• Von der Ost- an die Nordsee – Slettestrand

    Von der Ost- an die Nordsee – Slettestrand

    Von Frederikshavn aus fahren wir kurzentschlossen zum Schloss Voergaard, wo diese Woche ein großes Mittelalter Spektakel stattfindet. Voergaard (erbaut zwischen 1481-1590) gilt als eines der schönsten Renaissanceschlösser Dänemarks. Es lässt sich zwar in einer Führung besichtigen, ist aber kein Museum, sondern im Privatbesitz einer Familie, die es immer noch für Feste und als Ferienwohnung nutzt. Unsere englischsprachige Führung ist recht spannend und unser Guide macht auf das ein oder andere Gemälde von Rembrandt, Rubens und Goya aufmerksam, welche sonst in dem ganzen Sammelsurium nicht unbedingt ins Auge gestochen wären. Außerdem spart sie auch nicht mit der einen oder anderen Gruselgeschichte. So soll in dem Schloss immer noch der Geist von Ingeborg Skeel (Auftraggeberin des Renaissanceteiles des Schlosses, die nach getaner Arbeit den Architekten im Schlossgraben ertränkte, um nicht bezahlen zu müssen) spuken und in einem Turmzimmer findet sich ein Blutfleck, der immer wieder erscheint, selbst wenn der Holzboden ausgetauscht wird… Danach flanieren wir noch ein wenig durchs Mittelalter im Schlosspark und setzen unseren Weg in Richtung Nordsee fort.

    Unterwegs wird es unerwartet sehr dunkel und beginnt zu regnen – bei 0% Regenwahrscheinlichkeit in der Vorhersage wohlgemerkt. So sitzen wir dann bei Regen unter den Sonnenschirmen am Thorup Strand und genießen den Fisch der dortigen Strandfischerei. Frischer geht’s nimmer. Thorup Strand ist der letzte dänische Landingsplads (Küstenlandungsplatz) und die Fischer ziehen nach getaner Arbeit ihre Kutter mit Traktoren und Winden an Land.

    In Slettestrand stellen wir fest, dass unser Hotelzimmer den Charakter eines Motels aus amerikanischen Filmen hat. Blick auf den Parkplatz. Öffnen lässt sich nur die Tür zum Parkplatz, das andere Fenster ist fest verbaut. Nicht alle Dänen verstehen sich auf hygge 😉 Das nachmittägliche Bad in der Nordsee ergibt keine merkbaren Temperaturunterschiede zur Ostsee – ist nur salziger.

    Svinkløvene

    Das  Frühstück im Hotel erweist sich als sehr gut und versöhnt ein wenig mit dem Motelcharakter des Zimmers. Abgesehen davon wollen wir ja auch nicht im Zimmer rumhängen. Wir starten unsere Wanderung direkt am Hotel. Auch heute zeigt sich das Wetter anders als vorhergesagt. Vom Meer ziehen dichte Nebelschwaden über das Land. Schlecht für die Aussicht, aber angenehm zum Laufen. Parallel zum Meer gehen wir zum Teil durch dichte Vegetation und stoßen auf verschiedenste Vögel (Goldammer, Neuntöter, Schwarzkehlchen etc.). Den ein oder anderen muss ich im Nachhinein erstmal googeln. Es ist erstaunlich hügelig und sehr ruhig. Der Nebel macht eine ganz besondere Stimmung. Am Grønnestrand machen wir eine Pause. Ich stürze mich ins Wasser, Björn bleibt wie immer draußen. Er war zwar häufiger auf dem, aber kein Mal im Wasser. Spricht wohl für seinen Gleichgewichtssinn auf dem SUP 😉 Zurück geht es über die Svinkløvene, ein Höhenzug, der sich parallel zum Strand entlangzieht. Theoretisch mit toller Aussicht, bei uns eher eingeschränkt. Trotzdem eine wunderbare Wanderung durch schöne  Landschaft. 


    Wir statten noch kurz der Galerie Lien in Slettestrand einen Besuch ab. Im Großen und Ganzen nicht unser Geschmack, aber  trotzdem einen Besuch wert und die Aussicht vom Balkon ist fantastisch. Von dort sehen wir auch ein heranziehendes Gewitter, was uns Beine macht. Zurück beim Hotel dreht es dann zum Glück ab. 


    Zum Abendessen fahren wir nach Tranum Strand. Björn Rødspætte (Scholle) mit Pommes, Tina Smørebrød mit Rejer (Nordmeergarnelen). Wie immer ist der Fisch / die Krabben fantastisch. Bin hier auch zur Smørebrød  Anhängerin geworden. Die haben nicht viel mit belegtem Brot zu tun, sondern sind eher kreative, ganze Mahlzeiten. Nach dem Essen die letzte Gelegenheit für ein Bad in der Nordsee. Am Strand von Tranum herrscht noch reger Betrieb. Einige Familien scheinen auch ihr Abendessen hierher verlegt zu haben. Wahrscheinlich auch einfacher, da so manches Kleinkind in erhebliches Geschrei ausbricht, wenn es in den Tesla geladen wird und nach Hause soll. Apropos Tesla – Björn hält nach diesem Urlaub Dänemark für das Land mit der höchsten Tesladichte… Allein 4 von 20 Autos auf dem Parkplatz hier am Strand.

  • Læsø

    Læsø

    1. Tag

    Meer, Strand, Dünen und Wald. Eine knappe handvoll kleiner Orte, viel mehr gibt es auf Læsø nicht. Nachdem morgendlichen Bad in der Ostsee (weniger kalt als erwartet), laufen wir den Strand entlang nach Vesterø Havn, besorgen uns Fahrräder und kaufen auf dem Weg auch gleich fangfrischen Fisch – Rødspætte (Scholle). Am Nachmittag geht es nach Stokken (vorgelagerte Insel an Læsøs südlicher Ecke) zum SUP fahren. Trotz Wind und Feuerquallen ein kurzweiliges Vergnügen solange die Feuerquallen nicht berührt werden. Abends gibt es die sehr leckeren Schollen. 

    2. Tag

    Der Tag startet mit dem Bad in der Ostsee. Es ist einfach wunderschön sich direkt nach dem Aufstehen Badesachen überzuwerfen, den Weg zum Strand lang zu schlappen, kurz im Meer zu paddeln und dann erfrischt und munter zum Frühstück zurück zu sein. Ein guter Start in den Tag 🙂 

    Von Østerby Havn laufen wir zu Læsøs Ostseite – zum Danzigmand. Wilde, fast menschenleere Strände und hohe Dünen. Wir entdecken einige Robben, die sich auf einer Sandbank sonnen und verschiedenste Vögel. Auf dem Rückweg zeigt die Sonne ihre Kraft. Ohne Wind sind wir ordentlich am Ölen. Zurück in Østerby Havn gönnen wir uns einen Snack im Fischimbiss. Nun wissen wir, dass auch Möwen Pommes mögen. Unsere haben wir trotzdem lieber selber gegessen 😉 Am Nachmittag noch eine kurze Tour mit den SUPs am Hausstrand. Da Himmel immer dunkler wird, brechen wir lieber ab und schaffen es rechtzeitig vor dem Regenguss nach Hause.

    3. Tag

    Obligatorisches Morgenbad.

    Die Wetter Prognose ist mäßig. Wir gehen kein Risiko ein und fahren mit dem Fahrrad an die Nordküste zu den Hummerhütten bei Horneks. Der Weg führt hübsch durch Wald und Heide. Bei Horneks werden wir wieder mit zwei Seehunden belohnt, die sich unweit des Strandes auf Sandbänken in der Sonne aalen. Auf dem Rückweg kaufen wir noch vor einem Haus Kantarella. Nachdem ich mich mehrmals gefragt hatte, was sich in den Kühlboxen mit diese Aufschrift verbirgt, weiß ich nun, dass es sich um Pfifferlinge handelt.

    Kleiner Exkurs: hier stehen vor vielen Häusern kleine oder größere Stände mit den unterschiedlichsten Dingen von Obst und Gemüse über Honig oder Marmelade bis zu Klamotten, Geschirr und anderweitigem Flohmarktkram zum Verkauf. Bezahlt wird mit Bargeld oder per Mobile Pay, was aber nur Dänen haben.

    Der Rest des Tages ist regnerisch und wir hängen auf dem Sofa rum. Ein kurzes Bad am Abend lassen  wir uns aber nicht nehmen 😉

    4. Tag

    Morgenbad in der Ostsee, diesmal mit Wellen bzw. recht windig.

