Auf nach Spanien

Auf nach Spanien

Der Regen nahm kein Ende und hielt sich bis in die Nacht. Morgens war es zwar relativ trocken, aber die weiteren Aussichten für den Rest des Tages und die folgenden Tage war eher schlecht. Daher brachen wir die Zelte ab und machten uns auf den Weg in den spanischen Teil der Pyrenäen. Durch hübsche Örtchen und über hunderte Serpentinen bergauf und bergab in dichtem Nebel ging es Richtung Grenze. Direkt hinter der Grenze stießen wir auf einen großen Supermarkt und nutzten die Gelegenheit unsere Vorräte aufzufüllen und konnten nebenbei XXL Wein- und Schnapsflaschen mit 4-5 Litern bewundern. Auch die Chips, Käse, Oliven und sonstigen Verpackungen waren im Supersize Format und entsprachen eher unserer Klischee-Vorstellung von Supermärkten in den USA. Den Autokennzeichen nach zu urteilen  scheinen hier aber vor allem Franzosen einzukaufen.

Weiter ging es durch ein paar hässliche Ski-Retorten-Orte ins hübsche Espot, welches direkt am Parc Nacional de Sant Maurici i Aigüestortes liegt. Wunderbarerweise schien hier die Sonne und wir fanden einen netten Campingplatz direkt oberhalb des Ortes mit schönem Blick auf die Berge und eine Pferdeweide. Und um das Glück perfekt zu machen, gibt es auch noch einen Pool 🙂

Bücher:

Tag des Wassers

Tag des Wassers

Nach dem wir alle aus unserem komatösen Schlaf erwacht waren und unser erstes französisches Frühstück – Café, Baguette und Croissants – in Ruhe beendete hatten, ging es los zur ersten Wanderung des Urlaubs.


Ein schöner Spaziergang durch den Wald zu einem imposanten Wasserfall, angeblich einem der schönsten in den Pyrenäen, dem Cascade d’Ars.

Leider hielt das gute Wetter nicht. Kaum wieder am Campingplatz begann es monsoonartig zu regnen und zu gewittern ohne Pause. Auf dem Weg zur Toilette begegneten einem prompt riesige Kröten…

Bücher:

Ein langer, langer Weg in die Pyrenäen

Ein langer, langer Weg in die Pyrenäen

Diesen Sommer geht es mit Freunden in die Pyrenäen: zelten, wandern, rafting, faulenzen. 

Leider stand vor dem Vergnügen die Anfahrt. 17,5 Stunden, ohne nennenswerte Pausen. Die Rückfahrt machen wir in zwei Etappen, wir sind einfach zu alt für sowas 😉


Aber jetzt sind wir in Seix, die Zelte stehen mit Blick auf die Berge. Im Hintergrund rauscht ein Fluss und wir freuen uns schon auf das Abendessen im Ort, der, wenn uns unsere völlig übermüdete Wahrnehmung nicht täuscht, sehr schön ist. Vive la France.

Bücher:

Tallinn

Tallinn

Am Freitag Abend sind wir für ein langes Wochenende in Tallin angekommen und mussten erstmal einen ordentlichen Temperatursturz verkraften: gestartet in Bremen bei 28 Grad, in Tallinn dann nur noch 8 Grad! Dank nahendem Mittsommer war es auch um 21:00 Uhr noch hell und die Stadt sehr lebhaft. Der erste Eindruck: eine schöne, aber sehr ‚geleckte‘ mittelalterliche Stadt. Aber erstmal zum Hotel und dann etwas essen. 


Erstaunlicherweise waren die meisten Restaurants so spät noch voll, obwohl der Reiseführer behauptete die Esten würden eher früh essen. Nach kurzer Suche landeten wir in einem veganen Restaurant und waren positiv überrascht: das Essen schmeckte unglaublich gut. Um 23.00 Uhr war es dann gerade am dämmern, als wir ins Hotel zurück kehrten… 

Unser Hotel liegt mitten in der Altstadt in einem sehr verwinkeltem und uraltem Gebäude. Der Frühstücksraum befindet sich im Kellergewölbe, dass mit seinen dicken Deckenbalken,Wandmalereien, Schwertern und Helmen an den Wänden recht museal wirkt.

Am nächsten Morgen ging es bei knallblauem Himmel und schönstem Sonnenschein auf den Domberg. In den frühen Morgenstunden war die Stadt noch nahezu ausgestorben und wir konnten den mittelalterlichen Charme der Altstadt bewundern. 


Nach und nach begegneten uns immer größere Mengen von Touri-Gruppen, verschiedenster Nationalitäten. An einem der Aussichtspunkte vom Domberg auf die Altstadt sahen wir auch die Ursache hierfür. Vier riesige Kreuzfahrtschiffe lagen in Tallinns Hafen vor Anker. 


Auf dem Domberg finden sich die Burg, die Alexander-Newski Kathedrale, mehrere Kirchen und Museen. 


Wir entschieden uns für das  ‚Kiek in de Köök‘ Museum in einem alten Wehrturm. (Angeblich konnte man vom Turm den umliegenden Häusern durch die Schornsteine in die Küchen gucken.) Neben einem schönen Blick auf die Stadt werden Waffen, Folterinstrumente und alte Pläne gezeigt. Auch das Gebäude selbst ist einen Besuch wert. 


Unser weiterer Weg führte uns zu weiteren Kirchen: die orthodoxen beeindrucken durch die umfangreichen Verzierungen, Ikonen und Kandelaber. Aber auch die schlichten Kirchen sind interessant und die Olaikirche war eine Zeit lang sogar das höchste Gebäude der Welt. Ist allerdings schon ein Weilchen her – von 1549-1625. 


Außerdem stießen wir immer wieder auf die Stadtmauer und ihre vielen Türme (von ursprünglich 40 Türmen sind immerhin noch 26 erhalten und einer heißt sogar Bremen).

Am Nachmittag machten wir noch einen Abstecher zum Fischmarkt, um von dort in den angesagten Stadtteil Kalamaja zu laufen – was eher enttäuschend war. Zwar besteht das Viertel hauptsächlich aus Holzhäusern, was ihm einen ganz anderen Charakter verleiht, aber wirklich sehenswert war er nicht. Vielleicht haben wir auch einfach nicht die richtigen Ecken gesehen… Dafür hatten wir mittlerweile einige Kilometer in den Füßen.

 

Für das Abendessen hatten wir uns ein Restaurant in der Nähe des Fischmarktes mit moderner russischer Küche ausgesucht. Auf dem Weg dahin, schallte uns laute Punk Musik entgegen und wir beschlossen noch einen Abstecher zu Quelle zu machen: ein OpenAir Punk Konzert – ganz klassisch mit Pogo, Bier und Iros (die Band sah altersmäßig allerdings mehr nach Schülerband aus). Sehr amüsant, aber wir hatten Hunger und sind zu alt für sowas 😉 


Am Sonntag wollten wir die Altstadt hinter uns lassen. Das Ziel war das Kumu (Museum für moderne Kunst) im Stadtteil Kadriorg und schon von Außen ein interessanter Anblick. Leider hatten wir nicht daran gedacht, dass das Museum an Pfingsten geschlossen haben könnte… Dafür kamen wir am Schloß Peter des Großen vorbei und flanierten ein wenig durch den Park. Es gab auch neue Warnschilder 🙂 


Außerdem fanden wir in Kadriorg die gestern gesuchten schönen, alten Holzhäuser.

Nach einem kurzen Zwischenstopp im Museum für estnische Geschichte spazierten wir zur Telleskivi Straße, wo auf dem Gelände einer aufgegebenen Fabrikanlage heute Popup Shops und Restaurants ihre Heimat gefunden haben. Ein Hipster Paradies, aber wirklich nett bei dem schönen Wetter. Mittlerweile ist es auch schon wärmer geworden und in  der Sonne ließ es sich sogar ohne Jacke und nur mit einem Pulli aushalten.

Bücher:

Regen, nichts als Regen

Regen, nichts als Regen

Es regnete und sollte auch den Rest des Tages regnen. Also statt in die Berge noch mal nach Arco ein Kletterseil kaufen und auf dem Rückweg beim Weingut Madonna delle Vittorie für Wein und Grappa anhalten.


