Da die Etappe von Aljezur nach Odeceixe viel auf Straßen und im Landesinneren verläuft und eher langweilig ist, nehmen wir lieber den Bus. Zuerst von Arrifana nach Aljezur. Dort haben wir eine Stunde Zeit und schlendern durch den Mercado Municipal und die kleine, sehenswerte Altstadt nebendran. Noch einen Cafe und eine Pasteis bevor es mit einem Fernbus von Rede Express weiter nach Odeceixe geht. In Odeceixe steigen wir durch die verwinkelten Gassen bis zur alten Mühle hoch und genießen von dort den Blick auf die unter uns liegenden Dächer und die umliegende Landschaft. Im Anschluss wandern wir die 3,5 Kilometer zum Strand von Odeceixe, wo unsere Unterkunft ist. Zu unserer Freude entdecken wir, dass sich der Fluß durchqueren lässt. Mit etwas Glück müssen wir morgen nicht erst 3,5 Kilometer zurück nach Odeceixe laufen, dort auf der Brücke den Fluss überqueren, um dann auf der anderen Seite wieder 3,5 km Richtung Strand zu laufen. Nachdem wir unsere Rucksäcke abgeworfen haben, gehen wir zum Strand eine kleine Testquerung zu machen.
Der Strand von Odeceixe ist wunderschön. Kräftige Wellen und die Mündung des Ribeira de Seixe schaffen eine Sandzunge die von drei Seite vom Wasser eingeschlossen ist. Links und rechts dann noch steile Felsklippen. Sehr Schick. Die Wellen kommen teilweise von zwei Seiten (im rechten Winkel sozusagen) da sie von den seitlichen Felsen abprallen. Das Wasser ist dann auf einmal auch viel höher als gedacht und beschert Björn erstmal eine nasse Hose. Ich bin eh schon nass. Die Flut drückt in den Fluss hinein, so dass ich mich wunderbar ein Stückchen flussaufwärts treiben lassen kann. Ein spaßiger Strandnachmittag. Abends essen wir im Casa Dorita und sind mit unseren Piri piri Shrimps und der Açorda de Marisco sehr zufrieden.
Wir gönnen uns einen Ruhetag in Arrifana, was sich als gute Entscheidung erweist da es deutlich wärmer ist als die Tage vorher. Trotzdem machen wir eine ‚kleine‘ Tour bzw. einen Teil der 4. Etappe Richtung Aljezur entlang der Steilküste bis zur Ponta da Atalaia und sind mal wieder beeindruckt wie schön es hier ist. Der Blick auf die Klippen ist fantastisch. Zurück gehen wir über Vale da Telha – eine Wohn- und Feriensiedlung – nicht die beste Entscheidung, denn der Weg zieht sich wie Kaugummi. Außerdem ist es total heiß. Zurück beim Hotel, muss ich erstmal in den Pool, um mich zu erfrischen.
Den Nachmittag verbringen wir im Hotel und gehen erst am Abend wieder zum Essen raus. Das o Paulo ist fantastisch auf einer Klippe gelegen mit Blick auf das Meer und den Sonnenuntergang. Das Essen muss sich vor der Aussicht auch nicht verstecken – für uns gibt es Robalo (Wolfsbarsch) mit Süsskartoffelpüree und Thunfischsteak Portugiesische Art. Die Gegend um Aljezur insbesondere Rogil, ist bekannt für seine Süsskartoffeln. Sie sind sogar offiziell als regionale Spezialität geschützt.
Arrifana – Ponta da Atalaia – Vale de Telha: 13,5 km – 4.20 Std.
Nach einem improvisierten Frühstück (im Ort hat nichts früh auf) mit trockenem Brot mit Käse, Joghurt und einem Kaffee, brechen wir zur bislang schönsten Etappe auf.
Schon nach kurzer Zeit hören wir das Tosen der Wellen, lange bevor wir den Praia da Bordeira erreichen. Erst geht es entlang eines Flusses der anfangs parallel zur Küste und dann direkt darauf zu verläuft.
Es öffnet sich der Blick auf das Meer und einen menschenleeren, riesigen Sandstrand. Die Steilklippen verschwinden im morgendlichen Nebel. Magisch!
Es geht abwechslungsreich weiter. Mal durch die steppenartige Landschaft der Alta Plana, dann durch Eukalyptus Wälder, dann wieder oberhalb des Meeres auf den Steilklippen etc. Zwischendurch ist der Weg sehr sandig, was das Gehen ganz schön anstrengend macht. Unsere Gamaschen erweisen sich als sehr nützlich, ansonsten müsste ich ständig meine Schuhe ausleeren. Überraschend bzw. viel früher als erwartet taucht unterwegs ein Café auf. Das können wir natürlich nicht links liegen lassen. Den, uns mittlerweile wieder entgegen kommenden, Wanderern geht es anscheinend ähnlich und so ist das Café gut besucht. Wir ergattern einen Schattenplatz und freuen uns über Café und ein exorbitant großes Stück Kuchen. Eigentlich wollt ich keinen, aber Björns Stück war so groß, dass ich doch was abbekommen habe.
Das letzte Drittel des Weges fordert uns dann nochmal. Es gilt nicht nur noch einige Höhenmeter im Auf- und Abstieg zu überwinden, erschwerend brennt die Sonne mittlerweile auch sehr unangenehm.
So sind wir mal wieder froh im Ort anzukommen und im Schatten ein kühles (und/oder heißes) Getränk zu genießen. Unser Hotel liegt direkt neben einem Hostel bzw. gehört damit zusammen (sozusagen die Doppelzimmeroption für alte Leute…). So findet dann das Einchecken und morgen auch das Frühstück dort statt. Wir haben ein schönes Zimmer mit Balkon mit Meerblick und einen Pool gibt es auch. Auch dieser ist ganz schön kalt, aber nach der Hitze zum Schluß eine willkommene Erfrischung.
Zum Abendessen geht es Richtung Strand ins Cal mit Panoramablick auf den Sonnenuntergang. Diesmal richtig Portugiesisch mit Vinho Verde, geschmorten Schweinebäckchen und geschmortem Huhn.
Nachtrag zu gestern: das eintönige letzte Drittel des gestrigen Tages, hatte bei Durchsicht der Fotos doch noch eine Überraschung parat – einen punkig aussehenden Vogel, der sich als Haubenlerche herausstellte.
Nach Tosta Mista und Tosta Atun mit Galão in der Bar um die Ecke, machen wir uns auf den Weg. Laut Rother soll die heutige Etappe die schönste sein. Wir sind gespannt. Erstmal führt der Weg allerdings langweilig parallel der Landstraße entlang. Etwas Abwechslung bieten ein paar Vögel am Wegrand. Dann biegt unser Weg in eine Art Wald ab. Der Schatten ist ganz angenehm. Auf etwa der Hälfte des Weges geht es zunächst knackig bergab, um auf der anderen Seite des Küsteneinschnitts steil wieder bergauf zu gehen. Fast ein wenig wie Bergwandern. Allerdings mit Blick auf wild zerklüftete Steilküste und Strände mit ordentlichem Wellengang. Hier kommen uns auch die ersten Wanderer entgegen, im weitere Verlauf immer mehr. Bis es langsam wieder abebbt. Auch, wenn ich mich wiederhole – ich bin froh den Weg „verkehrt“ herum zu laufen.
Das auf und ab wiederholt sich noch zweimal, dann machen wir an der Praia do Amado Pause und schauen einem halben Dutzend Surfschulen beim Unterricht zu.
Diesmal verfliegen die letzten Kilometer und plötzlich taucht hinter einer Kurve schon Carrapateira auf. Direkt am Ortseingang finden wir ein Café und sind fürs erste zufrieden. Auch heute gibt es einen ungewöhnlichen Vogel zu vermelden – eine Blaumerle. Habe ich vorher auch noch nie gehört. Etwa so groß wie eine Amsel und (wie der Name auch schon sagt) blau schimmernd.
Unsere Unterkunft ist sehr schick. Ein Raum mit Bad und Wohnküche unten und Schlafebene auf einer Empore. Im Innenhof ein (wieder eiskalter) kleiner Pool – trotzdem gern von mir genutzt. Da das Restaurant gegenüber geschlossen hat, geht es doch nochmal zurück ins Dorf. Auf der Terrasse des Alecrim genießen wir im Abendsonnenschein sehr gute Pizza.
Vila do Bispo – Carrapateira: 17km – 4.45 Std. – 270 hm rauf / 330 hm runter
Von unserem Balkon aus sehe ich schon die erste Morgenröte – das kann ich mir nicht entgehen lassen und sprinte auf die Landzunge, um Fotos zu machen. So schön! Ganz beglückt und beschwingt kehre ich zum Hotel zurück. Nach einem super Frühstück für läppische 8€ pro Nase, brechen wir um 9.00 Uhretwas später als geplant bei Sonnenschein und blauem Himmel zur ersten Etappe auf. Der erste Teil der Wanderung verläuft nahe der Steilküste und bietet immer wieder schöne Ausblicke.
