• 1. Tag: Klettersteige am Gardasee reloaded

    1. Tag: Klettersteige am Gardasee reloaded

    Nachdem ich im letzten Herbst meinen Gefallen an Klettersteigen gefunden hatte, steht diesen Herbst eine Wiederholung ohne Schissertrupp dafür mit Björn an.

    Es hatte zwar länger gedauert als erwartet, aber gegen 15 Uhr waren wir am Sonntag endlich in Arco angekommen. Das Hotel liegt perfekt am Rande der Fußgängerzone. Einchecken, Umziehen und dann schnell los zum ersten Klettersteig denn morgen soll es regnen.

    Ein kurzer Fußmarsch durch Arco, vorbei an einigen Kletterwänden und schon standen wir am Anstieg unserer ersten Via Ferrata, dem Collodri. Ursprünglich wollten wir zum Rio Salagoni Klettersteig in Drena, aber da wir so spät dran waren, hatten wir uns stattdessen für den Hausberg von Arco entschieden. War auch die bessere Wahl, denn im Nachhinein stellte sich heraus, dass der Rio Salagoni zur Zeit gesperrt ist. Die darüber liegende Außenmauer der Burg ist einsturzgefährdet und eine Burgmauer möchte ich lieber nicht auf den Kopf bekommen…

    Ohne Schwierigkeiten folgten wir dem leichten Weg den Berg hinauf. Ich kannte ihn ja eh schon und für Björn natürlich gar kein Problem. Das Klettersteigset wäre vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen, aber so hatten wir es zumindest schon mal ausprobiert;-)

    Nach weniger als einer Stunde erreichten wir den Ausstieg wo uns einige Ziegen begrüßten. Sie standen sehr pittoresk auf dem Hochplateau mit Blick auf Burg und Gardasee, stanken aber ganz schön nach „Ziege“. Noch ein kleiner Abstecher zum Gipfelkreuz des Collodri und dann zurück nach Arco.

    Für heute stand die zum Hotel gehörende Pizzeria auf dem Plan. Wir hatten Glück und bekamen noch einen Platz, denn sie scheint sich äußerster Beliebtheit zu erfreuen und es ging zu wie in einem Bienenstock. Noch ein kurzer Spaziergang durchs nächtliche Arco und dann rief auch schon das Bett 😉

  • 13. Tag: Basta

    13. Tag: Basta

    Heute wurde nicht mehr gewandert, sondern letzten Einkäufen (der leckere Käse muss unbedingt exportiert werden) und dem Tennisspiel gefrönt (zumindest von männlicher Seite). Es gibt in Baceno nämlich einen Campo Sportivo mit kostenlosem Tennisplatz und Hilmar hat Tennisschläger mitgebracht. Statt Abendessen wurde gegrillt und ein schöner Urlaub nimmt nun ein Ende. Wie gut, dass wir immer wieder hier herkommen können!

  • 12. Tag: Rifugio Citta di Busto

    12. Tag: Rifugio Citta di Busto

    Unsere Zeit in Baceno neigt sich dem Ende zu und langsam werden die Beine etwas wandermüde. Gar nichts machen war aber auch nicht die Lösung. Folglich ging es heute ins Nachbartal. Um etwas genauer zu sein bis zum Ende vom Formazzatal. Unterhalb der Staumauer des Lago di Morasco parkten wir unser Auto und machten uns auf den Weg zum Rifugio Citta di Busto. Den ersten Teil der Route kannten wir schon, da sie auch zur Alpe Bettelmatt führt. An einem Abzweig konnten wir uns zwischen zwei Varianten entscheiden und nahmen den ersten Abzweig. Schon ging es steil den Hang hinauf zwischen Alpenrosen und Felsblöcken. Irgendwann, als wir dachten eir hätten eigentlich schon slle Höhenmeter gemacht, erspähten wir auf einem Felsgrat Hinweisschilder. Etwas irritiert lasen wir Sentiero solo per esperti. Hm, naja so wild war das nun auch wieder nicht, hat mich aber erstmal wieder erschreckt, da ich dachte da kommt noch wer weiß was auf mich zu. Es wurde zwar noch etwas steiler und kurze Abschnitte waren eher schmal, aber der Hinweis war nun doch übertrieben.

    Gerade als ich gar keine Lust mehr hatte, stolperte ich über ein recht großes Bergkristallbruchstück. Juchu. Prompt war ich motivierter den Aufstieg fortzusetzen. Der weitere Weg erwies sich als wahre Fundgrube für Bergkristallstückchen. Von winzig bis Walnuss gross, soviele habe ich noch nie gefunden. Auch die Hütte vom Rifugio Citta di Busto (2480 m) war mal wieder urig. Für den Weg hinunter wählten wir die andere Variante und der Abstieg verlief auf einem gut erkennbaren Pfad über die Alpe Bettelmatt zurück zum See. Dieser Weg war allerdingswesentlich frequentierter, was dazu führte, dass wir (nachdem wir morgens fast auf eines drauf getreten waren) keine Murmeltiere mehr zu Gesucht bekamen.

    Unterwegs: 5 Std. Rauf & Runter: 750 Hm

    Da wir anscheinend noch nicht ausgelastet waren, ging es abends zur Cistella – aber das Restaurant und nicht der Berg. Nichtsdestotrotz machte das nochmal 200 Hm rauf & runter und einige Schweißtropfen aus…

  • 11. Tag: Am Fuße des Monte Rosa

    11. Tag: Am Fuße des Monte Rosa

    Heute wollten wir eine alte Tour wiederholen, die Monte Rosa Runde zum Rifugio Zamboni-Zappa. Die lange Anfahrt nach Macugnaga wurde wie gehabt mit dem Blick auf die imposanten Hänge des Monte Rosa Massivs belohnt. Der Weg war in einem deutlich besseren Zustand als beim letzten Mal und ohne Probleme erreichten wir erst die Alpe Rosareccio und kurze Zeit später die Hochebene Piani Alti. Von dort wäre es nur noch etwa 1 Stunde bis zum Rifugio gewesen, aber wir mussten soviele Pausen für Fotos einlegen, dass es etwas länger dauerte. Egal dafür waren wir hierher gefahren. Nach dem obligatorischen Café im Rifugio Zamboni-Zappa (2065 m) sind wir noch einen kleinen Hügel zu einer Kapelle hochgelaufen von wo die vergletscherten Hänge noch eindrucksvoller zu sehen waren. Gerade als wir den Rückweg antreten wollten, donnerte es und wir sahen eine Lawine abgehen.

    Auf dem Rückweg sind wir zu früh auf die Moräne abgebogen, über das Geröll rutschend erreichten wir dann aber doch den markierten Weg über den Belvedere Gletscher. Der sieht hier übrigens gar nicht wie ein Gletscher, sondern viel mehr wie eine Schutthalde aus, da er komplett mit Geröll bedeckt ist. Kurze Zeit später waren wir an der Seilbahnstation Belvedere und wo sie schon mal da war, haben wir sie natürlich auch benutzt 😉 Eine absolut lohnenswerte Tour und auch beim zweiten Mal kein bisschen langweilig (nicht umsonst hängt ein Foto der Monte Rosa Ostwand über unserem Küchentisch)!

    Unterwegs: 5 Std (inkl. Pause und Sessellift) Rauf: 850 Hm Runter: 300 Hm

  • 10. Tag: Lago d‘Orta

    10. Tag: Lago d‘Orta

    Nach gestern war ein Ruhetag dringend nötig. Das heutige Ziel daher kein Berg, sondern ein See, der Lago d’ Orta. Zunächst ging es aber in Omegna beim Alessi Fabrikverkauf vorbei und wir besitzen nun den 5. Espressokocher. Wenn er doch so formschön ist 😉 Weiter ging es nach Orta San Giulio. Ein sehr schöner, wenn auch etwas überlaufener Ort (empörend fanden wir allerdings, dass ein Café dort 2,30€ kostete. In den Bergen und Domodossola beträgt der Standardpreis für Café 1,00€).

    Diesmal sind wir auch mit dem Boot zur Isola San Giulio (auch Insel des Schweigens genannt mit noch aktivem Benediktinerinnenkloster) übergesetzt, wo uns die Kirche faszinierte. Ein schönes verwinkeltes Gebäude mit alten Malereien an Decken und Wänden und einem toten Heiligen mit Goldmaske im Glassarg im Keller. Sehenswert! Wir machten die Umrundung des Sees mit dem Auto dann noch komplett und gönnten uns in Pella noch sehr leckeres Eis mit Blick auf den See.

  • 9. Tag: Passo della Rossa

    9. Tag: Passo della Rossa

    Gemeinsam mit den Nachbarn wollten wir heute eine eher kurze Tour machen: einmal von der Alpe Devero zum Passo della Rossa. Ok, es sind dann doch für uns 6 Stunden geworden und für die Nachbarn sogar 8.

    Vom Devero ging es zunächst mal wieder steil durch Wald nach oben. Aber schon bald blieben die Bäume zurück. Das Gelände blieb steil, wurde aber felsiger und verlief an einem plätschernden Bach entlang.

    Nach einer Rast auf der Piana Rossa, einer malerischen Hochebene auf der früher Ziegen weideten, nahm die Steilheit noch mal deutlich zu. Nach einem kurzen, kräftigen Aufstieg änderte sich die Landschaft erneut: es wurde blockig. Große Felsblöcke säumten den Weg und schon bald konnten wir die Eisenleiter erahnen, die als Schwierigkeit im Wanderführer erwähnt wurde. Die erwies sich aber als eher unspektakulär, dafür mussten wir zwischendurch immer wieder mal Hand an den Fels legen, um eine Felsstufe zu überwinden.