In Arco haben wir dann tatsächlich noch Harry und Sabine getroffen (2 Mitwanderer von der Fanes Hütte), die ebenfalls ihren Urlaub am Gardasee, allerdings in Malcesine,  verlängert hatten. Tja, Arco ist das Outdoor Shopping Paradies und was soll man bei Regen sonst machen 😉


Weiterging es nach Riva di Garda zum Kultur schnuppern ins Museum und zum Café trinken und leckere Crostata essen in dem sehr schicken 30er-Jahre Café Spiaggia degli Olivi, welches ursprünglich eine Badeanstalt war. Zwischenzeitlich hörte es sogar mal kurz auf zu Regnen. Das war allerdings nicht von Dauer. Gerade sehe ich schon unser Abendessen davon schwimmen. Es gewittert, der Regen prasselt nur so auf das Dach und die Straße vor dem Hotel hat sich schon in einen kleinen Fluß verwandelt…

Berge und Gärten

Berge und Gärten

Heute stand nur eine kurze Wanderung auf dem Programm. Der Himmel war morgens schon grau und für den frühen Nachmittag war Regen angesagt, außerdem saß die Tour von gestern noch in den Knochen.


Auf nach Prabione und auf den Monte Cas. Im dichten Wald ging es bergauf, immer abwechselnd über Stock und Stein und felsige Treppenstufen. Auf dem ersten Plateau angekommen, eröffnete sich  ein imposanter Tiefblick zum See. 600 Meter fiel die Wand vor uns ab.


Immer an der Abbruchkante entlang ging es weiter zur Wallfahrtskirche Santuario di Montecastello. Auf dem Weg lagen viele Höhlen und Stollen aus dem ersten Weltkrieg. In einer dieser Höhlen war sogar ein riesiger Scheinwerfer installiert mit dem die Täler ausgeleutet werden konnten.


Der weitere Wegverlauf war unspektakulär, trotzdem haben wir unsere Abzweigung verpasst und unfreiwillig die Tour ein wenig verlängert.


7 km – 300 Hm (↑↓)

Nach der Tour sind wir noch nach Gardone Riviera zum Giardino Botanico von André Heller gefahren. Den Eintrittspreis von 11 € fanden wir zwar recht gesalzen, aber der Garten ist einfach wunderschön gestaltet.

Wanderführer: Gardasee Michael Müller Wandern: Wanderführer mit GPS-kartierten Wanderungen 1. Auflage 2012, Seite 178, ** Von Prabione zur Wallfahrtskirche Santuario di Montecastello.

Höhentour über Limone: von Pregasina über Punta dei Larici & Cima Bal

Höhentour über Limone: von Pregasina über Punta dei Larici & Cima Bal

Bislang neigte unser Wanderführer eher  zur Übertreibung, was die Schwierigkeit der Touren anging. Daher waren wir von der heutigen Tour doch etwas überrascht, aber ich greife vor.


Bei blauem Himmel und strahlender Sonne ging es mit dem Auto auf schmaler Straße nach Pregasina. Dort angekommen, parkte  ein älteres Pärchen  rasant auf den 2 Parkplätzen neben uns schräg ein. Sie mit Regenhose und ballonseidener Sportjacke, er mit Cordhose, Parker und einem Cappy, welches sich in Auflösung befand. In der linken Hand eine gut gefüllte Papiertüte, in der rechten eine Flasche Wasser und auf dem Rücken ein Kinderrucksack. Wir waren sicher, die beiden wollten zum Friedhof, waren daher überrascht als wir es nach 10 Minuten hinter uns Schnattern hörten. Die beiden holten mit ordentlichem Tempo auf. Neue Hypothese: die suchen Pilze oder ähnliches. Unsere Wege trennten sich nach einer Weile und wir schlenderten weiter den Berg hinauf zum ersten Aussichtspunkt – dem Punta dei Larci. Beim Tee einschenken hörten wir die beiden  dann wieder. Sie noch immer die Hände in die Hüften gestemmt vorweg laufend, er mit Rucksack, Tüte in der einen, Flasche in der anderen Hand hinter her – die beiden hatten den etwas längeren Weg an den Steilwänden zum See entlang genommen. Ok wir müssen wohl mal unsere Vorurteile prüfen 😉


Weiter ging es den Berg hinauf erst zum Passo Guil und dann weiter zum Monte Guil. Ab dort waren laut Wanderführer Trittsicherheit und absolute Schwindelfreiheit erforderlich. Bis zum Passo Chiz war alles noch recht simpel. Der weitere Weg auf dem Grat mit ‚felsiger Kraxelei‘ war zwar sehr schön, aber doch deutlich fordernder als erwartet und die senkrechten Abbrüche taten ihr Übriges…


Der Abstieg war diesmal wirklich sehr steil und rutschig und wir mussten immer wieder mal die Hände zu Hilfe nehmen. Nach insgesamt 6 Stunden waren die Knie dankbar als wir endlich wieder am Auto waren.



11,5 km – 900 Hm (↑↓)

Wanderführer: Gardasee Michael Müller Wandern: Wanderführer mit GPS-kartierten Wanderungen 1. Auflage 2012, Seite 197, **** Höhentour über Limone:von Pregasina über die Punta dei Larici und die Cima Bal.

Hochebene von Tremosine

Hochebene von Tremosine

Heute sollte es von Campione auf die Hochebene von Tremosine nach Pieve di Tremosine und wieder zurück gehen.

Der erste Eindruck von Campione war trostlos. Eine schöne Strandpromenade und dahinter Ruinen einer Baumwollspinnerei sowie ein Bootparkplatz. Der graue Himmel tat ein Übriges.


Nun ja wir wollten ja eh nicht bleiben. Auf alten Treppen ging es steil den Berg hinauf und durch einen Tunnel.


Die nächste Passage war im Wanderführer als nur für „Schwindelfreie empfohlen“ beschrieben. So dramatisch war es allerdings gar nicht. Und von der Kletterei über Felsplatten haben wir gar nichts mitbekommen. So waren wir zunächst etwas desorientiert als wir auf der Hochebene ankamen und unseren Weg suchten.


Auch in weiteren Verlauf war die Beschreibung im Wanderführer nicht immer mit der Realität in Übereinstimmung zu bringen. Trotz eines kleinen Unweges sind wir dann aber in Pieve angekommen und haben eine Rast mit wunderschöner Ausicht genossen.

Der Abstieg war zwar wie beschrieben sehr steil, aber trotzdem gut zu gehen. Nach kurzer Zeit waren wir wieder am Ausgangspunkt unserer Wanderung.

8 km – 540 Hm (↑↓)

Wanderführer: Gardasee Michael Müller Wandern: Wanderführer mit GPS-kartierten Wanderungen 1. Auflage 2012, Seite 182, *** Von Campione auf der Hochebene von Tremosine nach Pieve di Tremosine.

Mont Colodri & Monte Colt

Mont Colodri & Monte Colt

Statt des angekündigten Regens erwarteten uns beim Aufwachen nur einige Wolken und sogar ein wenig Sonne. Also auf nach Arco und auf den Monte Colt.


Zunächst schlängelte sich der Weg durch lockeres Geröll, gesäumt von Steineichen und Buchen den Berg hinauf. Schon bald erreichten wir den Monte Colodri von wo es einen herrlich Blick auf den Gardasee gab.


Der weitere Weg zum Monte Colt blieb abwechslungsreich. Kurze Schotterfelder, Felsplatten, einige Grate mit Tiefblick sowie Stahlseile und Eisentritte wechselten einander ab. Wunderschön.

Obwohl wir gar nicht so hoch waren, max. auf 450 m, sind die Berge und Wege häufig steil und zum Teil ein wenig ausgesetzt. Gut so – ich muss ja noch ein wenig üben 😉


Auf dem Rückweg haben wir dann noch eine kurze Rast in Arco gemacht. Diesmal gab es Espresso mit Gingseng – interessant.

7 km – 500 Hm (↑↓)

Wanderführer: Gardasee Michael Müller Wandern: Wanderführer mit GPS-kartierten Wanderungen 1. Auflage 2012, Seite 59, **/*** Von Arco auf den Monte Colodri und den Monte Colt

Gardasee

Gardasee

Nach einer Woche auf der Fanes Hütte, stand eine weitere Woche mit dem Mann am Gardasee auf dem Programm.

