• 17. Tag: Chiappera – Chialvetta

    17. Tag: Chiappera – Chialvetta

    Zum Abschied noch ein Foto von Chiappera mit Kirche und „steinernem Segel“ wie auf dem Rother GTA-Wanderführer.

    Chiappera

    Dann ging es auf leichten, aber matschigen Wegen im Schatten des Waldes mal wieder den Berg hinauf. Matschig und teilweise richtig morastig blieb es auch bis zur Colle Ciarbonet (2206m) . Kurz vor dem Abzweig zur Colle wiesen die Schildern geradeaus, unser GPS-Track aber im 90 Grad Winkel nach rechts. Da bislang auf den Track Verlass war folgten wir ihm. Schnell fanden wir auch einige Markierungen und machten uns keine weiteren Gedanken.

    Bis dann der Weg in Schlamm, Geröll und umgestürzten Bäumen verschwand. Nun verstanden wir warum der Weg umgeleitet wurde. Zum Umdrehen waren wir allerdings schon zu weit und dank des GPS-Tracks wussten wir ja auch wohin wir mussten, also ein wenig querfeldein. Am Colle Ciarbonet haderten wir ob wir wirklich den Abstecher auf den nahen Monte Estelletta (2316m) wegen der schönen Aussicht machen sollten. Wir entschieden uns dann unsere Rucksäcke hinter einem Gebüsch zu verstecken und so leichtgewichtig aufzusteigen.

    Was für eine Wohltat. Nach mehr als zwei Wochen mit zusätzlichem Gewicht ging es leicht rauf und nach einem Blick ins Maira Tal auch leicht wieder runter. Der Abstieg quälte sich allerdings dann auf dem Fahrweg mit einigen Abkürzern ins Tal.

    Chialvetta ist wie schon Chiappera ein hübsches Dorf was auf (Berg-)Tourismus ausgerichtet ist. viele Häuser sind renoviert und dienen als Unterkunft. Die Osteria della Gardetta gehört eher zu den rustikalen (sprich CAI-Rifugio Stil) aber sympathischen Unterkünften. So haben wir zwar ein Zimmer für uns, allerdings ist es das Durchgangszimmer zum Nachbarzimmer. Haben wir aber auch erst verstanden, als ein Italiener sehr zielgerichtet in unser Zimmer ging und darauf bestand, dass er richtig sei…

    P.S. Auch heute gab es wieder einige Murmeltiere ?

    Rauf: 810 Hm Runter: 970 Hm Distanz: 16 km Unterwegs: 7 Std. Inkl. Cafépause im Rifugio Viviere

    Cena: Pasta con patate – Spezzatine di maiale e di cervo – Tiramisù

  • 16.Tag: Chiazale – Chiappera

    16.Tag: Chiazale – Chiappera

    Laut Wetter-App hatte es um 6:30 nur 5 Grad draußen, also lange Hose. Da ich vor 6 Jahren mit Kathi schon mal am Colle di Bellino gescheitert bin und wir wegen zu viel Schnee umkehren mussten, fragten wir vorsichtshalber nochmal nach. Der Wirt meinte aber das dort nur noch wenig Schnee sei. Gut. Also los.

    Nach einem Stück Straße wanderten wir auf breiten Fahrwegen durch blühende Almwiesen. Die Murmeltiere scheinen mittlerweile alle aufgewacht zu sein und so hopste eines nach dem anderen über die Wiese – das verzögerte das Vorankommen um einiges, da mehrere Fotostops eingelegt werden mussten…

    Murmeltier

    Der Weg setzte sich entlang eines Bergbachs fort, der wegen der Schneeschmelze relativ viel Wasser führte. So waren wir über den Balken, der über das tosende Wasser gelegt wurde froh – auch wenn der schmal war und wackelte das man befürchten musste ins kalte Wasser zu fallen. Aber auch dieses Hindernis war schnell überwunden. Naja, Björn hatte das Hindernis schnell überwunden, in dem er elegant darüber balancierte. Nachdem er gesagt hatte, dass der ganz schön wackelt, scheute ich wie ein ängstliches Pferd und hatte nur noch im Kopf ‚Ich falle gleich..‘ Habe dann das mittlere Stück lieber auf dem Po rutschend überwunden (sehr zur Belustigung der Italiener hinter uns). Der eine musste dann auch extra einmal rüber balancieren und zurück, um zu zeigen wie schön er das kann…

    Über weitere Almwiesen und an verfallenen Hütten vorbei ging es stetig bergauf. Der Pass war bereits zu ahnen, aber es sollte noch mehr als eine Stunde dauern bis wir dort ankamen. Nach einer kurzen Pause gingen wir den letzten Anstieg an. Die Wiesen wichen einer Stein und Schotterflächen. Überall gab es noch Schneefelder, die aber kein Problem darstellten. Endlich war der Colle di Bellino und mit seinen 2804m und ein neuer höchster Punkt und der höchste Punkt insgesamt erreicht.

    Der kalte Wind trieb uns allerdings schnell weiter. Die Focacchia Pause musste warten. Erstmal ging es staubige, schottrige Serpentinen bergab. 200-300 Höhenmeter tiefer dann die wohlverdiente Pause.

    Wie immer zog sich der Abstieg. Auf Schotter folgten wieder Wiesen mit noch mehr Murmeltieren und dann ein Fahrweg. Dann endlich das Rifugio Campo Base. Nicht unser Ziel, aber eine schöne Café Pause. 20 Minuten später erreichten wir dann unsere Unterkunft in Chiappera – La Scuola Excursionistico. Unser Zimmer ist eine kleine Wohnung in einem der alten, renovierten Steinhäuser mit Wohnküche, Bad, Schlafzimmer und Balkon. Sehr viel Platz 🙂 Das Hauptgebäude mit dem Restaurant befindet sich in einem weiteren frisch renovierten Haus und ist sehr schick und hat sich der ‚gehobenen‘ Küche verschrieben… Überhaupt scheint der ganze Ort fest in der Hand von zwei Unterkünften zu sein, die ihre Zimmer in den renovierten Häusern des Dorfes verteilt haben.

    Rauf: 1190m Runter: 1260m Distanz: 20km Unterwegs: 7,5 Stunden

    Cena: Carne marinata con insalatina e citronette alla senape – Pasta e fagioli – Arrosto di capocollo con cavoli stufati – Crostata pere e cioccolato

  • 15.Tag: Saluzzo – Pontechianale – Chiazale

    15.Tag: Saluzzo – Pontechianale – Chiazale

    Mit dem Bus ging es in 1 1/2 Std. nach Pontechianale. Nach einem letzten Café mussten wir sehr steil den Berg hinauf, so steil, dass wir zwischenzeitlich dachten der Rucksack würde uns rückwärts nach unten ziehen. Der Weg scheint auch als Mountainbike -Abfahrt zu dienen – würde ich mich allerdings nicht trauen… Der Wald wich nach 1 1/2 Std. Sträuchern, aber statt Sonne standen wir im Nebel und es wurde kühl. Egal bis zum Colletto Battagliola (2282m) wollten wir noch gehen bevor wir eine Pause machen. Kurz vor dem Pass kam uns zwei ältere Herren entgegen. Einer davon verwickelte uns sofort in einen Plausch, ob wir die GTA laufen, dass der Aufstieg hart (duro, duro) sei, etc. Nebenbei erwähnte er, er sei 80 Jahre – Respekt! Zumal er noch recht frisch nach der Anstrengung aussah. Da besteht ja Hoffnung, dass wir noch viele unserer Wunsch Wanderungen machen können.

    Die Pause am Colletto Battagliola fiel etwas kürzer aus. Dichter Nebel nahm die Sicht und veranlasste uns unsere Jacken anzuziehen. Beim Abstieg verzog sich der Nebel immer mal wieder und gab den Blick auf in allen Farben blühende Wiesen frei.

    Wieder konnten wir einige (sehr wohlgenährte) Murmeltiere sehen. Bald war die Strasse erreicht und es ging zum Endspurt nach Chiazale. Ein Ort wie aus einem Historienfilm. Uralte Steinhäuser, enge, nicht asphaltierte Gassen bei denen die Dächer fast aneinander stoßen. Sehr urig. In einem solchen Haus ist auch unsere heutige Unterkunft das Agriturismo Lou Saret untergebracht. Sehr gemütlich und mit Balkon (zum Wäsche trocknen sehr beliebt?).

    Zeitgleich mit uns kamen noch 4 Wanderer aus Deutschland an. Das eine Paar läuft seit Jahren den GTA, immer ein Stück weiter, das andere folgt mit dem Auto und macht Tagestouren. Treffen tun sie sich dann immer in der Unterkunft. Auch ein interessantes Modell.