    Das Wetter ist wieder besser und wir radeln zu den Salzwiesen und der Salzsiederei im Süden der Insel. Die Rønnerne ist ein großes Feuchtgebiet mit ausgedehnten Salzwiesen und Heiden und der neueste und niedrigste Teil von Læsø. Wir sind nicht nett zu unseren Rädern und fahren den steinigen und sandigen Weg in die Rønnerne bis es nicht mehr weiter geht und vor uns der Sund zur Insel Hornfiskrøn liegt. Auf dem Rückweg begegnen uns ein paar Wanderer. Da sind wir doch sehr froh über unsere Räder. Wenngleich anstrengend zu fahren, doch wesentlich schneller als zu Fuß den schattenlosen und auf Dauer eintönigen Weg zu gehen. Wir landen wieder bei der Saltsyderiet, wo seit den 1990ern wieder Salz gewonnen wird. Das Salzkochen in den Salzwiesengebieten auf Süd-Læsø hatte im Mittelalter und bis ca. 1650 große wirtschaftliche Bedeutung für die Insel. Aber da das Geschäft so einträglich war, wurden immer mehr  Salzsiedereien gebaut. Um das Jahr 1650 war der gesamte Wald auf Læsø als Brennstoff für die Salzkessel abgeholzt worden und Læsø buchstäblich verwüstet. Das Salzsieden hatte ein Ende. Erst Wiederaufforstungen in den 1950er Jahren legten den Grundstein dafür, dass wir auf Læsø nun wieder durch viel Wald radeln können.

    Etwas später kehren wir im Café Buch ein. Ein lauschiges Plätzchen, wo wir  Lakritz Eis und guten Kaffee genießen. Später am Tag noch ein letztes Mal  mit den SUPs nach Stokken. Diesmal paddeln wir allerdings im Sund, da es sonst zu wellig ist. Nach dem Abendessen radeln wir nach Vesterø die Fahrräder abgeben bzw. einfach beim Fahrradverleih in den Hinterhof stellen. Wir nutzen gleich noch den Badesteg neben dem Fähranleger und spazieren im Anschluss im Sonnenuntergang den Strand entlang zurück. 

    5. Tag

    Früh am Morgen geht unsere Fähre, die nun merklich voller ist als auf der Hinfahrt. Tina lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen und schwimmt noch mal im Hafenbecken – Björn nennt das so, aber gemeint ist der gestrige Badesteg direkt neben dem Fähranleger… Wir sind mit dem Auto schon eingecheckt und die Wartezeit lässt sich nun wahrlich nicht besser nutzen 🙂 Außerdem sehe ich vom Wasser aus rechtzeitig die Fähre kommen.

  • (Kurz)Urlaub in Dänemark Auf nach Aalborg

    (Kurz)Urlaub in Dänemark Auf nach Aalborg

    Der Sommerurlaub fällt dieses Jahr eher kurz aus.  Wir treffen uns mit Freunden auf Læsø – da wo unsere plötzliche Dänemarkzuneigung begonnen hat.

    Die Anfahrt gehen wir sehr entspannt an. Nach der Arbeit gehts erstmal nur bis Langstedt kurz vor Flensburg. Das kleine Hotel hätte Potential, schafft es aber nur ok zu sein. Wir bewundern ein sehr schönes altes und großes Bauernhaus mit Reetdach genau gegenüber, was für knapp 400.000€ zu haben wäre. Leider liegt es an der Hauptstraße und wir wollen auch gar nicht umziehen. Das Internet hat empfohlen das Frühstück im Hotel auszulassen und stattdessen den Bäcker zu besuchen. Doofe Idee. Mit nur zwei Croissants und einem schlechten Kaffee (Björn), einem Croissant und keinem Heißgetränk in Ermangelung von Tee (Tina) im Bauch fahren wir weiter nach Aalborg. Kurz vor Aalborg fängt es an zu regnen und wir hoffen inständig, dass das nicht lange so bleibt. Wir sind sehr früh dran, es ist gerade mal 10.30 Uhr und wir rechnen eigentlich nicht damit schon unser Zimmer zu beziehen. Der freundliche junge Mann an der Rezeption macht es aber möglich. So können wir uns auf dem Zimmer noch einen Kaffee einverleiben und so gestärkt unsere Besichtigung starten. Untergekommen sind wir im Kompas Hotel Aarlborg, ursprünglich Seemannsheim und nun ein Non-Profit Hotel bei dem alle Gewinne in die soziale Arbeit für Seeleute gehen.

    Da das Wetter wieder gut bzw. trocken ist machen wir uns auf den Weg die Streetart der Stadt anzusehen. An die 80 Kunstwerke gibt es zu entdecken. Auch wenn es manchmal etwas dauert die richtigen Plätze zu finden und sich nicht gescheut werden sollte durch Hofeingänge zu gehen bzw. immer auch hinter die Häuser geschaut werden muss. So entsteht eine kurzweilige Schnitzeljagd bei mittlerweile schönstem Sonnenschein durch die Stadt. Aber auch ohne die Kunst wäre der Spaziergang schön. Reizende Häuser und Gassen zeichnen die Innenstadt aus. Nach mehr als 4 Stunden herumlaufend gönnen wir uns eine Eis Pause – Salted Caramel, ein Traum.

    Abends dann Einkehr im Amici. Wir bekommen die letzten beiden Plätze draußen an der Gasse. So haben wir den jeweiligen Derangierungsgrad der vorbeiziehenden Junggesellinnen Abschiede gut im Blick. Den ganzen Tag hatten wir immer wieder welche gesehen, hier aber nun gehäuft. Dazu lässt sich nur sagen, selbst wenn der Alkohol sehr teuer ist, scheint es die Leute nicht davon abzuhalten ihn in Mengen in sich hineinzuschütten. Die Pizza ist sehr gut, die geteilte Tiramisu im Anschluss ebenso. Der Keller hält Björn ob seiner Italienisch Kenntnisse (auf Italienisch zu bestellen war einfacher, als auf Dänisch…) für einen „Experten“ und ist sehr an seiner Meinung zur Qualität des Essens interessiert. Fazit – wäre der Laden in Bremen, wir wären wohl Stammgäste 🙂 Zurück zum Hotel durch lauschige Gassen vorbei an weiterer Streetart. Ein schöner Tag! 

    Nach dem Frühstück brechen wir zum Kunstmuseum Kunsten auf. Das Gebäude von Álvar Aalto ist selbst schon einen Besuch wert. In den lichtdurchfluteten Räumen wirkt die Ausstellung von Stine Goya sehr leicht. Wir kennen nur wenige der Künstler*innen und finden insbesondere die Videoinstallationen von Candice Breitz sehr spannend. Einige Stunden später geht es wieder nach draußen die restlichen Streetartbilder suchen. 

    Nach etlichen Kilometern und einigen weiteren schönen Bilder landen wir durch Zufall im North Urban Art Studio. Ein sympathisches Café bei dem der Weg zu den Toiletten durch diverse Ateliers von Künstler*innen führt. Mit wunden Füßen brechen wir Richtung Frederikshavn auf, um von dort nach Læsø überzusetzen. Da wir auf die letzte Fähre gebucht sind, bleibt uns noch Zeit am Yachthafen Seeschwalben bei der Jagd nach und dem Streiten um Futter zu beobachten und schon mal die Temperatur der Ostsee mit den Füßen zu testen.

  • 9. Tag: NordArt und Rückreise

    9. Tag: NordArt und Rückreise

    Ein letzter Sprung in die Schlei – wie werde ich das vermissen… Die Morgenstimmung ist so schön. Schwimmen, dabei die Landschaft bewundern, Vögel beobachten und danach putzmunter aus dem Wasser steigen. 


    Auf dem Rückweg noch ein Stopp in Rendsburg Büdelsdorf bei der NordArt. Wir waren bereits mehrmals hier – immer wieder sehenswert. Diesmal ist es allerdings sehr heiß, besonders in der großen Halle. Zum Glück haben wir eine Klimaanlage im Auto, denn die Rückfahrt zieht sich. Vor dem Elbtunnel ist Stau – wie immer. Richtung Bremen wird es dunkler und dunkler. Warnung vor schwerem Gewitter – welcome back.

  • 8. Tag: Arnis und Geltinger Birk

    8. Tag: Arnis und Geltinger Birk

    Wir frühstücken beim örtlichen Bäcker. Hier scheint nach und nach der ganze Ort vorbeizukommen. Dann geht es mit dem Auto nach Falshöft. So sehen wir den Leuchtturm mal von Land aus – auch ganz hübsch. Außerdem liegt hier die Geltinger Birk, ein Naturschutzgebiet mit verschiedenen Wanderwegen. Wunderschöne Blicke auf die Flensburger Förde und rüber nach Dänemark bzw. auf Als. In der Ferne ist auch Ærø zu erspähen. Wir bekommen verschiedene Vögel (unter anderem einen Rotschenkel!), Wikingerschafe, Gallowayrinder und Konikpferde zu Gesicht. Sehr abwechslungsreiche Landschaft – definitiv einen Besuch wert. Überhaupt ist die ganze Gegend sehr schön.

