrengungen bald vergessen. Café, Arranciata, warme Dusche und sehr sympathische Hüttenwirte, sowie eine fantastische Sicht waren der Lohn für den schweißtreibenden Anstieg.

Die Hütte wird von einem Team aus 4 älteren Männern und Frauen und 2 jüngeren Männern bewirtschaftet. Alle wuseln irgendwie beschäftigt herum und sind super freundlich und hilfsbereit. Nach dem Duschen wird einem ein Fön angeboten, die hinterm Haus versteckte Wäscheleine für die nassen Sachen gezeigt und einem anderen Wanderer, dem der Trekkingstock gebrochen ist, dieser mit Hilfe von Holz und Gewebeband repariert. Außerdem hat die Hütte eine wunderschöne Lage in einem Talkessel oberhalb von einem kleinen See. Überall blühen Alpenrosen und andere Almblümchen und die Murmeltiere hopsen durch die Wiese. Was will man mehr?!

Auch das Abendessen war fantastisch. Vorweg „Bergantipasti“ sprich Speck, Salami, Brot und gebratene Polentaschnitten mit Käse Primo: selbstgemacht Pasta mit Ragu Secundo: Bagnato (angeblich ein typisch piemontesisches Gericht – Rindfleisch mit einer Sauce aus vielen Kräutern etc. sehr lecker!) Dolce: Crostata oder Apfelkuchen oder Schokokuchen. Der jüngste Mann im Trupp war im übrigen der Chefkoch und sehr ambitioniert uns sein Essen nahe zu bringen. Dafür bemühte er sogar seine Englisch Brocken. Besondere Betonung legte er noch darauf, dass alles hausgemacht und das meiste auch aus Vollkornmehl sei. Außer uns waren noch 3 andere GTA Wanderer auf der Hütte 2 deutsche Männer, die beide gerade ein Sabbathalbjahr machen (nein, keine Lehrer) und den kompletten GTA laufen wollen. Respekt! Sie haben sich zufällig getroffen und gleich zusammen getan. Außerdem war noch eine junge Frau da. Wir haben sie erst für eine Französin gehalten, aber dann stellte sich heraus, dass sie eine Österreicherin ist, die bloss mir den Hüttenleuten französisch gesprochen hat, da sie kein italienisch kann. Die wiederum wendeten zwischenzeitlich französich auf alle an und es wurde ein wilder Sprachenmix am Abend. Im übrigen waren die Hüttenleute eh keine Freunde von Traurigkeit. Beim Abendessen floss der Genepi reichlich (auch am Nachmittag war uns schon Grappa zum Café angeboten worden) und es wurden einige Zigaretten vor der Tür geraucht. Ich frag mich bloß, was die machen, wenn die mal alle sind, der nächste Zigarettenautomat ist etwas weit…

Unterwegs: 6 Std. Rauf: 790 Hm Runter: 740 Hm

2.Tag: Ritornato – Zurückgekehrt

2.Tag: Ritornato – Zurückgekehrt

Pünktlich um 7.02 Uhr tauchte der Bus auf. Nachdem alle eingestiegen waren, verschwand der Busfahrer allerdings erstmal auf einen Café in die Bar. Zum Glück sind Espressi klein 😉 Als es dann los ging, hatte ich erstmal einen Flashback. Genau wie beim ersten mal GTA mit Kathi, sass der lauthals singende Typ in der ersten Reihe hinter dem Busfahrer und hörte damit auch nicht auf bis wir in Domodossola waren. Von Domodossola ging es mit dem nächsten Bus weiter nach San Lorenzo im Bognanco Tal. Dort war unser Einstieg in den GTA und etwa 1100 Höhenmeter standen heute auf dem Programm. Der Aufstieg verlief lange im Wald, zum Teil sehr steil, manchmal schlecht ausgeschildert. Alles wie gewohnt 😉

Wieder liefen wir durch alte Steindörfer und an verfallenen und teilweise auch noch genutzen Alpen vorbei und waren froh, dass die Temperatur auf unter 25 Grad gefallen war. Mehr oder weniger unfreiwillig (bzw. wir hatten mal wieder nicht genug aufgepasst) haben wir den längsten Weg zum Rifugio gewählt und noch einen Umweg über den Lago di Agro gemacht. (@ Nina: da kam uns auch prompt dein Ossolaner Wanderpapst entgegen – zu erkennen am T-Shirt mit entsprechendem Aufdruck und dann sieht er auch noch tatsächlich so aus wie auf seinem Internetfoto). Nach 5 1/2 Stunden erreichten wir das Rifugio Gattascosa.