Ein kurzer Foto Abstecher zum Leuchtturm am Cabo de São Vicente und dann schnell weiter weg von den ganzen Bustouristen. Das Cabo de São Vicente ist extrem, der Fischerweg aber offensichtlich auch recht beliebt. Während der gesamten Wanderung begegnen wir immer wieder anderen Wanderern. Ein Unterschied zu den Alpen – hier wird eher nicht gegrüßt. Die bevorzugte Richtung für den Fischweg ist definitiv Nord nach Süd. Wir sind froh es entgegengesetzt zu machen, da die Wanderer uns im weiteren Verlauf stoßweise entgegenkommen.
Nach etwa der Hälfte der Wanderung machen wir oberhalb einer Bucht eine Rast und schauen den Surfern zu. Recht kurzweilig. Vielleicht doch nochmal ausprobieren?
Das letzte Drittel der heutigen Tour ist etwas eintönig und zieht sich wie Kaugummi. Interessant sind lediglich die Unmengen an Schnecken, die alles bedecken, was senkrecht nach oben ragt.
Endlich in Vila do Bispo angekommen schmecken Galão und Pasteis besonders gut. Unser Guesthouse ist ganz liebreizend mit einem lauschigen Innenhof. Abends genießen wir fantastisches vegetarisches Essen im Pisco. Super Essen und sehr sympathische Leute. Klare Empfehlung.
Sagres – Vila do Bispo: 23km – 5.53 Std. – 300hm rauf / 240hm runter
Nach 5 Jahren ist es mal wieder an der Zeit den Rucksack zu schultern und eine Weitwanderung in Angriff zu nehmen. Da die Knie zicken, aber auf dem GTA noch ein paar Etappen warten, soll dies sowas wie ein Test sein… Portugal ist ja sehr beliebt bei uns und mit der Rota Vicentina bzw. dem Fischerweg habe ich schon geliebäugelt, seitdem ich bei Odeceixe in ein Stückchen reingeschnuppert habe.
Anreise 1: Bremen – Hamburg – Lissabon Zur Abwechslung ist die Deutsche Bahn pünktlich, aber der Flug verspätet. (Naja, nicht ganz. Der spätere Zug ist pünktlich. Der Erste, den wir eigentlich nehmen wollten, hatte auch Verspätung…). Wir stehen also stundenlang beim Check-In am Flughafen und konstatieren: Fliegen ist auch eine nervige und zeitraubende Art zu Reisen. Irgendwie ist der erste Tag immer Mist. Zu Essen gibt es nichts mehr, als wir endlich in der Nähe unseres Zimmers ankommen, was beim Geruch nach alten Fett in der Burgerbude wohl auch besser ist…Immerhin gezapftes Sagres. Der Fahrstuhl funktioniert entweder gar nicht oder benötigt Geheimwissen, also 7 Etagen laufen. Sozusagen als Probe, ob wir die zukünftigen Aufstiege schaffen werden. Morgen wird bestimmt besser.
Anreise 2: Lissabon – Lagos – Sagres Erster Urlaubstag. Die Zeit reicht nur für einen schnellen Einkauf beim Bäcker. Am Bahnhof dann der erste Café und ein Bollo de Arroz bzw. eine Pasteis de Nata und Café. Lecker. Leider sind die Züge in Portugal auch nicht pünktlicher als in Deutschland und wir starten mit 45 Minuten Verspätung. Erfreulicherweise wartet der Anschlusszug in Tunes, aber den Bus in Lagos verpassen wir trotzdem. So bleiben uns knapp 2 Stunden um herumzuschlendern. Die Altstadt ist sehr schön, aber auch ganz schön belagert von Touristen – ist ja auch Algarve. Mit dem Bus geht es überpünktlich nach Sagres. Unser Hotel ist ein alter Kasten aus den 70ern, aber in absoluter Traumlage auf einer Landzunge, abgesehen davon hat es einen Pool. Der sich allerdings als eiskalt herausstellt. Ich finde ihn super und sehr erfrischend. Björn schafft es nur bis zu den Knien😉
Sagres ist fest in Surfer Hand, dementsprechend ist auch die Restaurantauswahl. Da wir keine Lust auf Burger haben, landen wir beim Inder, der sich als hervorragend herausstellt.
Neunter und letzter Tag Das Wetter ist wieder freundlicher. Kein Wind mehr und zwischendurch kommt die Sonne durch die Wolken. Wir packen unsere Sachen und gehen zum Schloss Gottorf und der Museumsinsel. Das Schloss selber wird gerade saniert, aber die Galerie der Moderne im ehemaligen Reitstall wurde vor zwei Wochen neu eröffnet. Außerdem gibt es noch die Ausstellung Rebecca Louise Law „State of Nature“ in der Reithalle. Wir sind von beiden sehr angetan.
Die Galerie der Moderne überrascht uns mit ihrer Größe der Vielzahl an Werken hochkarätiger Künstler*innen vom Expressionismus bis zur Gegenwart mit norddeutschem Schwerpunkt. Sehr fasziniert sind wir von der Arbeit Rebecca Louise Laws. Allein in der Reithalle wurden für Florilegia fast eine Million getrocknete Blumen zu einer raumgreifenden Installation arrangiert. An drei weiteren Museen in der Umgebung gibt es weitere Installationen. Die Verwendeten Pflanzen wurden in Blomentüddel-Clubs von Ehrenamtlichen gemeinsam gesät, geerntet und verarbeitet. Ein immenser Zeitaufwand, unglaublich viel Handarbeit und sehr viel Gemeinschaft steckt in dieser äußerst beeindruckenden Kunst.
Nach der Kunst genießen wir noch Kaffee und Kuchen im Schlosscafé bevor wir uns auf den Rückweg machen. Noch ein Zwischenstopp beim Cousinchen, dann hat dieser wunderbare Urlaub ein Ende.
Siebter Segeltag Letzter Tag. Ein letztes Mal morgendliches Yoga. Wieder in der Sonne – diesmal auf dem Picknickplatz von Schleimünde. Heute lenken mich die Vögel (Bluthänflinge und Dorngrasmücke) ab, die sich auf den umliegenden Sträuchern in Positur setzen und ordentlich trällern. Um 10.30 legen wir rechtzeitig bevor der erste Ausflugsdampfer anlegt und seinen Touristenstroms ausspuckt ab und fahren mit dem Motor nach Kappeln. Zusammen mit Laura klettern Janet und ich ein letztes Mal ins Klüvernetz und verpacken die Segel in ihren Persennigen. Die Segel müssen vor unnötiger UV-Strahlung geschützt werden, da die sonst porös werden. Wir bleiben bis Kappeln im Klüvernetz. Die Aussicht ist von hier oben noch besser. Nach dem Festmachen gibt es ein letztes gemeinsames Mittagessen. Wir haben uns nochmal zur Backschaft gemeldet, da Leute fehlten und so verlassen wir nach dem letzten Abwasch das Schiff schweißgebadet. Wie schade, dass es schon vorbei ist. Wir würden am liebsten sofort wieder los und irgendwie ging es allen so. Was für eine schöne Woche!
Zum Glück haben wir es nicht weit, da wir noch zwei Tage in Schleswig bleiben. Unsere Ferienwohnung befindet sich zwar im wahrscheinlich hässlichsten Gebäude der Stadt – dem Wikingerturm. Aber die Wohnung ist hübsch, hat einen Balkon und der Ausblick aus dem 23. Stock auf die Schlei ist grandios. Nach dem Gepäck abladen auf zum Stadt erkunden. Als erstes geht es beim Luisenbad in die Schlei (ich hatte mein tägliches Wasser noch nicht). Erfrischt geht es weiter. Schleswig entpuppt sich als schönes Städtchen mit vielen alten Häusern – zum Teil älter als 400 Jahre. Allerdings stehen viele Häuser leer und einige Straßenzüge sehen schon sehr verfallen aus. Besonders entzückt uns die Fischersiedlung Holm, wo wir auch zu Abend essen. Wir essen in der „Schleimöwe“ Fisch, wie soll es auch anders sei… Björn Heilbuttsteak und ich Scholle mit Krabben. Lecker!
Achter Tag Kaum an Land gibt es Wind. Ordentlich Wind. Schade. Die Überlegung SUP zu fahren (wir haben sie extra mitgenommen) geben wir auf und entscheiden uns stattdessen für eine Wanderung um die Selker und Haddebyer Noor. Durch Wälder und breite Schilfufer führt der interessante und abwechslungsreiche Weg. Erstaunlich viele Stufen verstecken sich auf der östlichen Uferseite. Wir kommen am Wikinger Museum und der Rekonstruktion einiger Wikkinger Häuser von Haithabu vorbei. Haithabu war mal ein bedeutender Handelsplatz. In der Grundschule haben wir mal einen Ausflug hierher gemacht, allerdings gab es damals nur den Erdwall zu besichtigen, den ich damals eher nichts-sagend fand. Da ist es jetzt viel anschaulicher. Nach der Wanderung machen wir noch einen Abstecher nach Eckernförde sind aber eher enttäuscht, was vielleicht auch dem Wetter geschuldet ist. Mittlerweile ist es sehr grau, windig und kalt. So windig und kalt, dass ich aufs Schwimmen verzichte.
