Nach dem üblichen Prozedere machen wir uns auf den Rückweg nach Deutschland. Langsam sind wir ein eingespieltes Team an den Vorsegeln und die Knoten gehen auch leicht von der Hand. Björn hat sich als Leinen-Festmacher und Löser etabliert. Er ist der erste, der von Bord hüpft und der letzte, der wieder reinspringt. Außerdem turnt er immer wieder auf den hinteren Dach herum, da der Rest seiner Crew da Skrupel hat.
Nachdem es gestern so windig war, ist nun fast kein Wind mehr und wir dümpeln so vor uns hin. Mittlerweile ist es schön sonnig. Alle liegen trägt rum. Das weckt Assoziationen von Seehunden auf der Sandbank in der Sonne oder dem Anfang von Moby Dick. Mehrere Versuche die Segel in das bisschen Wind zu drehen bringen nichts. Lutz startet den Motor. Es ist noch Zeit alles zusammenzupacken und schon kommen wir beim geplanten Ankerplatz an.
Die Badeleiter an die Reeling gehängt und alle gehen ins Wasser. Naja, fast alle – wer wohl nicht 😉 Es ist kälter als sonst, aber ja auch tiefer. Cooles Gefühl vom Schiff aus zu schwimmen und einmal Drumherum. Sieht aus dem Wasser irgendwie größer aus. Wieder an Bord das letzte Abendessen in der Sonne. Es zeigt sich kurz ein Schweinswal, ich bin aber leider zu langsam. Wir genießen den Sonnenuntergang an Deck. Der Mond spiegelt sich im Meer, daneben strahlt der beleuchtete Leuchtturm. Meer und Himmel verschwimmen miteinander. Die Ostsee schimmert in verschiedenen Mustern, die immerfort in Bewegung sind. Wunderschön!
Das morgendliche Bad in der Ostsee scheint zur Gewohnheit zu werden. Heute sogar mit Sonne. Herrlich und ich liebe das Gefühl, wenn nach dem ersten Kälteschock, der Körper wieder warm wird. Nach dem Frühstück geht es los. Auf nach Ærø. Leider gibt es weniger Wind als vorhergesagt und wir queren als erstes eine fette Regenwolke. Zum Glück ist die kleiner als sie aussah, aber kaum haben wir die Regenplünnen aus, kommt schon die nächste. Für kurze Abwechslung sorgt ein Schweinswal in der Ferne. Er ist aber nur schwer auszumachen und bald wieder weg. Nachdem wir eine ganze Weile dahin gedümpelt sind, frischt es plötzlich auf und die Segel können mal zeigen, wofür sie gut sind. Das ist gleich ein ganz anderes Gefühl. So fahren wir noch ein Weilchen bei schönstem Sonnenschein an der Küste Ærøs entlang, um später nach Søby zurückzukehren. Mareike und ich nutzen die Gelegenheit und klettern ins Klüvernetz. Traumhaft! Der Blick in die Wolken, das Schaukeln der Wellen, dem Himmel und dem Meer ganz nah.
Bei der Einfahrt in den Hafen von Søby gibt es ein kleines Verkehrschaos. Vor uns eine Yacht, die nicht weiß wo sie hin will. Laura ist sich auch nicht sicher zu welchem Anlegeplatz und von hinten kommt schon die Fähre hupend angerauscht. Da wirkt selbst Laura mal ein wenig angespannt. Die Fähren fahren mit einem Affenzahn durch die schmale Hafeneinfahrt, da sie sonst durch Wind und/oder seitliche Strömung abgetrieben werden. Zur Ausfahrt, lassen sie auch erst die Klappe oben, da das Schiff dann kürzer ist und sie besser navigieren können. Millimeter Arbeit. Søby wirkt sehr trist, mag aber auch am mittlerweile wieder grauen Himmel liegen.
Der Hafen ist zwar recht groß mit zwei Fähranlegern und einer Werft, aber sonst gibt er nur eine Kirche, einen Supermarkt, einen Bäcker und diverse zusammengewürfelte Wohnhäuser. Keinen wirklichen Ortskern. Zur Aufhübschung sind überall Kunstwerke – hilft mal mehr und mal weniger 😉 Insgesamt nicht sehr einladend, zumal es immer wieder nieselt, kalt und sehr windig ist. Da verzichte ich sogar auf mein Bad in der Ostsee und gehe nur mit mit den Füßen ins Wasser. Die Nachtstimmung mit den großen, beleuchteten Schiffen und den Möwen, die sich zum Schlafen ins Hafenbecken gesetzt haben, ist dann allerdings bezaubernd.
Nachdem der Bann gebrochen ist, hüpfe ich sofort nach dem Aufstehen nochmal in die Ostsee. Diesmal ist der Himmel allerdings grau und es ist viel windiger und welliger. Trotzdem toll und wirksamer als jeder Espresso 🙂
Wir starten heute erst gegen 14.00 Uhr, da vormittags noch abgepumpt und getankt werden muss. Außerdem wird viel Regen erwart, es gibt nur wenig Wind und dann auch noch aus der falschen Richtung. Kompliziert mit dem Segeln… Die Fahrt zur Tankstelle auf der anderen Seite des Hafenbecken gestaltet sich schwieriger als gedacht. Es drängelt sich eine Yacht in den Weg, wir müssen abrupt den Kurs ändern und stoßen kurz mit dem Heck an den Quay. Ist nichts weiter passiert, es muss aber viel hin und her rangiert werden. Mittlerweile hat auch der vorhergesagte Regen eingesetzt und ich steige an der Tankstelle aus und geselle mich zurück zu den anderen auf der anderen Seite des Hafenbeckens. Hätte ich sein lassen sollen, denn wirklich Schutz vor dem Regen gibt es hier nicht und wir drängen uns unter das Vordach des Hafenmeisters. Langsam sind wir komplett nass – die Regenhose liegt auf dem Schiff und die Regenjacke ist durch. Ich nutze eine Regenpause, um in die Stadt zu gehen und kaufe mir kurzer Hand einen Regenmantel, der mir auch sofort gute Dienste leistet. Nadine macht es gleich nach. Anschließend suche ich noch die Bäckerei auf – angeblich die beste weit und breit. Es gibt einen Haufen süßer und extrem gut aussehender Leckereien, da kann ich nicht nein sagen 🙂
Los geht’s nach Lyø. Die Segel werden gar nicht erst gehisst, stattdessen kommt der Motor zum Einsatz. Nach 1 Std. sind wir schon da, müssen allerdings nochmal „umparken“, da noch 3 ! weitere große Schiffe erwartet werden. Mittlerweile ist es aufgeklart. Björn und ich machen uns auf die Insel zu erkunden. Lyø ist klein, in der Mitte ein Dorf mit einem Dorfladen, wo reges Treiben herrscht, da sich alle, sowohl Dorfbewohner, als auch Besucher dort zu einem Bier auf der Terrasse treffen. Dann gibt es noch eine Mühle ohne Flügel, ein Vogelschutzgebiet, mehrere Bauernhöfe und Hünengräber. An einem von letzteren kommen wir auch vorbei, dem Klokkesten. Wenn mit einem Hammer dagegen geschlagen wird, soll er wir eine Glocke klingen. Kommt nicht ganz hin, aber klingt irgendwie metallisch und zumindest anders als Stein. Mittlerweile ist die Sonne raus und es wird richtig warm.
Zurück bei Schiff schnappe ich mir meine Badesachen und gehe vom Steg aus Schwimmen. Am Abend gibt’s wieder ein Glas Wein an Deck und Sonnenuntergangsfernsehen vom feinsten unterbrochen von Reiher-TV. Ein Fischreiher steht dicht beim Schiff und scheint Futter zu suchen. Er sieht auch sehr konzentriert aus, verrenkt zwischendurch gekonnt den Hals, kommt aber bis wir in die Koje fallen nicht zum Zuge.