    Nach der Kraxelei erreichten wir den Bocca della Rossa (2392 m) und wieder änderte sich die Landschaft: zwischen runden, glattgeschliffenen Felsen tümten sich große und kleine Felsblöcke. Wunderschön. Der weitere Weg war gut markiert und führte mal wieder über einige ausgedehnte Schneefelder.

    Da der eigentliche Passo della Rossa nicht aufrauchte, beschlossen wir umzudrehen. Hilmar und Benicio wollten weiter und über den Passo di Crampiolo absteigen. Unser Abstieg ging fix und eh wir uns versahen standen Café, Arranciata und Torta auf dem Tisch. Nachdem die anderen uns berichteten, wie ihr weiterer Weg verlaufen war (noch mehr Schneefelder und ein langer Abstieg über nerviges Geröll), waren wir froh umgedreht zu sein. Benicio meinte auch „die“ Wanderung würde er nicht noch einmal machen… Aber er hat sich ja wacker geschlagen.

    Unterwegs: 6 Std. Rauf & Runter: 850 Hm

  • 8. Tag: Pizzo Diei statt Cistella

    8. Tag: Pizzo Diei statt Cistella

    Der Plan für Sonntag stand schon lange fest, es sollte auf die Cistella (2880 m) gehen. Das ist der Berg auf den man hier die ganze Zeit sieht und nach dem auch das hiesige Stammlokal in Croveo benannt ist. Da der Anstieg von „unserer“ Seite recht ambitioniert ist (1700 Hm), wollten wir es von der anderen Seite und mit Seilbahnunterstützung wagen (diese wiederum fährt zur Zeit nur am Wochende). Also sind wir früh nach San Domenico aufgebrochen und fuhren gleich mit der ersten Tour hinauf nach Dosso. Oben angekommen galt es mal wieder den richtigen Weg zu finden und wenig später zeigte sich die nächste Herausforderung: ein Schneefeld in einer steilen Bergflanke. Zum Glück war der Schnee etwas sulzig und es ließen sich gute Tritte treten. (Schade nur, dass ich gestern die Snowspikes aus dem Rucksack ausgepackt habe. Die hatten wir die ganze Zeit mitgeschleppt und wenn man sie endlich mal brauchen kann…) Die nach uns kommenden Italiener dankten es uns. Kaum lag dieses Schneefeld hinter uns, verschwanden die Wegmarkierungen leider unter weiteren Schneefeldern. Nach einigem Herumgeirre folgten wir einfach einer geführten Gruppe, die einen direkten Aufstieg mit Klettereinsatz gewählt hatte. Der Aufstieg gestaltete sich entsprechend abenteuerlich, dafür gewannen wir schnell in den Blöcken an Höhe.

    Es galt dann diverse weitere Schnee- und Schotterfelder zu queren und die eine oder andere etwas exponierte Stelle zu meistern bis irgendwann auch wieder Wegmarkierungen auftauchten und wir kurze Zeit später auf dem Pizzo Diei standen (mit 2909 m sogar etwas höher als die Cistella und somit der höchste Punkt des Tages). Eigentlich ist er nur eine riesige Schotterkuppe allerdings mit sagenhaftem Rundumblick. Fasziniert liessen wir das Bergpanorama auf uns wirken bevor wir uns weiter auf den Weg Richtung Cistella machten.

    Wieder gab es keinen richtigen markierten Weg bzw. dieser schien unter einem gletscherähnlichen Schneefeld verschwunden zu sein, welches wir lieber nicht betreten wollten. Ein paar Schafe hat das allerdings nicht gekümmert. Die standen mitten in diesem steilen Feld bis zum Bauch im Schnee. Da fragt man sich schon ein wenig, was sie da bloß zu suchen haben?! Wir suchten uns jedenfalls eine Alternativroute und wechselten zwischen Kletterpassagen und Schneefeldern bevor wir etwa 1 Stunde vor der Cistella beschlossen lieber umzukehren, nicht, dass wir wohlmöglich die letzte Seilbahn verpassen… Zwischenzeitlich waren wir wieder auf Markierungen gestoßen und zurück waren diese deutlich besser zu erkennen. Diesmal führte der Weg allerdings seitlich unterhalb des Pizzo Diei vorbei. Als uns an einer Stelle die weitere Wegführung nicht klar war, kamen zum Glück ein paar Italiener um die Ecke und wir sahen wo wir lang mussten (und, dass der Weg auch problemlos zu meistern war). Allerdings galt es trotzdem noch einige breite und steile Schneefelder zu passieren. Beim 2. oder 3. Schneefeld rutschte eine uns entgegenkommende Wandererin ab und viele Meter herunter bevor sie endlich zum Halten kam. Zum Glück schien sie unverletzt und setze ihren Weg auch gleich fort. Etwas verschreckt, änderten wir daraufhin unsere Taktik und quälten uns zwischen oberer Schneefeldkante und Felswand weiter. So war der Weg sicherer, aber wir mussten wieder etwas klettern und es blieben auch mehrere Schrammen am Körper zurück…

    Es folgten noch einige weitere Schneefelder und immer wieder auch kleinere Kraxeleien bevor wir wieder am Lift waren. Der Abstieg war trotz allem wesentlich kürzer als ursprünglich befürchtet und wir schaukelten zufrieden nach dieser eindrucksvollen Tour ins Tal. Mittlerweile war der Lift gut besucht. Er ist nämlich gleichzeitig der Zugang zu diversen Mountainbike-Downhill-Strecken und so kamen uns viele martialisch aussehende Mountainbiker (mit den ganzen Protektoren etc. sehen sie fast wie Ritter mit Rüstung oder Robocops aus) mit ihren Rädern entgegengeschaukeltund ein paar konnten wir auch bei der Abfahrt beobachten.

    Ein sehr schöner Tag, die Cistella wird allerdings ein anderes Mal dran glauben müssen. Von der Bacenoseite aus, wäre eventuell eine Überlegung wert – vielleicht sind 1700 Hm doch nicht so schlimm 😉

    Dauer: 5 Stunden Rauf & Runter: 600 Hm

  • 7. Tag: Ricreazione e Domodossola – Erholung und Domodossola

    7. Tag: Ricreazione e Domodossola – Erholung und Domodossola

    Am 7. Tage sollst du ruhn und möglichst wenig Schritte tun… So galt es heute sich auszuruhen und lediglich einzukaufen. Samstag ist Markttag in Domodossola: Gemüse, Obst, Käse und Wurst – der Einkauf für die nächste Woche war also gleich mit einem pittoresken Marktbummel erledigt. Gestern hatte Björn länger in Locatellis Kochbuch „Made in Italy“ geblättert und diverse Leckereien herausgesucht. Wir dürfen gespannt sein. Zwischenzeitlich waren auch die Nachbarn in Baceno angekommen und hatten schon angefangen eine ganze Poollandschaft aufzubauen. (Kleiner Fußbadpool, mittlerer Chillpool und großer „Ich dümpel als ganzes im Wasser Pool“ – so lässt sich die Hitze aushalten 🙂

    Der Rest des Tages verlief ruhig. Lesen, schreiben, kochen.

  • 6. Tag: Affrettarsi – Beeilt

    6. Tag: Affrettarsi – Beeilt

    Heute wollten wir es ruhig angehen lassen und das wieder schöne Wetter genießen. Von der Alpe Colma sollte es erst den Höhenrücken entlang und dann runter nach Villadossola gehen, um von dort den Bus zu nehmen. Da wir auch noch schnell auf dem Pizzo Castello vorbei schauen wollen, rechneten wir nicht damit rechtzeitig für den Mittagsbus im Tal zu sein (der nächste fährt dann erst wieder abends nach Baceno).

    Die Überraschung war dementsprechend groß, als wir nach unserem Abstecher auf den Pizzo Castello (1607 m – sagenhafter 360 Grad Rundumblick bis zum Monte Rosa) ein Schild sahen, auf dem der Weg nach Villadossola mit 1,5 Stunden angegeben war. Im Schweinsgalopp sind wir den Berg runter, über Stock und Stein und durch mannshohe Farnfelder. Obwohl wir auch noch einmal den falschen Weg einschlugen (statt Villadossola stand irreführend auf einmal Pallenza auf dem Wegweiser) und auch noch die richtige Bushaltestelle erfragen mussten, standen wir auf die Minute genau an der Bushaltestelle und der Bus fuhr vor. In Domodossola hatten wir kurz Zeit für ein Eis und Café und schon ging es weiter nach Baceno. Mittlerweile machte sich der rasante Abstieg allerdings ordentlich bemerkbar. Die Knie wollten sich eigentlich nicht mehr biegen lassen, die Oberschenkel brannten und die Waden fühlten sich auch recht hart an. Außerdem hatte ich mir eine Zecke eingefangen… Aber ab jetzt können wir uns ja erholen und frisch gewaschene Wäsche ist doch was Feines 😉

    Unterwegs: 3 Std. 45 min. Runter: 1380 Hm

    Rauf: 100 Hm

  • 5. Tag: Barare – Geschummelt

    5. Tag: Barare – Geschummelt

    Nach einem eher untypischen Frühstück mit Käse und Speck, begannen wir unsere letzte Etappe auf dem GTA.