Da das Wetter nicht sehr vielversprechend aussah und wir vor ein paar Jahren am Gardasee schon sehr schlechte Erfahrungen mit Regen (inkl. abgesoffenem Handy) gemacht hatten, sollte es heute nur eine kurze Tour sein. Gleich nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg von Torbole nach Tempesta auf dem Sentiero Panoramico Busatte.


An einem etwa 3 Meter hohem Felsblock haben wir gleich das Erlernte der letzten Woche umgesetzt und ein wenig Gehen auf stark geneigten Platten geübt.


Dann ging es schon weiter zu den 3 (teilweise sehr langen) Treppen, die sich an die Felswände schmiegen und einen schönen Blick auf den Gardasee erlauben.


Zum Kaffeetrinken sind wir zum See abgestiegen. Direkt am Wasser, mit Blick auf eine Surfklasse, die bei fast Windstille versuchte sich auf den Brettern zu halten, musste Björn dann den allgegenwärtigen Espresso mit Ingwersirup probieren – nicht mal schlecht, aber sehr süß.

Insgesamt eine nette, kurze Tour.

9,5 km – 300 Hm (↑↓)

Wanderführer: Gardasee Michael Müller Wandern: Wanderführer mit GPS-kartierten Wanderungen 1. Auflage 2012, Seite 74 **Von Torbole nach Tempesta: auf dem Sentiero Panoramico Busatte – Temesta

Alles hat ein Ende…

Alles hat ein Ende…

Morgens um 5.00 Uhr ging unser Zug nach Mailand. Beim und im Bahnhof fielen uns viele Menschen auf, die dort schliefen und es wirkte nicht so, als würden sie auf ihren Zug warten… Am Strand war uns das auch schon aufgefallen und ist viel sichtbarer als in Deutschland. Der Zug brauchte zwar fast 5 Std. dafür ohne Umsteigen die ligurische Küste entlang bis Genua und von dort nach Norden. Inklusive Stops an vielen bekannten (San Remo, Imperia, Finale, Savona etc.) und weniger bekannten Orten und einen Bilderbuch Sonnenaufgang über dem Meer. Es hatte ein wenig von Inter Rail zumal ein Großteil unserer Mitreisenden wohl so unterwegs war und alle irgendwann, irgendwie schliefen. Der Zug scheint aber ebenso beliebt für die Fahrt nach Hause nach einem Partyabend in den hiesigen Zentren Sam Remo und Imperia zu sein. Schwarz, kurz und bauchfrei ist bei den Mädchen ein muss – die Jungs halten es eher mit (extra so gekauften) kaputten Jeans. 80er pur.

In Milano Centrale rannten ziemlich viele Soldaten rum und auch vorm Bahnhof standen mehrere Militär-Unimogs mit ‚Operatione Strada Sicura‘ Aufschrift – Operation sichere Straße. Kann jetzt nicht behaupten, dass ich mich dadurch sicherer fühle… Wir bekamen sofort den Bus nach Bergamo und waren mehr als rechtzeitig am Fluhafen. Zeit genug um schon mal zu rechnen.

Hier die Bilanz:

Insgesamt 208,5 km gewandert, 10.610 Hm rauf und 10.730 Hm runter. Das sollte reichen 🙂

Wanderführer und Bücher

15. Tag: mehr Meer 

15. Tag: mehr Meer 

Der Tag begann mit einem üppigen, italienischen Frühstück (Brot und Marmelade, Croissants, Kuchen, Brownies, Makronen, frische Aprikosen – sie mögen es süß…) bei strahlend blauem Himmel auf der Dachterrasse. Danach ging es zur schönen Markthalle noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen und dann stand das Meer auf dem Programm. Ventimiglia hat zwar ’nur‘ Kiesstrände, dafür sind sie nahezu leer, das Wasser ist blaugrün und klar und bei den hiesigen Temperaturen um die 30 Grad sehr erfrischend. Es lässt sich schön in kleinen Buchten planschen oder an offeneren Stücken in den Wellen dümpeln. Genau so habe ich mir das Ende unserer Wanderung vorgestellt.

Wir unterbrachen das Baden nur um noch mal leckeres Eis zu genießen (das Zitroneneis hier ist unglaublich gut) und Wassermelone auf der Dachterrasse zu essen. Dabei hatten wir gute Unterhaltung durch die Schwalben, die es hier in Scharen gibt und die in Formation durch die Gegend und auf Beutezug sausen. Eine ihrer Hauptflugschneisen verlief direkt über unsren Köpfen, eine weitere auf Augenhöhe neben uns durch die angrenzende Gasse.

Das war ein ziemliches Spektakel! Abends folgte ein letztes, sehr leckeres, italienisches Essen in der Consani Osteria und uns erfüllte Wehmut, dass dieser wunderbare Urlaub nun vorbei sein soll…

14. Tag: Mit der Tendabahn nach Ventimiglia

14. Tag: Mit der Tendabahn nach Ventimiglia

Nachdem die Hippie-Engländer gestern noch das Rätsel um den Bahnhof gelöst haben, konnten wir ihn heute problemlos finden. Der Bahnhof ist auf halber Strecke zwischen Saorge und dem unten am Fluß liegenden Fontan, dazwischen liegt ein Berg und durch den führt ein Tunnel. Hatten wir schon gestern gesehen, sah aber so aus als dürften dort nur Autos durch (und wenn ein Bus durchfährt, was gestern der Fall war, wird es ganz schön eng….). Nun ja, die Engländer belehrten uns eines besseren ( ‚This is not Germany.‘ – weiß ich ja…). Trotzdem möchte ich NICHT einem Bus in dem 400m langen Tunnel begegnen. 

Das Bahnhofsgebäude wirkt etwas trostlos. Davor ein zerfallener Spielplatz und der größte Teil eingezäunt. In der ehemaligen Bahnhofshalle war soetwas wie ein Speisesaal eingerichtet. Unser erster Gedanke – wahrscheinlich eine Flüchtlingsunterkunft. Wir waren nur ein wenig über den provisorischen Swimmingpool auf dem Vorplatz verwundert. Dann stellte sich aber heraus, dass es sich um ein ein Ferienlager für Kinder von Angestellten der SCNF, der französischen Bahn handelt. Wie praktisch mit direkter Zuganbindung 😉


Die Tendabahn ist die direkte Verbindung von Cuneo nach Ventimiglia unter den Seealpen hindurch und verläuft auf französischem Gebiet durch das Roya Tal. Was zu der Kuriosität führt, dass eine Fahrkarte von Limone nach Ventimiglia (länger, aber italienischer Tarif) billiger ist als von eine von Tende nach Breil-Sur-Roya (kürzer, dafür französischer Tarif) Egal, denn wir haben gar nichts bezahlt, da es weder am Bahnhof, noch im Zug einen Automaten o.ä. gab. Mittlerweile gibt es nur noch 2 Verbindungen pro Richtung pro Tag und eigentlich soll sie ganz eingestellt werden, gegen den Widerstand der Bewohner der Region. Wird der Zug komplett eingestellt, müssten sie immer über Nizza oder Genua fahren, was 4-5x solange dauert. Die Zugfahrt dauerte eine 3/4 Std. und verlief größtenteils durch Tunnel, so dass nicht viel Landschaft zu sehen war. Bei der Ankunft in Ventimiglia waren wir erst ein wenig geschockt, wie laut und hektisch es ist und wie viele Menschen hier herumlaufen, obwohl es eigentlich nur 25.000 Einwohner hat. 


Vom Bahnhof ging es direkt in die Altstadt, welche ähnlich verwinkelt und zugebaut wie Saorge ist. Das B&B zu finden war nicht ganz einfach, da Google Earth unter Verwirrung litt. Die Gassen sind schmal, dicht hintereinander und führen teilweise unter den Häusern durch, so dass der GPS Empfang zu schlecht ist und die Wegbeschreibung hatten wir leider nicht ausgedruckt. Das B&B La Terrazza di Olivici ist in den oberen Stockwerken eines uralten Hauses untergebracht und hat eine wunderschön begrünte Dachterasse mit Blick auf die umliegenden Dächer und zum Meer. 


Unser weiteres Tagewerk bestand aus dem Kauf einer Badehose für Björn, Baden im Meer, Eis essen und Erkundung der Altstadt. Als wir uns abends auf die Suche nach einem Restaurant machten, kamen wir um eine Ecke und wer saß da auf einer Bank? Ursel und Ralf. So gab es wieder ein gemeinsames Abendessen – diesmal allerdings am Meer. 