    Springe noch in die Ostsee. Diesmal mit Wellen und sie kommt mir viel wärmer vor als gestern. Zurück in Arnis gehen wir ins Café Schleiperle. Kuchen und Espresso direkt auf dem Wasser. Danach noch ein Bad in der Schlei – ich muss schon mal auf Vorrat baden. Dann das Bewundern des abendlichen Sonnenunterganges und der Rückkehr der Möwen zu ihrem Schlafplatz an der Mole.

  • 7.  Tag: Leuchtturm Falshöft zurück nach Kappeln

    7. Tag: Leuchtturm Falshöft zurück nach Kappeln

    Morgens nochmal vom Schiff aus ins Wasser – immer wieder äußerst erfrischend. Nach verschiedensten Spekulationen wieviel Grad das Wasser wohl habe, holt Laura das Thermometer. 18 Grad – ist doch gar nicht so wild 😉 Der Anker wird gelichtet und  muss vom Netz aus geputzt werden ( unter Beteiligung meiner Wenigkeit). Es hat sich sehr hartnäckiger Schlamm daran festgesetzt. Von der Konsistenz wie Ton. Könnten auch Vasen draus getöpfert werden.

    Die Segel werden verpackt und alles hübsch gemacht. Zum Abschied tauchen noch ein paar Schweinswale auf. Mir war vorher gar nicht klar, dass es die überhaupt in der Ostsee gibt. Wieder schlauer. Leider sind sie wohl sehr in Bedrängnis. Bei schönstem Sonnenschein fahren wir in die Schlei  und werden zur Attraktion der vorbeifahrenden Ausflugsboote. Wir schaffen die Brücke um 12.45 Uhr und  sind kurze Zeit später zurück im Kappelner Museumshafen.

    Fazit: Wir würden es wieder machen. Laura und Lutz sind sehr sympathisch und angenehm im Umgang. Sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen, was dazu führte, dass sich alle, egal wie unterschiedlich, sich gut aufgehoben fühlten. Das Segeln war mal was völlig anderes, eröffnete neue Perspektiven und wir konnten viel lernen. 

    Björn und ich nehmen noch ein Fischbrötchen von Föh, der hiesigen Räucherei. „Sage Kappeln nie adieu ohne einen Aal von Föh“  habe ich mir zwar nicht ganz zu Herzen genommen, aber mein Butterfisch ist super lecker. Nun weiß ich auch, dass das eine Makrelenart ist. Danach mit unserem ganzen Geraschel (fühlt sich irgendwie schwerer an) zum Auto.

    Der Weg nach Arnis ist nicht weit. Arnis ist die kleinste Stadt Deutschlands mit nur 300 Einwohnern und besteht eigentlich nur aus einer Straße. Wie an einer Perlenkette reihen sich schöne, alte Häuser aneinander. Unsere Ferienwohnung liegt direkt neben einer Werft. Es herrscht reges Treiben und die Möwen sind ganz schön laut. Erstmal gewöhnungsbedürftig nach der Ruhe auf dem Meer. Wir erforschen ein wenig den Ort, ich hüpfe nochmal in die Schlei. Arnis liegt auf einer Halbinsel. Rundherum führt ein Rundweg. Fast alle Häuser haben riesige Gärten und einen eigenen Zugang zum Wasser. Sehr lauschig.

    Letztes Jahr gab es allerdings einen Deichbruch und viele Häuser sind abgesoffen. Weniger schön 🙁
    Wie genießen den lauen Abend bei unserer Neuentdeckung  – Anderlö Spritz. Anderlö ist ein Sanddornlikör, der wie Aperol Spritz mit Prosecco und Mineralwasser gemischt wird. Fruchtig, frisch und lecker.  

  • 6. Tag: Søby zum Leuchtturm Falshöft – Ankernacht

    6. Tag: Søby zum Leuchtturm Falshöft – Ankernacht

    Nach dem üblichen Prozedere machen wir uns auf den Rückweg nach Deutschland.
    Langsam sind wir ein eingespieltes Team an den Vorsegeln und die Knoten gehen auch leicht von der Hand. Björn hat sich als Leinen-Festmacher und Löser etabliert. Er ist der erste, der von Bord hüpft und der letzte, der wieder reinspringt. Außerdem turnt er immer wieder auf den hinteren Dach herum, da der Rest seiner Crew da Skrupel hat.

    Nachdem es gestern so windig war, ist nun fast kein Wind mehr und wir dümpeln so vor uns hin. Mittlerweile ist es schön sonnig. Alle liegen trägt rum. Das weckt Assoziationen von  Seehunden auf der Sandbank in der Sonne oder dem Anfang von Moby Dick. Mehrere Versuche die Segel in das bisschen Wind zu drehen bringen nichts. Lutz startet den Motor. Es ist noch Zeit alles zusammenzupacken und schon kommen wir beim geplanten Ankerplatz an.

    Die Badeleiter an die Reeling gehängt und alle gehen ins Wasser. Naja, fast alle – wer wohl nicht 😉 Es ist kälter als sonst, aber ja auch tiefer. Cooles Gefühl vom Schiff aus zu schwimmen und einmal Drumherum. Sieht aus dem Wasser irgendwie größer aus.  Wieder an Bord das letzte Abendessen in der Sonne. Es zeigt sich kurz ein  Schweinswal, ich bin aber leider zu langsam. Wir genießen den Sonnenuntergang an Deck. Der Mond spiegelt sich im Meer,  daneben strahlt der beleuchtete Leuchtturm. Meer und Himmel verschwimmen miteinander.  Die Ostsee schimmert in verschiedenen Mustern, die immerfort in Bewegung sind. Wunderschön!

  • 5. Tag: Lyø nach Søby auf Ærø

    5. Tag: Lyø nach Søby auf Ærø

    Das morgendliche Bad in der Ostsee scheint zur Gewohnheit zu werden. Heute sogar mit Sonne. Herrlich und ich liebe das Gefühl, wenn nach dem ersten Kälteschock, der Körper wieder warm wird. Nach dem Frühstück geht es los. Auf nach Ærø. Leider gibt es weniger Wind als vorhergesagt und wir queren als erstes eine fette Regenwolke. Zum Glück ist die kleiner als sie aussah, aber kaum haben wir die Regenplünnen aus, kommt schon die nächste. Für kurze Abwechslung sorgt  ein Schweinswal in der Ferne. Er ist aber nur schwer auszumachen und bald wieder weg. Nachdem wir eine ganze Weile dahin gedümpelt sind,  frischt es plötzlich auf und die Segel können mal zeigen, wofür sie gut sind. Das ist gleich ein ganz anderes Gefühl. So fahren wir noch ein Weilchen bei schönstem Sonnenschein an der Küste Ærøs entlang, um später nach Søby zurückzukehren. Mareike und ich nutzen die Gelegenheit und klettern ins Klüvernetz. Traumhaft! Der Blick in die Wolken, das Schaukeln der Wellen, dem Himmel und dem Meer ganz nah.

    Bei der Einfahrt in den Hafen von Søby gibt es ein kleines Verkehrschaos. Vor uns eine Yacht, die nicht weiß wo sie hin will. Laura ist sich auch nicht sicher zu welchem Anlegeplatz und von hinten kommt schon die Fähre hupend angerauscht. Da wirkt selbst Laura mal ein wenig angespannt. Die Fähren fahren mit einem Affenzahn durch die schmale Hafeneinfahrt, da sie sonst durch Wind und/oder seitliche Strömung abgetrieben werden. Zur Ausfahrt, lassen sie auch erst die Klappe oben, da das Schiff dann kürzer ist und sie besser navigieren können. Millimeter Arbeit. 
    Søby wirkt sehr trist, mag aber auch am mittlerweile wieder grauen Himmel liegen.

    Der Hafen ist zwar recht groß mit zwei Fähranlegern und einer Werft, aber sonst gibt er nur eine Kirche, einen Supermarkt, einen Bäcker und diverse zusammengewürfelte Wohnhäuser. Keinen wirklichen Ortskern. Zur Aufhübschung sind überall Kunstwerke – hilft mal mehr und mal weniger 😉 Insgesamt nicht sehr einladend, zumal es immer wieder nieselt, kalt und sehr windig ist. Da verzichte ich sogar auf mein Bad in der Ostsee und gehe nur mit mit den Füßen ins Wasser. Die Nachtstimmung mit den großen, beleuchteten Schiffen  und den Möwen, die sich zum Schlafen ins Hafenbecken gesetzt haben, ist dann allerdings bezaubernd.