Fünfter Segeltag Der Morgen beginnt wieder mit Schwimmen in der Ostsee. Unweit der Engelina ist ein Badesteg von dem aus es sich wunderbar zum Strand mit dem Dusch- und Toilettenhäuschen schwimmen lässt. Und dann ist sogar sofort ein Dusche frei! Im Anschluss erneut Yoga vor dem Frühstück. Diesmal bei den Picknicktischen, die sich super fürs „Möbelyoga“ (Iyengar) verwenden lassen. Auch der eine oder andere Zuschauer nimmt es zum Anlass ein paar Dehnübungen zu machen. Neben der Engelina hatte gestern noch die Astarte aus Bremerhaven festgemacht und danach eine weitere, größere Segeljacht, so dass wir in einem 3er Packchen sind. Heißt, wir kommen erst los, wenn die anderen abgelegt haben. Gestern war 9.30 Uhr vereinbart worden und unsere Nachbarn lösen pünktlich ihre Leinen. Angesagt ist für heute wenig Wind. Daher ist unsere Begeisterung riesig als sich trotzdem die Segel blähen. Der Wind ist wesentlich besser als vorhergesagt. Es werden sogar die Toppsegel gesetzt und wir erreichen über 7 Knoten. Ein wunderbares Gefühl, wenn das Schiff Geschwindigkeit aufnimmt und richtig in Fahrt kommt. Da erstmal nichts zu tun ist, klettern wir ins Klüvernetz: knallblauer Himmel, die Segel knattern im Wind, die Gischt spritzt, bis zum Horizont blaues Wasser – einfach nur glücklich im hier und jetzt sein!
Am Nachmittag läßt der Wind nach und wir gehen in Sichtweite der Steilküste von Ærø vor Anker. Badeleiter und Beiboot werden ausgesetzt. Schwer beeindruckend – Nadja schwimmt erstmal nach Aerø rüber – begleitet von Robert im Ruderboot. Zwar nicht so weit (ca. 300 m direkte, einfache Strecke), aber die Strömung ist nicht zu verachten und etwas kabbelig ist es auch. Derweil planschen wir anderen im Wasser. Einige springen sogar vom Klüvermast. Die Spitze liegt ca. 5 m überm Wasser – mir dann doch zu hoch. Ein wunderschöner Sonnenuntergang begleitet vom Aufblitzen der Rückenflossen von zwei Schweinswalen beendet einen perfekten Segeltag.
Sechster Segeltag Der Tag startet mit morgendlichem Yoga an Deck bzw. auf dem Kajütendach im Sonnenschein. Alles etwas beengt und schief, aber trotzdem schön. Ich werde von einem Schweinswal abgelenkt, der kurz seine Rückenflosse zeigt. Nadja schwimmt derweil nochmal nach Aerø rüber. Dann geht es mit lauem Lüftchen Richtung deutsche Küste. Björn und ich haben heute Backschaft und sind den Tag über immer wieder gut mit der Vorbereitung der Essen, Decken und Abwaschen beschäftigt. Die Töpfe und Pfannen sind monströs und wahrlich keine Freude beim Abwasch. Auf halbem Weg verlässt uns der Wind, so dass wir langsam dahin dümpeln. Irgendwann sind Lutz und Laura dieses vor sich hin treiben satt und werfen den Motor an. Je weiter wir Richtung Deutsche Küste kommen, desto dunkler wird der Himmel. Ein ungewohnter Anblick nach einer Woche Sonnenschein… Ein letztes Mal heißt es Segel einholen und einpacken. Wieder sind die Klüver verdreht gefallen und halten uns eine Weile beschäftigt. Da unser reservierter Platz in Maasholm von einem anderen Schiff vereinnahmt wurde und wir mit mehreren Schiffen in ein Päckchen gemusst hätten, nutzen Laura und Lutz die Gelegenheit, da gerade dort frei ist und legen in Schleimünde an. Schleimünde bzw. die Lotseninsel ist eine kleine Halbinsel die nur mit dem Boot erreicht werden kann, da es direkt an ein Naturschutzgebiet grenzt. Das Gebiet umfasst den Leuchtturm, die Lütte Gifbude (Kiosk/Kneipe), einen kleinen Yachthafen, das ehemalige Lotsenhaus und etwas Gelände drumherum. Tagsüber legen hier die Ausflugsdampfer an und es ist alles voll mit Touris. Abends ist es ruhig und beschaulich. Außer uns sind lediglich ein paar Segler da. Die üblichen Verdächtigen gehen noch kurz in der Schlei baden – erstaunlich flach und erstaunlich kalt. Dann ist es auch schon Zeit das Abendessen zuzubereiten. Später sorgt der trinkfreudige Männertrupp für etwas Geräuschkulisse vor der Giftbude, da sie zur Feier des letzten Abends sich ordentlich einen hinter die Binde gießen. Um 23.00 Uhr ist aber Schluss und danach ist nur noch lautes Schnarchen vom Deck zu hören. Immerhin haben sie es zurück aufs Schiff geschafft 😉
Es ist zwar bewölkt, aber Wind gibt es nicht. Also mit Motor nach Faaborg. Unterwegs können wir in der Ferne ein paar Robben auf ihren Felsen Sonnenbaden sehen und auch die Flosse eines Schweinswals kommt kurz in Sicht. In Faaborg manövrieren Lutz und Laura das vergleichsweise große Boot/Schiff an einen winzigen Steg um rund 1000 Liter Diesel zu tanken. Sehr beeindruckendes Fahrmanöver. Insbesondere Anbetracht der Karambolagen und Fast-Zusammenstöße der anderen kleineren Schiffe/Boote, die wir beobachte können. Auch die Engelina wird von einem anderen Tradi-Segler gerammt. Außer einem Lackschaden zum Glück nichts passiert, aber Lutz Laune hat es sehr verschlechtert.
Björn und ich statten nach dem Einparken am Liegplatz dem (laut Laura und Lutz und unserer Erfahrung vom letzten Mal) besten Bäcker Dänemarks einen Besuch ab und genießen Törtchen und Cortado. Traumhaft und die Auswahl ist unglaublich. Danach lassen wir uns durch die kleinen Gässchen treiben. Faaborg ist entzückend und definitiv einen Besuch wert. Vor dem Essen husche ich noch ins Havnebad. Dort begann bei unserer letzten Tour meine Leidenschaft fürs Schwimmen in der Ostsee. Diesmal mit ein paar Wellen, die dazu einladen auf dem Rücken vor sich hinzudümpeln. Nach dem Abendessen gehe ich nochmal hin. Mittlerweile ist es windstill und das Wasser komplett glatt. Mit dem Blick auf die umliegenden Inseln eine bezaubernde Abendstimmung. Frisch geduscht und tiefenentspannt noch Sonnenuntergangsbetrachtung von der Engelina aus und ab in die Koje.
Vierter Segeltag
Früh aufgewacht und die frühe Stunde genutzt, um zum Havnebad zu gehen. Noch kein Mensch da. Die Ostsee liegt spiegelglatt vor mir und ich gleite ins Wasser. Eine schönere Art in den Tag zu starten kann ich mir gerade nicht vorstellen. Björn hatte sich gestern, nachdem unsere Mitfahererinnen spitz bekommen haben, dass er Yogalehrer ist, darauf eingelassen um 8.00 Uhr eine Yogastunde zu geben. Als Übungsort war das Havnebad auserkoren worden. So brauche ich nur aus dem Wasser steigen und mich zu den anderen gesellen. Anscheinend ist unser Yogatrupp ein seltener Anblick, das lassen zumindest die vielen erstaunten Blicke der Dänen erahnen. Im Anschluss Frühstück und ablegen. Es ist erneut kein Wind angesagt und so soll es nur nach Lyø gehen. Unerwartet frischt es dann aber doch auf, wir setzen die Segel und und kreuzen einige Male bis wir punktgenau den Hafen erereichen. Somit wird es doch noch ein schöner Segeltag mit einigen Segelmanövern.
Im Hafen werden dann die Segel wieder eingepackt. Die Klüver sind diesmal etwas widerspenstig, verlangen uns was ab und Ich bin schweißgebadet. Derweil ist ein Taucher unter uns auf Schollenjagd. Nach dem Ankerbier (bzw. Getränk) machen wir unseren Landgang. Lyø hat sich nicht verändert. Schöne, zum Teil sehr alte Fachwerkhäuser. Ein Cortado im Café, ein Eis aus dem Købmansladen und Marmelade vom Stand vorm Bauernhof. Damit haben wir im Grunde die gesamte lokale Infrastruktur genutzt. Noch ein wenig durchs Naturschutzgebiet. Dabei entdecken wir einen Seeadler. Danach das übliche Abendprogramm. Schwimmen, Duschen, Abendessen, Sonnenuntergang – diesmal besonders schön mit den Silhouetten der verschiedenen Segelboote in der Lagune.
Bei strahlendem Sonnenschein beginnen wir unseren Sommerurlaub auf der Engelina. Wir sind vor zwei Jahren schon mal mit diesem Traditionssegler mitgesegelt und fanden es so entspannend und Laura und Lutz so nett, dass wir es dieses Jahr wiederholen wollen.