Zum Abschluss noch ein Grappa in der Altstadt. Der Wirt schleppte uns freundlicherweise sogar noch einen Tisch und Stühle auf die Straße – die Bank hätte uns aber auch gereicht…

Saorge – Ventimiglia +0Hm / -510 Hm unterwegs 3/4 Std. 😉

13. Tag: Auf nach Frankreich

13. Tag: Auf nach Frankreich

Heute hieß es Abschied nehmen. Nachdem wir seit Palanfrè nahezu jeden Tag gemeinsam mit Ralf und Ursel zu Abend gegessen, gefrühstückt und viele nette Gespräche geführt haben, trennten sich nun unsere Wege. Ralf und Ursel nehmen weiter den AVLM und laufen bis Ventimiglia, wir nehmen die AV (Alta Via) nach Saorge in Frankreich und fahren einen Tag später von dort mit der Tenda Bahn nach Ventimiglia. Zuerst mussten wir ein Stück des gestrigen Weges bis zum Passo Muratone zurückgehen. 


Dort bogen wir nach Westen bzw. nach Frankreich ab und es ging im schattenspendenden Wald unzählige Kehren den Berg hinab. Der Wald war sehr schön grün, zwischendurch kamen wir an mehreren plätschernden Bächen vorbei und liefen parallel zum tief im Talgrund liegenden Fluß. Nach einer eindrucksvollen Schlucht, wo sich die Felswände um uns ordentlich in die Höhe reckten, überquerten wir den Fluß an einer alten Brücke, wo wir auch schon die ersten badenden Kinder sichteten. Die Landschaft wurde viel trockener und die Zikaden zirpten laut. Wir kamen an ein paar alten Steinhäusern, in denen, den Sanskrit Bemalungen und den Ganesha Figuren im Garten nach zu urteilen, wohl ein paar Hippies wohnen, vorbei und eine halbe Stunde später waren wir in Saorge. 


Wir stießen sogar relativ schnell auf ein Schild mit ‚Bergiron‘ leider folgten danach keine weiteren Schilder mehr und wir irrten eine Weile im Ort umher, bis wir in einem Garten ‚Einheimische‘ sichteten, die ich mit meinen letzten Brocken Schul-Französisch nach dem Weg fragte. Aha, hinter dem Kloster den Berg hoch. Beim Kloster entdeckten wir tatsächlich ein weiteres Hinweisschild mit dem Zusatz 150m – erstaunlich wie lang 150m auf einem Feldweg den Berg hoch (@Ralf: unser Git liegt direkt am Cromagnon Trail) sein können… Wir sind in einem kleinen separaten Häuschen (Björn sagt: wohnlich gemachter Schafstall) untergebracht. Toilette und Bad sind in 2 kleinen Nischen versteckt. Kurz geduscht und auf zur Ortserkundung. 


Da wir heute keine Paninis mitgenommen hatten, hatten wir auch entsprechend Hunger und landeten schnell vor / in einem Bistro, wo es sehr leckere Quiche mit Salat! gab. Das Bistro schien auch der Treffpunkt der örtlichen Hippies zu sein, die sich hier ihre Aperitifs einflößten. Ältere Hippies gibt es hier anscheinend einige. 
Gut gestärkt ging es zur Ortserkundung. Saorge zählt angeblich zu den 40 schönsten Orten Frankreichs und ist ein eindrucksvolles Beispiel spätmittelalterlicher Stadtplanung. Die Häuser ziehen sich hauptsächlich drei Straßen entlang. 


Als im Laufe der Jahrhunderte die Bevölkerung wuchs, wurden die engen Straßen kurzer Hand überbaut, darauf Erweiterungen gesetzt oder Gebäude aufgestockt. So entstand ein Gewirr von schmalen Gassen, hohen Häusern, verwinkelten (Treppen-)Durchgängen und Tunneln. Sehr schön anzusehen, aber zum Wohnen wahrscheinlich nicht nicht ganz so praktisch. Wie bitte bekommt man ein neues Sofa hierher? 


Beim Abendessen waren wir zuerst die einzigen Gäste und saßen oben vorm Haupthaus. Sieht mit seinen Schieferplatten auf dem Dach wie ein Hexenhaus auf, die kurz darauf auftauchende große, schwarze Katze machte das Bild dann perfekt. Später kamen noch 2 ältere und ebenfalls etwas hippieresque aussehende Engländer bei der Git Betreiberin zu Besuch. Die Gegend scheint als Aussteiger Ort ganz beliebt zu sein und ich hätte nicht erwartet, dass ich einen englischen Akzent im Französischen heraushören kann… Bleibt nur noch eine Frage offen für Morgen: Wo ist der Bahnhof?

Gola di Gouta – Saorge

+340 Hm / -890 Hm ca. 17,5 km unterwegs 4 Std.

12. Tag: Auf dem Sentiero degli Alpini

12. Tag: Auf dem Sentiero degli Alpini

Diesmal klappte es mit einem frühen Frühstück, was aber daran lag, dass die ersten Leute schon um 5.30 rum rumorten und das Rifugio recht hellhörig war. Was uns beim Bezahlen mal wieder auffiel: es dauert immer ewig bis alles aufgeschrieben und zusammengerechnet ist und dann meist auch noch mit einer gewissen Differenz (gern auch zu Ungunsten der Betreiber) oder es wird nach unten abgerundet, was aber wohl daran liegt, dass häufig nicht genug Wechselgeld vorhanden ist…

Im schönen Morgenlicht ging es zum Einstieg des Sentiero degli Alpini (Gebirgsjägersteig), der spektakulär und teilweise im senkrechten Fels die Berge Pietravecchia und Toraggio im Osten umrundet (angeblich der schönste Weg der gesamten Südwestalpen). Er wurde zwischen 1936-1938 mit großem Aufwand in den Fels geschlagen und gesprengt. Zuerst ging es allerdings recht unspektakulär durch den Wald. Das sollte sich aber bald ändern, als der Weg anfing den Monte Pietravecchia zu umrunden. Tief- und Fernblicke gab es zu genüge, exponierte Stellen waren häufig (aber nicht immer) mit Drahtseilen gesichert.


Der Weg ist zwar immer recht breit und auch nicht ausgesetzt, mir wurde es auf Dauer trotzdem ein wenig zu viel – da halfen nur noch Traubenzucker und Rescuetropfen. Zurück wollte ich aber natürlich auch nicht. Bald kamen wir zu dem viel fotografierten, in den Fels gesprengten (Tunnel-) Stück.


Das wiederum sieht auf Fotos imposanter aus, als es eigentlich ist… Nach 2 Stunden waren wir an der Gola d’Incisa, die von merkwürdigen Gesteinsformationen (eine sah aus wir Blätterteig, meinte Björn) umgeben ist und kämpften uns einen abgerutschten Hang hoch, um auf die AVML (Alta Via dei Monti Liguri), die den Monte Toraggio auf der Westseite umrundet, zu wechseln. Auch hier hatten wir fantastische Fern- und Tiefblicke in den französischen Mercantour Nationalpark. Schließlich war die Umrundung des Toraggio abgeschlossen und wir wanderten auf der italienischen Seite große Serpentinen hinab.

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Der Lavendel blühte in voller Pracht und weckte mediterrane Gefühle. Langsam merkten wir jedoch die lange Wanderung von gestern, der Weg zog sich mal wieder, es kamen immer wieder Drahtseil gesicherte und exponierte Stellen, was auf Dauer auch nervte. Als der Weg endlich breiter wurde, konnten wir einen Zahn zulegen und kamen auch fast in der beschriebenen Zeit im Rifugio Gola di Gouta an. Wir sind in kleinen Holzkabuffs unter gebracht, die aber ganz urig sind und mich irgendwie an Pfadfinderlager erinnern. Es ist das letzte Mal das wir über 1000m (auf 1213m) übernachten und die ersten Blicke aufs Meer konnten wir heute auch schon erhaschen.