    Nachts hatte es geregnet und so ging es zunächst über nasse, rutschige Grashänge ins Tal (so rutschig, dass selbst Björn hin und wieder ins Straucheln kam). In Antronapiana angekommen gab es erstmal Café, denn wir hatten beschlossen heute ein wenig zu schummeln und anstatt den Weg die Straße entlang lieber den Bus zu nehmen.

    Hatten wir uns gestern noch über unser Wetterglück gefreut, zogen heute dichte Wolken auf und während wir im Café saßen, fing es an zu regnen.

    Nach kurzer Busfahrt erreichten wir unseren Einstieg. Das Wetter meinte es jedoch wieder gut mit uns und der Regen hatte schon wieder aufgehört. 1000 Höhenmeter lagen vor uns, die zwar anstrengend waren, aber Regen und Gewitter ließen auf sich warten und so konnten wir trockenen Fußes hinauf laufen. Nach knapp 3 Std. war es geschafft.

    Die Alpe Colma liegt sehr malerisch und mit großartiger Aussicht auf einem Kamm und wir wurden als erstes vom Hund und danach vom Hüttenwirtspaar begrüßt (alle sehr sympathisch). Beim obligatorischen Café und Arranciata erwiesen die beiden sich dann als eingefleischte Ökos: der Tabak wird mit einer (handbetriebenen) Maschine geschnitten und zu Zigaretten gerollt, der Café von Hand gemahlen und selbstverständlich wurde auch die Pasta handgemacht. Außerdem wurden wir gebeten alle elektrischen Geräte auszumachen, da sie elektrosensitiv seien. Sie haben zwar selber ein Handy, damit die erreicht werden können, das liegt aber gut gesichert hinter einem mit Alluminiumfäden gewebten Vorhang und abends wird bis auf für ein paar Lichtschalter der komplette Strom abgestellt. Im übrigen schien das auch ein Thema zu sein, welches sie schwer beschäftigte…

    Eigentlich sollten noch 2 weitere Deutsche kommen (sie hatten telefonisch reserviert), tauchten allerdings nicht auf. Die Hüttenwirtin meinte auch, das würde in letzter Zeit häufiger passieren (das gleiche hatte auch schon der Hüttenwirt in Cheggio gemeint). Ziemlich blöd, vor allem, wenn sich größere Gruppen angekündigt haben und nicht auftauchen. Dann muss das Essen weggeschmissen werden. Abgesehen davon ist dann auch immer unklar, ob nicht vielleicht etwas passiert ist. Also immer absagen, wenn etwas dazwischen kommt bzw. noch besser tatsächlich kommen!

    Zur Alpe Colma kam aber dafür noch ein junger Italiener, der sich ebenfalls vorgenommen hat den kompletten GTA zu erwandern. Er ist allerdings besonders ambitioniert und macht immer 2-3 Etappen pro Tag. So war er heute vom Bivacco Marigonda (liegt in der Nähe der Alpe Laghetto) aufgebrochen und dementsprechend fertig… Es hatte zwischenzeitlich auch immer wieder ordentlich geregnet… Als wir beim Abendessen waren, tauchte auch noch einer unserer Weitwanderer von der Alpe Laghetto auf. Nachdem wir die beiden das letzte Mal bei der Alpe Preia gesehen hatten, von wo sie vor uns aufgebrochen waren, hatten sie sich wohl erstmal für 2 Std. Verlaufen. Am Passo della Preia hatte er beschlossen, dass er nicht mehr weiter wollte und dort gezeltet. War in der Nacht wohl eher unangenehm. Fettes Gewitter und Sturm… Das erklärte jedenfalls warum wir a) die beiden beim Abstieg nach Cheggio gar nicht mehr gesehen haben und b) warum wir später am Refugio in Cheggio nur einen von ihnen haben Vorbeiwandern sehen.

    Das Abendessen war (wie nicht anders zu erwarten) sehr Lecker. Primo: besagte selbstgemachte Pasta mit Ragu Secondo: Fleisch mit Zitronensauce und Salat dazu selbstgebackenes Brot. Statt Nachtisch kam der selbstgebrannte Grappa und Genepi auf den Tisch. Björn war noch einen Moment länger unten und bekam Zuccherini kredenzt. Eine hiesige Spezialität – Zuckerwürfel mit Kräutern in Alkohol (in diesem Falle Genepi) eingelegt. Das macht Laune 😉

    Unterwegs: 6 Stunden (inklusive 1 1/2 Stunden Wartezeit auf den Bus) Runter: 600 Hm Rauf: 1000 Hm

  • 4.Tag: Scorrevole – Abgerutscht

    4.Tag: Scorrevole – Abgerutscht

    Nach einem typisch italienischen Hüttenfrühstück: Weißbrot, Zwieback, Marmelade und Café machten wir uns auf den Weg nach Cheggio. Die feundlichen Hüttenwirte wiesen uns gleich noch den kürzesten Weg. So war nach knapp 20 Minuten der erste Pass des Tages, der Passo di Campo erreicht. Nun ging es erstmal über Bergwiesen bergab. Früh am morgen war es noch kühl und wir kamen schnell voran und das Bergpanorama rundherum war mal wieder sagenhaft.

    Irgendwann war das Tal erreicht und wir mussten wieder aufwärts. Die Wege hatten im Winter allerdings ordentlich gelitten. Immer wieder waren Stücke abgerutscht. Im Wanderführer stand noch „Die heikle Querrung einer abschüssigen Grasflanke ist jüngst durch einen breiteren Weg entschärft worden.“ Denkste! Nach etwa 2,5 Stunden standen wir an besagter Grasflanke. Leider war gar kein Weg mehr vorhanden, da er auf einer Länge von 20-30 m ins Tal gerutscht war. Vorsichtig und mit klopfendem Herzen tasteten wir uns oberhalb des Abbruchs Schritt für Schritt weiter. Kein Spass auf dem rutschigen Gras!  Aber irgendwie haben wir es geschafft und konnten unseren Weg dann normal fortsetzen.

    Wir kamen zur Alpe Preia mit alten unterirdischen Ställen von den einer als Rastplatz ausgebaut worden war. War aber leider nicht zu benutzen, da der Zugang von einem Schneefeld versperrt wurde. Apropos Schneefelder, davon waren auf dem weiteren Weg einige zu queren, die aber keine Probleme machten. Nach einer gefühlten Ewigkeit standen wir am höchsten Punkt des heutigen Tages am Passo della Preia (2327 m).

    Von nun an ging es nur noch bergab, aber gerne steil, teilweise recht rutschig und auch immer wieder ziemlich zugewachsen. Der Weg zog sich und in den Oberschenkeln, Knien und Hüften machte sich das viele bergab ganz schön bemerkbar. Der Weg am Ufer des Lago Alpe dei Cavalli zog sich entsprechend und auch diesmal hat sich das Rifugio versteckt.

    Allerdings nur am untersten Dorfrand von Cheggio. Es folgte the same procedure as every day. Café, Arranciata diesmal erweitert durch Kuchen (wir hatten so einen Hunger), Duschen und in der Sonne vorm Haus beim Gebimmel der Kuhglocken aufs Abendessen warten. Auch hier im Rifugio Citta di Novara wurden wir wieder sehr nett empfangen und uns wurden gleich Liegestühle und eine große Flasche Wasser hingestellt. Außerdem wurde uns freundlicherweise ein Zweibettzimmer zugeteilt. Das erfreut das Wandererherz! Der Refugio-Hund ist etwas älter und nicht so aufs Spielen versessen, meinen Kuchen hätte er aber gerne gehabt 😉

    Primo: Pasta mit Tomatensugo und Salat!
    Secondo: Scaloppine mit Zucchini und Karotten-Zwiebel Sauce
    Dolce: Torta

    Unterwegs: 7 Stunden Rauf: 700 Hm Runter: 1250 Hm

  • 3. Tag: Nascosto – Versteckt

    3. Tag: Nascosto – Versteckt

    Nach Hagel und Gewitter gestern Abend, präsentierte sich das Wetter heute morgen mit blauem Himmel und Sonnenschein. Wir beschloßen einen kleinen Abstecher zur Bocchetta Gattascosa zu machen und das Panorama der 4000er Berge auf der schweizerischen Seite zu begutachten (war allerdings nicht so beeindruckend, war aber auch Richtung Schweiz noch recht bewölkt). Im Anschluss machten wir uns auf unseren eigentlichen Weg zum Refugio Laghetto.

    Zunächst ging es über ein Hochmoor zurück nach San Bernardo. Da gab es erstmal Café und Crostata, die uns gestern schon angelacht hatte. Anschließend verlief der Weg die meiste Zeit im Wald und bot wohltuenden Schatten. Es war nämlich wieder ganz schön heiß. Auf Dauer zog sich der Weg ganz schön. Auf eine Kurve folgte die nächste und die verfallenen Häuser der Alpe Oriaccia, die wir schon von Weitem gesehen hatten und als Rastplatz auserkoren hatten, tauchten so lange nicht auf, dass wir mit einem anderen sonnigen Fleck Vorlieb nahmen (zwei Kurven weiter, war die Alpe dann natürlich erreicht…).