Auf dem Weg nach Kappeln manchen wir noch einen Zwischenstopp in Rendsburg bei der NordArt. Auch wenn diesmal viel Kunst zu sehen ist, zu der wir keinen richtigen Zugang finden, lohnt sich der Besuch allein schon wegen der Atmosphäre und einzelnen Highlights. Pünktlich um 18:00 sind wir in Kappeln im Museumshafen und gehen an Bord. Die Crew: 17 Mitreisende + 3 Besatzung mit etwas höherem Altersdurchschnitt als beim letzten Mal. Nach dem ersten Treffen auf dem Schiff noch ein leckeres Abendessen auf der Terrasse des Seagull direkt auf der Schlei und mit wunderschönem Blick aufs Wasser. Ein schöner Urlaubsstart.
Erster Segeltag
Nach unserer ersten Nacht auf der Engelina im Kappelner Hafen und einem Frühstück legen wir ab. Erst mit Motor bis zur Schleimündung, auf der Ostsee werden dann die Segel gehisst. Diesmal sind wir beide in der Vorsegelgruppe, da sich der eine oder die andere des Trupps sich das nicht zutraut. – Juchu, wieder im Klüvernetz rumklettern. Trotz aller Segel kommen wir nicht allzuweit, da es im Grunde keinen Wind gibt. Also treiben wir in der Ostsee und tun nichts. Als Beschäftigungsmaßnahme wird das Beiboot zu Wasser gelassen mit dem dann einige (hauptsächlich die Männer) ums Schiff herumrudern. Später findet sich noch ein kleiner Außenbordmotor – der Spaß ist komplett. Einige starten Schwimmausflüge vom Schiff aus. Eine Taube rettet sich völlig erschöpft auf die Engelina. Ein Mitreisender entpuppt sich als Brieftaubenspezialist und fängt sie gekonnt ein. Die Taube ist völlig enrkräftet, In einem abgedeckten Wäschekorb mit Wasser und Futter kann sie sich erstmal erholen. Sie ist tatsächlich eine beringte Brieftaube.
Nachmittags werden die Segel eingepackt und mit Motorkraft geht alles wieder zurück, an der Schleimündung vorbei, zum Ankerplatz vor Olpitz. Auch hier nochmal Boot- und Badevergnügen. Allerdings ist die Strömung nicht zu verachten. Wir schwimmen von der Badeleiter Richtung Bug und lassen uns zurücktreiben. Björn macht die Badeaufsicht im Ruderboot und umkreist mehrmals das Schiff. Meine Vorurteile bestätigen sich (zumindest, was kälteres Wasser betrifft und nicht nur auf Björn und mich bezogen). Wir verbringen den Abend und die Nacht an Bord. Vorher muss allerdings noch das Beiboot eingeholt werden. Ein etwas aufwendigeres Unterfangen, was aber von den (komplett männlichen) Beteiligten sehr enthusiastisch betrieben wird.
Zweiter Segeltag
Endlich Wind. Wir brechen schon um 7 Uhr auf, um möglichst lange mit dem Wind zu segeln. Die Taube hatte nachts schon einen Versuch gestartet, kam aber zurück. Kurz vor dem Anker lichten startet sie erneut Richtung Land allerdings mit Gegenwind. Wir hoffen sie hat es geschafft. Alle Segel hoch und wir nehmen Fahrt auf. Anfangs sogar mit max. 6.8 Knoten (das Max. der Engelina liegt bei 10 Kn). Nachdem alle Segel gesetzt sind gibt es Frühstück, was heute recht wackelig ausfällt. Immer wieder müssen Teller oder Tassen festhalten werden, die beim Wellengang ins Rutschen geraten. Am frühen Nachmittag lässt der Wind nach und verschwindet schließlich ganz. Eine gute Zeit für Knotenkunde.
Laura bringt uns „Halber Schlag mit Slip“ (fürs Einpacken der Segel), „Webeleinstek“ (um die Fender zu befestigen) und „Palstek“( Allround Knoten, um zwei Seile miteinander zu verbinden) bei. Danach habe ich einen Knoten im Kopf. Am besten nicht drüber nachdenken, dann bekomme ich sie besser hin. Da der Wind unwiederbringlich weg ist, werden die Segel eingepackt. Nachdem Laura es uns gestern gezeigt und mit uns zusammen gemacht hat, versuchen Stefan, Janet und ich schonmal ohne sie die Klüver einzupacken. Schon ein aufregendes Unterfangen, an der äußersten Spitze des Klüvernetzes zu balancieren und an den Segeln herumzuziehen, um sie gut zu verschnüren. Zwar mit einer Art Klettersteigset gesichert, aber trotzdem etwas wackelig… Unser Ergebnis erzielt vielleicht keinen Schönheitspreis, aber nach einer Weile sind die Klüver ordnungsgemäß verpackt. Weiter geht es mit dem Motor nach Marstal auf Aerø.
Ein schönes Städtchen, das sich seine Größe nicht auf den ersten Blick ansehen lässt. Wir stromern durch die kleinen Gässchen und gönnen uns leckeren Kaffee. Weiter zum Eriks Hale Strand, wo kleine bunte Badehäuschen malerisch aneinandergereiht zum Fotografieren einladen. Außerdem gibt es einen Badesteg von dem es gleich ins tiefere Wasser geht. Puh – viel kälter als erwartet und auch viel kälter als gestern. Es reicht nur für ein paar Runden um den Steg, dann sind meine Finger eiskalt und ich muss raus. Macht aber putzmunter. Abends kommt ein „Tradisegler“ nach dem anderen im Hafen an bis die Schiffe dreifach nebeneinander liegen. Das heißt, die Leute vom dritten Schiff müssen erst über die anderen beiden, bis sie an Land gehen können. Wir haben Glück, liegen direkt an der Hafeneinfahrt, so dass kein Schiff mehr neben uns passt, da sonst die Einfahrt blockiert ist.
Von Frederikshavn aus fahren wir kurzentschlossen zum Schloss Voergaard, wo diese Woche ein großes Mittelalter Spektakel stattfindet. Voergaard (erbaut zwischen 1481-1590) gilt als eines der schönsten Renaissanceschlösser Dänemarks. Es lässt sich zwar in einer Führung besichtigen, ist aber kein Museum, sondern im Privatbesitz einer Familie, die es immer noch für Feste und als Ferienwohnung nutzt. Unsere englischsprachige Führung ist recht spannend und unser Guide macht auf das ein oder andere Gemälde von Rembrandt, Rubens und Goya aufmerksam, welche sonst in dem ganzen Sammelsurium nicht unbedingt ins Auge gestochen wären. Außerdem spart sie auch nicht mit der einen oder anderen Gruselgeschichte. So soll in dem Schloss immer noch der Geist von Ingeborg Skeel (Auftraggeberin des Renaissanceteiles des Schlosses, die nach getaner Arbeit den Architekten im Schlossgraben ertränkte, um nicht bezahlen zu müssen) spuken und in einem Turmzimmer findet sich ein Blutfleck, der immer wieder erscheint, selbst wenn der Holzboden ausgetauscht wird… Danach flanieren wir noch ein wenig durchs Mittelalter im Schlosspark und setzen unseren Weg in Richtung Nordsee fort.
Unterwegs wird es unerwartet sehr dunkel und beginnt zu regnen – bei 0% Regenwahrscheinlichkeit in der Vorhersage wohlgemerkt. So sitzen wir dann bei Regen unter den Sonnenschirmen am Thorup Strand und genießen den Fisch der dortigen Strandfischerei. Frischer geht’s nimmer. Thorup Strand ist der letzte dänische Landingsplads (Küstenlandungsplatz) und die Fischer ziehen nach getaner Arbeit ihre Kutter mit Traktoren und Winden an Land.
In Slettestrand stellen wir fest, dass unser Hotelzimmer den Charakter eines Motels aus amerikanischen Filmen hat. Blick auf den Parkplatz. Öffnen lässt sich nur die Tür zum Parkplatz, das andere Fenster ist fest verbaut. Nicht alle Dänen verstehen sich auf hygge 😉 Das nachmittägliche Bad in der Nordsee ergibt keine merkbaren Temperaturunterschiede zur Ostsee – ist nur salziger.
Svinkløvene
Das Frühstück im Hotel erweist sich als sehr gut und versöhnt ein wenig mit dem Motelcharakter des Zimmers. Abgesehen davon wollen wir ja auch nicht im Zimmer rumhängen. Wir starten unsere Wanderung direkt am Hotel. Auch heute zeigt sich das Wetter anders als vorhergesagt. Vom Meer ziehen dichte Nebelschwaden über das Land. Schlecht für die Aussicht, aber angenehm zum Laufen. Parallel zum Meer gehen wir zum Teil durch dichte Vegetation und stoßen auf verschiedenste Vögel (Goldammer, Neuntöter, Schwarzkehlchen etc.). Den ein oder anderen muss ich im Nachhinein erstmal googeln. Es ist erstaunlich hügelig und sehr ruhig. Der Nebel macht eine ganz besondere Stimmung. Am Grønnestrand machen wir eine Pause. Ich stürze mich ins Wasser, Björn bleibt wie immer draußen. Er war zwar häufiger auf dem, aber kein Mal im Wasser. Spricht wohl für seinen Gleichgewichtssinn auf dem SUP 😉 Zurück geht es über die Svinkløvene, ein Höhenzug, der sich parallel zum Strand entlangzieht. Theoretisch mit toller Aussicht, bei uns eher eingeschränkt. Trotzdem eine wunderbare Wanderung durch schöne Landschaft.