Colla Melosa – Rifugio Gola di Gouta

+610 Hm / -950 Hm ca. 18 km

11. Tag: Wegsperrung

11. Tag: Wegsperrung

Am Morgen trafen zwei Frühstücks-Welten aufeinander. Björn hatte am Abend versucht Käse und Schinken für das Frühstück zu ordern. Das ist sogar gelungen, allerdings ohne Brot und Löffel für die Cornflakes gab es irgendwie auch nicht. Es herrschte schon leichte Irritation, als ein zweiter Café bestellt wurde und gar schieres Entsetzen bei der Bestellung von 8 Panini zum Mitnehmen. (Wir fanden jetzt 2 pro Person nicht sooo viel). 8 Panini zu belegen, dauerte natürlich eine Weile und so kamen wir trotz Frühstück um 7.00 erst nach 8.00 los. Kaum waren wir raus, dröhnten auch schon wieder die Bässe der Après Ski Musik.


Das ein anstrengender Aufstieg kommen würde, hatten wir ja schon gestern gesehen. Am Anfang war der Weg zumindest noch gemäht. Später mussten wir uns durch tiefes Gras kämpfen und zeitweise führte der Pfad mitten über eine Kuhwiese. Das machte die Wegfindung nicht ganz einfach. Anfangs fand ich das mit den GPS Tracks fast ein wenig übertrieben, aber heute habe ich sie sehr zu schätzen gelernt. Den höchsten Punkt auf 2165 m erreichten wir am Monte Saccarello, wo eine große Christusstatue (Il Redentore) steht. Von hier hat man angeblich eine wunderschöne Sicht in Richtung Meer. 


Wir hatten leider keine – nur einen White out, da sich der Monte Saccarello während unseres Aufstieges in dichte Wolken hüllte. Nach einer kurzen Rast, ging es durch einen sehr steilen, blühenden Hang wieder runter. Von weitem hörten wir, dass eine Schafherde auf uns zu kam. Leider kam auch Hundegebell dazu… Die Schafherden haben hier alle Hütehunde, die recht aggressiv werden, wenn man ihrer Herde zu nahe kommt. Wir beschlossen daher erstmal die Schafe vorbei zu lassen. Es wäre eh kein Durchkommen gewesen, da sie den kompletten Weg okkupierten und wir von einem wahren Meer von Schafen umflutet wurden. 


Nach einer Weile waren die Schafe an uns vorbei und nur die Hunde standen noch auf dem Weg. Der eine schien uns allerdings für Schafe zu halten, zumindest wollte er uns nicht durch lassen, bellte und knurrte. Wir sind ganz langsam an ihm vorbei, aber ein wenig mulmig war mit schon. Als er uns auch noch 2x wild bellend hinterher kam, sah ich ihn schon in meiner Wade hängen. (Wahrscheinlich wollte er uns ’nur‘ zu seiner Herde zurück treiben). Zum Glück gab er wenig später auf. 


Es ging weiter bergab, der Weg wurde breiter und schließlich verlief er nur noch auf Militärpisten. Die hatten wenig Steigung, waren auf Dauer aber ganz schön langweilig, zumal die Wolken sich nicht richtig lichteten und nicht viel zu sehen war. Gegen Ende des Weges fing es an zu donnern und es wurde immer nebeliger. Die Landschaft änderte sich und neben uns tauchten Felswände aus bröckeligem Schiefergestein auf. Der Abstieg zum Rifugio Allavena verlief auf einem nervigen Militärweg, der aus lauter hochgestellten Steinen bestand und dazu noch steil war. Das ist sehr unangenehm zu laufen, da man immer von Stein zu Stein balancieren muss. Von daher waren wir froh als wir endlich ankamen. Kurze Zeit später fing es richtig an zu schütten. Sogar der Kaminofen wurde angezündet, um die feuchte Kälte zu vertreiben und verbreitet nun muckelige Wärme. 


Für viel Belustigung sorgte die Essens- und Getränkeabfrage. Unter anderem gab es eine regionale Spezialität: Ziege und bei allen anderen Getränken als Vino Rosso wurde völlig empört gesagt , dass das gar nicht ‚per la cabra‘ gehe. Gut, dass ich mich für Salsicca entschieden hatte 😉 Das Essen war im übrigen fantastisch.

Monesi di Triora – Colla Melosa +1350 Hm / -1180 Hm ca. 23,5 km unterwegs 7 3/4 Std.

10. Tag: Auf und Abs

10. Tag: Auf und Abs

In Viozene, direkt unterhalb vom Rifugio Mongioie, ist der offizielle Endpunkt der GTA (oder Anfangspunkt, da Italiener und Engländer die GTA von Süden nach Norden laufen) erreicht. Es hat sich allerdings eingebürgert den Weg bis nach Ventimiglia ans Mittelmeer fortzusetzen und da das Meer ja ein schönes Ziel ist, machen wir das auch 🙂

Der Versuch früher loszuziehen, hat heute nicht ganz geklappt. Wir waren zwar schon um 7.00 Uhr beim Frühstück und auch schnell fertig, doch dann zog sich das Bezahlen und belegte Brote bekommen solange hin, dass wir bei unserem üblichen Start um 8.00 Uhr waren. Das erste Stück des Weges kannten wir schon, da wir nach Canino zurück mussten, kehrten auch wieder in der Bar Foresteria ein und wurden sogar wieder erkannt. Der freundliche Wirt erklärte uns auch gleich den Weg nach Upega. Wir müssten erst steil hoch und danach wäre der Weg aber ‚tranquillo‘ bergab. Das mit dem steil stimmte wohl, mit dem tranquillo eher nicht… Es waren enge Schotterserpentinen hinunter und unten taten die Füße weh.


 Upega ist eigentlich ein schöner Ort mit vielen alten Natursteinhäusern, die aber zum größten Teil verlassen sind. Schade. Angeblich hat Upega nur noch 4 ganzjährige Bewohner…. Eigentlich wollten hier noch einen Café trinken, aber es kamen schon wieder so dunkle Wolken auf. Also weiter. Es ging zwar schön durch den Wald, aber auch schon wieder recht steil hoch. Der Weg zog sich und zog sich bis wir endlich auf einer Kuppe über Piaggia ankamen und abstiegen. 


Dabei erhaschten wir schon mal einen Blick auf den morgigen Anstieg – das kann ja heiter werden… Piaggia war etwas schräg. Überall hingen alte Teller an Mauern und zwischendurch standen auch alte Ski u. ä. zur Deko herum. Eine andere Form von Urban Gardening? 


Piaggia wirkte allerdings nicht ganz so verlassen wie Upega und von hier war es nicht mehr weit bis Monesi Triora, welches eine Skistation aus den 1960ern und ziemlich herunter gekommen ist. Obwohl beide Orte nur 1 km auseinander liegen, gehört Piaggia noch zum Piemont und Monesi schon zu Ligurien. Unsere Unterkunft ist ganz nett, allerdings hat die Musik schwer etwas von Après Ski. Beim Essen nervte der Hund ein wenig durch penetrantes Betteln, sein (dreckiges) Mountainbike an der Wand aufzuhängen ist auch eine Form von Deko und der Chef des Hauses hatte sich schick gemacht und eine schwarze Kochmütze aufgesetzt… Alles ein wenig skuril. 


Beim Abendessen mit Ralf und Ursel stellte sich dann auch noch heraus, dass sie nicht nur lange in Bremen gewohnt haben, sondern, dass Ursel auch in Ottersberg Kunsttherapie und Sozialpädagogik in Bremen studiert hat und Ralf ebenfalls im IT-Bereich arbeitet. Da gibt es wohl ein paar Ähnlichkeiten 😉

+1050 Hm / -1140 ca. 20 km unterwegs 7 Std.

P.S. Eine kleine Richtigstellung: Ralf und Ursel waren heute auch in der Höhle und sind ungefähr bis zu der Stelle gekommen wie wir. Es waren wohl nur 100m 😉 

9. Tag: Höhlenforschung

9. Tag: Höhlenforschung

Obwohl unser Zimmer komplett belegt war mit 9 Leuten, habe ich relativ gut geschlafen. Schade nur, dass die Italiener als erstes das Fenster zu gemacht haben, als sie nachts reinkamen. Die Luft war danach nicht mehr ganz so gut… 
Das Frühstück hielten wir kurz und brachen schnell auf.


 Es war wieder ein schöner Tag und wir gingen durch wahres Murmeltierparadies. Haufenweise huschten die Murmelis durch die Wiesen oder saßen auf Steinen und beäugten uns. Die Karstberge wurden sanfter und immer grüner, während wir das Tal hinunter wanderten. Nach einem felsigeren Stück, eröffnete sich ein wunderschöner Blick auf die hintereinander liegenden Bergketten Richtung Meer. 