    Der letzte Anstieg zum Refugio Laghetto war tatsächlich wie angekündigt steil – sehr steil. Schnaufend und vor Schweiß triefend ackerten wir uns den Berg hinauf. Das Refugio blieb bis kurz vor unserer Ankunft verborgen, so dass wir leise zweifelten ob wir wohl richtig sind. Endlich Angekommen waren die Anstrengungen bald vergessen. Café, Arranciata, warme Dusche und sehr sympathische Hüttenwirte, sowie eine fantastische Sicht waren der Lohn für den schweißtreibenden Anstieg.

    Die Hütte wird von einem Team aus 4 älteren Männern und Frauen und 2 jüngeren Männern bewirtschaftet. Alle wuseln irgendwie beschäftigt herum und sind super freundlich und hilfsbereit. Nach dem Duschen wird einem ein Fön angeboten, die hinterm Haus versteckte Wäscheleine für die nassen Sachen gezeigt und einem anderen Wanderer, dem der Trekkingstock gebrochen ist, dieser mit Hilfe von Holz und Gewebeband repariert. Außerdem hat die Hütte eine wunderschöne Lage in einem Talkessel oberhalb von einem kleinen See. Überall blühen Alpenrosen und andere Almblümchen und die Murmeltiere hopsen durch die Wiese. Was will man mehr?!

    Auch das Abendessen war fantastisch. Vorweg „Bergantipasti“ sprich Speck, Salami, Brot und gebratene Polentaschnitten mit Käse Primo: selbstgemacht Pasta mit Ragu Secundo: Bagnato (angeblich ein typisch piemontesisches Gericht – Rindfleisch mit einer Sauce aus vielen Kräutern etc. sehr lecker!) Dolce: Crostata oder Apfelkuchen oder Schokokuchen. Der jüngste Mann im Trupp war im übrigen der Chefkoch und sehr ambitioniert uns sein Essen nahe zu bringen. Dafür bemühte er sogar seine Englisch Brocken. Besondere Betonung legte er noch darauf, dass alles hausgemacht und das meiste auch aus Vollkornmehl sei. Außer uns waren noch 3 andere GTA Wanderer auf der Hütte 2 deutsche Männer, die beide gerade ein Sabbathalbjahr machen (nein, keine Lehrer) und den kompletten GTA laufen wollen. Respekt! Sie haben sich zufällig getroffen und gleich zusammen getan. Außerdem war noch eine junge Frau da. Wir haben sie erst für eine Französin gehalten, aber dann stellte sich heraus, dass sie eine Österreicherin ist, die bloss mir den Hüttenleuten französisch gesprochen hat, da sie kein italienisch kann. Die wiederum wendeten zwischenzeitlich französich auf alle an und es wurde ein wilder Sprachenmix am Abend. Im übrigen waren die Hüttenleute eh keine Freunde von Traurigkeit. Beim Abendessen floss der Genepi reichlich (auch am Nachmittag war uns schon Grappa zum Café angeboten worden) und es wurden einige Zigaretten vor der Tür geraucht. Ich frag mich bloß, was die machen, wenn die mal alle sind, der nächste Zigarettenautomat ist etwas weit…

    Unterwegs: 6 Std. Rauf: 790 Hm Runter: 740 Hm

  • 2.Tag: Ritornato – Zurückgekehrt

    2.Tag: Ritornato – Zurückgekehrt

    Pünktlich um 7.02 Uhr tauchte der Bus auf. Nachdem alle eingestiegen waren, verschwand der Busfahrer allerdings erstmal auf einen Café in die Bar. Zum Glück sind Espressi klein 😉 Als es dann los ging, hatte ich erstmal einen Flashback. Genau wie beim ersten mal GTA mit Kathi, sass der lauthals singende Typ in der ersten Reihe hinter dem Busfahrer und hörte damit auch nicht auf bis wir in Domodossola waren. Von Domodossola ging es mit dem nächsten Bus weiter nach San Lorenzo im Bognanco Tal. Dort war unser Einstieg in den GTA und etwa 1100 Höhenmeter standen heute auf dem Programm. Der Aufstieg verlief lange im Wald, zum Teil sehr steil, manchmal schlecht ausgeschildert. Alles wie gewohnt 😉

    Wieder liefen wir durch alte Steindörfer und an verfallenen und teilweise auch noch genutzen Alpen vorbei und waren froh, dass die Temperatur auf unter 25 Grad gefallen war. Mehr oder weniger unfreiwillig (bzw. wir hatten mal wieder nicht genug aufgepasst) haben wir den längsten Weg zum Rifugio gewählt und noch einen Umweg über den Lago di Agro gemacht. (@ Nina: da kam uns auch prompt dein Ossolaner Wanderpapst entgegen – zu erkennen am T-Shirt mit entsprechendem Aufdruck und dann sieht er auch noch tatsächlich so aus wie auf seinem Internetfoto). Nach 5 1/2 Stunden erreichten wir das Rifugio Gattascosa.

    Der Rifugio Hund freute sich endlich jemanden zum Spielen zu haben und beteiligte sich mit Wonne an meinen Hüft- und Yogaübungen im Gras. Die Zeit bis zum Abendessen vertrieben wir uns auf einem Felsvorsprung sitzend und die idyllische Landschaft bewundernd.

    Das Rifugio wird von einer alten Frau betrieben. Sie erhält allerdings tatkräftige Unterstützung von ihrer Enkelin + Freundin. Diese spricht anscheinend etwas Englisch und muss nun zu ihrem Leidwesen die ganzen Telefongespräche entgegennehmen und auf Englisch mit den ganzen deutschen Wanderern Radebrechen. Die Ärmste ist schon ganz gestresst. So haben wir auch erfahren, dass morgen das komplette Rifugio ausgebucht ist – da haben wir wohl Glück gehabt. Außer uns sind heute nur zwei weitere Wanderer hier und wir konnten ein Zimmer für uns alleine ergattern 🙂 Passend zum Abendessen zog ein ordentliches Gewitter auf mit Hagel und allem drum und dran, da hatten wir was zu gucken 😉 Das Essen war im übrigen sehr lecker.

    Primo: Minestrone
    Secundo: Dreierlei Fleisch Salsicca (Bratwurst), Cervo (Hirsch), Spezzatini (sowas wie Rindergulasch) mit Brot
    Dolce: Crostata

    Unterwegs: 5 1/2 Std. Rauf: 1100 Hm Runter: 150 Hm

  • 1.Tag: Baceno

    1.Tag: Baceno

    Wir sind mal wieder in Baceno und es fühlt sich altbekannt und fast wie zu Hause an. 14 Stunden Autofahrt werden mit Bergpanorama im Sonnenschein, Pizza Salsiccia von ‚Oggi Pizza‘ und Birra Moretti belohnt.

    Am nächsten Morgen bemerken wir dann aber doch einige Änderungen im Dorfleben: im Alimentari muss man nun Nummern ziehen, um Wurst und Käse zu kaufen. Die beiden Bars sind schon früh am Morgen gut besucht und mehrfach jaulen Sirenen durch das Tal, nicht zu vergessen das Dröhnen der ganzen Motorräder.

    Nach dem Frühstück beschließen wir einen Spaziergang zu den Orridis zu machen. Auch hier sind Massen an Menschen unterwegs. So viele Leute hatten wir bislang noch nie in Baceno gesehen – aber wir waren auch noch nie mitten im Sommer hier. Es ist Hochsaison und ganz schön heiß. Egal, trotz des Andrangs sind die Orridis (begehbare eiszeitliche Schluchten) und die Marmite dei Giganti (Gletschertöpfe) immer wieder schön. Wir haben sogar einen Weg entdeckt, den wir noch nicht kannten. Das Schild „Attentione: Sentiero esposto! Solo per esperti!“ hielten wir allerdings für übertrieben.

    Nach 2 Stunden schnell noch die Füße im eiskalten Wasser der Marmite gekühlt und dann zurück nach Baceno. Auf dem Weg haben wir dann noch eine Schlange gesehen. Also nicht so ein Schlängelchen was kaum grösser als ein Regenwurm ist, sondern eine echt große Schlange. Als wir sie fotografieren wollten, hat sie allerdings das Weite gesucht. Was gibt es hier wohl für Schlangen? Eine Kreuzotter war es definitiv nicht und eine Blindschleiche erst recht nicht. Vielleicht eine Viper?

    Der Rest des Tages verging ruhig mit viel Café und Lesen und abendlicher Beobachtung von Hirschkäfern, die sich beim Fliegen erstaunlich tolpatschig anstellen. Morgen geht es dann wieder auf den GTA. Nachdem wir vor 2 Jahren das Endstück bis zum Mittelmeer gelaufen sind, erwandern wir diesmal ein paar der Anfangsetappen.

  • Ein letztes Mal der Kiilopää

    Ein letztes Mal der Kiilopää

    Am letzten Tag noch einmal strahlender Sonnenschein und nahezu kein Wölkchen am Himmel. Wir beschlossen ein letztes Mal auf den Kiilopää zu fahren – zum einen ist  die Landschaft dort oben wirklich wunderschön, zum anderen wird der Aufstieg mit einer langen Abfahrt belohnt. An deren Ende liegt praktischerweise die bewirtschaftete Fjell-Hütte Luulampi, wo wir uns mit Kakao und Kringeli am knisternden Kaminfeuer stärken konnten bevor wir die Abfahrt wieder rauf liefen.