Diesmal habe ich besser geschlafen – die voll geöffnete Luke hat geholfen. Björn rumort schon um 5.00 Uhr früh. Kurz zum Klo, dass war allerdings der Griff bzw. Tritt ins Klo. Alles war nass – die Toilette übergelaufen. Igitt! Schnell ins Havnekontor Füße waschen und dort die Toilette benutzen. Auf dem Rückweg regne ich noch nass, da ich in der Hektik die Regenjacke vergessen habe und der Daumen tut auch weh. Toller Tag. Gefrustet lege ich mich erstmal zurück in die Koje. Beim Frühstück folgt die Klärung, warum die Toiletten übergelaufen sind – die Abpumpstelle in Kappeln war besetzt und danach viel zu tun, so dass Lutz und Laura es schlicht vergessen haben. Gut zu wissen, so waren zumindest nicht wir daran schuld… Da es an Bord zwei Tanks gibt, einen für Grau- und einen für Schwarzwasser, kann als Sofortmaßnahme ein Teil aus dem einen Tank in den anderen gepumpt werden. Die Toiletten lassen sich also wieder nutzen und als nächstes wird Faaborg angesteuert, wo es eine Abpumpstelle gibt. Ansonsten sind die wohl eher rar in diesem Teil der Ostsee, zumindest für so große Schiffe wie die Engelina.
Los geht’s. Zwischendurch gibt es immer wieder Regenschauer, aber nach und nach wird das Wetter besser. Der Weg nach Faaborg ist weit, aber führt sehr schön durch den Alsfjord. Wir haben viel Zeit die vorbeiziehende Landschaft zu bewundern oder aufs Meer zu starren. Das sanfte Schaukeln macht sehr träge. Unterbrochen wird die Trägheit von gelegentlichen Segelmanövern. So weiß ich nun, was eine Halse ist – das Heck dreht sich in den Wind. Beim Segel einholen traue ich mich sogar zum Klüver einpacken ins Netz vorne und die Knoten klappen auch schon besser. Finde es auch gar nicht schlimm – vielleicht ist doch was an der Behauptung, wer Höhenangst hat, wird nicht seekrank…
Alis Tipp Fahrradhandschuhe (in Ermangelung solcher, mussten die Klettersteighandschuhe herhalten) mitzunehmen war jedenfalls sehr hilfreich. Auf Dauer sind die Seile schon eher unangenehm an den Händen. Auch meine Regenjacke und -hose möchte ich nicht missen. Definitiv von Vorteil beides dabei zu haben. Bei schönstem Sonnenschein erreichen wir Faaborg. Am Hafen ist viel los. Es gibt Live Musik und alle sind in Sommerstimmung. Nach dem Abendessen erkunden Björn und ich den Ort. Entzückend – mit kleinen, alten Häusern und engen Gassen. Dänemark aus dem Bilderbuch. Danach lasse ich mich noch von Andrea zum Baden überreden. Kalt, aber total schön in der Abendstimmung, wenn Meer und Himmel am Horizont ineinander übergehen, in der Ostsee zu schwimmen und wunderbar erfrischend. Wir lassen bei einem Glas Wein an Deck den Abend ausklingen und bewundern das letzte Abendrot. Segeln ist dann doch sehr schön 🙂
Die Nacht war unruhig. Unsere Kabine erinnert an ein Schwitzbad – in der nächsten Nacht muss die Luke definitiv soweit wie möglich auf. Das Schiff ist sehr hellhörig. Ich höre den Nachbarn in der nächsten Kabine durch die Wand schnarchen, als läge er mit bei uns. Um 6.30 Uhr dann Schnippeln fürs Frühstück. Die Kühlschränke sind gut gefüllt und es wird ordentlich aufgetischt. Danach schnell der Abwasch und an Deck zur Ausfahrt.
Die Brücke muss erreicht werden. Kappeln hat eine Klappbrücke, die nur zu bestimmten Zeiten geöffnet wird. So stehen die Boote zum Durchfahren Schlange. Nachdem wir Kappeln hinter uns gelassen haben, macht Laura die Sicherheitseinweisung. Wie müssen wir uns verhalten, wenn eine Person über Bord geht, bei Brand, Wasser im Schiff etc. Ui – viel zu beachten und manche Szenarien möchte ich mir gar nicht so genau vorstellen.
Auf der Schlei fahren wir noch mit dem Motor, nach der Mündung heißt es Segel setzen. Wir verteilen uns auf 3 Gruppen: 1. Vorsegel – Klüver und Fock (ich), 2. Großsegel und 3. Hinten – Besan (Björn). Das Segel setzen ist ganz spannend, aber die ganzen Knoten machen mir erstmal einen Knoten im Kopf. Danach ist es ruhig – abgesehen von einem ersten Fall von Seekrankheit (zum Glück nicht wir).
Zwischendurch huschen wir in die Kombüse den Mittagssnack vorbereiten. Ursprünglich bzw. gestern sollte es noch nach Marstal auf Ærø gehen, aber da sich Wind und Wetter auf See noch schneller ändern als an Land, wurde heute morgen umdisponiert und wir segeln nun nach Sønderborg. Das ist nicht so weit und außerdem soll da heute irgendein Spektakel beim Schloss stattfinden. Gegen 15.30 Uhr ist Sønderborg in Sicht, die Segel werden eingeholt und ordentlich mit den frisch gelernten Knoten verschnürt. Kurz danach legen wir direkt vorm Schloss an.
Es bleibt noch ein wenig Zeit durch die Stadt zu rennen, dann müssen wir mit dem Kochen beginnen. Stört nicht weiter, da es ordentlich zu regnen anfängt und wir gerade noch trocken an Bord kommen. Mitten beim Abendessen und früher als angekündigt, hören wir draußen Geräusche. Nachdem vorher überhaupt nichts zu sehen war und wir schon an der Angabe, dass 300 Pferde und mehrere Kapellen kommen sollen, zweifelten, spielt nun Musik und der Schlossplatz steht tatsächlich voll mit Pferden. Genauso schnell wie sie da waren, sind sie auch wieder weg. Hinter dem letzten Pferd fährt sofort die Straßenreinigung hinterher und es ist als wäre nichts gewesen. Zeit für uns abzuwaschen und in der Kombüse klar Schiff zu machen.
Als alles fertig ist, will ich zum Duschen ins Havnekontor. Beim Abstieg vom Boot verknackse ich mir den Daumen als er in einer Öse fest steckt. Na toll, zumindest den Küchendienst haben wir schon hinter uns… Auf der Engelina wartet dann die Versöhnung: ein Schweinswal schwimmt vor unserem bzw. dem vor uns liegenden Schiff im Hafenbecken und wir erspähen immer wieder seine Rückenflosse – teilweise nur ein paar Meter vom Boot entfernt 🙂
Am Tag der Anreise verbringen wir erstmal viel Zeit in Staus. Hauptverursacher der Elbtunnel, aber auch der weitere Weg nach Kappeln hat noch den einen oder anderen kleinen Stau parat. Wir sind zum Glück früh los. Das Wetter zeigt sich wesentlich freundlicher als vorhergesagt. Pünktlich zum „an Bord“ gehen, fängt es aber an zu schütten. Insgesamt 15 Mitreisende und 3 Leute Besatzung: Laura und Lutz, die Schiffsbesitzer / Kapitäne und Andrea zum Kochen.
Nach einer kleinen Vorstellungsrunde folgt eine kurze Einführung zum Schiff und dem täglichen Prozedere. Beim Betreten unserer 2er Kabine, bekomme ich kurz einen klaustrophobischen Anfall: 1 Stockbett und ca. 60 cm davor – heißt nur 1 Person kann stehen, die andere muss liegen oder raus. In der Decke ein kleiner Belüftungsschacht – zum Glück führt der tatsächlich zu einer Luke an Deck, die sich öffnen lässt (allerdings nur, wenn es nicht stark regnet). In der Beschreibung stand 2 Duschen und Toiletten an Bord. Aber letzten Endes steckt der Teufel im Detail – Duschen doch lieber im Hafen, da sonst der Schwarzwassertank zu schnell voll ist und Toilettenpapier darf auch nicht ins Klo. Wir melden uns zur ersten Backschaft (der Hilfe in der Küche) – dann haben wir es hinter uns, müssen morgen aber früh raus.