Wir kamen durch die hübschen, alten Örtchen Canino superiore und inferiore, gönnten uns einen leckeren Cafe in der Foresteria, im Gegensatz zum Schäfer allerdings ohne Grappa um 10.00 Uhr morgen und dann ging es noch ein bisschen aufwärts durch Nadelwälder bis zum Zustieg zur Grotta delle Vene. Der Zustieg war Dank Seil als Aufstiegshilfe schnell geschafft. Der Eingang zur Höhle war mit einer Eisenleiter gut zu erreichen, danach musste man sich ein bisschen quetschen und konnte dann aufrecht tiefer gehen. 


Nach ein paar Metern ging es um eine Ecke und weiter mit leichtem Gefälle immer tiefer hinein. Wir sind ca. 200 m reingegangen und dann umgekehrt, die Höhle ist aber wesentlich länger. Sehr spannend! Beim Rauskommen trafen wir auf 2 Italiener, die allerdings keine Lampe dabei hatten. Sie bekamen erstmal unsere und kamen 10 min später genauso begeistert heraus wie wir 🙂 wir setzten unseren Weg fort, wurden dabei von Mountainbikern überholt, wo ich mich immer Frage, wie sie auf die Idee kommen ausgerechnet einen solchen Weg mit dem Fahrrad fahren zu wollen…. Der Weg führte an vielen bunten Blumen vorbei – erstaunlich, dass immer wieder Blumen auftauchen, die wir noch nicht gesehen haben – bis wir das wunderschön am Fuße des gleichnamigen Berges auf einer Hochebene gelegene Rifugio Mongioie erreichten. Wir genossen den Nachmittag in der Sonne, bis die herunter ziehenden Wolken das Haus in Nebel hüllten. 


Das Abendessen verbrachten wir in netter Gesellschaft von Ursel und Ralf und hatten für die Nacht unseren Schlafsaal für uns allein. Die Rifugio Leute waren so nett gewesen, alle Gäste auf unterschiedliche Zimmer zu verteilen. 

+350 Hm / -900 Hm ca. 13 km unterwegs 4 3/4 Std.

8. Tag: Gegensätze

8. Tag: Gegensätze

In dem kuscheligen Bett habe ich fantastisch geschlafen! Eine Besonderheit, da es mir ansonsten meist hier schwer fällt (schmale Stockbetten mit oft schlechten Matratzen etc.). Das Frühstück war natürlich lecker und die Sonne lachte auch vom Himmel. Dem Aufbruch stand nichts entgegen. Erst ging es, den Römern sei Dank, auf der alten Via Romana mit sanfter Steigung zum Colle di Tenda (1871m).


Über den Pass verlief ein historisch wichtiger Verbindungsweg zwischen Piemont und Provence, die Via di Sale. Eine Festung nach der anderen reiht sich hier auf und wir nahmen erstmal den Weg in die falsche Richtung. Am Tenda Pass verlaufen so viele verschiedene Straßen, Wege und Pfade (irgendwie hat hier jeder gebaut), da konnte man schon mal den Überblick verlieren. Dank moderner Technik, Björn hatte sich die GPS Tracks für den Rother Wanderführer heruntergeladen, fanden wir aber auf den richtigen Weg zurück. Leider verlief der erstmal direkt über einen (mal wieder steilen) Kamm, man könnte auch sagen, geradeaus auf den Berg.


Ich habe es ja erst für einen Scherz gehalten…, redete mir aber ein, dass es eine Abkürzung sein müsse. Der Weg verlief eine Weile auf dem Kamm mit entsprechenden Tiefblicken und wir nahmen gleich noch einen kleinen Gipfel, den Cima Beccorossi (2114m) mit. Dann ging es in einem großen Bogen (dafür ohne großartige Höhenmeter) auf einer Militärstraße aus der Mussolini Zeit über den Colle della Perla zum Colle Boaria. Zwischenzeitlich waren wir auch in Frankreich (und hatten prompt Handyempfang). Die Militärstraße ist eine Panoramastraße sondergleichen und bei Auto- und Motorradfahrern, sowie Mountainbikern sehr beliebt. Darum waren wir ganz froh als wir beim Colle Boaria auf einen schmalen Militärweg aus Napoleons Zeiten wechselten. Auch das Aussehen der Berge wechselte und wir kamen in ein eindrucksvolles Karstgebiet.


Leider wurde es immer dunkler und wir hörten auch schon Donnergrollen in der Ferne. Von einem Gewitter wollten wir nun nicht erwischt werden… Wir steigerten unser Tempo und schafften es tatsächlich zeitgleich mit den ersten Regentropfen beim Rifugio Don Babera anzukommen. Das war knapp! 


Das Rifugio war der krasse Gegensatz zu unserem komfortablen Hotel von heute morgen. Das Zimmer mit Zusatzbetten vollgestellt, nur ein Waschraum für beiderlei Geschlecht, die Toiletten nicht abschließbar und die Türen schlossen auch nicht richtig, die Duschen trotz extra zu erwerbender Duschmarken kalt und dann das ganze Rifugio noch rappelvoll. Kurzum, mir gefiel es nicht so… Als wir gerade mit dem Duschen fertig waren, kamen auch Ralf und Ursel patschnass an. Die beiden waren schon mit uns in Trinità angekommen, haben mit uns in Palanfrè gemeinsam Abend gegessen, nur in Limonetto waren sie woanders abgestiegen. Sie waren vom Gewitter überrascht worden und haben in ihrer Not bei einer kleinen Hütte angeklopft. Der Bewohner, ein rumänischer Schäfer, hat sie freundlicherweise zum Rifugio gefahren. Nach 1/2 Std. Gewitter herrschte wieder schönster Sonnenschein, als wäre nichts gewesen und wir genossen noch ein wenig die Aussicht auf einer kleinen Kuppe hinter dem Rifugio. 


Ein weiterer Lichtblick waren 3 sehr lustige Engländer, die völlig dem Klische entsprachen. Sie hatten einen sehr trockenen Humor, waren sich nicht zu schade sich über sich selbst lustig zu machen, aber mit Stil. Sie machen gerade die Tour de Magarais, nehmen aber auch mal gerne querfeldein Abkürzungen bzw. den direktesten Weg auf den Berg. Jedenfalls erzählten sie und auch von den diversen Höhlen, die es hier im Karstgebiet gibt und auch von einer in der sie waren. Damit war ein neuer Plan gefaßt. Ursprünglich wollten wir 2 Nächte im Don Babera bleiben, aber nun würden wir stattdessen zum Rifugio Mongioie laufen und unterwegs die Höhle mitnehmen. 


Das Abendessen war mit über 60 Leuten sehr laut. Aber im Anschluss gab es noch einen schönen Sonnenuntergang direkt vor der Tür. 

Arrucador – Rifugio Don Babera +960 Hm / -280 Hm ca. 19 km unterwegs 7 Std.

7. Tag: Seilversichert

7. Tag: Seilversichert

Das gestrige Gewitter hat den Himmel wieder rein gewaschen und es war kein einziges Wölkchen mehr zu sehen. Unsere Wirtin war anscheinend noch nicht so ganz wach, wirkte zumindest noch ziemlich verpeilt und am Nachbartisch stand auch noch das Geschirr von unserem Abendessen. Eigentlich hatten wir vorgehabt Brot und Käse zu kaufen, aber Brot gab es keines mehr und der Käsereiladen von Palanfrè hatte noch nicht auf. Also ohne los. Der erste Anstieg ging durch einen Jahrhunderte alten Buchenwald, der den Ort vor Lawinen zu schützt und das älteste Naturreservat der Seealpen ist. 


Der Weg zog sich ein langes Tal mit einem Bach hinauf, bis wir an dessen Ende auf den Lago degli Alberghi stießen und dort eine kurze Rast machten. Als nächstes stand uns der Pass bevor. Im Wanderführer als sehr steil beschrieben, sah er von unten auch so aus. 