    War eine ordentliche Schinderei, dauerte etwa 1 Stunde und die dann folgende 2. Abfahrt des Tages brachte uns in weniger als 15 Minuten zurück zum Fjell-Center. Der perfekte letzte Tag in Lappland. Einziger Wehmutstropfen – es ist uns nicht einmal gelungen ein Polarlicht zu sehen. Es war abends dann wohl doch immer zu bewölkt (oder wir nicht engagiert genug uns die ganze Nacht im Freien aufzuhalten …). Vielleicht beim nächsten Mal 😉

    Urlaubsliteratur

  • Off the track

    Off the track

    Björn hatte sich zwischenzeitlich eine Erkältung eingefangen und wollte sich mal ein wenig schonen und den Tag in der Hütte verbringen. Mich lockte das schöne Wetter jedoch nach draußen und ich machte eine kurze Runde Richtung Niilanpää. Laut Karte sollte es sich bei einem Teil des Weges um Naturloipen (nicht mit dem Loipengerät gespurt) handeln. So war ich dann doch etwas irritiert als sich die erste Naturloipe als Schneemobilpiste entpuppte auf der mir auch gleich drei von den Dingern mit Vollgas entgegen kamen. Außerdem schien sich gerade halb Finnland auf die gleiche Loipe begeben zu haben. Es war Rushhour. Die Landschaft war trotzdem recht schön und nach 2,5 km bog ich schon auf die zweite Naturloipe ab, die ihrem Namen alle Ehre machte. Es war eine einfache Spur, schön durch die leicht hügelige Landschaft und den Wald gezogen, ich war ganz allein unterwegs und konnte die Natur in vollen Zügen genießen. Weit und breit kein Schneemobil zu sehen oder zu hören.

    Das Fjell-Center bzw. seine Guides bieten ein kostenloses Wochenprogramm mit Skikurs, Skitouren verschiedener Länge, Schneeschuhwanderungen, Fatbike fahren etc. an. So wollte ich am Nachmittag die Gelegenheit nutzen und eine solche Tour mitmachen. Im Programm hieß es: „13.00-15.00 Guided relaxing skiing trip into Urho Kekkonen nationalpark 5 km“ – klang doch ganz entspannt. Aber wie immer kam es anders als gedacht. Der Guide (auf finnisch Opa – lustigerweise war er auch schon einen tacken älter) hatte morgens schon gesagt, wenn sich keine Anfänger anmelden, könnten wir auch eine Skitour querfeldein machen, die dann bis ca. 16.00 Uhr dauern würde. Dem war dann so. Ich lieh mir beim Verleihservice noch Backcountry-Ski. Die sind etwas breiter, schwerer und wesentlich robuster als normale Langlaufski und haben Stahlkanten und auch die Stöcke haben wesentlich größere Teller für tiefen Schnee. Wir waren eine sehr überschaubare Gruppe von 5 Leuten (inkl. Guide), die sich da auf den Weg machte. Zuerst ging es eine Weile paralell zur gepurten Loipe zum Kiilopää hinauf, um diesen dann querfeldein zu umrunden.

    Da oben war es zwar ganz schön windig, aber das Panorama ist unglaublich. Eine riesige weiße Fläche breitete sich vor uns aus und unter uns meilenweit die bewaldeten Hügel Lapplands. Ich konnte von hier oben sogar meine Loipe von heute Vormittag sehen. In einer Vertiefung zwischen Kiilopää und Niilanpää ging es dann hinunter. Im Tiefschnee abwärts fahren war allerdings schwieriger als erwartet und meine geplanten schönen großen Bögen zum Bremsen anstatt von  „Schredderpflug“ endeten dann doch mehrmals in einer Schneelandung – aber Spaß gemacht hat es!

    Unten angekommen ging es wieder mehr oder weniger paralell zur gespurten Loipe und am Ende ein Stück querfeldein zur Luulampi Fjell-Hütte. Diese Hütte ist bewirtschaftet und man kann heiße Getränke und diverse Süßwaren bekommen. Außerdem ist es muckelig warm, da es sowohl einen großen offenen Kamin in der Mitte der Hütte, als auch einen vollbeheizten, gußeisernen Kanonenofen gibt. Eine kleine Pause tat ganz gut, Kakao und Kringeli füllten die Speicher wieder auf und wir konnten uns wenig später auf den Rückweg machen. Diesmal ging es hinter der Hütte direkt den Berg hinauf. Wo es zu steil wurde, verlegte sich der Guide auf große Serpentinen und die eine oder andere Spitzkehre. Mittlerweile war jedoch auch klar, dass wir unseren Zeitplan im Leben nicht einhalten würden. Der Weg zog sich noch recht steil dahin bis wir oben auf dem Ahopäät und damit auf dem 3. Fjell ankamen. Auch hier wieder ein beeindruckendes Panorama und eine lange Abfahrt im Tiefschnee (diesmal nur mit einer Schneelandung).  Ziemlich erschöpft, aber sehr glücklich waren wir mit 1 1/2 Std. Verlängerung / Verspätung wieder zurück beim Fjell-Center. Björn hatte zum Glück schon die Sauna eingeheizt, so dass ich nur noch die Klamotten von mir werfen musste und meine müden Glieder in der Wärme entspannen konnte. Was für ein grandioser Tag 🙂

    Urlaubsliteratur

  • Wo der Weihnachtsmann wohnt

    Wo der Weihnachtsmann wohnt

    Am Donnerstag ging es mit den Langlaufskiern nach Kakslauttanen, wo laut örtlicher Touri-Zeitung der Weihnachtsmann lebt und sich vor Weihnachten auch besuchen lässt… Außerdem gibt es dort sogenannte Aurora-Iglus zu mieten – Glasiglus aus denen sich bequem vom Bett aus und ohne zu frieren die Aurora Borealis / Polarlichter beobachten lassen (allerdings auch etwas hochpreisiger als unsere Hütte). Das Wetter zeigte sich mal wieder von einer freundlichen Seite. Sonne und milde Minus-Temperaturen. Ein kurzer Stop im Cafe in Tievatupa kurz vor Kakslauttanen bestätigte unseren Verdacht, dass Jugendherbergs-Charme in Finnland state-of-the-art ist. Aber der Kaffee war gut. Durch Kakslauttanen sind wir dann schnell durchgesaust, für unseren Geschmack zu künstlich und zu touristisch. Aber jetzt wissen wir zumindest wie Finnen ihre Hochzeitfotos arrangieren – im tiefen Schnee vor imposanter Blockhütte. Wir hoffen nur, dass die Braut unter ihrem tief dekoltiertem Hochzeitskleid, irgendwo ihre Thermounterwäsche versteckt hatte, ansonsten dürfte es recht kalt geworden sein 😉

    Urlaubsliteratur

  • Kiilopää

    Kiilopää

    Am Dienstag früh war es düster. Dunkle Wolken am Himmel und zunächst leichter Schneefall, der im Laufe des Tages immer stärker wurde. Unser Ziel war eine nahegelegene Hochebene – das Ahopäät Fjell. Sobald wir aus dem Schutz der Bäume fuhren wurde der Wind bissig. Wie kleine Nadelstiche jagte er die Schneeflocken in unsere Gesichter und in die Loipe, die schon bald nur noch zu erahnen war. Leider wurde auch die hart erarbeitete Abfahrt durch den Neuschnee deutlich abgebremst. Trotzdem ein schöner Ausflug.

    Björn war allerdings noch nicht ausgelastet und hat unsere gestrige 10 km Tour noch drangehängt (und brauchte nur die Hälfte unserer gestrigen Zeit… Immerhin beklagte er sich hinterher über schmerzende Muskeln 😉 ). Ob des miesen Wetters sind wir dann tatsächlich direkt nach der Sauna um 17:00 (!) zum Essen gegangen. So kann ein Abend recht lang werden….

    Am Mittwoch wollten wir über das Kiilopää Fjell fahren. Mit 546 m ist der Kiilopää die höchste Erhebung hier in der Gegend. Die Loipe führt zwar nicht ganz auf den Gipfel doch es galt einige Höhenmeter zu überwinden. Nach einer ganzen Weile bergauf tat sich vor uns eine riesige, weisse Fläche fast ohne Bäume und nur mit dezenten Konturen auf.

    Diese imposante Weite ließ uns den langen Anstieg fast vergessen und eh wir uns versahen konnten wir eine wunderbare lange Abfahrt hinunter sausen. Herrlich! Wir entschieden uns die Tour zu verlängern und weiter das Fjell zu umrunden. Unterwegs legten wir in einer Fjellhütte in Rumakuru eine kurze Rast ein. Das sind kleine Blockhütten mit Ofen, Tisch und Sitzgelegenheiten, die als Rastmöglichkeit und bei schlechtem Wetter auch als Notunterkunft dienen. 19 km später waren wir müde und sehr zufrieden wieder zurück.

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  • Lappland

    Lappland

    Mit dem Flugzeug ging es von Helsinki weiter nach Ivalo. Unterwegs konnten wir einen Blick auf den nördlichsten Zipfel der vereisten Ostsee erhaschen. Beim Landeanflug war unter uns dann alles weiss. Weite verschneite Wälder, wunderschön. Auch der Flughafen war komplett verschneit, nur Start- und Landebahn waren frei. Mit dem Bus ging es dann zum Fjell-Center Kiilopää. Dafür, das die Strassen hier komplett vereist sind, war der Busfahrer schnell unterwegs, aber er wird Schnee und Eis wohl gewohnt sein…

    Angekommen luden wir unsere Sachen in unserer Hütte ab und standen kurze Zeit später zum ersten Mal auf der Loipe – nur eine kurze Runde und dann gab es Abendbrot.