Wir statten noch kurz der Galerie Lien in Slettestrand einen Besuch ab. Im Großen und Ganzen nicht unser Geschmack, aber trotzdem einen Besuch wert und die Aussicht vom Balkon ist fantastisch. Von dort sehen wir auch ein heranziehendes Gewitter, was uns Beine macht. Zurück beim Hotel dreht es dann zum Glück ab.
Zum Abendessen fahren wir nach Tranum Strand. Björn Rødspætte (Scholle) mit Pommes, Tina Smørebrød mit Rejer (Nordmeergarnelen). Wie immer ist der Fisch / die Krabben fantastisch. Bin hier auch zur Smørebrød Anhängerin geworden. Die haben nicht viel mit belegtem Brot zu tun, sondern sind eher kreative, ganze Mahlzeiten. Nach dem Essen die letzte Gelegenheit für ein Bad in der Nordsee. Am Strand von Tranum herrscht noch reger Betrieb. Einige Familien scheinen auch ihr Abendessen hierher verlegt zu haben. Wahrscheinlich auch einfacher, da so manches Kleinkind in erhebliches Geschrei ausbricht, wenn es in den Tesla geladen wird und nach Hause soll. Apropos Tesla – Björn hält nach diesem Urlaub Dänemark für das Land mit der höchsten Tesladichte… Allein 4 von 20 Autos auf dem Parkplatz hier am Strand.
Meer, Strand, Dünen und Wald. Eine knappe handvoll kleiner Orte, viel mehr gibt es auf Læsø nicht. Nachdem morgendlichen Bad in der Ostsee (weniger kalt als erwartet), laufen wir den Strand entlang nach Vesterø Havn, besorgen uns Fahrräder und kaufen auf dem Weg auch gleich fangfrischen Fisch – Rødspætte (Scholle). Am Nachmittag geht es nach Stokken (vorgelagerte Insel an Læsøs südlicher Ecke) zum SUP fahren. Trotz Wind und Feuerquallen ein kurzweiliges Vergnügen solange die Feuerquallen nicht berührt werden. Abends gibt es die sehr leckeren Schollen.
2. Tag
Der Tag startet mit dem Bad in der Ostsee. Es ist einfach wunderschön sich direkt nach dem Aufstehen Badesachen überzuwerfen, den Weg zum Strand lang zu schlappen, kurz im Meer zu paddeln und dann erfrischt und munter zum Frühstück zurück zu sein. Ein guter Start in den Tag 🙂
Von Østerby Havn laufen wir zu Læsøs Ostseite – zum Danzigmand. Wilde, fast menschenleere Strände und hohe Dünen. Wir entdecken einige Robben, die sich auf einer Sandbank sonnen und verschiedenste Vögel. Auf dem Rückweg zeigt die Sonne ihre Kraft. Ohne Wind sind wir ordentlich am Ölen. Zurück in Østerby Havn gönnen wir uns einen Snack im Fischimbiss. Nun wissen wir, dass auch Möwen Pommes mögen. Unsere haben wir trotzdem lieber selber gegessen 😉 Am Nachmittag noch eine kurze Tour mit den SUPs am Hausstrand. Da Himmel immer dunkler wird, brechen wir lieber ab und schaffen es rechtzeitig vor dem Regenguss nach Hause.
3. Tag
Obligatorisches Morgenbad.
Die Wetter Prognose ist mäßig. Wir gehen kein Risiko ein und fahren mit dem Fahrrad an die Nordküste zu den Hummerhütten bei Horneks. Der Weg führt hübsch durch Wald und Heide. Bei Horneks werden wir wieder mit zwei Seehunden belohnt, die sich unweit des Strandes auf Sandbänken in der Sonne aalen. Auf dem Rückweg kaufen wir noch vor einem Haus Kantarella. Nachdem ich mich mehrmals gefragt hatte, was sich in den Kühlboxen mit diese Aufschrift verbirgt, weiß ich nun, dass es sich um Pfifferlinge handelt.
Kleiner Exkurs: hier stehen vor vielen Häusern kleine oder größere Stände mit den unterschiedlichsten Dingen von Obst und Gemüse über Honig oder Marmelade bis zu Klamotten, Geschirr und anderweitigem Flohmarktkram zum Verkauf. Bezahlt wird mit Bargeld oder per Mobile Pay, was aber nur Dänen haben.
Der Rest des Tages ist regnerisch und wir hängen auf dem Sofa rum. Ein kurzes Bad am Abend lassen wir uns aber nicht nehmen 😉
4. Tag
Morgenbad in der Ostsee, diesmal mit Wellen bzw. recht windig.
Das Wetter ist wieder besser und wir radeln zu den Salzwiesen und der Salzsiederei im Süden der Insel. Die Rønnerne ist ein großes Feuchtgebiet mit ausgedehnten Salzwiesen und Heiden und der neueste und niedrigste Teil von Læsø. Wir sind nicht nett zu unseren Rädern und fahren den steinigen und sandigen Weg in die Rønnerne bis es nicht mehr weiter geht und vor uns der Sund zur Insel Hornfiskrøn liegt. Auf dem Rückweg begegnen uns ein paar Wanderer. Da sind wir doch sehr froh über unsere Räder. Wenngleich anstrengend zu fahren, doch wesentlich schneller als zu Fuß den schattenlosen und auf Dauer eintönigen Weg zu gehen. Wir landen wieder bei der Saltsyderiet, wo seit den 1990ern wieder Salz gewonnen wird. Das Salzkochen in den Salzwiesengebieten auf Süd-Læsø hatte im Mittelalter und bis ca. 1650 große wirtschaftliche Bedeutung für die Insel. Aber da das Geschäft so einträglich war, wurden immer mehr Salzsiedereien gebaut. Um das Jahr 1650 war der gesamte Wald auf Læsø als Brennstoff für die Salzkessel abgeholzt worden und Læsø buchstäblich verwüstet. Das Salzsieden hatte ein Ende. Erst Wiederaufforstungen in den 1950er Jahren legten den Grundstein dafür, dass wir auf Læsø nun wieder durch viel Wald radeln können.
Etwas später kehren wir im Café Buch ein. Ein lauschiges Plätzchen, wo wir Lakritz Eis und guten Kaffee genießen. Später am Tag noch ein letztes Mal mit den SUPs nach Stokken. Diesmal paddeln wir allerdings im Sund, da es sonst zu wellig ist. Nach dem Abendessen radeln wir nach Vesterø die Fahrräder abgeben bzw. einfach beim Fahrradverleih in den Hinterhof stellen. Wir nutzen gleich noch den Badesteg neben dem Fähranleger und spazieren im Anschluss im Sonnenuntergang den Strand entlang zurück.
5. Tag
Früh am Morgen geht unsere Fähre, die nun merklich voller ist als auf der Hinfahrt. Tina lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen und schwimmt noch mal im Hafenbecken – Björn nennt das so, aber gemeint ist der gestrige Badesteg direkt neben dem Fähranleger… Wir sind mit dem Auto schon eingecheckt und die Wartezeit lässt sich nun wahrlich nicht besser nutzen 🙂 Außerdem sehe ich vom Wasser aus rechtzeitig die Fähre kommen.
Der Sommerurlaub fällt dieses Jahr eher kurz aus. Wir treffen uns mit Freunden auf Læsø – da wo unsere plötzliche Dänemarkzuneigung begonnen hat.
Die Anfahrt gehen wir sehr entspannt an. Nach der Arbeit gehts erstmal nur bis Langstedt kurz vor Flensburg. Das kleine Hotel hätte Potential, schafft es aber nur ok zu sein. Wir bewundern ein sehr schönes altes und großes Bauernhaus mit Reetdach genau gegenüber, was für knapp 400.000€ zu haben wäre. Leider liegt es an der Hauptstraße und wir wollen auch gar nicht umziehen. Das Internet hat empfohlen das Frühstück im Hotel auszulassen und stattdessen den Bäcker zu besuchen. Doofe Idee. Mit nur zwei Croissants und einem schlechten Kaffee (Björn), einem Croissant und keinem Heißgetränk in Ermangelung von Tee (Tina) im Bauch fahren wir weiter nach Aalborg. Kurz vor Aalborg fängt es an zu regnen und wir hoffen inständig, dass das nicht lange so bleibt. Wir sind sehr früh dran, es ist gerade mal 10.30 Uhr und wir rechnen eigentlich nicht damit schon unser Zimmer zu beziehen. Der freundliche junge Mann an der Rezeption macht es aber möglich. So können wir uns auf dem Zimmer noch einen Kaffee einverleiben und so gestärkt unsere Besichtigung starten. Untergekommen sind wir im Kompas Hotel Aarlborg, ursprünglich Seemannsheim und nun ein Non-Profit Hotel bei dem alle Gewinne in die soziale Arbeit für Seeleute gehen.