  • 4. Tag: Faaborg nach Lyø

    4. Tag: Faaborg nach Lyø

    Nachdem der Bann gebrochen ist,  hüpfe ich sofort nach dem Aufstehen nochmal in die Ostsee. Diesmal ist der Himmel allerdings grau und es ist viel windiger und welliger. Trotzdem toll und wirksamer als jeder Espresso 🙂  

    Wir starten heute erst gegen 14.00 Uhr, da vormittags noch abgepumpt und getankt werden muss. Außerdem wird viel Regen erwart, es gibt nur wenig Wind und dann auch noch aus der falschen Richtung. Kompliziert mit dem Segeln… Die Fahrt zur Tankstelle auf der anderen Seite des Hafenbecken gestaltet sich schwieriger als gedacht. Es drängelt sich eine Yacht in den Weg, wir müssen abrupt den Kurs ändern und stoßen kurz mit dem Heck an den Quay. Ist nichts weiter passiert, es muss aber viel hin und her rangiert werden. Mittlerweile hat auch der vorhergesagte Regen eingesetzt und ich steige an der Tankstelle aus und geselle mich zurück zu den anderen auf der anderen Seite des Hafenbeckens. Hätte ich sein lassen sollen, denn wirklich Schutz vor dem Regen gibt es hier nicht und wir drängen uns unter das Vordach des Hafenmeisters. Langsam sind wir komplett nass – die Regenhose liegt auf dem Schiff und die Regenjacke ist durch. Ich nutze eine Regenpause, um in die Stadt zu gehen und kaufe mir kurzer Hand einen Regenmantel, der mir auch sofort gute Dienste leistet. Nadine macht es gleich nach. Anschließend suche ich noch die Bäckerei auf – angeblich die beste weit und breit. Es gibt einen Haufen süßer und extrem gut aussehender Leckereien, da kann ich nicht nein sagen 🙂 

    Los geht’s nach Lyø. Die Segel werden gar nicht erst gehisst, stattdessen kommt der Motor zum Einsatz.  Nach 1 Std. sind wir schon da, müssen allerdings nochmal „umparken“, da noch 3 ! weitere große Schiffe erwartet werden. Mittlerweile ist es aufgeklart. Björn und ich machen uns auf die Insel zu erkunden. Lyø ist klein, in der Mitte ein Dorf mit einem Dorfladen, wo reges Treiben herrscht, da sich alle, sowohl Dorfbewohner, als auch Besucher dort zu einem Bier auf der Terrasse treffen. Dann gibt es noch eine Mühle ohne Flügel, ein Vogelschutzgebiet, mehrere Bauernhöfe und Hünengräber.  An einem von letzteren kommen wir auch vorbei, dem Klokkesten. Wenn mit einem Hammer dagegen geschlagen wird, soll er wir eine Glocke klingen. Kommt nicht ganz hin, aber klingt irgendwie metallisch und zumindest anders als Stein.  Mittlerweile ist die Sonne raus und es wird richtig warm.

    Zurück bei Schiff schnappe ich mir meine Badesachen und gehe vom Steg aus Schwimmen. Am Abend gibt’s wieder ein Glas Wein an Deck und Sonnenuntergangsfernsehen vom feinsten unterbrochen von Reiher-TV. Ein Fischreiher steht dicht beim Schiff und scheint Futter zu suchen. Er sieht auch sehr konzentriert aus, verrenkt zwischendurch gekonnt den Hals, kommt aber bis wir in die Koje fallen nicht zum Zuge.

  • 3. Tag: Sønderborg nach Faaborg

    3. Tag: Sønderborg nach Faaborg

    Diesmal habe ich besser geschlafen – die voll geöffnete Luke hat geholfen. Björn rumort schon um 5.00 Uhr früh. Kurz zum  Klo, dass war allerdings der Griff bzw. Tritt ins Klo. Alles war nass – die Toilette übergelaufen. Igitt! Schnell ins Havnekontor Füße waschen und dort die Toilette benutzen. Auf dem Rückweg regne ich noch nass, da ich in der Hektik die Regenjacke vergessen habe und der Daumen tut auch weh. Toller Tag. Gefrustet lege ich mich erstmal zurück in die  Koje. Beim Frühstück folgt die Klärung, warum die Toiletten übergelaufen sind – die Abpumpstelle in Kappeln war besetzt und danach viel zu tun, so dass Lutz und Laura es schlicht vergessen haben. Gut zu wissen, so waren zumindest nicht wir daran schuld… Da es an Bord zwei Tanks gibt, einen für Grau- und einen für Schwarzwasser, kann als Sofortmaßnahme ein Teil aus dem einen Tank in den anderen gepumpt werden.  Die Toiletten lassen sich also wieder nutzen und als nächstes wird Faaborg angesteuert, wo es eine Abpumpstelle gibt. Ansonsten sind die wohl eher rar in diesem Teil der Ostsee, zumindest für so große Schiffe wie die Engelina.

    Los geht’s. Zwischendurch gibt es immer wieder Regenschauer, aber nach und nach wird das Wetter besser. Der Weg nach Faaborg ist weit, aber führt sehr schön durch den Alsfjord. Wir haben viel Zeit die vorbeiziehende Landschaft zu bewundern  oder aufs Meer zu starren. Das sanfte Schaukeln macht sehr träge. Unterbrochen wird die Trägheit von gelegentlichen Segelmanövern. So weiß ich nun, was eine Halse ist – das Heck dreht sich in den Wind. Beim Segel einholen traue ich mich sogar zum Klüver einpacken ins Netz vorne und die Knoten klappen auch schon besser. Finde es auch gar nicht schlimm – vielleicht ist doch was an der Behauptung, wer Höhenangst hat, wird nicht seekrank… 

    Alis Tipp Fahrradhandschuhe (in Ermangelung solcher, mussten die Klettersteighandschuhe herhalten) mitzunehmen war jedenfalls sehr hilfreich. Auf Dauer sind die Seile schon eher unangenehm an den Händen. Auch meine Regenjacke und -hose möchte ich nicht missen. Definitiv von Vorteil beides dabei zu haben. Bei schönstem Sonnenschein erreichen wir Faaborg. Am Hafen ist viel los. Es gibt Live Musik und alle sind in Sommerstimmung. Nach dem Abendessen erkunden Björn und ich den Ort. Entzückend – mit kleinen, alten Häusern und engen Gassen. Dänemark aus dem Bilderbuch. Danach lasse ich mich noch von Andrea zum Baden überreden. Kalt, aber total schön in der Abendstimmung, wenn Meer und Himmel am Horizont ineinander übergehen, in der Ostsee zu schwimmen und wunderbar erfrischend. Wir lassen bei einem Glas Wein an Deck den Abend ausklingen und bewundern das letzte Abendrot. Segeln ist dann doch sehr schön 🙂

  • 2. Tag: Kappeln nach Sønderborg

    2. Tag: Kappeln nach Sønderborg

    Die Nacht war unruhig. Unsere Kabine erinnert an ein Schwitzbad – in der nächsten Nacht muss die Luke definitiv soweit wie möglich auf. Das Schiff ist sehr hellhörig. Ich höre den Nachbarn in der nächsten Kabine durch die Wand schnarchen, als läge er mit bei uns. Um 6.30 Uhr dann Schnippeln fürs Frühstück. Die Kühlschränke sind gut gefüllt und es wird ordentlich aufgetischt. Danach schnell der Abwasch und an Deck zur Ausfahrt.

    Die Brücke muss erreicht werden. Kappeln hat eine Klappbrücke, die nur zu bestimmten Zeiten geöffnet wird. So stehen die Boote zum Durchfahren Schlange. Nachdem wir Kappeln hinter uns gelassen haben, macht Laura die Sicherheitseinweisung. Wie müssen wir uns verhalten, wenn eine Person über Bord geht, bei Brand, Wasser im Schiff etc. Ui –  viel zu beachten und manche Szenarien möchte ich mir gar nicht so genau vorstellen.

    Auf der Schlei fahren wir noch mit dem Motor, nach der Mündung heißt es Segel setzen. Wir verteilen uns auf 3 Gruppen: 1. Vorsegel – Klüver und Fock (ich), 2. Großsegel und 3. Hinten – Besan (Björn). Das Segel setzen ist ganz spannend, aber die ganzen Knoten machen mir erstmal einen Knoten im Kopf. Danach ist es ruhig – abgesehen von einem ersten Fall von Seekrankheit (zum Glück nicht wir).

    Zwischendurch  huschen wir in die Kombüse den Mittagssnack vorbereiten. Ursprünglich bzw. gestern sollte es noch nach Marstal auf Ærø gehen, aber da sich Wind und Wetter auf See noch schneller ändern als an Land, wurde heute morgen umdisponiert und wir segeln nun nach Sønderborg. Das ist nicht so weit und außerdem soll da heute irgendein Spektakel beim Schloss stattfinden. Gegen 15.30 Uhr ist Sønderborg in Sicht, die Segel werden eingeholt und ordentlich mit den frisch gelernten Knoten verschnürt. Kurz danach legen wir direkt vorm Schloss an.