    Rauf: 860 Hm Runter: 630 Hm Distanz: 12 km Unterwegs: 4,5 Stunden

    Cena:Dinkel-Möhren Salat mit Focacchia – Risotto mit Thymian – Spezzatine mit Zucchini – Panna Cotta

  • 14.Tag: Pont Saint-Martin – Saluzzo

    14.Tag: Pont Saint-Martin – Saluzzo

    Der erste Teil unserer GTA-Wanderung ist nun vorbei. Von Pont Saint-Martin wollten wir mit Bus und Bahn nach Saluzzo, um von dort morgen in die Berge aufzubrechen. Der Vater der Besitzerin des B&B war leider keine Hilfe dabei herauszufinden von wo der Bus abfährt. Stattdessen brach er in eine Schimpfkanonade über Italien aus: Das nichts funktioniere und früher alles besser gewesen sei…

    Weinberge Pont Saint-Martin

    Zuerst waren wir an der Bushaltesstelle bei der Ponte Romana. Dort fuhren zwar viele Busse ab, aber nicht der nach Turin. Immerhin gab es den Hinweis, man solle zur Haltestelle an der Umgehungsstraße. Nach einigem Laufen waren wir dann zwar an der richtigen Haltestelle, mussten aber feststellen, dass man den Bus vorbestellen oder aber ein Ticket in der Bar Tabbacci an der Ponte Romana kaufen muss. Auch der abgedruckte QR-Code führte nur zu einer nichtssagenden Webseite… Wer denkt sich so einen Scheiss aus! Am Ende sind wir dann Zug gefahren, was super funktionierte auch wenn im Internet die Verbindungen so nicht auftauchten. In Saluzzo angekommen fanden wir schnell die richtige Adresse standen aber vor einem Geschäft und nicht vor dem B&B. Schon wieder!? Aber diesmal gab es Netz. Ein Anruf und die Besitzerin stand winkend auf der Straße.

    Saluzzo

    Ihre Freundlichkeit ließ für unser leichtes genervt sein keinen Platz. Wie gestern konnte auch sie kaum glauben, dass wir zu Fuß unterwegs sind und stellte einen Haufen Fragen unterbrochen von regelmäßigen ‚Bravi, bravi!‘ Ausrufen während sie uns kalte Getränke und frisches Obst brachte.

    Saluzzo

    Nach einer kurzen Pause erkundeten wir dann die Altstadt von Saluzzo. Sehr schöne, zum Teil aber auch sehr baufällige, mittelalterliche Gebäude ziehen sich oberhalb des Zentrums den Hügel hoch. Ausgesprochen pittoresk.

    Distanz: 10 km

    Cena: Pizza Castemagno & Quattro Formaggio speciale

  • 13.Tag: Maletto – Pont Saint-Martin

    13.Tag: Maletto – Pont Saint-Martin

    Noch mit geschlossenen Augen hörten wir das Trommeln des Regens auf dem Dach und das Grummeln des Gewitters. Also noch mal umdrehen. Gegen 7:30 hörte der Regen auf und wenige Minuten später war der Himmel blau. Also rein in die noch immer noch klatschnassen Schuhe. Der Weg nach Pont Saint-Martin führte über gepflasterte Wege / alte Mulatierras die auf Grund des Regens extrem rutschig waren. So brauchten wir gut 3 Stunden bis wir im Ort ankamen.

    Bei der Unterkunft öffnete uns der Vater der Besitzerin, der von nichts wusste, uns aber anbot die Rucksäcke dort zu lassen und dann am Nachmittag zurück zu kommen. Bis dahin seinen die Zimmer sauber und die Tochter zurück. Als wir auf seine Nachfrage berichteten von wo wir heute losgelaufen waren bekam er sich gar nicht mehr ein. In seinen Augen war die sehr kurze Tour geradezu eine Jahrhundertleistung. Immer wieder vergewisserte er sich ob wir wirklich in Maletto gestartet seien… Viele GTA Wanderer*innen steigen hier wohl nicht ab und was hätte er wohl zu unserer gestrigen Eskapade gesagt!?

    Pont San Martin

    Zu Pont Saint-Martin gibt es sonst nicht viel zu sagen. Hauptsehenswürdigkeit ist die Ponte Romana, eine schöne und sehr alte Brücke über den Lyss. Im Café direkt an besagter Brücke ließ sich hervorragend sitzen und das Treiben beobachten. Außerdem haben wir kurz vor Pont Saint-Martin die Grenze vom Piemont überschritten und sind nun im Aostatal

    Rauf: 19 hm Runter: 1033 hm Distanz: 9km Unterwegs: 3 Std.

    Cena: Proschiutto di Porco Nero con Insalata – Spaghetti Tonno (Tina) – Maccheroni Gorgonzola (Björn) – Proschiutto Crudo con Melone (Tina) – Manzo con Verdure (Björn)

  • 12. Tag: Rifugio Barma – Maletto

    12. Tag: Rifugio Barma – Maletto

    Was für ein Tag! Aber der Reihe nach. Früh um 7:00 verließen wir das Rifugio Barma. Die Tour sollte lang werden und die Wettervorhersage war nicht so toll.

    Aber zunächst war noch alles gut. Auf gut ausgebauten Wegen kamen wir schnell voran. Wieder einmal genossen wir die Landschaft, Flüsschen, (Stau-)Seen und Murmeltiere. Vor uns blauer Himmel hinter uns dunkle Wollen, die sich über den Bergkamm schoben.

    Der erste leichte Dämpfer kam dann kurz vor dem Aufstieg zur Gratwanderung: Regen. Missmutig zogen wir die Regenjacken an und verhüllten den Rucksack. Mit leicht gedämpfter Stimmung ging es weiter. Es wurde kühler und sehr nebelig, hörte aber wieder auf zu regnen. Der Anstieg zum Grat war anstrengend. Oben angekommen konnten wir maximal 10 Meter weit sehen. Was tun? Die Wettervorhersage sprach von Regen am Nachmittag und Absteigen um spontan in einem anderen Ort eine Bleibe zu finde klang auch nicht toll. Also langsam weiter.

    Immer wieder führte der Weg knapp unterhalb des Grats auf Grasflanken entlang. Unangenehm da es feucht war und wir immer damit rechneten auszurutschen. Zum Glück ging es dann aber auf dem Grat weiter. Immer wieder mussten die Hände zur Hilfe genommen werden. Erst ging es über den Monte Bechit (2320m) und beim Monte Roux (2318m) gab es dann einige seilversicherte Stücke. Alles kein Problem. Nun dachten wir das Gröbste hinter uns zu haben, stießen aber noch auf eine Art Klettersteig. Ach ja, sowas stand in der Beschreibung. Der Steig war nicht weiter schwierig, zog sich aber. Nach einer kleinen Ewigkeit erreichen wir den Colle della Lace (2120m). Jetzt sollte es nur noch bergab gehen. Easy – denkste…

    In der Wanderbeschreibung stand: Weg schlecht markiert. Die Untertreibung des Jahrhunderts! Ohne den GPS-Track hätten wir den Weg wohl nicht gefunden. Der Beginn war von hüfthohen Sträuchern zugewachsen, die die Steine mit den Markierungen sehr erfolgreich verbargen. Der GPS-Spur folgend erreichten wir eine Straße, die laut Auskunft einer Bäuerin nach Maletto führen sollte. Immer geradeaus.

    Das Ziel vor Augen wanderten wir los. Wieder begann es erst leicht zu regnen, um sich immer weiter zu steigern. Die ersten Donnerschläge des nahenden Gewitters grollten auch bereits durch die Berge. Egal wie schnell wir gingen, bald waren wir bis auf die Unterwäsche nass, wenig später verwandelten sich auch die Schuhe in Planschbecken.

    Endlich ein Schild: Maletto 20 Minuten. Das schaffen wir… Nach wohl 40 Minuten noch immer kein Ort. Endlich wieder ein Schild. Durch den Wald auf schlammigen Wegen weiter. An einer Abzweigung wieder keine Schilder. Irgendwann standen wir vor einer Alpe. Der kläffende Hund (nicht angeleint o.ä. wohlgemerkt) überzeugte uns umzudrehen. Also wieder ein Stück den Berg rauf. Mittlerweile regnete es zum Glück nicht mehr, aber leichte Verzweiflung machte sich breit. Niemand zu sehen und keine Ahnung wo wir hin sollten. Dann endlich wieder Netz. Google Maps sagte wir sind nicht ganz falsch… Um es kurz zu machen 20 Minuten später standen wir auf der anderen Seite der Alpe mit dem (immer noch oder wieder) kläffenden Hund.

    Vor dem Biwakieren bewahrte uns letztendlich der Kirchturm, der beim erneuten Umdrehen und Umgucken ein Stückchen tiefer sichtbar wurde. Querfeldein, die letzten Reserven mobilisierend, abwärts. Nach 10 Stunden klatschnasses Ankommen. Krasse Tour.