Björn und ich gehen nochmal kurz vom Schiff im „Seagull“ was Essen. So sitzen wir direkt auf der Schlei, können einen perfekten Regenbogen bewundern und lassen uns ein köstliches Garnelensandwich munden. Das wollen wir bei der Rückkehr wieder essen 🙂
Von Menschen, die aufs Wasser starren bzw. über die Entdeckung der Langsamkeit.
Nachdem im letzten Jahr eine schlechte Überraschung die andere ablöste und auch die Knie durch Athrose nicht mehr ganz so wanderfreudig sind, gibt es dieses Jahr eine völlig andere Art von Urlaub. Wir segeln eine Woche auf der Engelina durch die Dänische Südsee. Mitmach-Segeln auf einem traditionellen Segelschiff (Tradi-Segeln) – heißt wir brauchen keine Vorkenntnisse, können aber viel lernen (wenn wir wollen). Je näher der Termin rückt, desto mehr Gedanken mache ich mir. Zumal mich mehrere Freundinnen bereits fragten, ob ich mir schon Reisetabletten gegen Seekrankheit besorgt hätte. So habe ich mir vorsichtshalber dann doch noch Zintona (ein Ingwerpräparat gegen Reisekrankheit) besorgt.
Wir verlassen Wales eingehüllt in Nebel und Sprühregen. Sieht aber auch so sehr schön aus und ist auf jeden Fall noch weitere Besuche wert (vielleicht mit einem größerem Topf zum Nudel Kochen im Schlepptau). Auf dem Weg geraten wir immer wieder in mehr oder weniger heftigen Regen und die digitalen Tafeln auf dem Motorway zeigen nahezu durchgehend „Surface water – Slow“, einmal getoppt von „Floods“ (die Straße war in der Tat überflutet) an. Überhaupt gibt es ein paar merkwürdige Bezeichnungen (z. B. die überall präsente „hard shoulder“, mal no, mal on, mal in work…- wo wir jetzt immer noch nicht wissen, um was es sich genau handelt Einfahrt, Ausfahrt, Seitenstreifen?) und amüsante Schilder. Den galoppierenden Hirsch habe ich doch nicht mehr erwischt… Auch die LKWs sind hier wesentlich höher, würden bei uns vor jeder Brücke hängen bleiben.
Unser Plan erst nach Hull zu fahren und dort noch ein wenig die Altstadt zu erkunden bevor wir auf das Schiff gehen ist leider zum Scheitern verurteilt. Dummerweise können die Parkplätze die wir ansteuern nur per App bezahlt werden. Wir versuchen es, aber die Entwickler scheinen weder daran gedacht zu haben, dass ein Ausländer mit ausländischem Kennzeichen und Telefonnummer parken, noch dass die Bezahlmethode geändert werden wollen könnte. Nach 15 Minuten äußerst frustrierendem Herumtesten verlassen wir das Parkhaus wieder ohne zu bezahlen. Mal sehen ob von dem angedrohten Bußgeld von 100 Pfund bei Nichtbezahlen noch was kommt.
Extrem genervt fahren wir früh zum Schiff. Der einzige Ort, der einem Restaurant in der Umgebung nahekommt, ist ein Starbucks. Was solls. Anschließend ein ähnlich ineffizientes Einchecken wie auf der Hinfahrt- diesmal gewürzt von einer lustlosen Zollkontrolle, die wichtig in den Motorraum schaut und die Vorder-und Hintersitze mit Taschenlampen anleucht, den Kofferraum aber komplett ignoriert (wir mussten ihn nicht mal öffnen). Das Essen im Buffet Restaurant an Board ist ganz ok, zumindest die große Curryauswahl und die Shrimps können wir als Highlight des Tages bezeichnen.
Regen, Regen, Regen – seit gestern Abend trommelt er auf das Dach. Mal stärker, mal schwächer. Unser letzter Tag in Wales und es regnet Bindfäden 🙁
Der kleine Wildbach vor unserer Hütte ist zu einem reißenden Strom geworden. Die Motivation einen Fuß vor die Haustür zu setzen liegt bei 0.
Wie sagte der Wanderer gestern doch: „A day to stay in bed“.
Ganz so untätig wollen wir trotzdem nicht bleiben und tun was wir bisher hier immer bei strömendem Regen gemacht haben – wir gehen unter die Erde. Genug Möglichkeiten dazu gibt es ja in Wales. Diesmal ist es die Sygun Copper Mine. Wieder eine Mine die eigenständig erkundet werden kann und wieder sind wir die ersten und damit allein.
Die Gänge sind schmaler als in der Schiefermine und es ist deutlich feuchter. Es tropft von der Decke, den Wänden und auf dem Boden bilden sich große Pfützen. Auch hier gibt es wieder informative Tafel und Audioguides – und Stalaktiten & Stalakmiten. Über viele Stufen gelangen wir auf drei verschiedene Ebenen der Mine. Der oben gelegene Ausgang ist vom Regen geflutet. Eine Mitarbeiterin versucht den Ablauf zu reinigen, trotzdem bildet sich ein See und der Weg zurück hinunter gleicht einem Bach.
Wir entscheiden zurück zur Hütte zu fahren und diese erst abends für das Essen wieder zu verlassen. Das Restaurant – Y Bistro yn yr Hebog – haben wir vorsichthalber schon mal reserviert und soll ausgesprochen gut sein. Vielleicht endet der Wales Urlaub ja noch mit einem guten Essen.
Nachtrag: und sie können doch kochen wenn sie wollen. Es war so lecker, dass wir tatsächlich 3 Gänge gegessen haben, obwohl wir nach dem Hauptgang bereits satt waren.
Wir werden zwar morgens vom Klang der Regentropfen auf dem Dach geweckt, aber eigentlich soll heute das Wetter noch mal halbwegs stabil sein. Wir sind gespannt. Nach einem längeren Frühstück und etwas Rumgetüddel hört der Regen tatsächlich gegen 10 Uhr auf und wir machen uns auf den Weg. Da der Snowdon (der höchste Berg von Wales) überlaufen sein soll entscheiden wir uns für den „Hausberg“ von Beddgelert, den Moel Hebog (783m). Praktischerweise können wir direkt vor der Haustür starten.
Die ersten Kilometer durch den Wald begegnen wir wieder mehreren jugendlichen Wandergruppen mit beeindruckend großen Rucksäcken, je nach Gruppe in unterschiedlich neonfarbene Regensäcke gehüllt.
Weiter geht es über Schafwiesen zunehmend steiler bergauf. Recht früh kommt uns eine Familie entgegen – „a bit steep“ – sie kehren um. Recht haben sie und auch der Wanderführer, der die Tour als eine Plackerei beschrieben hat. Etwa auf halben Weg kommt uns noch ein Pärchen entgegen. „too steep and rocky“, außerdem wollten sie eigentlich eine flache Tour…
Nun wird es tatsächlich steil (and rocky). Immer wieder müssen wir die Hände zur Hilfe nehmen, um uns durch das blockige, später schottrige Gelände nach oben zu arbeiten. Dass die Tour keinerlei Ansprüche stellt, wie in unserer Tourenbeschreibung stand, würden wir so nicht unterschreiben, aber sie ist sehr schön.
Knapp unter dem Gipfel (weniger als 80 hm) entscheiden wir uns dann doch schweren Herzens umzukehren. Der Gipfel ist in schwarze Wolken gehüllt und kaum sichtbar. Nebel umhüllt auch uns und wir vertrauen nicht darauf, dass es aufklart. Außerdem wollen wir nicht die deutschen Deppen sein, die von der Waliser Bergrettung vom Berg geholt werden müssen, weil sie sich im dichten Nebel verlaufen haben – kommt hier wohl öfter vor… Also zurück. Von oben sind die Wege zum Glück leichter zu erkennen und so geht es zügig auf dem Weg bergab.