    Es bleibt noch ein wenig Zeit durch die Stadt zu rennen, dann müssen wir mit dem Kochen beginnen. Stört nicht weiter, da es ordentlich zu regnen anfängt und wir gerade noch trocken an Bord kommen. Mitten beim Abendessen und früher als angekündigt, hören wir draußen Geräusche. Nachdem vorher überhaupt nichts zu sehen war und wir schon an der Angabe, dass 300 Pferde und mehrere Kapellen kommen sollen, zweifelten, spielt nun Musik und der Schlossplatz steht tatsächlich voll mit Pferden. Genauso schnell wie sie da waren, sind sie auch wieder weg. Hinter dem letzten Pferd fährt sofort die Straßenreinigung hinterher und es ist als wäre nichts gewesen. Zeit für uns abzuwaschen und in der Kombüse klar Schiff zu machen.

    Als alles fertig ist, will ich zum Duschen ins Havnekontor. Beim Abstieg vom Boot verknackse ich mir den Daumen als er in einer Öse fest steckt. Na toll, zumindest den Küchendienst haben wir schon hinter uns… Auf der Engelina wartet dann die Versöhnung: ein Schweinswal schwimmt vor unserem bzw. dem vor uns liegenden Schiff im Hafenbecken und wir erspähen immer wieder seine Rückenflosse – teilweise nur ein paar Meter vom Boot entfernt 🙂

  • 1. Tag: Anreise und Vorübernachtung in Kappeln an der Schlei 

    1. Tag: Anreise und Vorübernachtung in Kappeln an der Schlei 

    Am Tag der Anreise  verbringen wir erstmal viel Zeit in Staus. Hauptverursacher der Elbtunnel, aber auch der weitere Weg nach Kappeln hat noch den einen oder anderen kleinen Stau parat. Wir sind zum Glück früh los. Das Wetter zeigt sich wesentlich freundlicher als vorhergesagt. Pünktlich zum „an Bord“ gehen, fängt es aber an zu schütten. Insgesamt 15 Mitreisende und 3 Leute Besatzung: Laura und Lutz, die Schiffsbesitzer / Kapitäne und Andrea zum Kochen.

    Nach einer kleinen Vorstellungsrunde folgt eine kurze Einführung zum Schiff und dem täglichen Prozedere. Beim Betreten unserer 2er Kabine, bekomme ich kurz einen klaustrophobischen Anfall: 1 Stockbett und ca. 60 cm davor – heißt nur 1 Person kann stehen, die andere muss liegen oder raus. In der Decke ein kleiner Belüftungsschacht – zum Glück führt der tatsächlich zu einer Luke an Deck, die sich öffnen lässt (allerdings nur, wenn es nicht stark regnet). In der Beschreibung stand 2 Duschen und Toiletten an Bord. Aber letzten Endes steckt der Teufel im Detail – Duschen doch lieber im Hafen, da sonst der Schwarzwassertank zu schnell voll ist und Toilettenpapier darf auch nicht ins Klo. Wir melden uns zur ersten Backschaft (der Hilfe in der Küche) – dann haben wir es hinter uns, müssen morgen aber früh raus.

    Björn und ich gehen nochmal kurz vom Schiff im „Seagull“ was Essen. So sitzen wir direkt auf der Schlei, können einen perfekten Regenbogen bewundern und lassen uns ein köstliches Garnelensandwich munden. Das wollen wir bei der Rückkehr wieder essen 🙂 

  • Engelina

    Engelina

    Von Menschen, die aufs Wasser starren bzw. über die Entdeckung der Langsamkeit.

    Nachdem im letzten Jahr eine schlechte Überraschung die andere ablöste und auch die Knie durch Athrose nicht mehr ganz so wanderfreudig sind, gibt es dieses Jahr eine völlig andere Art von Urlaub. Wir segeln eine Woche auf der Engelina durch die Dänische Südsee. Mitmach-Segeln auf einem traditionellen Segelschiff (Tradi-Segeln) – heißt wir brauchen keine Vorkenntnisse, können aber viel lernen (wenn wir wollen). Je näher der Termin rückt, desto mehr Gedanken mache ich mir. Zumal mich mehrere Freundinnen bereits fragten, ob ich mir schon Reisetabletten gegen Seekrankheit besorgt hätte. So habe ich mir vorsichtshalber dann doch noch Zintona (ein Ingwerpräparat gegen Reisekrankheit) besorgt.

    Schiffstyp

    Koftjalk

    Baujahr / Werft

    1908/09 / Mulder, Stadskanaal (NL)

    Länge / Breite / Tiefgang

    34,60m / 5,65m / 1,80m

    Masten

    2

    Segelfläche

    300m²

    Standardsegel

    Besaan, Groß, Fock, Innenklüver, Außenklüver

    Zusatzsegel

    2x Topsegel, Breitfock, Wassersegel, Stagsegel

  • Rückfahrt

    Rückfahrt

    17. Tag: Rückfahrt Wales – Hull – Rotterdam

    Wir verlassen Wales eingehüllt in Nebel und Sprühregen. Sieht aber auch so sehr schön aus und ist auf jeden Fall noch weitere Besuche wert (vielleicht mit einem größerem Topf zum Nudel Kochen im Schlepptau). Auf dem Weg geraten wir immer wieder in mehr oder weniger heftigen Regen und die digitalen Tafeln auf dem Motorway zeigen nahezu durchgehend „Surface water – Slow“, einmal getoppt von „Floods“ (die Straße war in der Tat überflutet) an. Überhaupt gibt es ein paar merkwürdige Bezeichnungen (z. B. die überall präsente „hard shoulder“, mal no, mal on, mal in work…- wo wir jetzt immer noch nicht wissen, um was es sich genau handelt Einfahrt, Ausfahrt, Seitenstreifen?) und amüsante Schilder. Den galoppierenden Hirsch habe ich doch nicht mehr erwischt… Auch die LKWs sind hier wesentlich höher, würden bei uns vor jeder Brücke hängen bleiben.

    Unser Plan erst nach Hull zu fahren und dort noch ein wenig die Altstadt zu erkunden bevor wir auf das Schiff gehen ist leider zum Scheitern verurteilt. Dummerweise können die Parkplätze die wir ansteuern nur per App bezahlt werden. Wir versuchen es, aber die Entwickler scheinen weder daran gedacht zu haben, dass ein Ausländer mit ausländischem Kennzeichen und Telefonnummer parken, noch dass die Bezahlmethode geändert werden wollen könnte. Nach 15 Minuten äußerst frustrierendem Herumtesten verlassen wir das Parkhaus wieder ohne zu bezahlen. Mal sehen ob von dem angedrohten Bußgeld von 100 Pfund bei Nichtbezahlen noch was kommt. 

    Extrem genervt fahren wir früh zum Schiff. Der einzige Ort, der einem Restaurant in der Umgebung nahekommt, ist ein Starbucks. Was solls. Anschließend ein ähnlich ineffizientes Einchecken wie auf der Hinfahrt- diesmal gewürzt von einer lustlosen Zollkontrolle, die wichtig in den Motorraum schaut und die Vorder-und Hintersitze mit Taschenlampen anleucht, den Kofferraum aber komplett ignoriert (wir mussten ihn nicht mal öffnen). Das Essen im Buffet Restaurant an Board ist ganz ok, zumindest die große Curryauswahl und die Shrimps können wir als Highlight des Tages bezeichnen.

  • Sygun Copper Mine

    Sygun Copper Mine

    16. Tag: Sygun Copper Mine

    Regen, Regen, Regen – seit gestern Abend trommelt er auf das Dach. Mal stärker, mal schwächer. Unser letzter Tag in Wales und es regnet Bindfäden 🙁

    Der kleine Wildbach vor unserer Hütte ist zu einem reißenden Strom geworden. Die Motivation einen Fuß vor die Haustür zu setzen liegt bei 0.

    Wie sagte der Wanderer gestern doch: „A day to stay in bed“.

    Ganz so untätig wollen wir trotzdem nicht bleiben und tun was wir bisher hier immer bei strömendem Regen gemacht haben – wir gehen unter die Erde. Genug Möglichkeiten dazu gibt es ja in Wales. Diesmal ist es die Sygun Copper Mine. Wieder eine Mine die eigenständig erkundet werden kann und wieder sind wir die ersten und damit allein.