    Auf die Wirtin der Locanda Maletto haben wir wohl einen sehr Mitleid erregenden Eindruck gemacht. Schnell wurde uns ein überdachtes Plätzchen für unsere Schuhe zum Trocknen gesucht und unser Zimmer gezeigt, damit wir warm Duschen konnten. Im Anschluss tischte sie uns eine Kleinigkeit nach der anderen vor den eigentlichen Gängen auf bis wir pappsatt waren und völlig fertig ins Bett fielen.

    Rauf: 1080 Hm Runter: 1800 Hm Distanz: 23 km Unterwegs: 10 Stunden

    Cena: Focacchia mit Vollkorn- Focacchia mit Zwiebeln – Polenta Taler mit Lardo und Frischkäse – Bresaola mit würziger Sauce und eingelegtem Gemüse – Blätterteig mit Käse – Zucchini – vegetarische Lasagne – Spezzatine mit Polenta. Nachtisch passte nicht mehr…

  • 11. Tag: Oropa – Rifugio Barma

    11. Tag: Oropa – Rifugio Barma

    Heute sollte es nur eine kurze Tour sein – sozusagen ein Rasttag. Mit der Seilbahn erlegten wir schon mal die ersten 750 Hm. Dann folgten wir dem Pilgerpfad zum Colle della Barma d‘Oropa (2261m). Von dort war das Rifugio Barma schon zu sehen. Es ging noch einmal sehr blockig und über Felsplatten abwärts, dann waren wir da und konnten uns den ersten Café des Tages genehmigen. Vorher hatte es nicht geklappt, da wir die erste Gondel nehmen wollten (später am Tag sollte es regnen) und in Oropa noch nichts auf hatte.

    Das Rifugio liegt fantastisch an zwei Seen (das erklärt auch die drei Angler in der Seilbahn, die sahen wir dann hier wieder), umgeben von Bergen. Es wurde vor kurzem komplett aus Holz und Natursteinen in Anlehnung an die alten Almgebäude neu gebaut und wir sind für heute stolze Besitzer eines 2-er Zimmers mit eigenem Bad. Der perfekte Ort für einen Rasttag. Am Nachmittag regnete es tatsächlich, aber das war uns ziemlich egal? Ach ja, wir schlafen heute wieder hoch auf 2060m.

    Rauf: 400m +750m Seilbahn Runter: 300m Distanz: 7km Unterwegs: 2 1/2Std.

    Cena: Björn – Polenta conca – Salsiccia – Tiramisu

    Tina – Zuppa di fagioli – Salsiccia – Tiramisu

  • 10. Tag: Rosazza – Oropa

    10. Tag: Rosazza – Oropa

    Frühstück, Rucksack packen, Füße und Knie wieder an die Bewegung gewöhnen – unsere morgendliche Routine. Als erstes ging es zum Santuario di San Giovanni auf Wegen die scheinbar schon länger niemand mehr genommen hat, so zugewachsen waren sie zum Teil. Es sollte wieder ein heißer Tag werden, aber morgens war es noch angenehm, so dass wir bald beim Santuario di San Giovanni ankamen. Das Gelände lag verlassen da. Restaurant und Toiletten geschlossen. Einige Autos standen auf dem Hof, aber es war niemand zu sehen. Wir schauten uns kurz die schöne Kirche an und gingen weiter.

    Santuario di San Giovanni

    Die Empfehlung unseres Wanderführers war nicht der markierten GTA zu folgen, da diese teilweise auf einer beliebten, befahrbaren Panoramastraße verläuft. Stattdessen wollten wir den alternativ vorgeschlagenen, höhengleichen Weg gehen. Schon früh warnte jedoch ein Schild vor abgerutschten Wegen und so nahmen wir dann doch die GTA inklusive der extra Höhenmeter. Interessiert stellten wir fest, dass es am Beginn der Straße zwar mittlerweile ein Schild ‚Straße gesperrt‘ gab, aber niemand davon Kenntnis zu nehmen schien. Autos, Motorräder und Fahrradfahrer fuhren an uns vorbei…

    Nach einem Stück durch den Wald kam wir etwas höher wieder auf die Straße und jetzt wurde der Verkehr tatsächlich weniger. Keine Autos mehr, nur noch einige Motorrad- und hauptsächlich Fahrradfahrer, von denen einer bei 10% Steigung noch Kraft für ein Schwätzchen mit uns fand. Statt der GTA über den Pass zu folgen, was weitere Höhenmeter bedeutet hätte, sind wir noch 5 Minuten die Strasse entlang um bei der Locanda della Galleria Rosazza zu essen. Eine hervorragende Entscheidung, auch wenn wir erst eine halbe Stunde warten mussten, da die Locanda Besetztung uns mitteilte, dass sie erst selber essen müssten und dann könnten wir (und die ganzen anderen Gäste, die zwischenzeitlich eintrafen) etwas bekommen. Tja, Essen ist wichtig? Bestimmt 1 1/2 Std. saßen wir dort in der Sonne, genossen das Essen und die Landschaft.

    Außerdem eröffnete sich uns bei der Locanda ein Short cut – die Galleria di Rosazza ein 350 Meter langer Tunnel von 1897 der extra als Verbindung für Kutschen und Fuhrwerke zwischen den Wallfahrtsorten San Giovanni und Oropa gebaut worden war. Der Tunnel war schnell durchquert und auf der anderen Seite des Berges ging es durch Wald hinunter nach Oropa.

    Oropa

    Oropa ist eine gigantische Pilgeranlage (und UNESCO-Weltkulturerbe). Bis zu 3000 Leute fasst die Hauptkirche. Neben Gott gibt es ganz irdisch auch 350 Zimmer von spartanisch bis Luxusklasse, 13 Restaurants, Andenkenläden und mehr. Spannend waren lange Gänge voller Ex voto Bekenntnisse. Dort gab es unglaublich viele Autounfälle, aber auch Tritte vom Pferd, Überfälle, obskure Arbeitsunfälle, Krieg und vieles mehr. Während die schwarze Madonna nicht so beeindruckend war.

    Ex voto

    Rauf: 650m Runter: 400m Distanz: 14km Unterwegs: 5 1/2 Std.

    Cena: Björn – Antipasti Misti* – Salsiccia ai funghi con polenta Tina – Gnocchi Rosso – Trota

    *Björn hatte das Glück oder Pech noch einen weiteren Teller mit weiteren Antipasti Misti bekommen zu haben, als wir das anmerkten, meinte die Bedienung nur, der würde dazu gehören… Danach war er Björn jedenfalls satt?

  • 9. Tag: Rifugio Rivetti – Rosazza

    9. Tag: Rifugio Rivetti – Rosazza

    Nach dem typischen Rifugio Frühstück – Kaffee, Zwieback und Weißbrot mit Marmelade – ging es heute nur bergab. Zunächst steil und sehr blockig vorbei an Murmeltieren, die wohl dachten wir könnten sie im Nebel nicht sehen und interessiert ihr Köpfe aus den Höhlen streckten. Aus der Ferne hörten und sahen wir einen Haufen Schafe, die auf eine Alpe getrieben wurde. Nach einer Weile hörte das Gebimmel auf, sie waren also angekommen. Der Schäfer überholte uns später noch und stapfte nach getaner Arbeit den Berg hinab.

    Rifugio Rivetti

    Das Gelände wurde flacher und der Weg wandelte sich zu einer Mulatiera mit großen Steinplatten. So einen Weg hätte ich mir gestern zum Schluss gewünscht! Trotz der über 1200 Höhenmeter kamen wir noch recht frisch in Rosazza an. Ein schöner Ort mit verwinkelten Gassen und ausgefallenem Architekturmischmasch. Von seinen Reisen inspiriert, ließ Federico Rosazza Ende des 19. Jahrhunderts diverse öffentliche Gebäude in verschiedenen Stilrichtungen bauen und nun heißt der Ort sogar nach ihm…. Nur Infrastruktur gibt es hier leider kaum.

    Rosazza

    Runter: 1270m Distanz: 10km Unterwegs: 3 1/2 Std.

    Cena: Tris verdure, fonduta e insalata – Vitello Tonnato – Pappardelle al ragu – Salsiccia e Polenta

  • 8. Tag: Peccia – Rifugio Rivetti

    8. Tag: Peccia – Rifugio Rivetti

    Mit gemischten Gefühlen verließen wir unsere wunderbare Unterkunft. Die Tour heute wird sehr lang und hoch – sozusagen der Tag der Höhepunkte (höchster Pass, meiste Höhenmeter im Anstieg und höchster Schlafplatz). Nach dem ersten Pass soll im exponierten Abstieg knietief Schnee liegen und die Wettervorhersage sagt Regen voraus. Spitzen Ausgangslage ? Naja, wir werden sehen wie es dann tatsächlich aussieht.

    Erstmal wanderten wir den Fluß entlang bergauf. Links und rechts steile, bewaldete Berghänge, mittendrin der Wildbach und um uns herum Alpenblumen. Da es noch sehr nebelig war, schien die Landschaft direkt einer chinesischen Tuschezeichnung entsprungen zu sein. Wunderschön und sicherlich die schönste Tour bislang.