Zweimal begegnen uns noch Leute, die aufsteigen und scheinbar kein Problem mit dem Wetter haben. „Welcome to Wales“ – sagt der eine noch. Egal unsere Entscheidung ist gefällt.
Wir laufen bis nach Beddgelert, kaufen ein und dank Request Stop im Bus halten wir fast vor der Haustür. Die müden Knochen danken es – und tatsächlich sind wir heute nicht nass geworden.
Weiter geht es ins Herz von Snowdonia. Auf dem Weg halten wir in Harlech und besuchen die Burg. Angeblich eine der berühmtesten von Wales und gleichzeitig Weltkulturerbe. Von Außen recht gut erhalten, wirkt sie viel imposanter als sie von Innen dann tatsächlich ist. Eher ein Kompaktmodell. Unzählige Infotafeln erzählen von ihrer wechselvollen Geschichte. Im Burghof findet gerade eine Theateraufführung für Kinder auf Walisisch statt. Klingt sehr merkwürdig, da einiges vertraut aus dem Englischen ist und dann anderes wieder völlig unverständlich.
Von Harlech geht es weiter nach Portmadog und ins Glaslyn Tal zu einer Fischadler Kolonie. Im dortigen Besucherzentrum können wir über Fernrohre junge Fischadler in zwei Nestern beobachten. Außerdem gibt es einen Livefeed direkt aus einem der Nester. Die Freiwilligen vom Vogelschutzverein sind sehr ambitioniert und erklären uns unaufgefordert den gesamten Familienstammbaum und die Vorlieben der örtlichen Seeadler. Ein netter kleiner Zwischenstop.
Weiter geht es nach Beddgelert. Schon auf dem Weg dorthin sind wir schon von der Landschaft begeistert. Kleine Straßen schlängeln sich die Hügel hinauf. Überall hübsche Steinhäuschen und dann noch eine beeindruckende Schlucht. Da wir noch etwas Zeit haben, halten wir in Beddgelert und schlendern durch das Örtchen, welches am Zusammenfluss von drei Flüsschen liegt und trinken einen guten! Kaffee.
Etwa 2 Kilometer weiter liegt unsere letzte Unterkunft in Wales, ein Mobilehome direkt an einem kleinen Wildwasserfluß, dem Colwyn. Die Besitzer reparieren gerade noch das Wasserrohr und wir spazieren erstmal durch den Wald und genießen den Ausblick auf die umliegenden Berge.
Kleiner Exkurs zu den hiesigen Duschen: Ich hatte es verdrängt, aber als mir in der Black Mountain Lodge der Durchlauferhitzer in der Dusche vor Augen kam erinnerte ich mich wieder. Die Dinger hatten in Irland schon immer genervt. Erst kommt das Wasser brühende heiß, dann eiskalt und mit etwas Glück irgendwann halbwegs gut temperiert da raus. Das Wasser sollte allerdings zwischendurch nicht abgestellt werden – dann geht das Spiel wieder von vorne los. Das hiesige Gerät ist allerdings besonders garstig. Da es hier in den Bergen anscheinend mit der Stromversorgung etwas schwierig ist, darf während dem Duschen kein anderes elektrisches Gerät laufen, sonst fliegt die Sicherung raus. Nachdem es erst gut funktioniert hat, mache ich leider den Fehler und stelle es aus, um mich einzuschäumen. Danach wird es leider sehr, sehr lange nicht wieder warm und ich fürchte schon, ich müsste mich mit eiskaltem Wasser abduschen. Gerade nochmal Glück gehabt…
Der lauschige Wildbach vor der Haustür stellt sich in der Nacht dann auch als eher etwas anstrengend heraus – zu viel Natur ist auch nicht gut 😉
Glücklicherweise hängt das Wetter hier selten lange fest. Für heute ist kein Regen und später sogar Sonne angesagt. Da wir unser Auto nicht unnötig strapazieren wollen, haben wir beschlossen etwas „vor der Haustür“ zu machen und einen Teil des Ardudwy Way zu wandern. Wir fahren also nach Barmouth steigen dort in den Zug nach Norden (und fahren damit die Strecke entlang, die wir schon so häufig gequert haben und auch von unserem Schäferwagen aus sehen können).
Nach dem losfahren ein erster Schreck. Laut Anzeige im Zug ist unser Ziel Tal y Bont ein Request Stop und man muss dem Schaffner Bescheid sagen damit der Zug dort hält. Schnell durch den Zug gesprintet. Der Schaffner ist aber auch schon hektisch unterwegs und fragt alle Reisenden einzeln nach ihrem Reiseziel, um kurze Zeit später nochmal bei allen die Tickets zu kontrollieren. Erscheint mir etwas stressig das Konzept. Zumal der Zug nur 10 min bis zu unserem Ziel benötigt…
Von Tal y Bont aus steigen wir zunächst einen plätschernden Bach entlang durch dichten Wald aufwärts, um dann später den Rest des Weges über Schaf- und Kuhweiden zu laufen. Was sich vielleicht langweilig anhört ist landschaftlich sehr hübsch und abwechslungsreich. Wunderbare Blicke auf die Berge Snowdonias, das Meer und den Mawddach Estuary. Meist sind Schafe unsere Begleiter. Einer bulligen Kuhherde (fälschlicherweise halten wir die armen Kühe tatsächlich erst ob ihres Aussehens für Bullen) weichen wir auf eine Nachbarwiese aus.
Je näher wir Barmouth kommen, desto kleinteiliger werden die durch Steinmauern getrennten Felder. Dazwischen auch immer wieder alte Ruinen. Wie immer zieht sich das letzte Stück hin, egal wie schön der Weg. Doch auch das ist irgendwann geschafft – 550 Hm 13 km 4 1/2 Std.
In Barmouth essen wir noch einmal Fish and Chips. Der Laden erfüllt alle meine Bremerhaven (Fisch 2000) Klischees – unfreundliche, rundliche Frau mit harschem Ton nimmt die Bestellung entgegen, lässt in ebensolchem Ton verlauten, dass der Fisch fertig ist – Fisch selber lecker.
Abends dann tatsächlich Sonnenuntergangkino vorm Schäferwagen.
Das schöne Wetter macht mal wieder Pause. Wir nutzen eine kurze Regenunterbrechung für einen Spaziergang in den Dünen und fahren dann weiter nach Llanfair zu einer ehemaligen Schiefermine, die selbstständig (ohne Anmeldung und Führung) erkundet werden kann.
Da wir etwas zu früh sind, uns der nette Mann am Kassenhäuschen aber trotzdem schon in die Mine lässt, haben wir sie ganz für uns allein. Das macht die eh schon gut und interessant gemachte Erkundung der Schächte und Höhlen noch spannender. Schon krass unter was für Umständen die Minenarbeiter vor 150 Jahren dort gearbeitet haben (bei Kerzenschein, an einer um ein Bein geschlungenen Kette als einzigen Halt und zu einem Hungerlohn) und dann sind sie noch mit spätestens 48 an einer Staublunge gestorben…
Als wir wieder hoch kommen ist der Eingangsbereich der Mine mittlerweile gut besucht. Ja, ja – the early bird… 😉
Am späten Nachmittag nutzen wir die nächste Regenpause, um nochmal nach Barmouth zu gehen. Diesmal einen Teil direkt am Strand entlang. Dunkle Wolken, Strand und Meer macht ja schon was her. Allerdings wollen die Wolken dann auch wieder ihr Wasser loswerden und wir suchen Schutz in einem Café. Später erkunden wir noch kurz ‚the old Town‘ – den ältesten Teil von Barmouth. Hier stapeln sich die alten Häuschen nahezu übereinander, so verwinkelt und verschachtelt ist es. Keine Ahnung, wie sie ihr neues Sofa dort ins Haus bekommen?!