Da das Wetter wieder gut bzw. trocken ist machen wir uns auf den Weg die Streetart der Stadt anzusehen. An die 80 Kunstwerke gibt es zu entdecken. Auch wenn es manchmal etwas dauert die richtigen Plätze zu finden und sich nicht gescheut werden sollte durch Hofeingänge zu gehen bzw. immer auch hinter die Häuser geschaut werden muss. So entsteht eine kurzweilige Schnitzeljagd bei mittlerweile schönstem Sonnenschein durch die Stadt. Aber auch ohne die Kunst wäre der Spaziergang schön. Reizende Häuser und Gassen zeichnen die Innenstadt aus. Nach mehr als 4 Stunden herumlaufend gönnen wir uns eine Eis Pause – Salted Caramel, ein Traum.
Abends dann Einkehr im Amici. Wir bekommen die letzten beiden Plätze draußen an der Gasse. So haben wir den jeweiligen Derangierungsgrad der vorbeiziehenden Junggesellinnen Abschiede gut im Blick. Den ganzen Tag hatten wir immer wieder welche gesehen, hier aber nun gehäuft. Dazu lässt sich nur sagen, selbst wenn der Alkohol sehr teuer ist, scheint es die Leute nicht davon abzuhalten ihn in Mengen in sich hineinzuschütten. Die Pizza ist sehr gut, die geteilte Tiramisu im Anschluss ebenso. Der Keller hält Björn ob seiner Italienisch Kenntnisse (auf Italienisch zu bestellen war einfacher, als auf Dänisch…) für einen „Experten“ und ist sehr an seiner Meinung zur Qualität des Essens interessiert. Fazit – wäre der Laden in Bremen, wir wären wohl Stammgäste 🙂 Zurück zum Hotel durch lauschige Gassen vorbei an weiterer Streetart. Ein schöner Tag!
Nach dem Frühstück brechen wir zum Kunstmuseum Kunsten auf. Das Gebäude von Álvar Aalto ist selbst schon einen Besuch wert. In den lichtdurchfluteten Räumen wirkt die Ausstellung von Stine Goya sehr leicht. Wir kennen nur wenige der Künstler*innen und finden insbesondere die Videoinstallationen von Candice Breitz sehr spannend. Einige Stunden später geht es wieder nach draußen die restlichen Streetartbilder suchen.
Nach etlichen Kilometern und einigen weiteren schönen Bilder landen wir durch Zufall im North Urban Art Studio. Ein sympathisches Café bei dem der Weg zu den Toiletten durch diverse Ateliers von Künstler*innen führt. Mit wunden Füßen brechen wir Richtung Frederikshavn auf, um von dort nach Læsø überzusetzen. Da wir auf die letzte Fähre gebucht sind, bleibt uns noch Zeit am Yachthafen Seeschwalben bei der Jagd nach und dem Streiten um Futter zu beobachten und schon mal die Temperatur der Ostsee mit den Füßen zu testen.
Ein letzter Sprung in die Schlei – wie werde ich das vermissen… Die Morgenstimmung ist so schön. Schwimmen, dabei die Landschaft bewundern, Vögel beobachten und danach putzmunter aus dem Wasser steigen.
Auf dem Rückweg noch ein Stopp in Rendsburg Büdelsdorf bei der NordArt. Wir waren bereits mehrmals hier – immer wieder sehenswert. Diesmal ist es allerdings sehr heiß, besonders in der großen Halle. Zum Glück haben wir eine Klimaanlage im Auto, denn die Rückfahrt zieht sich. Vor dem Elbtunnel ist Stau – wie immer. Richtung Bremen wird es dunkler und dunkler. Warnung vor schwerem Gewitter – welcome back.
Wir frühstücken beim örtlichen Bäcker. Hier scheint nach und nach der ganze Ort vorbeizukommen. Dann geht es mit dem Auto nach Falshöft. So sehen wir den Leuchtturm mal von Land aus – auch ganz hübsch. Außerdem liegt hier die Geltinger Birk, ein Naturschutzgebiet mit verschiedenen Wanderwegen. Wunderschöne Blicke auf die Flensburger Förde und rüber nach Dänemark bzw. auf Als. In der Ferne ist auch Ærø zu erspähen. Wir bekommen verschiedene Vögel (unter anderem einen Rotschenkel!), Wikingerschafe, Gallowayrinder und Konikpferde zu Gesicht. Sehr abwechslungsreiche Landschaft – definitiv einen Besuch wert. Überhaupt ist die ganze Gegend sehr schön.
Springe noch in die Ostsee. Diesmal mit Wellen und sie kommt mir viel wärmer vor als gestern. Zurück in Arnis gehen wir ins Café Schleiperle. Kuchen und Espresso direkt auf dem Wasser. Danach noch ein Bad in der Schlei – ich muss schon mal auf Vorrat baden. Dann das Bewundern des abendlichen Sonnenunterganges und der Rückkehr der Möwen zu ihrem Schlafplatz an der Mole.
Morgens nochmal vom Schiff aus ins Wasser – immer wieder äußerst erfrischend. Nach verschiedensten Spekulationen wieviel Grad das Wasser wohl habe, holt Laura das Thermometer. 18 Grad – ist doch gar nicht so wild 😉 Der Anker wird gelichtet und muss vom Netz aus geputzt werden ( unter Beteiligung meiner Wenigkeit). Es hat sich sehr hartnäckiger Schlamm daran festgesetzt. Von der Konsistenz wie Ton. Könnten auch Vasen draus getöpfert werden.
Die Segel werden verpackt und alles hübsch gemacht. Zum Abschied tauchen noch ein paar Schweinswale auf. Mir war vorher gar nicht klar, dass es die überhaupt in der Ostsee gibt. Wieder schlauer. Leider sind sie wohl sehr in Bedrängnis. Bei schönstem Sonnenschein fahren wir in die Schlei und werden zur Attraktion der vorbeifahrenden Ausflugsboote. Wir schaffen die Brücke um 12.45 Uhr und sind kurze Zeit später zurück im Kappelner Museumshafen.
Fazit: Wir würden es wieder machen. Laura und Lutz sind sehr sympathisch und angenehm im Umgang. Sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, was dazu führte, dass sich alle, egal wie unterschiedlich, sich gut aufgehoben fühlten. Das Segeln war mal was völlig anderes, eröffnete neue Perspektiven und wir konnten viel lernen.
Björn und ich nehmen noch ein Fischbrötchen von Föh, der hiesigen Räucherei. „Sage Kappeln nie adieu ohne einen Aal von Föh“ habe ich mir zwar nicht ganz zu Herzen genommen, aber mein Butterfisch ist super lecker. Nun weiß ich auch, dass das eine Makrelenart ist. Danach mit unserem ganzen Geraschel (fühlt sich irgendwie schwerer an) zum Auto.
Der Weg nach Arnis ist nicht weit. Arnis ist die kleinste Stadt Deutschlands mit nur 300 Einwohnern und besteht eigentlich nur aus einer Straße. Wie an einer Perlenkette reihen sich schöne, alte Häuser aneinander. Unsere Ferienwohnung liegt direkt neben einer Werft. Es herrscht reges Treiben und die Möwen sind ganz schön laut. Erstmal gewöhnungsbedürftig nach der Ruhe auf dem Meer. Wir erforschen ein wenig den Ort, ich hüpfe nochmal in die Schlei. Arnis liegt auf einer Halbinsel. Rundherum führt ein Rundweg. Fast alle Häuser haben riesige Gärten und einen eigenen Zugang zum Wasser. Sehr lauschig.
Letztes Jahr gab es allerdings einen Deichbruch und viele Häuser sind abgesoffen. Weniger schön 🙁 Wie genießen den lauen Abend bei unserer Neuentdeckung – Anderlö Spritz. Anderlö ist ein Sanddornlikör, der wie Aperol Spritz mit Prosecco und Mineralwasser gemischt wird. Fruchtig, frisch und lecker.
Nach dem üblichen Prozedere machen wir uns auf den Rückweg nach Deutschland. Langsam sind wir ein eingespieltes Team an den Vorsegeln und die Knoten gehen auch leicht von der Hand. Björn hat sich als Leinen-Festmacher und Löser etabliert. Er ist der erste, der von Bord hüpft und der letzte, der wieder reinspringt. Außerdem turnt er immer wieder auf den hinteren Dach herum, da der Rest seiner Crew da Skrupel hat.
Nachdem es gestern so windig war, ist nun fast kein Wind mehr und wir dümpeln so vor uns hin. Mittlerweile ist es schön sonnig. Alle liegen trägt rum. Das weckt Assoziationen von Seehunden auf der Sandbank in der Sonne oder dem Anfang von Moby Dick. Mehrere Versuche die Segel in das bisschen Wind zu drehen bringen nichts. Lutz startet den Motor. Es ist noch Zeit alles zusammenzupacken und schon kommen wir beim geplanten Ankerplatz an.
Die Badeleiter an die Reeling gehängt und alle gehen ins Wasser. Naja, fast alle – wer wohl nicht 😉 Es ist kälter als sonst, aber ja auch tiefer. Cooles Gefühl vom Schiff aus zu schwimmen und einmal Drumherum. Sieht aus dem Wasser irgendwie größer aus. Wieder an Bord das letzte Abendessen in der Sonne. Es zeigt sich kurz ein Schweinswal, ich bin aber leider zu langsam. Wir genießen den Sonnenuntergang an Deck. Der Mond spiegelt sich im Meer, daneben strahlt der beleuchtete Leuchtturm. Meer und Himmel verschwimmen miteinander. Die Ostsee schimmert in verschiedenen Mustern, die immerfort in Bewegung sind. Wunderschön!