Die Wanderer, die sich vor uns auf den Weg gemacht hatten, schienen gar nicht vom Fleck zu kommen. Der Weg war in der Tat steil – richtig steil. Als ‚gehen‘ konnte man unsere vorwärts Bewegung eigentlich nicht mehr bezeichnen. Der letzte, exponierte Abschnitt, war mit Stahlseilen gesichert und wir kämpften uns mühsam hinauf. Oben, am Passo di Ciotto Mieu auf 2274 m angekommen, war mir schon ein wenig mulmig, besonders wenn man hinunter guckte und nochmal den Weg sah. (Wieder ein paar innere Schweinhunde erlegt…) Björn machte gleich den Pfadfindern alle Ehre, indem er einer Frau ihren verlorenen Hut das gerade erklommene Steilstück hinterher trug. Es folgte ein ebenfalls sehr steiler Abstieg auf der anderen Seite. 

Weiter ging es über blühende Almwiesen und an der Murmeltieralp vorbei. Allerdings machte die ihrem Namen keine Ehre. Es ließ sich kein einziges Murmeltier blicken… Wenig später waren wir an unserem Ziel, dem Hotel Arrucador, welches an einem Skilift auf einem Hügel thront, angelangt. Wir residieren diesmal sehr stilvoll, man nennt es wohl Boutique Hotel, umsorgt von den sehr netten Besitzern. Björns Kommentar dazu : „Zivilisation ist doch toll.“ Und ich habe erstmal ausgiebig die Regendusche genutzt. Draußen ließen sich derweil die Murmeltiere blicken. Nun freue ich mich über ein kuscheliges Bett mit einer guten Matraze und funktionierendem W-LAN (das ist hier nämlich Mangelware). Auch Handyempfang haben wir eigentlich nie, könnte aber auch an unseren ‚Stadtgeräten‘ (I-Phones) liegen. 

Palanfrè – Hotel Arrucador +940 Hm / – 810 Hm ca. 11,5 km unterwegs 5 1/2 Std. 

1 Comment for “7. Tag: Seilversichert”

Martin

says:

Hallo Tina und Björn,
immer wieder schön eure Blogeinträge zu lesen. Ich bin mittlerweile etwas neidisch besonders wenn ich die Bilder sehe. Das Wetter scheint ja auch besser zu sein als hier. Also noch viel Spaß, Abenteuer und auch Erholung in den nächsten Tagen.
Liebe Grüße auch von Natalie und wir sehn uns ! Martin

6. Tag: Steile Hänge

6. Tag: Steile Hänge

Der Morgen begann mit einem frühen Frühstück. Unser Plan war möglichst früh aufzubrechen, da ab Mittag Regen bzw. Gewitter angesagt war. Es sah zwar schon gestern danach aus, aber wir hörten Abends nur das Donnern in der Ferne. Die Locanda del Sorriso scheint bei deutschen GTA Wanderern recht beliebt zu sein (außer uns waren noch 2 andere Paare da) und so gibt es morgens sogar Müsli. Sojamilch wollte ich mir aber trotzdem nicht andrehen lassen… Die Tour begann mit einem ersten Anstieg von 700 Hm.
Bei 95% Luftfeuchtigkeit waren wir schon nach kürzester Zeit klatschnass, obwohl es erst schattig durch einen waren Goldregenwald ging. Ich wusste gar nicht, dass Goldregen so gut riecht. Der Weg stellte sich tatsächlich als nur fussbreit heraus, nun wissen wir auch was damit gemeint ist. Nach 2 Stunden war der erste Etappenpunkt, der Colle Caire di Porcera auf 1780 m erreicht.

Ganz passend zogen Wolken auf und machten das kommende Wegstück für mich ganz erträglich. Ich hatte vorher ein wenig Bedenken, da unser Wanderführer schrieb, dass heikle Flanken bzw. steile Grashänge gequert werden müssten. Aber nun sahen wir ja nicht mehr soviel und kamen nach ca. 1 Stunde am Colle della Gabella auf 2170 m an. Das heikle Stück war geschafft und die Wolken verzogen sich wieder passend, so dass wir am höchsten Punkt (2204 m) des Grasgrades der Costa di Pianard unser Picknick bei schönster Aussicht genießen konnten.

Der Abstieg verlief über Blumenwiesen, ein Murmeltier tauchte auf und bald sahen wir auch die ersten Kühe. Palanfrè ist, nachdem es seit den 1970ern verlassen war, wieder ganzjährig von einer Viehzüchterfamilie bewohnt. Mit den ersten Regentropfen kamen wir bei der L’Arbergh in Palanfrè an. Zum Café gab es leckeren hiesigen Joghurt mit Honig. Der Kuchen sah zwar auch sehr gut aus, wurde aber bei unserer Ankunft von einer englischen Wandergruppe komplett vertilgt. Der Name war wohl Programm, denn es waren Teilnehmer von „Hedonistic Hiking – Food Wine and Walking“, wie wir deren Abholdienst entnehmen konnten.

Der Regen wurde zu einem fetten Gewitter, es schüttete aus Eimern und wollte auch gar nicht mehr aufhören – da wird die Wäsche heute wohl nicht trocken. 
Trinità – Palanfrè +1120 Hm / -850 Hm ca. 11,5 km unterwegs 6 Std.

5. Tag Nach Entraque

5. Tag Nach Entraque

Nachtrag zum gestrigen Tag: die Baita Monte Gelas, an die unsere Unterkunft angeschlossen war, hat den Ruf sehr gute Küche zu haben. Das konnten wir nach unserem Abendessen nur bestätigen! Es gab Getreidesalat mit Tomaten und Paprika dazu Kräuteromlette, danach gebratene Polenta mit Gorgonzola, gefolgt von Kalbsfleisch mit Senfsauce und Rosmarinkartoffeln und zum Schluß Tris di Dolce mit Lavendel-Panacotta, Kaffee-Schokoladen-Flan und Apfelkuchen. Alles sehr lecker. Nur gut, 
dass wir soviel wandern (obwohl Björn behauptet, er würde hier zunehmen). Zum Frühstück gab es sogar sowas wie ein Brötchen mit selbst gemachter Marmelade und ein extrem leckeres, gefülltes Croissant. Derartig gestärkt machten wir uns auf die Socken. Als erstes kamen wir noch an einem kleinen Campingplatz vorbei, der so schön am Fluß gelegen ist und nett aussieht, dass wir schon unseren nächsten Campingurlaub planten. (Liebe Gröpelinger, der würde Euch auch gefallen. Erinnert ein wenig an die Soca.) Dann ging es einen gemütlichen Weg am Fluß und Stausee entlang nach Entraque hinunter.


 Entraque ist ein entzückender Ort mit alten Häusern, engen Gassen und kleinen Plätzen. Wir genossen es vor der Bar zu sitzen, Café zu trinken und Leute zu beobachten, während der Brunnen plätscherte. Auch wenn es uns schwer fiel, mussten wir nach einer Weile weiter. Mittlerweile war es total heiß und schwül und wir tropften nur so. Zum Glück mußten wir nicht so viele Höhenmeter hinauf und erreichten bald unsere Unterkunft die Locanda del Sorriso in Trinità. 


 Die Locanda ist im ehemaligen Schulgebäude untergebracht und man kann hervorragend im Liegestuhl untermalt von Kuhglockengebimmel und dem (Björn meint Italien typischem) Geräusch der Motorsense mit Blick auf die Berge die Zeit verplempern.

San Giacomo – Trinità +380 Hm / -500 Hm ca. 14 km unterwegs 5 Std. 

4. Tag: La dolce Vita

4. Tag: La dolce Vita

Der Tag begann mit einem Blick aus dem Fenster, wo die Gämse bereits grasten und die Sonne über den Bergen lachte. Heute stand eine eher kurze Etappe nach San Giacomo auf dem Programm. 


Erst am See entlang, dann hoch zum Pass Colle di Fenestrelle auf 2463 m. Schon spannend wie elegant sich die Wege hinaufwinden und jede Geländegegebenheit zu Nutzen wissen. Von unten ist eigentlich nie ersichtlich, wo der Weg lang führen wird. Ein paar junge Steinböckchen, gefolgt von ein paar Schneefeldern gestalteten den Weg recht abwechslungsreich. Am Pass hatten wir wieder eine wunderbare Aussicht auf das vor uns liegende Tal. 