    Die Gänge sind schmaler als in der Schiefermine und es ist deutlich feuchter. Es tropft von der Decke, den Wänden und auf dem Boden bilden sich große Pfützen. Auch hier gibt es wieder informative Tafel und Audioguides – und Stalaktiten & Stalakmiten. Über viele Stufen gelangen wir auf drei verschiedene Ebenen der Mine. Der oben gelegene Ausgang ist vom Regen geflutet. Eine Mitarbeiterin versucht den Ablauf zu reinigen, trotzdem bildet sich ein See und der Weg zurück hinunter gleicht einem Bach.

    Wir entscheiden zurück zur Hütte zu fahren und diese erst abends für das Essen wieder zu verlassen. Das Restaurant – Y Bistro yn yr Hebog – haben wir vorsichthalber schon mal reserviert und soll ausgesprochen gut sein. Vielleicht endet der Wales Urlaub ja noch mit einem guten Essen.

    Nachtrag: und sie können doch kochen wenn sie wollen. Es war so lecker, dass wir tatsächlich 3 Gänge gegessen haben, obwohl wir nach dem Hauptgang bereits satt waren.

  • Moel Hebog

    Moel Hebog

    15. Tag: Der Versuch den Moel Hebog zu besteigen

    Wir werden zwar morgens vom Klang der Regentropfen auf dem Dach geweckt, aber eigentlich soll heute das Wetter noch mal halbwegs stabil sein. Wir sind gespannt. Nach einem längeren Frühstück und etwas Rumgetüddel hört der Regen tatsächlich gegen 10 Uhr auf und wir machen uns auf den Weg. Da der Snowdon (der höchste Berg von Wales) überlaufen sein soll entscheiden wir uns für den „Hausberg“ von Beddgelert, den Moel Hebog (783m). Praktischerweise können wir direkt vor der Haustür starten.

    Die ersten Kilometer durch den Wald begegnen wir wieder mehreren jugendlichen Wandergruppen mit beeindruckend großen Rucksäcken, je nach Gruppe in unterschiedlich neonfarbene Regensäcke gehüllt.

    Weiter geht es über Schafwiesen zunehmend steiler bergauf. Recht früh kommt uns eine Familie entgegen – „a bit steep“ – sie kehren um. Recht haben sie und auch der Wanderführer, der die Tour als eine Plackerei beschrieben hat. Etwa auf halben Weg kommt uns noch ein Pärchen entgegen. „too steep and rocky“, außerdem wollten sie eigentlich eine flache Tour…

    Nun wird es tatsächlich steil (and rocky). Immer wieder müssen wir die Hände zur Hilfe nehmen, um uns durch das blockige, später schottrige Gelände nach oben zu arbeiten. Dass die Tour keinerlei Ansprüche stellt, wie in unserer Tourenbeschreibung stand, würden wir so nicht unterschreiben, aber sie ist sehr schön.

    Knapp unter dem Gipfel (weniger als 80 hm) entscheiden wir uns dann doch schweren Herzens umzukehren. Der Gipfel ist in schwarze Wolken gehüllt und kaum sichtbar. Nebel umhüllt auch uns und wir vertrauen nicht darauf, dass es aufklart. Außerdem wollen wir nicht die deutschen Deppen sein, die von der Waliser Bergrettung vom Berg geholt werden müssen, weil sie sich im dichten Nebel verlaufen haben – kommt hier wohl öfter vor… Also zurück. Von oben sind die Wege zum Glück leichter zu erkennen und so geht es zügig auf dem Weg bergab.

    Zweimal begegnen uns noch Leute, die aufsteigen und scheinbar kein Problem mit dem Wetter haben. „Welcome to Wales“ – sagt der eine noch. Egal unsere Entscheidung ist gefällt.

    Wir laufen bis nach Beddgelert, kaufen ein und dank Request Stop im Bus halten wir fast vor der Haustür. Die müden Knochen danken es – und tatsächlich sind wir heute nicht nass geworden.

  • Beddgelert

    Beddgelert

    14. Tag: Beddgelert

    Weiter geht es ins Herz von Snowdonia. Auf dem Weg halten wir in Harlech und besuchen die Burg. Angeblich eine der berühmtesten von Wales und gleichzeitig Weltkulturerbe. Von Außen recht gut erhalten, wirkt sie viel imposanter als sie von Innen dann tatsächlich ist. Eher ein Kompaktmodell. Unzählige Infotafeln erzählen von ihrer wechselvollen Geschichte. Im Burghof findet gerade eine Theateraufführung für Kinder auf Walisisch statt. Klingt sehr merkwürdig, da einiges vertraut aus dem Englischen ist und dann anderes wieder völlig unverständlich.

    Von Harlech geht es weiter nach Portmadog und ins Glaslyn Tal zu einer Fischadler Kolonie. Im dortigen Besucherzentrum können wir über Fernrohre junge Fischadler in zwei Nestern beobachten. Außerdem gibt es einen Livefeed direkt aus einem der Nester. Die Freiwilligen vom Vogelschutzverein sind sehr ambitioniert und erklären uns unaufgefordert den gesamten Familienstammbaum und die Vorlieben der örtlichen Seeadler. Ein netter kleiner Zwischenstop.

    Weiter geht es nach Beddgelert. Schon auf dem Weg dorthin sind wir schon von der Landschaft begeistert. Kleine Straßen schlängeln sich die Hügel hinauf. Überall hübsche Steinhäuschen und dann noch eine beeindruckende Schlucht. Da wir noch etwas Zeit haben, halten wir in Beddgelert und schlendern durch das Örtchen, welches am Zusammenfluss von drei Flüsschen liegt und trinken einen guten! Kaffee.

    Etwa 2 Kilometer weiter liegt unsere letzte Unterkunft in Wales, ein Mobilehome direkt an einem kleinen Wildwasserfluß, dem Colwyn. Die Besitzer reparieren gerade noch das Wasserrohr und wir spazieren erstmal durch den Wald und genießen den Ausblick auf die umliegenden Berge.

    Kleiner Exkurs zu den hiesigen Duschen: Ich hatte es verdrängt, aber als mir in der Black Mountain Lodge der Durchlauferhitzer in der Dusche vor Augen kam erinnerte ich mich wieder. Die Dinger hatten in Irland schon immer genervt. Erst kommt das Wasser brühende heiß, dann eiskalt und mit etwas Glück irgendwann halbwegs gut temperiert da raus. Das Wasser sollte allerdings zwischendurch nicht abgestellt werden – dann geht das Spiel wieder von vorne los. Das hiesige Gerät ist allerdings besonders garstig. Da es hier in den Bergen anscheinend mit der Stromversorgung etwas schwierig ist, darf während dem Duschen kein anderes elektrisches Gerät laufen, sonst fliegt die Sicherung raus. Nachdem es erst gut funktioniert hat, mache ich leider den Fehler und stelle es aus, um mich einzuschäumen. Danach wird es leider sehr, sehr lange nicht wieder warm und ich fürchte schon, ich müsste mich mit eiskaltem Wasser abduschen. Gerade nochmal Glück gehabt…

    Der lauschige Wildbach vor der Haustür stellt sich in der Nacht dann auch als eher etwas anstrengend heraus – zu viel Natur ist auch nicht gut 😉

  • Ardudwy Way

    Ardudwy Way

    13.Tag: Ardudwy Way von Tal y Bont nach Barmouth.

    Glücklicherweise hängt das Wetter hier selten lange fest. Für heute ist kein Regen und später sogar Sonne angesagt. Da wir unser Auto nicht unnötig strapazieren wollen, haben wir beschlossen etwas „vor der Haustür“ zu machen und einen Teil des Ardudwy Way zu wandern. Wir fahren also nach Barmouth steigen dort in den Zug nach Norden (und fahren damit die Strecke entlang, die wir schon so häufig gequert haben und auch von unserem Schäferwagen aus sehen können).

    Nach dem losfahren ein erster Schreck. Laut Anzeige im Zug ist unser Ziel Tal y Bont ein Request Stop und man muss dem Schaffner Bescheid sagen damit der Zug dort hält. Schnell durch den Zug gesprintet. Der Schaffner ist aber auch schon hektisch unterwegs und fragt alle Reisenden einzeln nach ihrem Reiseziel, um kurze Zeit später nochmal bei allen die Tickets zu kontrollieren. Erscheint mir etwas stressig das Konzept. Zumal der Zug nur 10 min bis zu unserem Ziel benötigt…

    Von Tal y Bont aus steigen wir zunächst einen plätschernden Bach entlang durch dichten Wald aufwärts, um dann später den Rest des Weges über Schaf- und Kuhweiden zu laufen. Was sich vielleicht langweilig anhört ist landschaftlich sehr hübsch und abwechslungsreich. Wunderbare Blicke auf die Berge Snowdonias, das Meer und den Mawddach Estuary. Meist sind Schafe unsere Begleiter. Einer bulligen Kuhherde (fälschlicherweise halten wir die armen Kühe tatsächlich erst ob ihres Aussehens für Bullen) weichen wir auf eine Nachbarwiese aus.