Nachdem wir im Holylandhouse in Pembroke sehr viel Platz hatten, haben wir nun eher wenig. Aber es ist sehr schnuckelig. Unser neues Domizil ist ‚The Farm Hut’ – ein ausgebauter Schäferwagen bzw. Tiny House auf dem Gelände der Llwyndu Farm mit direktem Blick vom Bett aufs Meer (und auch sonst).
Nach dem morgendlichen Regen machen wir uns nach Barmouth auf – ein nettes, quirliges Örtchen mit schönen alten, viktorianischen Häusern. So früh am Morgen ist von den Touristenströmen auch noch nichts zu merken.
Wir schlendern vom Hafen aus (eine beliebte Freizeitbeschäftigung scheint hier das Krebsfischen zu sein) einmal über das Wahrzeichen des Ortes, die 699 m lange Eisenbahnbrücke aus Holz über den Mawddach ( ja da gehören zwei d’s hin) Estuary.
Danach geht es steile Treppen zu Dinas Oleu, dem ersten Stück Land, welches dem National Trust überlassen wurde, hoch. Von oben hat man eine herrliche Aussicht auf den Ort, den Hafen und das Meer. Danach zurück zu unserem Schäferwagen. Schön in der Sonne die Füße hochlegen und den Ausblick aufs Meer genießen.
Heute verlassen wir Pembrokeshire und machen uns auf in den Norden von Wales – in den Snowdonia Nationalpark.
Auf dem Weg nach Barmouth (unserem nächsten Standort) machen wir noch einen Zwischenstop in New Quay, einem kleinen ehemaligen Fischerort an der Cardigan Bay, der heute von Tourismus und Dolphin Watching lebt. In der Cardigan Bay ist nämlich eine große Gruppe Tümmler (Bottlenose Dolphins) ansässig.
Die hiesigen Parkschein Automaten sind scheinbar mit dem Ziel gestaltet Menschen zu verwirren – vielleicht handelt es sich auch um eine Art Imtelligenztest, den wir leider nicht bestehen. Ohne die Hilfe eines Einheimischen wären wir kläglich gescheitert. Laut seiner Aussage ist das nicht mal der schlimmste Automat. Der ein Ort weiter sei wirklich übel… Es braucht trotzdem mehrere Anläufe zumal der Automat kein Bargeld akzeptiert und dann auch noch unsere Kreditkarten ablehnt. Letztendlich bezahlt unser freundlicher Helfer mit seiner Karte und bekommt das Geld von uns in bar. Gut, dass wir so früh da sind.
Wir haben trotzdem noch Zeit bevor unser Boot abfährt und besuchen den örtlichen Strand. Es gibt viel zu beobachten: die örtlichen Frauen, die ihre morgendliche Schwimmrunde gerade hinter sich gebracht haben und nun im Bademantel noch gemeinsam Kaffee trinken und ein Pläuschchen halten, sowie ein Haufen Männer mit Warnwesten, die mit viel Gewese eine Transportraupe auf dem Strand hin und her bewegen. Später erfahren wir, dass es die hiesigen Lifeguards beim Training mit ihrem nagelneuen Rettungsboot (everything digital – lots of buttons) sind…
Schon auf dem Weg zu unserem Boot sehen wir von der Kaimauer aus die ersten Delfine. Nachdem wir unser kleines Boot von Seamor mit sehr sympathischer Crew bestiegen haben, brauchen wir also gar nicht weit zu fahren 😉 Der Marine Code von Nord und West Wales, dem sich die hiesigen Dolphin Watching Boote verschrieben haben, besagt dass ein Boot max. 10 Minuten in der Nähe von Wildtieren bleiben darf und dann weiter fahren muss, um den Stress für diese zu minimieren. Unser nächster Stop ist daher bei einem Lobster Pot (Hummerfalle), in den sich aber ‚nur‘ zwei Seespinnen eingefunden haben. Auf der Hand und aus der Nähe betrachtet sind sie allerdings recht beeindruckend. Auf dem weiteren Weg durch die Bucht sehen wir noch mehrmals einzelne Delfine. Hauptsächlich taucht immer wieder eine Delfinmutter mit ihrem Kind auf, die anscheinend gerade jagt. Normalerweise wird noch ein Klippe mit einer Vogelkolonie angefahren. Da der Seegang aber doch recht ordentlich ist, wird davon abgesehen. Schadet nicht, denn es tauchen wieder Delfine auf und ein Tölpel lässt sich auch noch blicken (der fehlte noch bei der Sammlung von Skomer) 🙂
Nach 1 1/2 Std. gehen wir wieder an Land, sehen nochmal von der Kaimauer und sogar beim Einsteigen ins Auto vom Parkplatz aus ein letztes Mal Delfine. Voller Erfolg!
Nachdem wir gestern nach dem Pembroke Castle und dem Abendessen im Pub tatsächlich trockenen Fußes nach Hause gekommen waren, ist der Regen heute morgen wieder zurück. Wir fahren trotzdem nach Angle, vielleicht ist das Wetter direkt an der Küste besser und wir können eine weitere kleine Runde auf dem Pembrokeshire Coast Path machen.
Am Parkplatz an der West Angle Bay angekommen hat der Regen tatsächlich aufgehört und wir machen uns auf den Weg. Es weht allerdings ganz ordentlich – passt aber zu der Landschaft. Immer die Küste entlang zur Angle Bay (etwas verwirrend…), die bei Ebbe trocken fällt. Leider sind wir zu früh für das Cafe Môr, wo es die besten Lobster Rolls geben soll. Stattdessen gehen wir weiter, kommen durch Angle (diesmal der Ort) mit mittelalterlicher Kirche und Turmruinen. Die öffentliche Toilette gegenüber wird doppelt genutzt und im Vorraum Second Hand Bücher verkauft.
5 Minuten vorm Erreichen des Parkplatzes regnet es doch noch einmal kurz und heftig, so dass wir kurz vor dem Ende noch nass werden. Wir flüchten uns ins Wavecrest Cafe und freuen uns über extrem leckeren Kuchen (Rasberry Crumble & Lime Cake) und brauchbaren Kaffee. Als der Kuchen aufgegessen ist, sind wir schon fast wieder trocken und auch die Sonne kommt wieder raus. So gehen wir noch ein wenig an den Strand – durch den Wind allerdings sehr frisch. Anders als die Waliser, traue ich mich da nicht ins Wasser…
Auf dem Rückweg machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Freshwater West (ja, es gibt auch Freshwater East…). Der Strand der Strände – riesig mit Dünen und Surfern und bei der Brandung wahrlich beeindruckend. Er kam wohl auch schon in einem Harry Potter Film vor.
Regen, Regen, Regen. Schon beim Aufstehen regnet es Bindfäden ohne Pause. Um 16:00 beschließen wir trotzdem mal rauszugehen und das Pembroke Castle zu besuchen. Auf dem Weg durch den auch bei Regen schönen Holyland Wood klart es wundersamerweise auf und wir können die Burgruine sogar trocken und am Ende gar mit einem Stückchen blauen Himmel besichtigen. Wenn man schon mal hier ist lohnt sich durchaus ein Besuch der verschachtelten Ruine mit 3 Plumpsklos 😉
PS: hier ist alles zweisprachig, wobei uns schleierhaft ist wie diese scheinbar willkürliche Ansammlung von Buchstaben ausgesprochen wird.
Der große Tag. Schon vor 30 Jahren (oha – lange her) in Irland habe ich mehrmals versucht Puffins zu sehen. Hat aber irgendwie nie geklappt. Mal war ich zu spät – da sie ab August zum Überwintern aufs offene Meer hinausziehen, mal haben sie sich (fast) gar nicht blicken lassen (abgesehen einer vom Boot aus in weiter Ferne, der aber schleunigst das Weite gesucht hatte…). Heute geht es darum nach Skomer Island. Skomer ist Naturschutzgebiet. Fahrten dorthin werden vom Wildlife Trust organisiert und es dürfen pro Tag nur max. 250 Besucher auf die Insel. Seit letztem Jahr können Tickets zum Glück Online erworben werden, davor hieß es Hinfahren, in der Schlange stehen und auf ein Ticket hoffen…
Das Wetter ist zwar weniger schön, aber zumindest spinnt das Auto heute morgen nicht. Wieder geht es kurvig, zum Teil recht steil und auf sehr schmalen Straßen nach Martins Haven. Kurz vor dem Ziel zwingt uns eine Schafherde auf der Straße zu einer kurzen Pause bis sie alle auf der Weide sind, aber dann sind wir da – und der Regen beginnt. Die Wildlife Trust Leute haben Erbarmen und lassen uns in der Hütte warten obwohl noch gar nicht auf ist.