    Während wir noch unsere Blicke schweifen ließen und die Landschaft bewunderten, stand plötzlich ein Bagger direkt vor uns auf dem Weg. Wie bitte ist der hier hoch gekommen? Dann fiel uns ein, die Wirtin hatte uns gestern gesagt, dass es im letzen Oktober starke Unwetter gegeben hatte, die viel zerstört hatten und die Wege noch für den Almauftrieb kommende Woche vorbereitet werden müssten. Trotzdem fragten wir uns wie sich das Gerät auf den schmalen Wegen bewegt. Die beiden Baggerjungs schienen jedenfalls Spaß bei ihrer Arbeit zu haben…

    Heute haben wir sogar ein Paar Tiere gesehen. So rannte eine Gams neben uns über ein Schneefeld, ein Adler kreiste kurz über uns und mehrmals sahen wir aus den Augenwinkeln Murmeltiere von dannen huschen.

    Das Gelände blockiger und nachdem wir einen kleinen Fluss überquert hatten, der Menschen mit kurzen Beinen vor Herausforderungen stellte, erreichten wir die Alpe Maccagno. Leider war sie noch nicht bewirtschaftet und so mussten wir auf unser Brot und Käse zurückgreifen. Sehr archaisch wie die Alpler hier ihre Sommer verbringen. Kein Strom, kein fließend Wasser – eigentlich nur ein Dach über dem Kopf…

    Noch relativ fit erreichten wir den Lago Nero, der sogar noch teilweise gefroren war. Nun ging es steil zum ersten Pass. Die Blöcke wurden größer, aber der Aufstieg machte Spaß. Zu unserer Überraschung lag der Schnee VOR dem Pass. Wir musste zwar durch einige Schneefelder durch, aber sie stellten kein Problem da und so standen wir bald am höchsten Punkt des Tages, dem Passo del Maccagno (2495m).

    Auch der exponierte Abstieg war halb so wild, aber ein wenig Hand bzw. Poeinsatz war schon gefragt ?Steil ging es auf eine Hochebene und über diese zum nächsten Pass, dem Colle Lazoney (2395m). Die Querung war allerdings eher eine Wattwanderung, da die Hochebene wohl vor kurzem noch von Schnee bedeckt und nun quatschnass war. Es lebe der Gore Tex Wanderschuh! Danach sollte der Weg weitgehend höhengleich weitergehen. Die Wirklichkeit sah anders aus und es ging immer wieder hoch und runter. Nach einer Weile waren wir müde und zermürbt.

    Leider mussten wir noch einmal über extrem blockiges Gelände zum letzten Pass aufsteigen. Dort galt es auch ein weiteres, steileres Schneefeld zu queren. Endlich am Colle della Mologna Grande (2364m) angekommen versank alles dahinter im Nebel. Wenige Minuten später klarte es zum Glück wieder auf, wir konnten das Rifugio Rivetti (2150m) schon unter uns sehen und hatten es bald geschafft.

    Das Rivetti ist ein typisches CAI (Club Alpino Italiane – italienisches Pendant zum DAV) Rifugio. Schon etwas in die Jahre gekommen und recht spartanisch (kalte Dusche – Türen zu Dusche und Toilette so verzogen, dass sie sich nicht schließen lassen – kein Licht im Zimmer- sehr hellhörig). Aber das Hüttenteam ist sehr energiegeladen und mit Elan bei der Sache. Beim Kochen und Essen wurde das ganze Rifugio mit lautem Rock‘n Roll beschallt und auch die eine oder andere Tanzeinlage eingelegt. Das Abendessen war für italienische Berge eher ungewöhnlich – komplett vegetarisch (aber wie gewohnt sehr lecker). Ungewöhnlich auch die Erfahrung mal wieder mit vielen Leuten (es sind außer uns und dem anderen deutschen GTA Paar noch zwei Gruppen mit je 8 Personen hier) in einem Raum zu sitzen und gemeinsam zu essen…

    Rauf: 1200m Runter: 540m Distanz: 16km Dauer: 8,5 Std.

    Cena: Linsensuppe – Foccacchia mit Houmous – Blumenkohl mit Bechamelsauce und Parmesan – Bergrhabarber – Salat – Panna Cotta

  • 7. Tag: Pedemonte – Peccia

    7. Tag: Pedemonte – Peccia

    In dem schönen Zimmer mit dem großen Bett habe ich hervorragend geschlafen – das ist ansonsten in den teilweise sehr schmalen und durchhängenden Rifugio Betten nicht immer gegeben… So ging es dann munteren Fußes nach Alagna, welches deutlich touristischer (Seilbahnen und Skigebiete) als die bisherigen von uns durchwanderten Orte ist. Trotzdem ist es recht charmant mit seinem Mix aus alten Walser und Belle Epoque Häusern. Nur die 70er und 80er Hotelbauten dazwischen sind eher unansehnlich. Die kurze Tour nach Peccia verlief dann entlang der Strasse bis nach Riva Valdobbia, wo wir uns im Alimentari mit Brot und Käse für die lange Tour morgen eindeckten. Nach dem Einkauf schlenderten wir noch ein wenig durch den kleinen Ort und bewunderten die schön bemalte Kirche.

    Dann ging es bergauf, meist auf dem Fahrweg. Der Ansonsten unspektakuläre Weg führte sber noch an einigen hübschen Walserörtchen vorbei.

    Unsere Unterkunft ‚Baita Prato della Croce’ in einem liebevoll restauriertem und aufs Detail bedachten altem Walserhaus von 1700 ist umwerfend. Die sehr freundliche Besitzerin ist auch die Hüterin der kleinen Kirche, so dass wir diese ansehen konnten. Außerdem erzählte sie uns, dass letzte Woche ein Wanderer, der von der anderen Seite gekommen war, von viel Schnee an den Pässen berichtete. Hoffen wir, dass eine Woche Hitze einen Teil des Schnees geschmolzen hat. Wir dürfen gespannt sein.

    Unterhalb des Hauses verläuft wieder ein Wildbach, so dass das Rauschen uns auch diese Nacht begleiten wird. Irgenwie ist das seit unserer ersten Nacht in Campello Monti so.

    Rauf: 410m Runter: 120m Distanz: 10km Dauer: 4 Std.

    Cena: Antipasti (Zucchini mit Parmesan und Schinken). Risotto mit Brennesseln. Spezzatini con Polenta Crostata mit Orangen Ingwer Marmelade.

  • 6. Tag: Rima – Pedemonte

    6. Tag: Rima – Pedemonte

    Zum ersten Mal war es heute deutlich kühler und sehr nebelig. Aufstiege im Nebel haben etwas Surreales. Alles ist ein wenig verschwommen, die Geräusche gedämpft und da man kaum etwas sieht ist man hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Immer mal wieder tauchten ein paar Almhütten im Nebel auf und zwischenzeitlich auch ein Trailrunner, der anscheinend seine morgendliche Runde einmal bis zum Pass und zurück absolvierte. Als wir an der zweiten Alpe ankamen, war er bereits auf dem Rückweg… Die Schweizerin in Carcoforo (noch sehr jung wohlgemerkt) hatte noch behauptet das Trailrunning wohl das ‚neue Golfen‘ der 30-50 jährigen wäre. Wie gut, dass daran wohl vorbei gerutscht bin ?

    Kurz vor dem Gipfel tauchten die ersten großen Schneefelder auf an denen der Weg allerdings großräumig vorbei führte. Der heutige Pass (Colle Mud 2324m) bot trotz oder wegen des Nebels fantastische Eindrücke. Leider war das Rifugio Ferioli kurz hinter dem Pass noch zu. Also direkter Abstieg.

    Wie schon die letzten Tag zogen sich die letzten Höhenmeter wie Kaugummi. Erschwerend kam hinzu, dass wir auf den feuchten Steinen aufpassen mussten nicht auszurutschen. Kurz vor Pedemonte wurde der Pfad von Steinstufen abgelöst und nun ging es schneller, wenngleich nicht knieschonender, dem Ziel entgegen.

    Piedemonte

    Schon am Ortseingang waren beeindruckende Walserhäuser zu sehen, was sich im Ort selbst fortsetzte. Auch unsere heutige Unterkunft, das Hotel ‚Montagna di Luce‘ befindet sich in einem solchem. Die Balkone eignen sich übrigens hervorragend zum Wäsche trocknen ?

    Rauf: 920m Runter: 1120m Distanz: 11.2km Dauer: 6 Std.