    Das Fjell-Center besteht aus einem Hauptgebäude und einer ganzen Reihe von Blockhütten verschiedener Größe in denen die Gäste untergebracht sind und liegt direkt am Urho-Kekkonen-Nationalpark. Unsere Hütte hat einen Wohn-/Schlafraum mit kleiner Küchenzeile und Kaminofen, Bad und eigener kleiner Sauna. Ganz gemütlich 🙂 Zum Frühstück und Abendessen geht man immer ins Haupthaus. Das wiederum versprüht ein ausgeprägtes Jugendherbergsflair, aber das Essen ist ganz lecker und besser als erwartet.

    Der nächste Tag erwartete uns mit strahlendem Sonnenschein und einer morgendlichen Temperatur von -20 Grad. Das war mal knackig. Zum Glück wurde es nach dem Frühstück bald wärmer und in der Loipe fühlte es sich auch gar nicht mehr so kalt an.

    Wir waren früh unterwegs und hatten die erste Stunde den Weg ganz für uns. Strahlend blauer Himmel, glitzernde Schneefelder, Bäume voller Eiskristalle und eine frisch gespurte Loipe. Alles perfekt. Die erste Runde: rund 10 km, knapp über 2 Stunde. Björn startete später noch zu einer zweiten Runde auf den Ahopäät. Ich für meinen Teil blieb lieber in der Hütte ein wenig die Hüfte schonen… Danach rumhängen, Sauna, Kaminofen einheizen und den Schnee bewundern. So muss Urlaub sein.

    Urlaubsliteratur

  • Moi Helsinki

    Moi Helsinki

    Wir wollten noch mal Langlaufskilaufen dieses Jahr und so hat es uns in den hohen Norden verschlagen. Vor dem Sport standen aber erstmal 2 Tage Helsinki auf dem Programm.

    Nach dem Einchecken im Hotel (bzw. nachdem wir endlich einen Zugang dazu gefunden hatten – bei dem Zugang handelte es sich um einen unscheinbaren Fahrstuhl aus dem Erdgeschoss des Einkaufzentrums, welcher wiederum nur mit einer Zimmerkarte oder über eine Klingel für die Rezeption gerufen werden konnte. Schade nur, wenn man noch keine Zimmerkarte hat und die Rezeption nicht auf die Klingel reagiert… Zu unserem Glück kam aber jemand mit Zimmerkarte.)

    Nach dem Check-in sind wir sofort losgezogen Richtung Hafen. Erste Beobachtung: Helsinki ist klein. Schon am ersten Abend haben wir das meiste gesehen, was der typische Reiseführer so vorschlägt: Helsinki Kathedrale und Senatsplatz, Tori Viertel, Uspenski Kathedrale, Marktplatz und alte Markthalle, die Esplanaden und div. Jugendstilgebäude… Insgesamt ist Helsinki sehr ruhig, ein wenig wie Bremen – nur kälter, wobei die Bebauung der Innenstadt eher Berlin oder Wien ähnelt.

    Zweite Beobachtung: es gibt viele spannende Restaurants unterschiedlichster Herkunft und unglaublich bzw. ins Auge stechend viele Nepalesische. Die Erklärung hierfür las ich abends dann prompt in meiner ‚Gebrauchsanweisung für Finnland‚. Die Restaurants gehören alle zu einer einzigen, weitverzweigten (und wohl auch geschäftstüchtigen) Familie aus Nepal. Wir haben uns allerdings eher an die lokalen Fischläden und Cafes gehalten und waren sehr zufrieden.

    Am zweiten Tag haben wir uns Temppeliaukio – den Felsendom angesehen. Sehr schick. Direkt in einen Granitfelsen gebaut. Von außen unscheinbar, aber mit einer wunderbaren Innenatmosphäre. Nachdem wir das Rätsel einen Straßenbahnfahrschein zu kaufen gelöst hatten – seit Februar 2018 können diese nicht mehr in der Straßenbahn beim Fahrer gekauft werden, stattdessen können mobile Tickets an jedem Parkscheinautomaten erstanden werden, bezahlt wird per Kreditkarte – verlegten wir uns aufs Straßenbahn fahren und besuchten das Kapelli und das Ekbert zwei der ältesten Cafes Helsinkis. Die Finnen sind angeblich die größten Kaffeetrinker der Welt und Kuchen und süße Teilchen können sie auch ganz gut herstellen (man darf sich nur nicht am Preis stossen…)

    Zum Abendessen besuchten wir ein finnisches Restaurant. Neben verschiedenen Zubereitungsformen von Lachs und Hering, gab es geschnetzeltes Rentier, Elchlasagne und etwas, das an Labskaus erinnerte und auch mit rote Beete gegessen wurde. Das war wohl ‚Vorschmack‘ – Durchgedrehtes aus Lammhack, Anchovis und Zwiebeln und kommt ursprünglich aus der osteuropäisch-jüdischen Küche. Sehr zu Björns Verwunderung, fand ich es echt lecker.

  • Schneeschuhwandern in den Tuxer Alpen

    Schneeschuhwandern in den Tuxer Alpen

    Dieses Jahr sind wir vor dem Silvestertrubel in die Alpen geflohen: Schneeschuhwandern mit dem DAV Summit auf der Meissner Hütte in der Nähe von Innsbruck.

    Den ersten Dämpfer gab es leider schon vor der Abreise: Tinas Hüfte begann 1 Tag vor der Abreise zu schmerzen. In der Hoffnung dass sich die Schmerzen schon wieder legen, brachen wir auf und mussten in München erstmal zum ärztlichen Notdienst da die lange Anreise alles nur noch schlimmer gemacht hatte. Diagnose: Schleimbeutelentzündung in der Hüfte. F@&ck.

    Darauf spekulierend, dass die Medikamente schon wirken werden und wir jetzt auch nicht einfach abbrechen wollten, ging es am nächsten Tag über Insbruck nach Ellbögen wo wir gemeinsam mit den anderen Teilnehmer_innen zur Hütte aufstiegen.

    Das Gepäck wurde auf ein Schneemobil gepackt und wir wanderten durch tief verschneite Landschaft zur Hütte. Endlich Schnee, viel Schnee.

    Das Meissner Haus ist eine schön gelegene, gemütliche alte Hütte mit Kachelöfen aus Meissner Porzellan auf 1720 m Höhe. Zu unserem Zeitpunkt allerdings ziemlich voll (vor allem mit Kindern), dürfte aber über Silvester wohl auch nicht anders zu erwarten gewesen sein.
    Abends gab es noch eine kleine Einführung in Lawinenkunde und ins LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät) von Herrmann unseren Bergführer. Bei dem schienen wir in guten Händen zu sein.

    Am nächsten Morgen ging es bei wunderschönem Sonnenschein zum ersten Gipfel – dem Morgenkogel (2607m). 900 Höhenmetern, knapp 7 Stunden Gehzeit. Landschaftlich ein Traum. Für mich aber so ziemlich das Anstrengendste, was ich je gemacht habe. Meine Beine fühlten sich an wie Blei und auf dem letzten Stück zum Gipfel musste ich alle 5 Schritte japsend stehen bleiben und nach Luft ringen. Einziger Trost, ich war nicht die Einzige der das so ging. Hinunter war dann zuerst ganz spassig. Da sich mit den Schneeschuhen wunderbar durch den Tiefschnee hinabstapfen ließ. Nach einer Weile machte sich die Hüfte aber immer mehr bemerkbar und zum Schluss dachte ich nur noch: „Wenn ich noch einmal hinfalles, bleibe ich einfach im Schnee liegen und steh nie wieder auf!“ Zum Meissner Haus habe ich es aber doch noch zurück geschafft. Nach einer Weile hatte ich mich auch wieder soweit berappelt, dass ich es sogar geschaft habe den Jahreswechsel wach zu erleben. Raketen ins so einem verschneiten Talkessel machen ja ordentlich was her. Sowohl akkustisch, als auch visuell. Das ganze wurde dann noch von einem nahezu vollem Mond bestrahlt, der von einem perfekten Wolkenkreis umrahmt wurde.

    Die erste Wanderung hatte jedoch ihre Folgen. Die Hüfte tat trotz Schmerzmittel die ganze Zeit weh und ich blieb am nächsten Tag in der Hütte.

    Am zweiten Tag war der Glungezer (2677m) das Ziel. Wie schon am Tag zuvor sah der Lawinenlagebericht nicht so toll aus: Stufe 3 Tendenz 4. Und tatsächlich mussten wir knapp unter dem Gipfel aufgeben. Um so schöner war der Abstieg in gerader Linie durch den Tiefschnee zurück zur Hütte.

    Um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken übten wir eine Weile mit den Lawinen Suchgeräten. Eine Gruppe verstecke Rucksäcke mit Pieps im tiefen Schnee, die andere hatte 15 Minuten Zeit (die Zeit die man auch für das Auffinden eines Verschütteten hätte) die Rücksäcke zu finden.

    Da sich zu den Hüftschmerzen auch noch Kopfschmerzen und Hüttenkoller gesellten brach Tina am nächsten Morgen nach Holzkirchen zu Freunden auf. (So kam ich noch zu einer Fahrt mit dem Schneemobil hinunter nach Ellbögen. Anbetracht des Fahrstils und der Geschwindigkeit mit der der Fahrer dort hinunter bretterte durchaus ein Erlebnis…)

    Ohne Tina brach unsere Gruppe zur letzten Wanderung auf. Unser eigentliches Ziel die Kreuzspitze war wegen der Lawinengefahr für den nächsten Tag keine Option.