Das morgendliche Bad in der Ostsee scheint zur Gewohnheit zu werden. Heute sogar mit Sonne. Herrlich und ich liebe das Gefühl, wenn nach dem ersten Kälteschock, der Körper wieder warm wird. Nach dem Frühstück geht es los. Auf nach Ærø. Leider gibt es weniger Wind als vorhergesagt und wir queren als erstes eine fette Regenwolke. Zum Glück ist die kleiner als sie aussah, aber kaum haben wir die Regenplünnen aus, kommt schon die nächste. Für kurze Abwechslung sorgt ein Schweinswal in der Ferne. Er ist aber nur schwer auszumachen und bald wieder weg. Nachdem wir eine ganze Weile dahin gedümpelt sind, frischt es plötzlich auf und die Segel können mal zeigen, wofür sie gut sind. Das ist gleich ein ganz anderes Gefühl. So fahren wir noch ein Weilchen bei schönstem Sonnenschein an der Küste Ærøs entlang, um später nach Søby zurückzukehren. Mareike und ich nutzen die Gelegenheit und klettern ins Klüvernetz. Traumhaft! Der Blick in die Wolken, das Schaukeln der Wellen, dem Himmel und dem Meer ganz nah.
Bei der Einfahrt in den Hafen von Søby gibt es ein kleines Verkehrschaos. Vor uns eine Yacht, die nicht weiß wo sie hin will. Laura ist sich auch nicht sicher zu welchem Anlegeplatz und von hinten kommt schon die Fähre hupend angerauscht. Da wirkt selbst Laura mal ein wenig angespannt. Die Fähren fahren mit einem Affenzahn durch die schmale Hafeneinfahrt, da sie sonst durch Wind und/oder seitliche Strömung abgetrieben werden. Zur Ausfahrt, lassen sie auch erst die Klappe oben, da das Schiff dann kürzer ist und sie besser navigieren können. Millimeter Arbeit. Søby wirkt sehr trist, mag aber auch am mittlerweile wieder grauen Himmel liegen.
Der Hafen ist zwar recht groß mit zwei Fähranlegern und einer Werft, aber sonst gibt er nur eine Kirche, einen Supermarkt, einen Bäcker und diverse zusammengewürfelte Wohnhäuser. Keinen wirklichen Ortskern. Zur Aufhübschung sind überall Kunstwerke – hilft mal mehr und mal weniger 😉 Insgesamt nicht sehr einladend, zumal es immer wieder nieselt, kalt und sehr windig ist. Da verzichte ich sogar auf mein Bad in der Ostsee und gehe nur mit mit den Füßen ins Wasser. Die Nachtstimmung mit den großen, beleuchteten Schiffen und den Möwen, die sich zum Schlafen ins Hafenbecken gesetzt haben, ist dann allerdings bezaubernd.
Nachdem der Bann gebrochen ist, hüpfe ich sofort nach dem Aufstehen nochmal in die Ostsee. Diesmal ist der Himmel allerdings grau und es ist viel windiger und welliger. Trotzdem toll und wirksamer als jeder Espresso 🙂
Wir starten heute erst gegen 14.00 Uhr, da vormittags noch abgepumpt und getankt werden muss. Außerdem wird viel Regen erwart, es gibt nur wenig Wind und dann auch noch aus der falschen Richtung. Kompliziert mit dem Segeln… Die Fahrt zur Tankstelle auf der anderen Seite des Hafenbecken gestaltet sich schwieriger als gedacht. Es drängelt sich eine Yacht in den Weg, wir müssen abrupt den Kurs ändern und stoßen kurz mit dem Heck an den Quay. Ist nichts weiter passiert, es muss aber viel hin und her rangiert werden. Mittlerweile hat auch der vorhergesagte Regen eingesetzt und ich steige an der Tankstelle aus und geselle mich zurück zu den anderen auf der anderen Seite des Hafenbeckens. Hätte ich sein lassen sollen, denn wirklich Schutz vor dem Regen gibt es hier nicht und wir drängen uns unter das Vordach des Hafenmeisters. Langsam sind wir komplett nass – die Regenhose liegt auf dem Schiff und die Regenjacke ist durch. Ich nutze eine Regenpause, um in die Stadt zu gehen und kaufe mir kurzer Hand einen Regenmantel, der mir auch sofort gute Dienste leistet. Nadine macht es gleich nach. Anschließend suche ich noch die Bäckerei auf – angeblich die beste weit und breit. Es gibt einen Haufen süßer und extrem gut aussehender Leckereien, da kann ich nicht nein sagen 🙂
Los geht’s nach Lyø. Die Segel werden gar nicht erst gehisst, stattdessen kommt der Motor zum Einsatz. Nach 1 Std. sind wir schon da, müssen allerdings nochmal „umparken“, da noch 3 ! weitere große Schiffe erwartet werden. Mittlerweile ist es aufgeklart. Björn und ich machen uns auf die Insel zu erkunden. Lyø ist klein, in der Mitte ein Dorf mit einem Dorfladen, wo reges Treiben herrscht, da sich alle, sowohl Dorfbewohner, als auch Besucher dort zu einem Bier auf der Terrasse treffen. Dann gibt es noch eine Mühle ohne Flügel, ein Vogelschutzgebiet, mehrere Bauernhöfe und Hünengräber. An einem von letzteren kommen wir auch vorbei, dem Klokkesten. Wenn mit einem Hammer dagegen geschlagen wird, soll er wir eine Glocke klingen. Kommt nicht ganz hin, aber klingt irgendwie metallisch und zumindest anders als Stein. Mittlerweile ist die Sonne raus und es wird richtig warm.
Zurück bei Schiff schnappe ich mir meine Badesachen und gehe vom Steg aus Schwimmen. Am Abend gibt’s wieder ein Glas Wein an Deck und Sonnenuntergangsfernsehen vom feinsten unterbrochen von Reiher-TV. Ein Fischreiher steht dicht beim Schiff und scheint Futter zu suchen. Er sieht auch sehr konzentriert aus, verrenkt zwischendurch gekonnt den Hals, kommt aber bis wir in die Koje fallen nicht zum Zuge.
Diesmal habe ich besser geschlafen – die voll geöffnete Luke hat geholfen. Björn rumort schon um 5.00 Uhr früh. Kurz zum Klo, dass war allerdings der Griff bzw. Tritt ins Klo. Alles war nass – die Toilette übergelaufen. Igitt! Schnell ins Havnekontor Füße waschen und dort die Toilette benutzen. Auf dem Rückweg regne ich noch nass, da ich in der Hektik die Regenjacke vergessen habe und der Daumen tut auch weh. Toller Tag. Gefrustet lege ich mich erstmal zurück in die Koje. Beim Frühstück folgt die Klärung, warum die Toiletten übergelaufen sind – die Abpumpstelle in Kappeln war besetzt und danach viel zu tun, so dass Lutz und Laura es schlicht vergessen haben. Gut zu wissen, so waren zumindest nicht wir daran schuld… Da es an Bord zwei Tanks gibt, einen für Grau- und einen für Schwarzwasser, kann als Sofortmaßnahme ein Teil aus dem einen Tank in den anderen gepumpt werden. Die Toiletten lassen sich also wieder nutzen und als nächstes wird Faaborg angesteuert, wo es eine Abpumpstelle gibt. Ansonsten sind die wohl eher rar in diesem Teil der Ostsee, zumindest für so große Schiffe wie die Engelina.
Los geht’s. Zwischendurch gibt es immer wieder Regenschauer, aber nach und nach wird das Wetter besser. Der Weg nach Faaborg ist weit, aber führt sehr schön durch den Alsfjord. Wir haben viel Zeit die vorbeiziehende Landschaft zu bewundern oder aufs Meer zu starren. Das sanfte Schaukeln macht sehr träge. Unterbrochen wird die Trägheit von gelegentlichen Segelmanövern. So weiß ich nun, was eine Halse ist – das Heck dreht sich in den Wind. Beim Segel einholen traue ich mich sogar zum Klüver einpacken ins Netz vorne und die Knoten klappen auch schon besser. Finde es auch gar nicht schlimm – vielleicht ist doch was an der Behauptung, wer Höhenangst hat, wird nicht seekrank…
Alis Tipp Fahrradhandschuhe (in Ermangelung solcher, mussten die Klettersteighandschuhe herhalten) mitzunehmen war jedenfalls sehr hilfreich. Auf Dauer sind die Seile schon eher unangenehm an den Händen. Auch meine Regenjacke und -hose möchte ich nicht missen. Definitiv von Vorteil beides dabei zu haben. Bei schönstem Sonnenschein erreichen wir Faaborg. Am Hafen ist viel los. Es gibt Live Musik und alle sind in Sommerstimmung. Nach dem Abendessen erkunden Björn und ich den Ort. Entzückend – mit kleinen, alten Häusern und engen Gassen. Dänemark aus dem Bilderbuch. Danach lasse ich mich noch von Andrea zum Baden überreden. Kalt, aber total schön in der Abendstimmung, wenn Meer und Himmel am Horizont ineinander übergehen, in der Ostsee zu schwimmen und wunderbar erfrischend. Wir lassen bei einem Glas Wein an Deck den Abend ausklingen und bewundern das letzte Abendrot. Segeln ist dann doch sehr schön 🙂
Die Nacht war unruhig. Unsere Kabine erinnert an ein Schwitzbad – in der nächsten Nacht muss die Luke definitiv soweit wie möglich auf. Das Schiff ist sehr hellhörig. Ich höre den Nachbarn in der nächsten Kabine durch die Wand schnarchen, als läge er mit bei uns. Um 6.30 Uhr dann Schnippeln fürs Frühstück. Die Kühlschränke sind gut gefüllt und es wird ordentlich aufgetischt. Danach schnell der Abwasch und an Deck zur Ausfahrt.