    Cena: Tina: Vitello Tonnato, Trota con buro e salvia Björn: Gnocchi Walser, Frittata rognosa

  • 5. Tag Carcoforo – Rima

    5. Tag Carcoforo – Rima

    Etwas wiederwillig hatte der Wirt zugestimmt das Frühstück schon um 6:30 zu servieren. Nach der Hitze gestern wollten wir früh aufbrechen um etwas weniger als am Vortag darunter zu leiden. Auch das andere Wanderpärchen, was im selben Rifugio abgestiegen war, wollte früh los und hatte schon die gleiche Zeit angefragt.

    Carcoforo

    So waren wir bereits um 7 Uhr unterwegs, gespannt wie anstrengend die 1000 Höhenmeter rauf zum Colle di Termo werden würden. Schon nach kurzer Zeit wurde der Weg steil. Im Wald war es noch recht schwül, aber sobald wir die Bäume hinter uns gelassen hatten wurde es schon fast angenehm. Wir kamen schneller voran als erwartet und erreichten nach etwa 2 Stunden die erste Alpe auf 1924m und 30 Minuten später die nächste auf 2081m.

    Nach weiteren 30 Minuten konnten wir den Pass schon erkennen, mussten aber erstmal über Geröll- und an Schneefeldern vorbei die letzten Höhenmeter überwinden.

    Auf dem Colle del Termo (2351m) gab es wieder einen schönen Weitblick, wenngleich es diesmal diesig war. Vor uns lagen die scharfen Serpentinen, die uns steil bergab führen sollten. Erholt und relativ frisch ging es nach einer Pause runter Richtung Rima. Dabei stießen wir immer wieder auf Erdlöcher, die wohl Murmeltieren gehören dürften. Gesehen haben wir jedoch keine. Wo sind die bloss? Es ist uns schon die letzten Tage aufgefallen, dass auch kaum welche zu hören sind und Björn (der Murmeltierspoter) hat bisher nur eines vorbei huschen sehen. Normalerweise stolpert man hier fast über die Viecher… Vielleicht war es zu lange kalt und sie sind noch nicht richtig wach. Die ‚Enttäuschung‘ machte sich etwa 200 Höhenmeter tiefer breit. Wir waren uns so sicher schon mindestens 500 Meter gemacht zu haben. Stattdessen ein langer Abstieg durch den Wald. Rima war schon recht früh sichtbar, wollte aber nicht näher kommen.

    Den wohlverdienten Café gab es auch nicht, in Rima war alles zu. Nun denn, weiter zur Unterkunft. Das Rifugio Brusa sollte eigentlich nur 15 Minuten bzw. 1,5 km von Rima entfernt sein, kam uns allerdings länger vor – aber das ist wohl häufig so, so kurz vorm Ziel ? Die Begrüßung war lautstark, keine 50 Meter neben uns schlug ein Baum auf den Boden. Zwei Holzfäller bei der Arbeit. Endlich angekommen, die Füße von den Schuhen befreit gab es Café, während die Motorsägen heulten und noch einige Bäume zu Boden krachten. Mittlerweile ist Ruhe eingekehrt, die Vögel zwitschern und wir schauen den Eidechsen beim chillen und gelegentlichen durch die Gegend flitzen zu.

    Rauf: 1050 m Runter: 940 m Distanz: 12.8 km Dauer: 6,5 Std.

    Cena: Antipasti (Wurst, Käse, eingelegte Radieschen! und Brot). Kartoffelsuppe mit Minze. Fleisch mit gebratenem Fenchel. Bonet tradizionale piemonte (Baiser, Schokokuchen mit Amaretto und Sahne.)

  • 2. Tag: Campello Monti – Rimella

    2. Tag: Campello Monti – Rimella

    Die Nacht in extrem weichen Betten wurde durch ein großes und leckeres Frühstück – es gab sogar Käse und Schinken – wieder gut gemacht.

    Dann ging es bergauf zum Pass, der Bocchetta di Rimella (1940m). Wunderschöne Berglandschaft, Enzian wohin man schaute und die ersten (kleinen) Schneefelder. Früher wurden über diesen Pass die Verstorbenen von Campello Monti nach Rimella getragen, da Campello Monti keinen Friedhof hatte. Im Winter mussten die Leichen zwischen gelagert werden bis der Pass wieder begehbar war… Muss eine sehr anstrengende Angelegenheit gewesen sein. Mir hat der Pass jedenfalls schon mit meinem Rucksack gereicht.

    San Gottardo

    Bergab führte der Weg durch verschiedene alte Walser Dörfer, die alle zu Rimella gehören. Immer wieder beeindruckend wenn man bedenkt wann diese zum Teil imposanten Häuser gebaut wurden und dass selbst heutzutage meist keine Straße hinführt. Auf dem Einkaufszettel sollte jedenfalls nichts vergessen werden? Es gibt jedoch meist Materialseilbahnen, teilweise auch mehrere in unterschiedliche Richtungen, die das Leben ein wenig erleichtern.

    Ein Abstecher nach San Gottardo in der Hoffnung auf eine deftige mittägliche Mahlzeit wurde zur Enttäuschung. Bar und Restaurant hatten zu. Mist, Umweg umsonst, also zurück und weiter bergab.

    Rimella Chiesa

    In Rimella-Chiesa angekommen mussten wir auf ‚La Signora‘ warten. Die servierte uns, wahrscheinlich weil wir so hungrig aussahen, noch sehr leckere Pasta mit Ragu. Satt und müde verdösten wir den Nachmittag. Vor dem Abendessen schauten wir uns noch ein wenig den Ort an und stiessen auf Denkmal und Erinnerungstafel für die Partisanen. Die Gegend um Rimella war, wie viele Orte des Piemont, Partisanengebiet. Wir hatten zwar schon vorher mehrfach gelesen, dass das Essen im Albergo Fontana sehr, sehr gut sein soll – mit 10 Gängen hatten wir aber nicht gerechnet. Schon nach den Vorspeisen hätten wir problemlos aufhören können, aber es ging lecker weiter bis wir kurz vorm Platzen waren.

    Rauf: 650m Runter: 760m Länge: 9.1km Unterwegs: 5 Std.

    Cena: 1. Salat mit Parmesan und Bresarola. 2. Lardo mit frittierter, süßer Polenta. 3. Fagioli con Carne. 4. Pomodoro e Mozarella. 5. Trota sauer eingelegte Forelle – Hammer!) 6. Vitello Tonato 7. Ricotta con Mirtilli 8. Risotto mit Steinpilzen 9. Kaninchen (alternativ Hühnchen) mit Kartoffelstampf, Brokkoli und Blumenkohl. 10. Käse oder Obst

  • 4. Tag: Alpe Baranca – Carcoforo

    4. Tag: Alpe Baranca – Carcoforo

    Nach der Erfahrung von gestern wollten wir früher aufbrechen, also Frühstück um 7:30. Und schon wieder ein leckeres Frühstück mit Milch, Butter und Käse von der Alpe bzw. den Kühen, die wir gestern beobachtet hatten. Beim Aufbruch konnten wir auch gleich noch zu sehen, wir eben diese Kühe schön oldschool per Hand direkt auf der Weide gemolken wurden.

    Bei strahlend blauem Himmel und angenehmen Temperaturen kamen wir gut voran. Heute sollte es bis auf 2200 Meter gehen und so sahen wir deutlich mehr Schnee als die letzten Tage, aber zum Glück immer nur neben dem Weg.

    Der Höhepunkt der Tour zeigte sich von seiner schönsten Seite. Am Colle d’Egua (2239m) eröffnete sich uns ein atemberaubendes Rundumpanorama mit dem Monte Rosa als besonderem Schmankerl. Eine ganze Weile genossen wir den Anblick und konnten uns nur schwer losreißen.

    Monte Rosa

    Die 940 Höhenmeter ins Tal waren recht zügig erledigt, auch wenn die letzten Meter die Füße qualmten, die Knie langsam nicht mehr biegen wollten und die Temperatur wieder unangenehm anstieg bzw. es unerträglich heiß wurde. Die schattigen Gassen Carcoforos, welches ein sehr hübsches altes Walserdorf ist, waren uns daher sehr willkommen.

    Carcoforo

    Rauf: 660m Runter: 940m Distanz: 9,2 km Dauer: 5 Std 30 Minuten

    Cena: Risotto Milanese. Scaloppine mit Peperoni agrodolce. Panna Cotta

    P.S. Wir hoffen, dass wir uns die ganzen Kalorien töglich gleich wieder ablaufen… Das Wandern macht jedenfalls SEHR hungrig.

  • 3. Tag: Rimella – Alpe Baranca

    3. Tag: Rimella – Alpe Baranca

    Langsam müssen wir unser Vorurteil bezüglich italienischem Frühstück ändern. Auch hier – lecker. Unsere Meinung zum Albergo Fontana stand aber schon gestern fest: unbedingt Besuchen! Super nette und um einen besorgte Gastgeberinnen, hübsches Zimmer mit Balkon mit wunderbarer Aussicht und bereits beschriebenes hervorragendes Abendessen. Beim Bezahlen wurde uns dann auch noch eröffnet, dass die Pasta mit Ragù und einige Getränke aufs Haus gehen. Und als wäre das nicht schon zuviel des Guten bekamen wir auch noch zwei Gläschen Honig geschenkt – die Björn jetzt allerdings schleppen muss ?