Der Rifugio Hund freute sich endlich jemanden zum Spielen zu haben und beteiligte sich mit Wonne an meinen Hüft- und Yogaübungen im Gras. Die Zeit bis zum Abendessen vertrieben wir uns auf einem Felsvorsprung sitzend und die idyllische Landschaft bewundernd.

Das Rifugio wird von einer alten Frau betrieben. Sie erhält allerdings tatkräftige Unterstützung von ihrer Enkelin + Freundin. Diese spricht anscheinend etwas Englisch und muss nun zu ihrem Leidwesen die ganzen Telefongespräche entgegennehmen und auf Englisch mit den ganzen deutschen Wanderern Radebrechen. Die Ärmste ist schon ganz gestresst. So haben wir auch erfahren, dass morgen das komplette Rifugio ausgebucht ist – da haben wir wohl Glück gehabt. Außer uns sind heute nur zwei weitere Wanderer hier und wir konnten ein Zimmer für uns alleine ergattern 🙂 Passend zum Abendessen zog ein ordentliches Gewitter auf mit Hagel und allem drum und dran, da hatten wir was zu gucken 😉 Das Essen war im übrigen sehr lecker.

Primo: Minestrone
Secundo: Dreierlei Fleisch Salsicca (Bratwurst), Cervo (Hirsch), Spezzatini (sowas wie Rindergulasch) mit Brot
Dolce: Crostata

Unterwegs: 5 1/2 Std. Rauf: 1100 Hm Runter: 150 Hm

1.Tag: Baceno

1.Tag: Baceno

Wir sind mal wieder in Baceno und es fühlt sich altbekannt und fast wie zu Hause an. 14 Stunden Autofahrt werden mit Bergpanorama im Sonnenschein, Pizza Salsiccia von ‚Oggi Pizza‘ und Birra Moretti belohnt.

Am nächsten Morgen bemerken wir dann aber doch einige Änderungen im Dorfleben: im Alimentari muss man nun Nummern ziehen, um Wurst und Käse zu kaufen. Die beiden Bars sind schon früh am Morgen gut besucht und mehrfach jaulen Sirenen durch das Tal, nicht zu vergessen das Dröhnen der ganzen Motorräder.

Nach dem Frühstück beschließen wir einen Spaziergang zu den Orridis zu machen. Auch hier sind Massen an Menschen unterwegs. So viele Leute hatten wir bislang noch nie in Baceno gesehen – aber wir waren auch noch nie mitten im Sommer hier. Es ist Hochsaison und ganz schön heiß. Egal, trotz des Andrangs sind die Orridis (begehbare eiszeitliche Schluchten) und die Marmite dei Giganti (Gletschertöpfe) immer wieder schön. Wir haben sogar einen Weg entdeckt, den wir noch nicht kannten. Das Schild „Attentione: Sentiero esposto! Solo per esperti!“ hielten wir allerdings für übertrieben.

Nach 2 Stunden schnell noch die Füße im eiskalten Wasser der Marmite gekühlt und dann zurück nach Baceno. Auf dem Weg haben wir dann noch eine Schlange gesehen. Also nicht so ein Schlängelchen was kaum grösser als ein Regenwurm ist, sondern eine echt große Schlange. Als wir sie fotografieren wollten, hat sie allerdings das Weite gesucht. Was gibt es hier wohl für Schlangen? Eine Kreuzotter war es definitiv nicht und eine Blindschleiche erst recht nicht. Vielleicht eine Viper?

Der Rest des Tages verging ruhig mit viel Café und Lesen und abendlicher Beobachtung von Hirschkäfern, die sich beim Fliegen erstaunlich tolpatschig anstellen. Morgen geht es dann wieder auf den GTA. Nachdem wir vor 2 Jahren das Endstück bis zum Mittelmeer gelaufen sind, erwandern wir diesmal ein paar der Anfangsetappen.