    Je näher wir Barmouth kommen, desto kleinteiliger werden die durch Steinmauern getrennten Felder. Dazwischen auch immer wieder alte Ruinen. Wie immer zieht sich das letzte Stück hin, egal wie schön der Weg. Doch auch das ist irgendwann geschafft – 550 Hm 13 km 4 1/2 Std.

    In Barmouth essen wir noch einmal Fish and Chips. Der Laden erfüllt alle meine Bremerhaven (Fisch 2000) Klischees – unfreundliche, rundliche Frau mit harschem Ton nimmt die Bestellung entgegen, lässt in ebensolchem Ton verlauten, dass der Fisch fertig ist – Fisch selber lecker.

    Abends dann tatsächlich Sonnenuntergangkino vorm Schäferwagen.

  • Llanfair Slate Cavern

    Llanfair Slate Cavern

    12. Tag: Llanfair Slate Cavern

    Das schöne Wetter macht mal wieder Pause. Wir nutzen eine kurze Regenunterbrechung für einen Spaziergang in den Dünen und fahren dann weiter nach Llanfair zu einer ehemaligen Schiefermine, die selbstständig (ohne Anmeldung und Führung) erkundet werden kann.

    Da wir etwas zu früh sind, uns der nette Mann am Kassenhäuschen aber trotzdem schon in die Mine lässt, haben wir sie ganz für uns allein. Das macht die eh schon gut und interessant gemachte Erkundung der Schächte und Höhlen noch spannender. Schon krass unter was für Umständen die Minenarbeiter vor 150 Jahren dort gearbeitet haben (bei Kerzenschein, an einer um ein Bein geschlungenen Kette als einzigen Halt und zu einem Hungerlohn) und dann sind sie noch mit spätestens 48 an einer Staublunge gestorben…

    Als wir wieder hoch kommen ist der Eingangsbereich der Mine mittlerweile gut besucht. Ja, ja – the early bird… 😉

    Am späten Nachmittag nutzen wir die nächste Regenpause, um nochmal nach Barmouth zu gehen. Diesmal einen Teil direkt am Strand entlang. Dunkle Wolken, Strand und Meer macht ja schon was her. Allerdings wollen die Wolken dann auch wieder ihr Wasser loswerden und wir suchen Schutz in einem Café. Später erkunden wir noch kurz ‚the old Town‘ – den ältesten Teil von Barmouth. Hier stapeln sich die alten Häuschen nahezu übereinander, so verwinkelt und verschachtelt ist es. Keine Ahnung, wie sie ihr neues Sofa dort ins Haus bekommen?!

  • Barmouth

    Barmouth

    11. Tag: Barmouth

    Nachdem wir im Holylandhouse in Pembroke sehr viel Platz hatten, haben wir nun eher wenig. Aber es ist sehr schnuckelig. Unser neues Domizil ist ‚The Farm Hut’ – ein ausgebauter Schäferwagen bzw. Tiny House auf dem Gelände der Llwyndu Farm mit direktem Blick vom Bett aufs Meer (und auch sonst).

    Nach dem morgendlichen Regen machen wir uns nach Barmouth auf – ein nettes, quirliges Örtchen mit schönen alten, viktorianischen Häusern. So früh am Morgen ist von den Touristenströmen auch noch nichts zu merken.

    Wir schlendern vom Hafen aus (eine beliebte Freizeitbeschäftigung scheint hier das Krebsfischen zu sein) einmal über das Wahrzeichen des Ortes, die 699 m lange Eisenbahnbrücke aus Holz über den Mawddach ( ja da gehören zwei d’s hin) Estuary.

    Danach geht es steile Treppen zu Dinas Oleu, dem ersten Stück Land, welches dem National Trust überlassen wurde, hoch. Von oben hat man eine herrliche Aussicht auf den Ort, den Hafen und das Meer. Danach zurück zu unserem Schäferwagen. Schön in der Sonne die Füße hochlegen und den Ausblick aufs Meer genießen.

  • New Quay

    New Quay

    10. Tag: Delfine in New Quay

    Heute verlassen wir Pembrokeshire und machen uns auf in den Norden von Wales – in den Snowdonia Nationalpark.

    Auf dem Weg nach Barmouth (unserem nächsten Standort) machen wir noch einen Zwischenstop in New Quay, einem kleinen ehemaligen Fischerort an der Cardigan Bay, der heute von Tourismus und Dolphin Watching lebt. In der Cardigan Bay ist nämlich eine große Gruppe Tümmler (Bottlenose Dolphins) ansässig.

    Die hiesigen Parkschein Automaten sind scheinbar mit dem Ziel gestaltet Menschen zu verwirren – vielleicht handelt es sich auch um eine Art Imtelligenztest, den wir leider nicht bestehen. Ohne die Hilfe eines Einheimischen wären wir kläglich gescheitert. Laut seiner Aussage ist das nicht mal der schlimmste Automat. Der ein Ort weiter sei wirklich übel… Es braucht trotzdem mehrere Anläufe zumal der Automat kein Bargeld akzeptiert und dann auch noch unsere Kreditkarten ablehnt. Letztendlich bezahlt unser freundlicher Helfer mit seiner Karte und bekommt das Geld von uns in bar. Gut, dass wir so früh da sind.

    Wir haben trotzdem noch Zeit bevor unser Boot abfährt und besuchen den örtlichen Strand. Es gibt viel zu beobachten: die örtlichen Frauen, die ihre morgendliche Schwimmrunde gerade hinter sich gebracht haben und nun im Bademantel noch gemeinsam Kaffee trinken und ein Pläuschchen halten, sowie ein Haufen Männer mit Warnwesten, die mit viel Gewese eine Transportraupe auf dem Strand hin und her bewegen. Später erfahren wir, dass es die hiesigen Lifeguards beim Training mit ihrem nagelneuen Rettungsboot (everything digital – lots of buttons) sind…

    Schon auf dem Weg zu unserem Boot sehen wir von der Kaimauer aus die ersten Delfine. Nachdem wir unser kleines Boot von Seamor mit sehr sympathischer Crew bestiegen haben, brauchen wir also gar nicht weit zu fahren 😉 Der Marine Code von Nord und West Wales, dem sich die hiesigen Dolphin Watching Boote verschrieben haben, besagt dass ein Boot max. 10 Minuten in der Nähe von Wildtieren bleiben darf und dann weiter fahren muss, um den Stress für diese zu minimieren. Unser nächster Stop ist daher bei einem Lobster Pot (Hummerfalle), in den sich aber ‚nur‘ zwei Seespinnen eingefunden haben. Auf der Hand und aus der Nähe betrachtet sind sie allerdings recht beeindruckend. Auf dem weiteren Weg durch die Bucht sehen wir noch mehrmals einzelne Delfine. Hauptsächlich taucht immer wieder eine Delfinmutter mit ihrem Kind auf, die anscheinend gerade jagt. Normalerweise wird noch ein Klippe mit einer Vogelkolonie angefahren. Da der Seegang aber doch recht ordentlich ist, wird davon abgesehen. Schadet nicht, denn es tauchen wieder Delfine auf und ein Tölpel lässt sich auch noch blicken (der fehlte noch bei der Sammlung von Skomer) 🙂

    Nach 1 1/2 Std. gehen wir wieder an Land, sehen nochmal von der Kaimauer und sogar beim Einsteigen ins Auto vom Parkplatz aus ein letztes Mal Delfine. Voller Erfolg!

  • Angle

    Angle

    9. Tag: Angle & Freshwater West

    Nachdem wir gestern nach dem Pembroke Castle und dem Abendessen im Pub tatsächlich trockenen Fußes nach Hause gekommen waren, ist der Regen heute morgen wieder zurück. Wir fahren trotzdem nach Angle, vielleicht ist das Wetter direkt an der Küste besser und wir können eine weitere kleine Runde auf dem Pembrokeshire Coast Path machen.

    Am Parkplatz an der West Angle Bay angekommen hat der Regen tatsächlich aufgehört und wir machen uns auf den Weg. Es weht allerdings ganz ordentlich – passt aber zu der Landschaft. Immer die Küste entlang zur Angle Bay (etwas verwirrend…), die bei Ebbe trocken fällt. Leider sind wir zu früh für das Cafe Môr, wo es die besten Lobster Rolls geben soll. Stattdessen gehen wir weiter, kommen durch Angle (diesmal der Ort) mit mittelalterlicher Kirche und Turmruinen. Die öffentliche Toilette gegenüber wird doppelt genutzt und im Vorraum Second Hand Bücher verkauft.