    Mit einiger Verzögerung brachen wir auf. Es ging zunächst bergauf, durch Wald und durch weitere mehr oder weniger verlassene Ortsteile Rimellas. Schon nach kurzer Zeit wurde der Pfad schmaler und schmaler bis er gerade noch breit genug war um weiterzugehen. Natürlich ging es seitlich steil hinunter, was sich etwas negativ auf mein Nervenkostüm auswirkte… An einigen Stellen war der Hang abgerutscht oder Bäume umgestürzt und hatten Teile des Hangs mitgenommen. Was mich schon fast zum Lachen brachte, war die seilversicherte Stelle, die sich ausgerechnet dort befand, wo ich ausnahmsweise mal kein Seil gebraucht hätte…. Nach vielen Kehren erreichten wir den ersten Pass bzw. die erste Alpe des Tages – Las Res (1419m). Jetzt ging es erstmal bergab.

    Allerdings hatten wir uns zu früh über unser vermeintlich gutes Vorankommen gefreut. Der Abstieg zog sich und ohne Bäume brannte die Sonne kräftig auf uns herab. Der Schweiß floss in Strömen und der Weg schlängelte und schlängelte sich bergab. Abgelenkt von seltsam aussehenden Hühnern müssen wir eine Abzweigung verpasst haben und liefen mal wieder einen Umweg. Dieser verlief leider größtenteils auf geteerter Straße, was das ganze noch heißer und unerträglicher machte.

    Als Finale mussten wir auch noch 500 m wieder hoch. Selten fühlte sich eine Tour so lang an. Und die Beschilderung, die scheinbar wahllos irgendwelche Zeiten zur Alpe Baranca angab, motivierte auch nicht. Das erste Schild behauptete 2 Std. nach 30 Minuten Laufen ein neues Schild wieder 2 Std. Später hiess es erst 1 Std., 5 Schritte später 40 Min…

    Wie immer waren die Anstrengungen nach dem Café (fast) vergessen. Direkt von der Terrasse konnten wir die Arbeit eines Hirten und seines Hundes aus der Nähe betrachten. Egal ob Kühe, Schafe oder Ziegen, der Hund hatte alles im Griff. Alpen-Fernsehen ?

    Cena: Antipasti (Speck, Salami, Käse, Ricotta) Salat. Spaghetti mit Tomatensauce. Zicklein mit Polenta

    Rauf: 970m Runter: 580m Distanz: 11.6km Unterwegs: 6 Std.

  • 1.Tag: Omegna – Forno – Campello Monti

    1.Tag: Omegna – Forno – Campello Monti

    Nach einem für Italien üppigen Frühstück schlenderten wir über den Markt. Leider gab es hauptsächlich Klamotten und nur wenige Lebensmittelstände. Noch ein kurzer Abstecher zum Industrie Museum (mit lustigen Crodino Fischen) bevor wir zum Bus gingen. Ein kurzer Schreckmoment als der Busfahrer uns mitteilte, dass wir bei ihm kein Ticket kaufen könnten – der nächste Bus wäre erst am Nachmittag gefahren. Glücklicherweise gab es die Tickets in der Bar neben der Bushaltestelle zu erwerben und der Busfahrer war so freundlich zu warten.

    Nach einer halben Stunde erreichten wir Forno und begannen unsere Wanderung. Der Ort ist bekannt für seine Gebrauchsgegenstände und Spielsachen aus Holz. Angeblich stammen die meisten Holzkochlöffel Italiens aus Forno… Über alte Verbindungswege ging es durch Wald und über blühende Wiesen mit hübschen Schmetterlingen und weg huschenden Eidechsen (@ Oskar – darunter war auch eine Smaragdeidechse) Richtung Campello Monti. Immer wieder kamen wir an verlassenen Häusern und teilweise sehr zugewachsenen Ruinen vorbei. Eine schöne Tour zum Einlaufen. Natürlich war wie immer das erste Haus, welches wir für unser Ziel hielten nicht das Ziel. Der Weg verlor sich noch eine Weile im Wald bevor wir plötzlich die erste Häuser von Campello Monti sahen. Wunderschön schmiegen sich die alten Häuser an den Berg.

    Nach dem obligatorischen Café, einer Crostata, geduscht und mit frischen Klamotten schauten wir uns im Ort um und waren von den engen Gassen und Durchgängen fasziniert. Man kann sich nie sicher sein, ob es weitergeht oder ob man im Wohnzimmer von jemanden landet. Einige Häuser sind zumindest teilweise bewohnt. Viele verfallen aber leider auch hier.

    Abendessen: Pizza Nigritella, Pizza Valdostana. Dessert: Schokoladenpudding mit Amarettini und Grappa.

    Rauf: 450m Runter: 40m Länge: 5,2 km Unterwegs 2 Std.

  • Endlich wieder weg – GTA 2021

    Endlich wieder weg – GTA 2021

    Endlich sitzen, bzw. liegen wir im Nachtzug nach Basel von wo wir morgen früh weiter durch die Schweiz nach Omegna fahren und am Donnerstag unsere GTA-Wanderung beginnen werden. In einem Schlafwagen sind wir noch nie gereist. Sehr beengt, aber liegend ok. Leider hat auch die ÖBB Probleme mit der Klimaanlage und natürlich lassen sich die Fenster nicht öffnen. Auf den Pässen in Italien erwartet uns Schnee, aber hier im Zug hat es gerade mindestens 30 Grad und stickig ist es auch noch.

    Nach einer Stunde keine Besserung. Der Versuch die Klimaanlage nochmal neu zu starten ist wohl fehlgeschlagen… Wir bekommen eine neue Kammer im nächsten Waggon. Kühl, mit Fenster zum Öffnen und dann auch noch wesentlich größer und höher. Der Urlaub beginnt doch angenehm. Morgen geht es weiter…

    Schlafen im Nachtzug ist wohl eine Vorbereitung auf die Hüttenübernachtungen – eher Ruhen als Schlafen. Ein schnelles Frühstück auf dem Bett und dann sind wir in Basel. Vor dort weiter mit einmal Umsteigen in Bern nach Domodossola. Die Berge sind tatsächlich noch voller Schnee. Wir sind mal gespannt wie es auf unseren Wegen aussehen wird. Im Zweifel brauchen wir wohl einen Plan B ?

    Domodossola
    Omegna

    Zweites Frühstück in Domodossola. Café und Croissant in der Sonne auf dem Platz vor dem Bahnhof. Nach der kurzen Pause geht es weiter zu unserem Tagesziel – Omegna wo wir in einem hübschen ehemaligen Franziskaner Kloster übernachten. Ach ja, unsere am Montag noch mühselig ausgefüllten (was Björn sehr viel Nerven gekostet hat) Covid Einreiseformulare haben natürlich kein Schwein interessiert. Weder in der Schweiz, noch in Italien. Stattdessen wurden im Zug von Domodossola nach Omegna die Personalien von allen Reisenden von der Polizei kontrolliert und akribisch in eine Papierliste eingetragen. Man fragt sich schon wofür man die digitalen Einreiseformulare mitsamt ihrem QR-Codes benötigt…

    Wie immer gab es am ersten Abend des Italien Urlaubs Pizza.

  • Rio Formosa, Flamingos und Familie

    Rio Formosa, Flamingos und Familie

    Vor der Einschulung von Oskar nächstes Jahr stand noch ein letztes Mal Portugal als gemeinsames Reiseziel in den Herbstferien auf der Liste.

    Die ersten Tage diente uns wieder Olhão und das bewährte Appartement als Basis. Nach einem leckeren Frühstück – Kuchen und Törtchen sind einfach fantastisch in Portugal – erkundeten wir die kleinen Gassen. Seit unserem letzten Besuch vor zwei Jahren wurde viel renoviert. Etliche Häuser sind frisch gestrichen und überall wird gebaut.

    Dann ging es mit der Fähre zur Ilha da Armona.  Strandspaziergang mit Oskar als Dauerberieselung. Merke: auch heute hören Kinder noch die ??? Fragezeichen! Und Oskar war als Meisterdetektiv unterwegs, der einen Fall  nach dem anderen löste…

    Am nächsten Morgen stand dann als erstes ein Besuch der Fischhalle und des Bauernmarktes an, bevor wir mit der Fähre zur Ilha da Culatra fuhren. Nach der (längeren) Strandwanderung von Culatra nach Farol, ging es ins Meer zum Wellenhüpfen und abends gab es natürlich die morgens gekauften leckeren Shrimps und den Fisch.