Endlich – das Boot kommt und auf halben Weg nach Skomer hört der Regen auf und den Rest des Tages haben wir fantastisches Wetter. Schon beim Landen sind überall Puffins. Im Wasser und in der Luft und auf den Felsen. Hunderte! Sogar einen Albino Puffin sehen wir.
Die Volunteers haben Schwierigkeiten die Leute zum Weitergehen zu bewegen. Die drolligen kleinen Vögel sind überhaupt nicht scheu und kommen auf Armeslänge an einen heran. Sie muten wie tolpatschige kleine Clowns an, die mal schnell, mal langsam durch die Gegend watscheln. Auch beim Fliegen sind sie nicht unbedingt graziös (allerdings sehr flott), ganz zu schweigen von ihren Landungen, die im Wasser immer damit enden, dass sie kurz Untergehen und an Land sieht es auch nicht viel besser aus… Aber unter Wasser sind sie äußerst elegant und können bis zu 60 m tief tauchen. Sie werden bis zu 30 Jahre alt und bleiben ein Leben lang mit ihrem Partner zusammen.
Die Jungen werden lustigerweise auf englisch Pufflings genannt und stürzen sich, wenn sie flügge werden die Klippen hinunter ins Meer Auch wenn die Puffins den andere Vögeln, Tieren und der Landschaft die Show stehlen – auch der Rest der Insel ist wunderschön.
Wir laufen einmal um die ganze Insel mit unzähligen kurzen und längeren Stops. Bis auf einigen Fotohotspots verlaufen sich die Besucher auf der Insel recht gut. Teilweise werden beeindruckend große Objektive herumgeschleppt, was die Bewegungsfreiheit allerdings etwas einschränkt.
Aber auch wir sind mit unserer nicht so beeindruckenden Kamera und dem Handy sehr fleißig. Neben Puffins (wir haben jetzt sehr, sehr viele Fotos und Filmchen), landen auch noch andere Vögel wie Trottellumme, Brachvogel Sumpfohreule, Weißkehlchen etc. vor unseren Linsen. Nach 5 Stunden ist es Zeit für die Rückfahrt, die wir mit einem glückseligen Lächeln im Gesicht antreten. Was für ein toller Tag.
Einziger Wermutstropfen das Auto spinnt auf der Rückfahrt erneut.
Die Wettervorhersage sagt für heute den schönsten Tag unseres bisherigen Urlaubs voraus. Wir sind gespannt und machen uns auf den Weg nach St. Davids um von dort auf dem Pembrokeshire Coast Path nach St. Justinians zu laufen. Dort soll es dann einen Bus geben der uns zurück zum Parkplatz bringt.
Der erste Blick auf St. Davids wirkt vielversprechend, aber den Ort und seine gewaltige Kathedrale bewahren wir uns für später auf. Erstmal soll es 10 km an der Küste entlang gehen. Die Wettervorhersage behält recht. Der erste Tag des Urlaubs ohne einen einzigen Tropfen Regen! Aber die Halbinsel St. David gilt auch als einer der sonnigsten Flecken Wales – was auch immer das heißen mag 😉
Der Weg führt immer nahe der Klippen entlang. Links das Meer, rechts blühende Heide. Tiefe Einschnitte zwingen uns immer wieder große Bögen zu laufen. Versteckt in einem dieser Einschnitte liegt Porth Clais an der Mündung des Alun. Viele kleine Fischerboote und eine Imbissbude mit Getränken und Essen. Auch hier lässt sich wieder der walisische Pragmatismus entdecken. Zum Beladen des Bootes wird kurzer Hand das Auto rückwärts ins Wasser an das Boot gefahren.
Weiter gehts. In der zweiten Häfte ändert sich der Weg. Es wird felsiger und die Heide wird durch Schafweiden ersetzt. Bald kommt Ynys Dewi (Ramsey Island) in Sicht. Zwischen der Insel und der Küste Wales sehen wir viele Wellen und Strudel, von den gewaltigen Gezeitenströmen („The Bitches“ genannt) verursacht. Anscheinend wir hier auch versucht Energie daraus zu gewinnen. In St. Justinians, wo sich die Lifeboat Station der Halbinsel bedindet, fährt uns der Bus vor der Nase weg. Was solls wir trinken noch einen Kaffee bis der nächste 30 Minuten später kommt. Super Takt für einen Touristen Shuttle – könnte sich der Harz eine Scheibe abschneiden…
Zurück in St. Davids – übrigens die kleinste Stadt Großbritanniens und seit Jahrhunderten Wallfahrtsort – besuchen wir die beeindruckende Kathedrale gleichen Namens aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist auch der Grund, warum St Davids trotz Dorfgröße den Stadtstatus hat. Im Mittelalter galt, dass zwei Wallfahrten zur St Davids Cathedral einer Wallfahrt nach Rom gleichgesetzt wurde, wenn das mal keine Werbung war;-) Auch das Innere der Kathedrale begeistert uns, insbesondere die Holzdecke mit ihren Verzierungen – und auch hier finden sich die bestickten Sitzkissen wieder bzw. nun weiß ich auch, dass es eigentlich Kniekissen sind auf denen die Betenden knien können.
Auf dem Rückweg bringt sich leider mal wieder unser Auto in Erinnerung: mehrfach meldet es eine Störung im Bremssystem. Zwar gibt es kein Problem beim Bremsen und sie sind ja auch gerade erst neu gemacht , aber es fühlt sich vor allem auch wegen dem Fiasko in Italien nicht so toll an. Wir hoffen das Beste – denn morgen soll es nach Skomer Island zum Puffins (Papageientaucher) gucken gehen.
Heute mal selbstzubereitetes Frühstück mit Obst, Weetabix und Toast. Das Wetter soll nicht so toll werden, aber was solls. Wir fahren nach Manorbier, um eine kleine Küstenwanderung zu machen – 6 km, 150 hm, 2 Std. Bei der Anfahrt auf abenteuerlich engen Straßen fragen wir uns einmal mehr ob unser Navi spinnt. Aber da wir nicht die einzigen auf der Straße sind ist wohl alles ok.
Vom kleinen Parkplatz etwas oberhalb der Manorbier Bay sehen wir mehrere Surfer in der Bucht. Die Surfer sind es zwar nicht, aber noch ist es trocken. Der Weg führt uns zunächst an der Küste entlang und das East Moor Cliff hinauf zur nächsten Bucht, der Swanlake Bay.
Dort macht der Weg einen Schlenker ins Landesinnere und führt über Wiesen zurück zum Parkplatz. Das Wetter meint es relativ gut mit uns. Zwar gibt es immer wieder Regenschauer, aber die halten weder lange an, noch sind sie sonderlich stark. Vom Parkplatz geht eine zweite Schleife in die andere Richtung zum Manorbier Castle – ebenfalls eine normannische Ruine wie das Pembroke Castle – und weiter zur Kirche St. James.
Da es gerade wieder kurz regnet schauen wir hinein. Das Innere ist sehr skuril bzw. es wird äußerst prakmatisch mit dem Geldmangel umgegangen. Die Kirche ist sehr alt (12. Jahrhundert) und kostspielige Restaurierungen stehen an. So gibt es in der Kirche alte Platten, Bücher und anderen Tineff zu kaufen. Aber auch Wasserkocher, Teetassen, Tee und Sitzgelegenheiten (eine Toilette übrigens auch), um sich gegen Spende für die Renovierung Tee zu kochen. Außerdem hat jedes Kirchenmitglied anscheinend sein eigenes besticktes Sitzkissen… Weiter geht es zur Klippe Priest`s Nose mit dem ca. 5000 Jahre alten Dolmen King`s Quoit. Von dort die Klippen entlang zurück zum Auto.