    5 Minuten vorm Erreichen des Parkplatzes regnet es doch noch einmal kurz und heftig, so dass wir kurz vor dem Ende noch nass werden. Wir flüchten uns ins Wavecrest Cafe und freuen uns über extrem leckeren Kuchen (Rasberry Crumble & Lime Cake) und brauchbaren Kaffee. Als der Kuchen aufgegessen ist, sind wir schon fast wieder trocken und auch die Sonne kommt wieder raus. So gehen wir noch ein wenig an den Strand – durch den Wind allerdings sehr frisch. Anders als die Waliser, traue ich mich da nicht ins Wasser…

    Auf dem Rückweg machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Freshwater West (ja, es gibt auch Freshwater East…). Der Strand der Strände – riesig mit Dünen und Surfern und bei der Brandung wahrlich beeindruckend. Er kam wohl auch schon in einem Harry Potter Film vor.

  • Pembroke Castle

    Pembroke Castle

    8. Tag Pembroke Castle

    Regen, Regen, Regen. Schon beim Aufstehen regnet es Bindfäden ohne Pause. Um 16:00 beschließen wir trotzdem mal rauszugehen und das Pembroke Castle zu besuchen. Auf dem Weg durch den auch bei Regen schönen Holyland Wood klart es wundersamerweise auf und wir können die Burgruine sogar trocken und am Ende gar mit einem Stückchen blauen Himmel besichtigen. Wenn man schon mal hier ist lohnt sich durchaus ein Besuch der verschachtelten Ruine mit 3 Plumpsklos 😉

    PS: hier ist alles zweisprachig, wobei uns schleierhaft ist wie diese scheinbar willkürliche Ansammlung von Buchstaben ausgesprochen wird.

  • Skomer Island

    Skomer Island

    7. Tag: PUFFINS!!!

    Der große Tag. Schon vor 30 Jahren (oha – lange her) in Irland habe ich mehrmals versucht Puffins zu sehen. Hat aber irgendwie nie geklappt. Mal war ich zu spät – da sie ab August zum Überwintern aufs offene Meer hinausziehen, mal haben sie sich (fast) gar nicht blicken lassen (abgesehen einer vom Boot aus in weiter Ferne, der aber schleunigst das Weite gesucht hatte…). Heute geht es darum nach Skomer Island. Skomer ist Naturschutzgebiet. Fahrten dorthin werden vom Wildlife Trust organisiert und es dürfen pro Tag nur max. 250 Besucher auf die Insel. Seit letztem Jahr können Tickets zum Glück Online erworben werden, davor hieß es Hinfahren, in der Schlange stehen und auf ein Ticket hoffen…

    Das Wetter ist zwar weniger schön, aber zumindest spinnt das Auto heute morgen nicht. Wieder geht es kurvig, zum Teil recht steil und auf sehr schmalen Straßen nach Martins Haven. Kurz vor dem Ziel zwingt uns eine Schafherde auf der Straße zu einer kurzen Pause bis sie alle auf der Weide sind, aber dann sind wir da – und der Regen beginnt. Die Wildlife Trust Leute haben Erbarmen und lassen uns in der Hütte warten obwohl noch gar nicht auf ist.

    Endlich – das Boot kommt und auf halben Weg nach Skomer hört der Regen auf und den Rest des Tages haben wir fantastisches Wetter. Schon beim Landen sind überall Puffins. Im Wasser und in der Luft und auf den Felsen. Hunderte! Sogar einen Albino Puffin sehen wir.

    Die Volunteers haben Schwierigkeiten die Leute zum Weitergehen zu bewegen. Die drolligen kleinen Vögel sind überhaupt nicht scheu und kommen auf Armeslänge an einen heran. Sie muten wie tolpatschige kleine Clowns an, die mal schnell, mal langsam durch die Gegend watscheln. Auch beim Fliegen sind sie nicht unbedingt graziös (allerdings sehr flott), ganz zu schweigen von ihren Landungen, die im Wasser immer damit enden, dass sie kurz Untergehen und an Land sieht es auch nicht viel besser aus… Aber unter Wasser sind sie äußerst elegant und können bis zu 60 m tief tauchen. Sie werden bis zu 30 Jahre alt und bleiben ein Leben lang mit ihrem Partner zusammen.

    Die Jungen werden lustigerweise auf englisch Pufflings genannt und stürzen sich, wenn sie flügge werden die Klippen hinunter ins Meer Auch wenn die Puffins den andere Vögeln, Tieren und der Landschaft die Show stehlen – auch der Rest der Insel ist wunderschön.

    Wir laufen einmal um die ganze Insel mit unzähligen kurzen und längeren Stops. Bis auf einigen Fotohotspots verlaufen sich die Besucher auf der Insel recht gut. Teilweise werden beeindruckend große Objektive herumgeschleppt, was die Bewegungsfreiheit allerdings etwas einschränkt.

    Aber auch wir sind mit unserer nicht so beeindruckenden Kamera und dem Handy sehr fleißig. Neben Puffins (wir haben jetzt sehr, sehr viele Fotos und Filmchen), landen auch noch andere Vögel wie Trottellumme, Brachvogel Sumpfohreule, Weißkehlchen etc. vor unseren Linsen. Nach 5 Stunden ist es Zeit für die Rückfahrt, die wir mit einem glückseligen Lächeln im Gesicht antreten. Was für ein toller Tag.

    Einziger Wermutstropfen das Auto spinnt auf der Rückfahrt erneut.

  • St Davids

    St Davids

    6. Tag: St Davids

    Die Wettervorhersage sagt für heute den schönsten Tag unseres bisherigen Urlaubs voraus. Wir sind gespannt und machen uns auf den Weg nach St. Davids um von dort auf dem Pembrokeshire Coast Path nach St. Justinians zu laufen. Dort soll es dann einen Bus geben der uns zurück zum Parkplatz bringt.

    Der erste Blick auf St. Davids wirkt vielversprechend, aber den Ort und seine gewaltige Kathedrale bewahren wir uns für später auf. Erstmal soll es 10 km an der Küste entlang gehen. Die Wettervorhersage behält recht. Der erste Tag des Urlaubs ohne einen einzigen Tropfen Regen! Aber die Halbinsel St. David gilt auch als einer der sonnigsten Flecken Wales – was auch immer das heißen mag 😉

    Der Weg führt immer nahe der Klippen entlang. Links das Meer, rechts blühende Heide. Tiefe Einschnitte zwingen uns immer wieder große Bögen zu laufen. Versteckt in einem dieser Einschnitte liegt Porth Clais an der Mündung des Alun. Viele kleine Fischerboote und eine Imbissbude mit Getränken und Essen. Auch hier lässt sich wieder der walisische Pragmatismus entdecken. Zum Beladen des Bootes wird kurzer Hand das Auto rückwärts ins Wasser an das Boot gefahren.

    Weiter gehts. In der zweiten Häfte ändert sich der Weg. Es wird felsiger und die Heide wird durch Schafweiden ersetzt. Bald kommt Ynys Dewi (Ramsey Island) in Sicht. Zwischen der Insel und der Küste Wales sehen wir viele Wellen und Strudel, von den gewaltigen Gezeitenströmen („The Bitches“ genannt) verursacht. Anscheinend wir hier auch versucht Energie daraus zu gewinnen. In St. Justinians, wo sich die Lifeboat Station der Halbinsel bedindet, fährt uns der Bus vor der Nase weg. Was solls wir trinken noch einen Kaffee bis der nächste 30 Minuten später kommt. Super Takt für einen Touristen Shuttle – könnte sich der Harz eine Scheibe abschneiden…

    Zurück in St. Davids – übrigens die kleinste Stadt Großbritanniens und seit Jahrhunderten Wallfahrtsort – besuchen wir die beeindruckende Kathedrale gleichen Namens aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist auch der Grund, warum St Davids trotz Dorfgröße den Stadtstatus hat. Im Mittelalter galt, dass zwei Wallfahrten zur St Davids Cathedral einer Wallfahrt nach Rom gleichgesetzt wurde, wenn das mal keine Werbung war;-) Auch das Innere der Kathedrale begeistert uns, insbesondere die Holzdecke mit ihren Verzierungen – und auch hier finden sich die bestickten Sitzkissen wieder bzw. nun weiß ich auch, dass es eigentlich Kniekissen sind auf denen die Betenden knien können.

    Auf dem Rückweg bringt sich leider mal wieder unser Auto in Erinnerung: mehrfach meldet es eine Störung im Bremssystem. Zwar gibt es kein Problem beim Bremsen und sie sind ja auch gerade erst neu gemacht , aber es fühlt sich vor allem auch wegen dem Fiasko in Italien nicht so toll an. Wir hoffen das Beste – denn morgen soll es nach Skomer Island zum Puffins (Papageientaucher) gucken gehen.