    Schon hieß es Abschied von Olhão nehmen, denn unser Appartement war nicht für die ganze Zeit frei. Das war aber auch die Möglichkeit mal etwas anderes kennen zu lernen – hierzu muss angemerkt werden, dass Oskar bisher mit einer Ausnahme seit seiner Geburt jeden Herbst in Olhão war…

    Unsere nächste Station war Tavira und unser Hotel befand sich in den Gebäuden einer alten Thunfischfangstation direkt an der Mündung des Gilão und inmitten von Salzfeldern / Salinen.

    Auf dem Weg dorthin machten wir einen kurzen Halt im Ria Formosa Naturpark, wo wir schon die ersten Flamingos erblickten und eine Gezeitenmühle (funktioniert ähnlich wie eine Wassermühle, ist aber von Ebbe und Flut abhängig) besichtigten. Eigentlich gehört das ganze Gebiet zwischen Faro und der spanischen Grenze zum Parque Natural da Ria Formosa und steht unter Naturschutz. Das Lagunensystem der Ria Formosa wird von den Gezeiten bestimmt (der Tidenhub beträgt teilweise an die 4 m und ist somit höher als bei uns in der Nordsee!), besteht aus einem Labyrinth von Kanälen, Inseln, Sumpfgebieten und Sandbänken und beherbergt eine Vielzahl an Vögeln und Fischen.

    Weiter ging es zum Hotel. Etwas außerhalb gelegen ging es durch die vielfarbig schimmernden Salzfelder, wo wir in der Ferne auch wieder Flamingos erblickten. Sehr cool. Sowohl die Salzproduktion, als auch die Vogelwelt.

    Am nächsten Tag erkundeten wir als erstes Tavira. Ein schöner Ort mit vielen alten Gebäuden und etlichen Kirchen. Etwas größer, aber auch touristischer als Olhão. Den Nachmittag verbrachten wir im Hotelpool – Schwimm-Pool wie Oskar so schön sagt.

    Wir hatten gesehen, dass man mit Kajaks die Lagune des Ria Formosa bzw. die Gewässer zwischen den vorgelagerten Inseln befahren kann. Das mussten wir natürlich ausprobieren. Sehr entspannt glitten wir zwischen der Ilha de Tavira und der Küste dahin. Neben diversen Vögeln und einem großen Rochen, gab es viele Muschelsucher und schöne alte Gebäude zu sehen. Dusseligerweise hatten wir keine Wechselklamotten mitgenommen. Glücklich aber klatschnass fuhren wir erstmal zurück ins Hotel und sammelten Lei ein.

    Für ein spätes Mittagessen (extrem leckerer gegrillter Oktopus für Björn / Fisch für alle anderen) ging es noch mal nach Santa Luzia und anschließend mit der (Touristen-)Bahn zum Praia do Barril. Ein hübsches Feature am dortigen Strand – der Ankerfriedhof.

    Unseren letzten Morgen nutzten Oskar und ich für eine ‚Vogelexpedition‘ in den Salzfeldern, während die anderen Einkaufen waren. Die Expedition war dann auch ein voller Erfolg. Neben Löfflern, Reihern, Störchen und noch vielen anderen Vögeln, stießen wir auch wieder auf eine große Gruppe Flamingos. Besonders beeindruckend, wenn sie sich gemeinsam erheben und im Schwarm los fliegen. Mittags setzten wir dann mit dem Hotelboot zur Ilha de Tavira über. Angeblich leben hier Chamäleons, wir fanden aber keines, wurden dafür aber beim Suchen von den fiesen kleinen Mücken total zerstochen. Der Strand wiederum war recht schön, allerdings war das Wasser mittlerweile ganz schön kalt und wir hielten es nicht sehr lange darin aus (vielleicht haben uns aber auch nur die Wellen gefehlt).

    Abends ein letztes Mal leckeres portugiesisches Essen in Tavira, am nächsten Vormittag noch ein letzter Galão und Pastéis in Olhão, dann war die Zeit schon wieder vorbei – wie schade. Vielleicht doch Wassertaxifahrerin werden 😉

  • 12. Tag: Bravi!

    12. Tag: Bravi!

    Wir sind gestern anscheinend gerade rechtzeitig in der Hütte angekommen, denn den Rest des Abends und die Nacht über hat es unaufhörlich geregnet. Morgens guckte zum Glück die Sonne wieder heraus. Nach dem Frühstück ein letzter Abstieg durch den Wald. Bis auf die Knie protestierten die Knochen und Muskeln überraschenderweise weniger als erwartet.

    In Forni di Sopra angekommen wurden wir gleich mehrfach von verschiedenen Grüppchen alter Frauen auf ihrem Morgenspaziergang lautstark mit Bravi! Siete in gamba! begrüsst. Heißt soviel wie: Tüchtig! Ihr seid fit!

    Das ist doch mal ein Willkommen – wir fühlten uns auch gleich viel fiter 😉

    In Forni deckten wir uns noch mit der hiesigen Spezialität, geräuchertem Ricotta ein. Dann ein letzter italienischer Café und wir machten uns auf den Rückweg. Deutschland kommt uns nach den Bergen sehr heiß vor…

  • 11. Tag:  Steil ist immer relativ

    11. Tag: Steil ist immer relativ

    Die heutige Wanderung begann mit einem gemütlichen Waldaufstieg der jäh vor einem imposanten Schotterfeld endete. Unser Weg sollte die nächsten Stunden hier hinauf gehen. Der Pfad war weder technisch anspruchsvoll noch (dank vieler Steinmännchen) schwer zu finden. Allerdings war das Gehen anstrengend, da man gerne mal zurückrutschte. Eingerahmt waren wir rundherum von wunderschönen Bergspitzen.

    Das Schotterfeld ging in eine breite Schotterrinne über, die nach drei Stunden auf einer grünen Hochebene endete. Dort konnten wir einige Gämse beobachten und dachten schon wir hätten den höchsten Punkt erreicht.

    Soweit war es eine schöne Wanderung. Der höchste Punkt war es allerdings noch lange nicht. Denn nun begann der Teil, der jenseits unseres Komfortbereiches lag. Schon während der Rast konnten wir etwas entfernt eine Wandergruppe ausmachen, die ein weiteres steiles Geröllfeld herunterkam. Leider mussten wir dort rauf. Zu unserer Überraschung hörte der Weg allerdings nicht kurz danach auf, sondern zog sich recht lang parallel zum Hang bis zur Forcella Leone. Der erste Blick über den Rand der Forcella offenbarte eine weitere, auf den ersten Blick quasi unpassierbare, Schotterrinne ins Tal. Sie war tatsächlich steil, aber doch passierbar. Mit leicht wackeligen Knien erreichten wir den Abzweig zum Bivacco Marchi Granzotto und brauchten erstmal eine Pause.

    Der Hüttenwirt der Pordenone Hütte hatte uns für den Abstieg zum Rifugio Giaf eine andere Scharte zum Abstieg empfohlen, als den in unserem Wanderführer beschriebenen Weg, da dieser im Winter sehr gelitten hätte und Steinschlag gefährdet sei. Also ging es zunächst wieder aufwärts. Die erste Scharte sah nach purer Kletterei aus. Die konnte er unmöglich gemeint haben. Die zweite Scharte hatte immerhin eine Wegnummer, war also zumindest ein offizieller Weg, sah aber noch steiler und gerölliger aus als der Weg, den wir kurz zuvor abgestiegen waren. Dummerweise hörte unsere Karte am Bivacco auf, so dass wir weder recht wussten ob das die vom Hüttenwirt gemeinte Scharte war, noch nach einer anderen Alternative suchen konnten. Merke: niemals, auch nicht für die letzten 1-2 Stunden, ohne die passende Karte loslaufen.

    Wir entschieden uns ‚mal zu schauen‘, ob wir uns den Weg zutrauen. Langsam und sehr vorsichtig die Füße setzend ging es abwärts. Immer wieder traten wir kleinere Lawinen los und auch zwei Vögel schafften es Steinschlag auszulösen… Immer zur nächsten Markierung schlichen wir abwärts und entspannt fühlten wir uns mal gar nicht. Unangenehmerweise machte die Rinne auch noch einen Knick, den wir erst nach etwa der Hälfte des Weges einsehen konnten. So ging es weiter hinab immer mit der Befürchtung alles wieder hoch laufen zu müssen. Gerade als der weitere Weg sichtbar wurde stürzte Tina und riss sich an dem spitzen Gestein den Finger auf. Hat erstmal ordentlich geblutet und unser Erste Hilfe Pack hatte seinen ersten Einsatz.

    Was tun? Hoch sah genauso unangenehm aus wie runter. Wir redeten uns kurzer Hand ein, dass es einfacher werden würde. Also weiter. Es wurde nicht wirklich einfacher. So einen steilen, rutschigen Weg, ohne Ausweg oder Abkürzung sind wir noch nie gegangen! Nach einer gefühlten Ewigkeit war das Tal erreicht. Leider ließ die Beschilderung zu wünschen übrig und in Ermangelung einer Karte (siehe oben) für dieses Stück (Handy hatte leider auch kein Netz) liefen wir dann prompt noch einen Halbkreis um das Rifugio herum statt den direkten Weg zu erwischen.