Der Abstieg verlief auf sehr bequemen Serpentinen über Almhänge mit vielen bunten Blumen. Von dort ging es auf einer groben Schotterstraße weiter, die auf Dauer etwas nervte, aber da ein Bach nebenher floss und fröhlich plätscherte, ging auch das relativ leicht vom Fuß. Kurz vor 14.00 Uhr waren wir schon in San Giacomo, welches nach dem heiligen Jakob benannt und auf dem Jakobsweg liegt. 


Untergebracht sind wir in der alten Pilgerstation, haben ein Zimmer mit eigenem Bad und zu meiner größten Freude gab es sogar eine Waschmaschine! Unsere Klamotten flattern nun frisch gewaschen im Wind und wir können bis zum Abendessen die Füße hoch legen 🙂
Rifugio Genova-Figari nach San Giacomo +490 Hm / -1290 Hm ca. 13,5 km unterwegs 5 Std.

3. Tag: Auf der Pirsch

3. Tag: Auf der Pirsch

Beim Blick aus dem Fenster sah es etwas diesig aus, aber als wir aufbrachen, lagen die Berge schon in der Sonne. Die Tour begann mit einem sehr angenehmen Aufstieg im schattigen Buchenwald, wo wir von 2 Gämsen überrascht wurden, die friedlich grasten und anscheinend keine Angst vor uns hatten.


Eine Weile später standen schon die nächsten 2 Gämse auf unserem Weg. Die eine kam sogar direkt auf uns zugelaufen und war nur noch max. 5 m von uns entfernt, um uns zu beäugen! Und ich dachte immer die wären scheu – anscheinend wissen sie, dass sie in einem Nationalpark leben und ihnen niemand etwas tun darf. Kurze Zeit später kamen wir aus dem Wald und waren von imposanten Bergen (Corno Stella und den Argentera Gipfeln) umgeben.


Der Weg führte das Tal hoch zum Rifugio Morelli-Buzzi, welches sich zwar schon recht früh zeigte, aber dann wieder verschwand und hinter diversen Serpentinen und Blockwerk und Geröll versteckte – sehr zu meinem Ärgernis. Die Hütte hat eine fantastische Lage am Hang eines riesigen Geröllfeldes und wir nutzten gleich die Gelegenheit mit schöner Aussicht zu essen. Hier spazierten die Steinbock Weibchen (keine Ahnung, was die Männer machen?) sogar auf den Hof und schleckten Salz. Bis zum täglichen Pass mussten wir noch weitere 200 Hm Blöcke und Platten überwinden. Freundlicherweise hatte sich die Sonne hinter Wolken verzogen, so war es recht erträglich. Am Pass Colle del Chiapous auf 2526m war es wieder sehr windig und mittlerweile auch recht wolkig, so dass wir schnell weiter zogen.


Weitere Tiere, diesmal Murmeltiere, kreuzten unseren Weg und auch wieder ein Steinbock Weibchen, sogar mit einem Jungen. Der heutige Abstieg sollte laut Beschreibung gar nicht so lang sein, hatte es aber in sich. Serpentine um Serpentine ging es den sehr steilen Hang hinunter. Nach einer Ewigkeit erreichten wir die Staudammmauer des Lago del Chiotas. Leider ist der zweite Teil für Fußgänger gesperrt, so dass wir erst runter und durch einem Tunnel mussten, bevor wir auf eine Schotterpiste stießen, die uns wieder auf gleiche Höhe und laut Wanderführer „im leichten auf und ab“ (was ich aber für einen Euphemismus halte) zum wunderschön auf einer Landzunge zwischen zwei Seen gelegenen Genova-Figari.

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Zu unserem großen Glück gab es leckeren Kuchen und als ich aus unserem Zimmerfenster schaute, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen: dort tummelten sich 7 Gämse (auch eine Mutter mit ihrem Jungen) auf der Wiese vorm Rifugio. Das war wir Fernseh gucken 🙂
Beim Abendessen noch nette Gespräche mit zwei Münchenern und dann war unser 3. Wandertag vorbei.

Terme di Valdieri – Rifugio Genova-Figari +1290 Hm / -640 Hm ca. 17 km unterwegs knapp 8 Std.

2. Tag: Pass Probleme Teil II

2. Tag: Pass Probleme Teil II

„Papa“ kam überpünktlich mit seinem Geländewagen direkt vors Rifugio gerauscht (hier kann ich ja tatsächlich verstehen, warum man ein solches Auto fährt…) und wir hatten unsere Pässe zurück. Pass Problem Teil I gelöst. Dem Start stand nichts mehr im Wege und wir erklommen bei angenehmen Temperaturen und völlig wolkenfreiem Himmel die ersten 350 Hm. Wir hatten unerwartet viele Mitwanderer, da wird doch immer behauptet die Italiener würden nicht wandern, aber anscheinend machten viele einen Sonntagswanderausflug. Oben gelangten wir an einen hübschen See, den Lago del Malinvern und erhaschten schon mal einen Blick auf die nächsten uns bevorstehenden Höhenmeter.


Nach einer kurzen Rast ging es weiter. Viele Leute, die uns entgegen kamen, kamen uns irgendwie bekannt vor… Warum, klärte sich bald auf: vor uns lagen mehrere steile Schneefelder und viele waren umgekehrt. Wir mussten aber über den Pass. Pass Probleme Teil II 😉 Etwas unangenehm, dass die Schneefelder ziemlich vereist waren und auch noch Tiefblicke ins Tal gewährten. Nichtsdestotrotz ging Björn voran und schlug mit seinen Stiefeln Steigspuren in den verharschten Schnee. Klappte eigentlich ganz gut. Björn dachte aber wohl die ganze Zeit daran, was passieren könnte, wenn man ausrutscht… Die anderen Schneefelder versuchten wir soweit wie möglich zu umgehen, was aber auch nicht viel besser war, da wir auf steilen, rutschigen Schutt ausweichen müssten und schließlich die Wanderstöcke verstauten, um die Hände einsetzen zu können (Kathi: ich fühlte mich ein wenig an den Passo di Rostagni erinnert!).


Am Pass Coletto di Valscura auf 2520m angelangt, eröffnete sich ein sagenhaftes Panorama auf das nächste Tal. Da es sehr windig war, verschoben wir unsere Rast, stiegen diverse Serpentinen ab zum nächsten See, dem Lago Inferiore di Valscura und pausierten mit Blick aufs Wasser. Der See schien als Picknickplatz und für Sonnenbäder sehr beliebt zu sein und war gut besucht. Im Anschluss ging es für uns viele weitere Serpentinen bergab. Ich beschwerte mich gerade bei Björn, dass hier viel zu viele Menschen rumlaufen wurden, als, dass man die Chance hätte irgendwelche Tiere zu sehen. Kaum gesagt, sprang kurze Zeit später ein junges Steinbock Weibchen direkt vor uns vom Weg auf einen Felsen und bewegte sich nicht weiter fort. Ganz so, als wolle sie sich für ein paar Fotos ins rechte Licht setzen. Die haben wir natürlich gemacht 🙂


Der Weg führte Serpentine um Serpentine weiter auf einer alten Militärstraße hinab. Aus diversen Wasserfällen und Bächen plätscherte Wasser. Anfänglich noch beschwingt, zog und zog sich der Weg immer mehr. Immer mehr Leute tauchten auf, saßen auf den Wiesen und an den Bächen in der Sonne. Ein Flussstück war derart belagert, dass schon Freibadstimmung auf kam…. Schließlich gelangten wir zum Rifugio Valasco, einem ehemaligen Jagdschloss, auch hier alles voller Leute. Es folgten noch 1 Std. Fußgängerautobahn nach Terme di Valdieri. Björns recht zutreffende Bezeichnung für Terme di Valdieri: großer Parkplatz mit angehängten Häusern. Die angehängten Häuser sind 2 Hotels (das eine mit dem Thermalbad), 2 Bars und 1 Besucherzentrum für den Nationalpark Alpe Marittime. Untergekommen sind wir im Hotel ohne Thermalbad, dafür mit nostalgischem 50er Jahre Charme. Den Altersdurchschnitt haben wir auch gleich massiv gesenkt.
Abends kehrte Ruhe ein, die Parkplätze waren leer. Terme di Valieri ist wohl das Ziel der Wahl an einem sonnigen Sonntag im Juni.

Rifugio Malinvern – Terme di Valdieri +780 Hm / -1250 Hm ca. 16 km unterwegs 7 Std.