    Wir fassten stattdessen die Viggarspitze (2306m) ins Auge, verpassten den eigentlichen Aufstieg und kämpften uns stattdessen eine steige Flanke auf den Gipfel hinauf. Heftiger, eisiger Wind vertrieb uns schnell wieder vom Gipfel. Wie am Tag zuvor wurden wir mit einem raschen Abstieg im Tiefschnee belohnt.

    Nun endete auch mein Urlaub. Am nächsten Tag ging es mit dem Schlitten zurück ins Tal zu den Autos.

    In Holzkirchen gabs noch ein wenig Brauchtum beim Perchtenlauf zu bewundern.

  • Klettersteige am Gardasee

    Klettersteige am Gardasee

    Eigentlich hatte der Klettersteigkurs schon im Sommer statt finden sollen, musste aber kurzfristig auf den Oktober verschoben werden und nun war es endlich soweit. Vom Flughafen brachte mich Chrissie bei Kathrin (mit ihr war ich letzten Herbst auf der Faneshütte und im Sommer auf der Kampenwand) vorbei und wir fuhren nahtlos zum Gardasee weiter. Abends gab es noch eine schnelle Pizza mit Achim (unserem Klettersteigführer) und Anna (mit ihr war ich im Sommer auf dem Schinder) in Arco und dann fiel ich auch schon müde ins Bett. War ja auch ein langer Tag gewesen. Morgens noch in Olhao, abends schon in Arco… Nach dem Frühstück ging es dann frisch gestärkt zum ersten Klettersteig am Colodri. Ein wenig Schiss hatte ich ja schon. War ja schließlich mein erster Klettersteig (Anna und Kathrin hatten schon welche im Frühjahr gemacht). Aber wir sind ja auch ein ‚Schisserkurs‘ wie Anna immer sagt, also gehört das wohl dazu 😉 Ich bekam von Achim noch eine kurze Einführung und schon ging es los. Zwischendurch gab es schöne – wie Björn immer sagt – „Tiefblicke“ und ich hatte leichte Wackelknie, aber insgesamt alles halbe Höhe und es machte total Spaß. Oben abgekommen wollte ich gleich den nächsten machen 🙂

    Aber erst einmal ging es auf der Rückseite des Colodri den Fußweg unterhalb der Burg hinab nach Arco, wo wir eine Pause mit leckerem Espresso bei schönstem Sonnenschein machten. Am Nachmittag fuhren wir dann nach Dro zum Rio Sallagoni Klettersteig. Der führt durch eine Schlucht und war auch gleich etwas anspruchsvoller. Der erste Teil (der leicht überhängend war) hat mich dann auch ein paar Nerven gekostet, aber geschafft haben wir ihn trotzdem ganz gut. Allerdings war ich danach ziemlich platt.

    Auf dem Weg nach unten bin ich auch prompt auf dem losen Schotter ausgerutscht und habe meinen Knöchel umgeknickt. Scheine gerade etwas unfallgefährdet zu sein… Aber auch das ist gerade nochmal gut gegangen und ließ sich mit etwas Diclofenacsalbe beheben. Abends gab es wieder Pizza, diesmal im Ai Conti, was sich in einem uralten Gebäude mit imposanter Deckenbemalung befindet. Speisen mit Stil 😉
    Am nächsten Tag ging es nach Biecesa zum Klettersteig auf den Cima Capi. Einer der wegen seiner schönen Aussicht beliebtesten Klettersteige an Gardasee. Ob des schönen Wetters war er auch heute gut besucht (im Sommer muss er allerdings die Hölle sein. Da dürfte man da im Stau stehen). Als das Getümmel am Einstieg erstmal überwunden war, war es der pure Genuss.

    Wieder Unten konnten wir im netten Cafe La Grotte noch die Sonne genießen und Abends gab es dann wieder Pizza. Der letzte Tag brach an. Heute stand ein Klettersteig am Monte Baldo (auf der anderen Seeseite), der Gerardo Sega, auf dem Programm. Anna machte sich schon seit dem Vortag Sorgen, aber Achim behauptete steif und fest der Klettersteig wäre nicht schlimmer / schwieriger, als die der vorherigen Tage (allerdings vergaß er zu erwähnen, dass er WESENTLICH ausgesetzter und länger ist, als alle anderen). Hätte ich vorher gewusst, was da auf mich zu kommt, hätte ich es wohl nicht gemacht… Die erste Hälfte bestand hauptsächlich aus all den Sachen, die ich beim Wandern hasse. Aber von Vorne: der Einstieg bestand aus einer 8 m hohen Leiter, die senkrecht eine Felswand hinauf ging. War zu schaffen, aber als Einstieg für mich auch nicht gerade entspannt. Kaum oben angekommen, ging es auf einem 1-2 Fuß breiten Sims in beeindruckender Höhe an einer Felswand entlang (heißt es ging links von mir richtig in die Tiefe und meine Knie haben gezittert wie nichts Gutes).

    Nach der ersten Kurve wurde der Sims etwas breiter, dafür kamen nun noch Büsche hinzu, über die man die Sicherungen des Klettersteigsets schleifen musste. Das hinaufklettern in einer Rinne sorgte für ein wenig Entspannung bzw. Befreiung von den ewigen „Tiefblicken“, dafür musste man kurze Zeit später auf einem schmalen Pfad einen steilen Grashang queren und zwar ohne Sicherungsmöglichkeit. Auch nicht nach meinem Gusto… Gesichert ging es dann wieder auf dem Sims weiter, einmal sogar etwas überhängend um eine Ecke, um dann ungesichert auf einem breiteren Sims durch einen schwer beeindruckenden Felsendom zu führen. Die Szenerie war unglaublich imposant und das trotz schwitziger Hände und Wackelknie. Am Ende des Sims gelangten wir an einen bewaldeten Rücken, wo wir eine kleine Pause einlegten (die war auch nötig, nach dem ganzen Gezittere brauchte ich dringend etwas Nervennahrung). Danach ging es für meinen Geschmack etwas entspannter weiter. Technisch war es zwar eigentlich schwerer, da nun viel geklettert werden musste, aber es war nicht mehr ganz so ausgesetzt. Einen Anflug von Panik bekam ich nur noch einmal, als Anna Achim mitteilte, dass sie keine Kraft mehr hätte und wie weit es noch wäre, damit sie sie sich einteilen könne. Achim war scheinbar auch schon etwas angespannt und antwortete nur, was sie sich denn da noch einteilen wolle, wenn sie eh nicht mehr könne. Da beide direkt über mir waren, sah ich Anna schon auf Achim fallen und mir beide auf den Kopf purzeln. Also Augen zu und durch. Hat Anna zum Glück auch gemacht und da es tatsächlich die Ausstiegswand wa, war es auch bald vorbei. Noch ein letzter Spreizschritt und wir waren auf dem Plateau und der Gerardo Sega war erfolgreich beendet. Was für eine grandiose Tour. Im Leben hätte ich nicht gedacht, dass ich mich jemals so etwas trauen würde!

    Durch schönste Herbstlandschaft ging es dann zurück zum Auto. Noch eine Einkehr im Albergo Albino, diesmal mit Pasta statt Pizza und dann ging es zurück nach München. Am nächsten Morgen brachte mich die Deutsche Bahn ausnahmsweise mal völlig komplikationslos zurück in die norddeutsche Tiefebene. Eines ist sicher, es werden nicht meine letzten Klettersteige gewesen sein und eine Weihnachtgeschenkidee für den Göttergatten habe ich schon 😉

  • Sonne, Sand und Meer – Portugal

    Sonne, Sand und Meer – Portugal

    Ganz untypisch für uns ging es in den Herbstferien mal nicht in die Berge, sondern zum Familienurlaub mit dem Bruder + Familie nach Portugal. Das stellte sich als gute Entscheidung heraus, denn so hatten wir, die vom total verregneten norddeutschen Sommer Geplagten, die Möglichkeit noch einmal richtig Sonne zu tanken. Während der ganzen Woche kein einziges Wölkchen am knallblauen Himmel und Temperaturen zwischen 25-28 C.


    Untergekommen waren wir in Olhao, einem Städtchen an der Algarve, bekannt für seine Markthallen (vor allem für die Fischhalle – die größte an der Algarve), den samstäglichen Bauernmarkt und die vielen guten Fischrestaurants mit Fisch so frisch, dass er fast noch vom Teller hüpft. Der Nachteil: Olhao hat keine eigenen Strand. Ist aber gleichzeitig auch ein Vorteil, da es dadurch für die Algarve noch recht untouristisch und ursprünglich zu geht. Es gibt eine pittureske Altstadt mit vielen verwinkelten Gässchen und das Naturschutzgebiet Rio Formosa mit seinen vorgelagerten Inseln beginnt direkt vor Olhao.
    Morgens konnten wir wunderbar zum Sonnenaufgang an der Promenade entlang joggen und die Fischer, Wasservögel und Arbeiter auf den Muschelbänken beobachten.


    Am ersten Tag waren wir am Strand von Fuzeta. Da Armona vorgelagert ist, lässt es sich dort gut im Meer schwimmen und ist für Kinder ideal zum Planschen und Sandburgen bauen (dementsprechend schlecht gelaunt war Oskar, als er dort wieder weg musste). Einen Nachmittag verbrachten wir in Faro, das auch ganz nett ist.