    Das aufziehende Gewitter im Nacken stolperten wir durch den Wald und schafften es grad noch vor dem richtigen Regenguss zum Rifugio Giaf. Knapp 8 Stunden waren wir auf unterwegs. Krasser Tag! Die Hüttenwirtin meinte dann noch, der andere Weg wäre noch steiler. Aha, da fragen wir uns allerdings wie das noch gehen soll…

    Fazit: die Dolomiten sind wirklich schön, aber die Wege meist geröllig, sehr steil und eher anspruchsvoll selbst wenn die Hüttenwirte und Wanderbeschreibungen etwas anderes sagen – zumindest für Freizeitwanderer wir uns.

  • 10. Tag: Zum Rifugio Pordenone

    10. Tag: Zum Rifugio Pordenone

    Das Rifugio Flaiban Pacherini war der Einstieg zu unserer Hüttenrunde. Ganz offiziell nennt sich die Runde „Anello delle Dolomiti Friulane“ und führt uns heute zum Rifugio Pordenone. Der erste steile und selbstverständlich geröllige Anstieg führte uns nach etwa 200 Höhenmetern zum Lagerplatz der gestrigen Pfadfinder, die gerade ihre Sachen packten. Sie scheinen die Nacht gut überstanden zu haben. Völlig unbeeindruckt von der Aufbruchstimmung und den vielen Menschen tummelten sich 4-5 Steinböcke auf einer Wiese. Zwei jüngere Männchen (hatten noch nicht so große Hörner) liessen ihre Geweihe ineinander krachen.

    Weiter ging es etwas sanfter über Wiesen zum Passo di Suola. Kurz vor dem Pass haben wir noch mal drei Steinböcke gesehen, die sich in der Sonne ausruhten. Der Pass belohnte mit wunderbarem Blick zurück, ins nächste Tal und auf die nächsten Bergketten. Was für ein Panorama!

    Weiter ging es auf schmalen Wegen am Hang zur Forcella Rua Alta hinauf. Je höher wir kamen, desto ausgesetzter und schottriger wurden einzelne Stellen. Die angebliche Drahtseilsicherung scheint dem letzten Winter zum Opfer gefallen zu sein.

    Irgendwann erreichten wir die Forcella (Scharte), die ihrem Namen alle Ehre machte. Es war wirklich nur ein kleiner Einschnitt am Grat und dann ging es auf der anderen Seite steil hinab. Zum Glück nur kurz, wäre ja sonst schade um die ganzen schwer erarbeiteten Höhenmeter gewesen. Schon ging es weiter zur nächsten Scharte, zur Forcella Pramaggiore, dem höchsten Punkt unserer heutigen Wanderung (2295m). Es fehlte nur noch der letzter Anstieg. Der war zwar auch noch mal sehr steil, aber eh wir uns versahen waren wir oben. Ein kapitaler Steinbock hatte sich direkt am höchsten Punkt unseres Weges in Position gebracht. Alle Anstrengung war vergessen denn der Steinbock wollte sich nicht vom Fleck bewegen. Zuletzt waren wir grad noch 3 Meter voneinander entfernt und er guckte uns direkt an. Krass – schüchtern war der mal gar nicht.

    Laut Beschreibung sollte es nun nur noch abwärts gehen. Beschwingt machten wir uns auf den Weg. Aber 1100 Höhenmeter sind lang. Irgendwann nervte der Weg durch den Wald nur noch. Auch der Fluss hob unsere Laune nur kurz. Weiter durch das ausgetrocknete Flussbett. Wie schon gestern wollte sich das Refugio einfach nicht zeigen. Und ein Anstieg zum Schluss (auch wenn es nur 75 Höhenmeter sind) ist übrigens eine Zumutung! Erst kurz vor der Ankunft konnten wir die Hütte endlich sehen, da sie im Wald versteckt ist. Käsekuchen kann so lecker sein!

    P.S. Wir haben wieder Glück und ein Zimmer für uns, obwohl die Hütte ganz gut besucht ist.

  • 9. Tag: Zum Rifugio Flaiban Pacharini

    9. Tag: Zum Rifugio Flaiban Pacharini

    Nach einem reichhaltigem Frühstück fuhren wir zunächst nach Forni di Sopra. Ein sehr hübscher, quirliger Ort mit schönen alten Häusern. Nach einem letzten Café brachen wir auf.

    Wieder eine steile, schottrige Piste zunächst durch Wald später über breite Schotterfelder hinauf. Erst spät war das Rifugio auszumachen. Die kleine Hütte mit 16 Schlafplätzen schmiegt sich an den Berg und wird erst sichtbar wenn man fast angekommen ist. Sie wurde 2008 neu aufgebaut und erzeugt ihren Strom per Photovoltaik selbst, eine Art „Ökohütte“.

    Angeblich lassen sich in direkter Nähe der Hütte häufig Steinböcke blicken. Ich bin gespannt bisher hat es noch nicht geklappt, aber der Nachmittag ist ja noch jung 😉

    Einige Stunden später: heute keine Steinböcke, aber andere Wanderer auf der Hütte haben unterwegs welche gesehen. Vielleicht morgen.

    Statt der Steinböcke beobachteten wir eine Gruppe Pfadfinder, die schrecklich große Rucksäcke mit sich herumschleppten und nach einer längeren Rast am Rifugio den Berg weiter hinaufstiefelten. Kurze Zeit später fing es auch noch zu regnen an – schön ist es nicht das Pfadfinderleben….

    Wir haben heute dafür besonderes Glück und ein Zimmer für uns alleine 🙂

  • 8. Tag: Pieve di Cadore

    8. Tag: Pieve di Cadore

    Letzter Tag vor der Hüttenwanderung. Eigentlich hatten wir heute schon starten wollen, aber da das erste Rifugio ausgebucht war, mussten wir ein wenig schieben. Zum Glück kann Björn Italienisch 😉 – so konnten wir uns Zeit beim Zeltabbau lassen und auch noch Pieve di Cadore besuchen. Ein nettes kleines Städtchen, dessen berühmtester Bewohner Tizian gewesen sein dürfte. Seinem angeblichen Geburtshaus haben wir dann auch einen Besuch abgestattet.

    Danach ging es ins Brillenmuseum, was tatsächlich sehr spannend war. Unglaublich wie sich die Sehhilfen im Laufe der Zeit weiterentwickelt haben. Außerdem gab es obskurste Brillenmodelle aus den letzten 70 Jahren zu bestaunen. Die Gegend um Pieve di Cadore hatte sich seit der Jahrhundertwende als Standort für Brillenmanufakturen etabliert. Auf der Weiterfahrt nach Forni di Sotto fielen uns auch plötzlich alle auf.

    In Forni di Sotto gab es in der Dorfkneipe nach anfänglichen Verständnisschwierigkeiten Pasta mit Ragu. Dazu ‚White Christmas‘ aus den Lautsprechern!??! Ansonsten ist der Ort nicht sonderlich ansehnlich, was aber seinen Grund hat…

    Forni di Sotto hat heute eine moderne Bausubstanz. Das liegt daran, dass im Mai 1944, während des Zweiten Weltkrieges, kurz vor dem Ortseingang eine Einheit der deutschen Wehrmacht von Partisanen angegriffen und ein deutscher Offizier getötet wurde. Als Vergeltung wurde am 26. Mai das Dorf von Panzern umstellt, die Häuser zerschossen, die Ställe mit Flammenwerfern vernichtet und die flüchtenden Einwohner mit MGs beschossen.

    Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Forni_di_Sotto

    Bis auf die Brunnen blieb nichts vom Dorf übrig. Trotzdem gibt es auch hier diverse Häuser, die als Albergo Diffuso fungieren. Ein interessantes italienisches Konzept, um alte Dörfer vor dem Zerfall zu bewahren und eine gewisse Infrastruktur aufrecht zu erhalten.

  • 7. Tag: Lago d‘ Olbe

    7. Tag: Lago d‘ Olbe

    Im Wanderführer war die heutige Tour als lohnende Wanderung in den karnischen Alpen beschrieben. Zunächst war sie aber in erster Linie eine quälend lange, sehr steile Schotterpiste durch den Wald.

    Erst nach etwa 500 Höhenmetern gelangten wir in das Tal des Rio della Mini era. Der Wald blieb zurück und machte Wiesen und einem wunderschönen Ausblick Platz. Etwas später standen wir dann am Lago d’Olbe.

    Eine kleine Kapelle oberhalb des Sees war den Opfern und Überlebenden der Nazi Gewalt gewidmet. Der Abstieg ging flotter – vielleicht auch weil die Baita del Rododendro mit einer Jause wartete.