Mittlerweile ist der Himmel fast blau und wir beschließen Tenby einen Besuch abzustatten.
Bis wir dort ankommen ist die Sonne endgültig raus und wir genießen das äußerst hübsche, wenn auch sehr touristische Städtchen. Pastellfarbene viktorianische Häuserzeilen ziehen sich oberhalb des Hafens die Küste entlang und schreien nach Fotos aus verschiedensten Perspektiven und auch die Altstadt mit ihren kleinen Gassen und normannischen Stadtmauer ist sehr sehenswert. Sommer, Sonne, Urlaubsfeeling 🙂
Es regnet Bindfäden und so haben wir beschlossen unter die Erde zu gehen. Auf dem Weg nach Pembroke, wo sich unsere nächste Unterkunft befindet, liegt die Dan yr Ogof bzw. das National Showcave Center of Wales. Ein ca. 17 km großes Höhlensystem von dem drei Höhlen besichtigt werden können. Auf dem Weg dorthin queren wir den Brecon Beacon Nationalpark. Leider ist von der schönen Landschaft nahezu nichts zu sehen. Alle Hügel in Wolken gehüllt…
Die beiden großen Höhlen Dan yr Ogof und Cathedral Cave sind sehr sehenswert. Von der Dan yr Ogof ist ca. 1 (sehr verschachtelter) Kilometer zugänglich und es gibt wunderschöne Stalaktiten Blätter. Die Cathedral beeindruckt mit zwei Wasserfällen.
Was sich gar nicht lohnt ist die kleine Bone Cave. Da sie nur wenige Menschen fasst und vor uns eine Schulklasse ist, warten wir 15 Minuten im Regen, um dann enttäuscht festzustellen, dass es sich um nicht viel mehr als ein Loch in der Wand handelt, in der 42 Gebeine gefunden wurden. Jetzt beherbergt sie einen Nachbau der damaligen archäologischen Arbeit.
Seltsam interessant ist der Dino Park, der auf dem Weg von einer Höhle zur anderen zwingend gequert wird. Mehr oder minder im Wald versteckt tummeln sich unzählige Dinos. Manche bewegen den Kopf, Schwanz oder die Arme. Einige geben Laute von sich. Der eine oder andere wirkt dabei in seinem Busch nahezu lebendig.
Nach den Höhlen geht es immer noch im strömenden Regen weiter nach Pembroke. Zum Glück hellt es sich irgendwann doch mal auf und auch der Regen stoppt. Die neue Ferienwohnung befindet sich in einem alten georgianischem Landhaus (sprich aus dem 18. Jh.) ist groß, gut ausgestattet und nur 15 Minuten vom Pembrokes Zentrum weg. Der Garten schließt direkt an den Holyland Wood an. Ein zauberhaft verwachsener Wald (wirkt fast als würde hinter dem nächsten Baum eine Elfe oder ein Zwerg warten) durch den wir bis zum Pembroke Castle im Zentrum gelangen.
Das Zentrum besteht vor allem aus der Main Street an der sich mehr oder weniger alles befindet. Unter anderem Rowlies Fish & Chips – im übrigen sehr zu empfehlen. Björn ist allerdings sehr froh, dass er „nur“ den regular Cod und nicht large bestellt hat…
Geweckt werden wir diesmal vom Blöken der Schafe. ?und völlig unerwartet begrüßt uns ein schöner, sonniger Tag mit blauem Himmel. Mit einem full English Breakfast stärken wir uns für eine kleine Wanderung auf den höchsten Berg (Hügel?) der Black Mountains im Brecon Beacon Nationalpark, den Waun Fach (811 m) – 12 km, 650 hm, 4 Std.
Die Hügel erweisen sich im Anstieg als teilweise durchaus knackig. Über Wiesen und vorbei an Schafen geht es stetig bergauf zum steinalten (12. Jh.) Castell Dinas, von dem auch nur noch ein paar Steine übrig sind. Von dort Hügel um Hügel weiter aufwärts – immer der dunklen Wolkenwand, die auf uns zu zieht, entgegen. Da relativ viele Leute unterwegs sind, lassen wir uns nicht abschrecken und setzen unseren Weg fort und sehen sogar nich ein paar Welsh Mountain Ponies in der Ferne. Immer wieder kommen uns Gruppen Jugendlicher mit großen Rucksäcken entgegen. Weitwandern scheint bei englischen / walisischen Jugendlichen recht beliebt zu sein.
Am Ende regnet es dann doch nur moderat. Eine schöne Wanderung, die wir mit einem Besuch im Dinas Castle Inn abschließen. Einem Pub dem man von außen nicht ansieht, ob er auf hat und bei dem die letzte Renovierung in der Planungsphase abgebrochen wurde. Dafür unschlagbar günstig – 1 Kaffee & 1 Orangensaft = 2,50£
Auf dem Rückweg noch ein kurzer Stop in Talgarth. Ein kleiner, verschlafener Ort, der aber einen Geldautomaten besitzt, die hier anscheinend etwas rar sind… Er ist auch gar nicht so leicht zu finden, da er sich im kleinen, örtlichen Supermarkt versteckt. Auf dem Weg zurück zum Auto noch ein „Tier-Highlight“. Über uns kreist ein großer Schwarm Rotmilane (bestimmt ein Dutzend). Ich hatte schon gelesen, dass sie in Wales sehr häufig vorkommen sollen und unterwegs auch immer mal wieder einen gesehen, aber so viele!? Sehr beeindruckend. Ich weiß allerdings nicht warum sie ausgerechnet einen kleinen Dorfparkplatz bevorzugen…
Bei der Rückkehr in die Lodge bekomme ich kurzzeitig Schnappatmung – schon wieder eine Feier (diesmal mit Brautpaar). Stellt sich im Nachhinein allerdings als unnötig heraus – sie waren nur zum Mittagessen da…
Zum Abendessen machen wir uns nochmal auf den Weg nach Hay on Wye und werden im Blue Boar Pub fündig. Ein Pub wie er sein soll. Alt, urig und gemütlich mit gutem Essen und leckerem Bier.
Das Kapitel Schule ist endgültig beendet, die Ferien dadurch kürzer – von daher schnell weg.
Cymru heißt Wales auf walisisch und da geht es nun hin.
1. Tag: Anreise Rotterdam – Hull
Mit dem Auto (ja, das Auto hat es endlich aus Italien zurück geschafft und in den ADAC sind wir nun vorsichtshalber auch eingetreten…) machen wir uns auf den Weg nach Rotterdam. Leider haben nicht nur Niedersachsen und Bremen, sondern auch die Niederlande Ferienbeginn, so zieht sich die Anfahrt etwas… Unser Navi führt uns beim Versuch die Zeit zu verkürzen über abenteuerliche, aber landschaftlich schöne Wege, die einige Minuten wieder reinholen. Zwischendurch stellt sich allerdings die Frage, ob das überhaupt zulässig ist hier lang zu fahren?! Aber da unser Navi nicht alleine ist, zieht sich nun zwischen Utrecht und Schoonhoven eine Autoschlange den Deich die Lek entlang und bringt so manchen Radfahrer aus dem Konzept. Zum Glück sind wir zeitig los.
Auch das „Einschiffen“ zieht sich etwas und der Arbeitsablauf mutet wie eine ABM-Maßnahme an. 1.Bude: Pässe vorzeigen und Boarding & Kabinen Tickets bekommen, 2. Bude: nochmal Pässe vorzeigen, 3. Bude: vom Boarding Ticket wird ein kleiner Schnipsel abgerissen. Natürlich jeweils mit entsprechender Wartezeit verbunden 😉 Interessanterweise wird die Fähre über eine (kurvige) Rampe über die Seite der Fähre beladen und Innen wird wie bei einem Tetris Spiel eingewiesen.