Die Brücke muss erreicht werden. Kappeln hat eine Klappbrücke, die nur zu bestimmten Zeiten geöffnet wird. So stehen die Boote zum Durchfahren Schlange. Nachdem wir Kappeln hinter uns gelassen haben, macht Laura die Sicherheitseinweisung. Wie müssen wir uns verhalten, wenn eine Person über Bord geht, bei Brand, Wasser im Schiff etc. Ui – viel zu beachten und manche Szenarien möchte ich mir gar nicht so genau vorstellen.
Auf der Schlei fahren wir noch mit dem Motor, nach der Mündung heißt es Segel setzen. Wir verteilen uns auf 3 Gruppen: 1. Vorsegel – Klüver und Fock (ich), 2. Großsegel und 3. Hinten – Besan (Björn). Das Segel setzen ist ganz spannend, aber die ganzen Knoten machen mir erstmal einen Knoten im Kopf. Danach ist es ruhig – abgesehen von einem ersten Fall von Seekrankheit (zum Glück nicht wir).
Zwischendurch huschen wir in die Kombüse den Mittagssnack vorbereiten. Ursprünglich bzw. gestern sollte es noch nach Marstal auf Ærø gehen, aber da sich Wind und Wetter auf See noch schneller ändern als an Land, wurde heute morgen umdisponiert und wir segeln nun nach Sønderborg. Das ist nicht so weit und außerdem soll da heute irgendein Spektakel beim Schloss stattfinden. Gegen 15.30 Uhr ist Sønderborg in Sicht, die Segel werden eingeholt und ordentlich mit den frisch gelernten Knoten verschnürt. Kurz danach legen wir direkt vorm Schloss an.
Es bleibt noch ein wenig Zeit durch die Stadt zu rennen, dann müssen wir mit dem Kochen beginnen. Stört nicht weiter, da es ordentlich zu regnen anfängt und wir gerade noch trocken an Bord kommen. Mitten beim Abendessen und früher als angekündigt, hören wir draußen Geräusche. Nachdem vorher überhaupt nichts zu sehen war und wir schon an der Angabe, dass 300 Pferde und mehrere Kapellen kommen sollen, zweifelten, spielt nun Musik und der Schlossplatz steht tatsächlich voll mit Pferden. Genauso schnell wie sie da waren, sind sie auch wieder weg. Hinter dem letzten Pferd fährt sofort die Straßenreinigung hinterher und es ist als wäre nichts gewesen. Zeit für uns abzuwaschen und in der Kombüse klar Schiff zu machen.
Als alles fertig ist, will ich zum Duschen ins Havnekontor. Beim Abstieg vom Boot verknackse ich mir den Daumen als er in einer Öse fest steckt. Na toll, zumindest den Küchendienst haben wir schon hinter uns… Auf der Engelina wartet dann die Versöhnung: ein Schweinswal schwimmt vor unserem bzw. dem vor uns liegenden Schiff im Hafenbecken und wir erspähen immer wieder seine Rückenflosse – teilweise nur ein paar Meter vom Boot entfernt 🙂
Am Tag der Anreise verbringen wir erstmal viel Zeit in Staus. Hauptverursacher der Elbtunnel, aber auch der weitere Weg nach Kappeln hat noch den einen oder anderen kleinen Stau parat. Wir sind zum Glück früh los. Das Wetter zeigt sich wesentlich freundlicher als vorhergesagt. Pünktlich zum „an Bord“ gehen, fängt es aber an zu schütten. Insgesamt 15 Mitreisende und 3 Leute Besatzung: Laura und Lutz, die Schiffsbesitzer / Kapitäne und Andrea zum Kochen.
Nach einer kleinen Vorstellungsrunde folgt eine kurze Einführung zum Schiff und dem täglichen Prozedere. Beim Betreten unserer 2er Kabine, bekomme ich kurz einen klaustrophobischen Anfall: 1 Stockbett und ca. 60 cm davor – heißt nur 1 Person kann stehen, die andere muss liegen oder raus. In der Decke ein kleiner Belüftungsschacht – zum Glück führt der tatsächlich zu einer Luke an Deck, die sich öffnen lässt (allerdings nur, wenn es nicht stark regnet). In der Beschreibung stand 2 Duschen und Toiletten an Bord. Aber letzten Endes steckt der Teufel im Detail – Duschen doch lieber im Hafen, da sonst der Schwarzwassertank zu schnell voll ist und Toilettenpapier darf auch nicht ins Klo. Wir melden uns zur ersten Backschaft (der Hilfe in der Küche) – dann haben wir es hinter uns, müssen morgen aber früh raus.
Björn und ich gehen nochmal kurz vom Schiff im „Seagull“ was Essen. So sitzen wir direkt auf der Schlei, können einen perfekten Regenbogen bewundern und lassen uns ein köstliches Garnelensandwich munden. Das wollen wir bei der Rückkehr wieder essen 🙂
Von Menschen, die aufs Wasser starren bzw. über die Entdeckung der Langsamkeit.
Nachdem im letzten Jahr eine schlechte Überraschung die andere ablöste und auch die Knie durch Athrose nicht mehr ganz so wanderfreudig sind, gibt es dieses Jahr eine völlig andere Art von Urlaub. Wir segeln eine Woche auf der Engelina durch die Dänische Südsee. Mitmach-Segeln auf einem traditionellen Segelschiff (Tradi-Segeln) – heißt wir brauchen keine Vorkenntnisse, können aber viel lernen (wenn wir wollen). Je näher der Termin rückt, desto mehr Gedanken mache ich mir. Zumal mich mehrere Freundinnen bereits fragten, ob ich mir schon Reisetabletten gegen Seekrankheit besorgt hätte. So habe ich mir vorsichtshalber dann doch noch Zintona (ein Ingwerpräparat gegen Reisekrankheit) besorgt.
Wir verlassen Wales eingehüllt in Nebel und Sprühregen. Sieht aber auch so sehr schön aus und ist auf jeden Fall noch weitere Besuche wert (vielleicht mit einem größerem Topf zum Nudel Kochen im Schlepptau). Auf dem Weg geraten wir immer wieder in mehr oder weniger heftigen Regen und die digitalen Tafeln auf dem Motorway zeigen nahezu durchgehend „Surface water – Slow“, einmal getoppt von „Floods“ (die Straße war in der Tat überflutet) an. Überhaupt gibt es ein paar merkwürdige Bezeichnungen (z. B. die überall präsente „hard shoulder“, mal no, mal on, mal in work…- wo wir jetzt immer noch nicht wissen, um was es sich genau handelt Einfahrt, Ausfahrt, Seitenstreifen?) und amüsante Schilder. Den galoppierenden Hirsch habe ich doch nicht mehr erwischt… Auch die LKWs sind hier wesentlich höher, würden bei uns vor jeder Brücke hängen bleiben.
Unser Plan erst nach Hull zu fahren und dort noch ein wenig die Altstadt zu erkunden bevor wir auf das Schiff gehen ist leider zum Scheitern verurteilt. Dummerweise können die Parkplätze die wir ansteuern nur per App bezahlt werden. Wir versuchen es, aber die Entwickler scheinen weder daran gedacht zu haben, dass ein Ausländer mit ausländischem Kennzeichen und Telefonnummer parken, noch dass die Bezahlmethode geändert werden wollen könnte. Nach 15 Minuten äußerst frustrierendem Herumtesten verlassen wir das Parkhaus wieder ohne zu bezahlen. Mal sehen ob von dem angedrohten Bußgeld von 100 Pfund bei Nichtbezahlen noch was kommt.
Extrem genervt fahren wir früh zum Schiff. Der einzige Ort, der einem Restaurant in der Umgebung nahekommt, ist ein Starbucks. Was solls. Anschließend ein ähnlich ineffizientes Einchecken wie auf der Hinfahrt- diesmal gewürzt von einer lustlosen Zollkontrolle, die wichtig in den Motorraum schaut und die Vorder-und Hintersitze mit Taschenlampen anleucht, den Kofferraum aber komplett ignoriert (wir mussten ihn nicht mal öffnen). Das Essen im Buffet Restaurant an Board ist ganz ok, zumindest die große Curryauswahl und die Shrimps können wir als Highlight des Tages bezeichnen.