Zum Abendessen an Bord eine der geschmacklosesten Pizzen, die wir jemals gegessen haben. Aber egal, satt sind wir trotzdem. Im Anschluss dicke Pötte bei der Ausfahrt gucken. Ordentlich Betrieb hier. Rotterdams Hafen ist wirklich riesig – kein Wunder, dass er lange der größte Seehafen der Welt war. Als Abschluss des Abendprogramms noch ein schöner Sonnenuntergang und rein in die Koje.
2. Tag: Hay on Wye und Black Mountain Lodge
Unsanft werden wir um 6 Uhr morgens per Lautsprecher Durchsage geweckt. Wir nähern uns Hull und die Bordrestaurants wollen noch ihr Frühstück los werden.
Das Ausschiffen zieht sich noch länger als das Einschiffen – es will ja mittlerweile jeder Pass kontrolliert werden…
Aber dann haben wir es geschafft und sind in Großbritannien.
Vierspurige Kreisverkehre im Linksverkehr sind herausfordernd, aber sonst klappt es mit dem Linksverkehr ganz gut. Es hilft einfach immer dem Vorausfahrenden zu folgen – vorausgesetzt es gibt einen 😉
Wales begrüßt uns mit mehreren Wolkenbrüchen. Teilweise können wir kaum 20 m weit sehen und die Unterbodenwäsche gibt es gratis dazu! Wie gut, dass wir an Regenschirme gedacht haben. So glückt auch der Zwischenstopp in der „Bücherstadt“ Hay on Wye. Wunderschöne Buchhandlungen – mal thematisch orientiert, z.B. gibt es Läden nur mit Poesie, Krimis oder Büchern über Musik und Musikgeschichte – mal zeitlich, z.B. antiquarische bzw. bestimmten Epochen gewidmete, aber auch normale Secondhand Buchläden. In Richards Booths (der Ideengeber des Ganzen) Buchladen wähnen wir uns im Bücherhimmel. Aber auch kulinarisch ist das Örtchen durchaus einen Besuch wert. Näheres zu Hay on Wye hier.
Einen Ort weiter, in Glasbury,erreichen wir unsere Unterkunft – die Black Mountain Lodge. Etwas außerhalb vom eigentlichen Ort und in einem alten Gemäuer aus dem 17. Jahrhundert. Sehr schön, aber auch sehr beliebt für Geburtstags- oder Hochzeitfeiern wie wir noch bemerken sollen. Der Parkplatz ist nämlich gerappelt voll und im Saal wird gerade ein Geburtstag gefeiert. Recht ausdauernd und zu späterer Stunde zunehmend lauter und mit anscheinend sich nicht einig werdenden „DJs“. Die Hoffnung, dass die Pubs normalerweise ja auch um 11pm zu machen und das vielleicht auch für Feiern gilt, geht leider nicht auf. Nun ja, um 12pm geht zumindest die Musik aus und eine halbe Stunde später hat es dann auch der Letzte raus geschafft…
Freitag: Unser letzter Tag in der Bretagne. Es soll noch mal ans Meer gehen, aber zuvor ein paar kleine Abstecher.
Zunächst nach Saint Cado. Ein pittoreskes Örtchen am Ria d‘Etel. Schöne Fotomotive und eine alte Kirche erwarten uns.
Dann weiter zum Menhir Feld von Kerzerho bei Erdeven – nach Carnac die zweitbedeutenste Megalithenstätte der Bretagne. Mehrere Dutzend Felsbrocken in Reih und Glied. Mühevoll diese nur mit Muskelkraft aufgestellt zu haben…
Anschließend weiter zum Plage de Kerhillio. Soweit das Auge reicht Dünen, Sand und Meer, zwischendurch ein paar Felsen (der Strand zieht sich kilometerweit bis zur Halbinsel Quiberon). Da gerade Ebbe ist wirkt er noch größer und nahezu menschenleer. Im Wasser Schwärme kleiner Fische und ein paar Einsiedlerkrebse, die sich verschiedene Häuser gesucht haben – mal rund, mal spitz – und rückwärts durch die Gegend marschieren. Der Strand ist quasi aufgeteilt. Eine Schwimmzone inkl. einer Wassergymnastikgruppe im Meer, eine Zone ‚Segeln für Wasserscheue’ bzw. für Strandsegler, eine für Kitesurfer und eine zum Drachen steigen lassen. Es ist genug Platz für alle und das Wasser herrlich.
Auf dem Rückweg steuern wir noch einen großen Supermarkt an und tätigen den absurdesten Einkauf ever – ins Detail möchte ich jetzt lieber nicht gehen?
Für das Abendessen haben wir im Restaurant Le Casier einen Tisch reserviert. Meist sind mir so chique Gourmet Läden ja etwas suspekt, aber hier werde ich eines Besseren belehrt. Wir sitzen schön im mit Bananenpflanzen und Bambus bewachsenen Garten. Die Kellnerin hat diverse Tatoos und geht äußerst tiefenentspannt ihren Tätigkeiten nach und das Essen ist einfach fantastisch! Wie gut das wir zu zweit sind, so haben wir die Möglichkeit jeweils beides zu probieren. Lediglich beim Nachtisch kann ich behaupten, dass ich die Ganache besser finden. Bei den anderen Gängen fällt mir das schwer. Ohne Zweifel das beste Essen im Urlaub und eines der besten überhaupt. Absolute Empfehlung!
Donnerstag: Noch immer fantastisches Wetter – auf zur Île aux Moine. Auf dem riesigen gratis Parkplatz ist alles voll, so bleibt nur einer der kostenpflichtigen Parkplätze. Wir hoffen sehr, dass nicht alle Insassen der vielen geparkten Autos zur Insel gefahren sind! Am Hafen Tickets gekauft und schnell noch auf das bereits ablegende Boot gehüpft als gerade 2 Tiefflieger über den Hafen krachen (lange nicht mehr gesehen und krass laut). Die Überfahrt dauert gerade mal 5 Minuten.
Um mehr von der Insel zu sehen, leihen wir uns Räder – die werden hier stundenweise vermietet und scheinen ein einträgliches Geschäft zu sein. Am Hafen ist es noch sehr trubelig, aber nach einer Weile verlaufen sich die Massen etwas, auch wenn es immer wieder zu ‚Knubbeln‘ kommt, wo sich Radfahrer, Fußgänger und auch das ein oder andere Inselfahrzeug häufen und die Insel definitiv gut besucht ist.
Wir fahren kreuz und quer über die Insel. Erst an die südlichsten Zipfel, dann bis an die östliche Spitze. Vorbei an alten Steinhäuschen (erinnern an irische Cottages – ein paar sogar mit Reetdach), Steinkreuzen, Menhiren und einem großen Dolmen. Immer wieder mit schönen Ausblicken auf den Golfe du Morbihan mit seinen vielen Inseln, die Austernfelder und viele, viele Boote. In einer Bucht macht gerade eine Gruppe Jungen mit merkwürdigen Bommel-Mützen ein Anlegemanöver. Bei näherer Betrachtung stellen wir fest, dass in der Bucht haufenweise Jungen mit Bomnel-Mützen herumlaufen oder in Booten herumpaddeln. Vielleicht ein Trupp (Marine-)Pfadfinder?
In einer anderen kleinen Bucht gibt es praktischerweise einen Crêpesstand, der uns einen warmen Mittagssnack beschert. Punktgenau 3 Stunden später liefern wir die Räder wieder ab – wäre aber wohl auch nicht aufgefallen, wenn wir später gewesen wären. Zu Fuß dann zum Grand Plage zum Abkühlen im Meer. Sehr erfrischend – fühlt sich wesentlich wärmer an als auf Quiberon. Mittlerweile hat die Flut voll eingesetzt und strömt mit solcher Kraft durch die Enge zwischen Port Blanc und der Île aux Moines, dass sich richtige Strudel bilden.