    Am meisten Zeit haben wir jedoch auf der Ilha de Culatra verbracht. Insgesamt waren wir 3x dort. 2x sind Björn und ich mit dem Boot zur Siedlung Culatra und von dort den Strand entlang, immer dem Leuchtturm entgegen, nach Farol gewandert und von dort mit dem Boot zurück.

    Beim ersten Mal ist mir allerdings ein kleines Malheur passiert. Auf der Treppe hinunter zum Boot, machte es plötzlich wusch und mein Fuß rutschte weg, ich landete auf dem Hosenboden, alle Umstehenden schrien auf, ich rutschte noch zwei Stufen weiter und sah mich eigentlich schon im Hafenbecken liegen, zum Glück kam ich doch noch vorher zum stoppen. An Bord des Bootes wurde mir erstmal die Familienflasche Jod gereicht und im Anschluss ein Liter Chlor auf die Treppe gekippt. Scheint wohl öfter zu passieren… Die nähere Inspektion meinereins stellte dann links eine aufgeschlagene Ferse, rechts mehrere blutige Kratzer am Knöchel, einen aufgeschlagenen rechten Ellbogen und eine schmerzende rechte Hüfte (zierte später ein handtellergroßer blauer Fleck, der immer noch nicht weg ist) fest. Außerdem sah ich aus wie ein Schleimmonster (zumindest am Po und auf der rechten Seite). Alles in allem aber Glück gehabt… Oskar stellte am nächsten Tag sehr treffend fest: ‚Tante Tina- Du bist die Treppe hinunter gerollt!‘ Wie wahr 😉 Beim dritten Mal sind wir gleich mit Chrissie und Oskar zusammen nach Farol gefahren. Lei wollte in Olhao bleiben (und Oskar meinte auch, sie solle sich mal ausruhen). Wir hatten einen wunderbaren Tag am Strand mit Wellen hüpfen, Muscheln sammeln, Pink Lemonade und Café in der netten Strandbar trinken (zwischenzeitlich dachte ich mal wieder an einen Jobwechsel…). Der Tag erfuhr noch seine absolute Krönung als mehrere Delfine in Sichtweite vorm Strand vorbei schwammen! Wie schön!
    Am letzen Tag machten wir noch eine 2 stündige Bootstour. Erst durchs Rio Formosa Naturschutzgebiet. Da gerade Ebbe war, konnten wir viele Vögel (Störche, Kraniche, Reiher, Austernfischer, Möwen etc.) und die Muschelstecher bei der Arbeit sehen. Dann ging es an Armona vorbei zum äußersten Zipfel von Culatra. Hier durften wir im flachen Wasser aus dem Boot aussteigen und zur Insel waten. Nach einer halben Stunde Muschel suchen und Freude an der schönen Szenerie ging es wieder an Bord und zurück nach Olhao. Nach dem schönsten Urlaubserlebnis gefragt, sagte Oskar: ‚die Barfußinsel‘ und wie recht der Kleine hat!

    Viel mehr bleibt nicht zu erzählen. Außer, dass sich Björn und Chrissie redlich Mühe gegeben haben die Unterwasserpopulation in Form von Meeresfrüchteplatte (die wirklich beeindruckend war), div. Muscheln und Fischen zu dezimieren.

    Außerdem hat Chrissie seinem Ruf als guter Koch alle Ehre gemacht. Die Tigergarnelen und vor allem der Reballo waren exzellent. Mitten in der Nacht ging es dann zum Flughafen. Björn flog nach Hamburg in den Regen. Wir mit zwei verschiedenen Flugzeugen, aber nur 15 min Unterschied, nach München. Gemeinsam fuhren wir in die Stadt, dann hieß es Abschied von der Familie nehmen, denn auf mich wartete schon das nächste Abenteuer!

  • Ein bayrischer Sommer

    Ein bayrischer Sommer

    Die Sommerferien wollen gut genutzt sein und so ging es nach ein paar Tagen Zwischenstopp zu Hause, die Wäsche musste mal komplikationslos gewaschen werden ;-), weiter nach Bayern. Eigentlich sollten es nur ein paar Tage bei Heidrun in Holzkirchen und beim Bruder in München sein, um dann weiter zu einem Klettersteigkurs an den Gardasee zu fahren. Leider musste dieser auf den Herbst verschoben werden, aber auch so wurde es nicht langweilig: Ich begleitete Heidrun und Kathi 2x zum Reiten. Allerdings nur zum Gucken, hat aber Lust auf mehr gemacht. Ich sollte mir tatsächlich endlich mal eine Möglichkeit in Bremen suchen… Am Freitag wollten Heidrun und ich noch eine kleine Wanderung auf den Waxenstein wagen. Die Wettervorhersage klang zwar nicht sehr berauschend, aber es sollte relativ trocken bleiben. So glaubten wir auch, dass der Regen bald aufhören würde, als wir am Parkplatz los gingen. Tat er aber nicht. So stiegen wir 1 1/4 Std. In strömendem Regen zur Kotalm hinauf.

    Zum Glück kam die Wirtin zeitgleich mit uns von ihrem Taleinkauf zur Hütte zurück und wir konnten Kaffee und Kuchen  im Trockenen genießen, um dann 1 Std. im strömendem Regen wieder runter zu gehen. Man kann uns also nicht nachsagen, dass wir Schönwetterwanderer wären (selbst die Hüttenwirte lobten unser Engagement…) Zurück am Parkplatz hörte der Regen prompt auf.

    In Holzkirchen war außerdem am Wochenende 1111 Jahrfeier mit entsprechendem Programm und Auftritten von Adrian und Kathi (welches leider am Abend im wahrsten Sinn des Wortes ins Wasser fiel). Am Sonntag sind wir mit Kathi bei wieder schönem Wetter auf der Isar von Lenggries nach Bad Tölz geraftet. Ein sehr amüsantes, wenngleich auch recht kaltes Unterfangen (trotz Sonne und Neoprenanzug).

    Am Montag ging es weiter zur Familie nach München. Mittlerweile recht heiß, verbrachten wir die Nachmittage gerne im Freibad und Oskar und ich konnten unsere Abfahrtszeiten auf der Wasserrutsche erheblich verbessern 🙂 Am Freitag war ich mit Kathrin (mit ihr wäre ich auch an den Gardasee gefahren) zum Wandern verabredet.

    Ein Klassiker – die Kampenwand (1669m) stand auf dem Programm und Anna, die ich vorher noch nicht kannte, aber auch am Gardasee dabei gewesen wäre, kam auch gleich mit. Der erste Teil bis zur Steinlingalm war eher geruhsam auf Forststraßen und Bergsteig. Ab der Alm wurde es recht steil, weiter oben musste häufiger geklettert werden und es ging durch imposante Felsen zum ebenso imposanten Gipfelkreuz. Tourmäßig ein echtes Schmankerl.

    Da auf der anderen Seite eine Bergbahn hinauf fährt, war sie allerdings mehr als gut besucht und viele ‚Halbschuhwanderer‘ ließen sich vom Schild ‚Alpine Erfahrung, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich‘ nicht abschrecken. Dementsprechend kam es beim Abstieg zu einem ordentlichen Stau und wir bekamen so manchen kleinen oder größeren Nervenzusammenbruch mit…
    Eigentlich wollten Kathrin und ich am nächsten Tag noch den Schinder (1808m) machen. Der steht schon sehr lange auf meiner Liste (und seit dem Kurs am Spitzingsee vor 2 Jahren ganz oben). Leider war Kathrin schon vor der Kampenwand recht angeschlagen, die Tour hatte das nicht verbessert und fiel aus.
    Zum Glück erklärte sich Anna spontan bereit das Abenteuer mit mir zu wagen. Ich kam mir dann auch richtig ‚münchnerisch‘ vor, als ich mich in aller Frühe mit meinem Rucksack auf zur Donnersbergerbrücke machte, wo mich Anna einsammelte. Ich war definitiv nicht die Einzige, die da im vollen Wanderdress auf ihre Mitfahrgelegenheit wartete.

    Los ging es zum Schinder. Die meisten steigen über die Trausnitzalm auf und dann über das Kar ab. Da das Kar aber extrem steil sein soll und sowohl Anna, als auch ich nicht wirklich schwindelfrei sind, hatten wir beschlossen die Tour anders herum zu machen. Erstaunlicherweise haben das an dem Tag die meisten so gemacht bzw. Gegenverkehr hatten wir so gut wie keinen. Ansonsten kann ich nur sagen, was für eine Schinderei! Ich weiß jetzt woher der Name stammt. Außerdem war es so ziemlich die krasseste Tour, die ich je gemacht habe… Das Kar wurde richtig, richtig steil, rutschig und schotterig! Irgendwann waren wir allerdings soweit oben, dass es auch kein zurück mehr gab, denn runter wollten wir da auf keinen Fall.

    Wir mussten noch durch ein Tor klettern und zwei steile Rinnen mit Drahtseilsicherungen hoch (O-Ton Anna: mach bloß Fotos, dass glaub mir keiner!) bis wir endlich sehr stolz, ziemlich fertig und mit etwas zittrigen Knien auf dem Gipfel standen.


    Der Abstieg war hingegen ein Kinderspiel. Wir kehrten noch auf der Trausnitzalm ein. Eine urige kleine Hütte auf der im Sommer nur eine Sennerin mit ihren Kühen ist. Weder Zufahrtsweg, noch Strom sind vorhanden und fließend (Kalt)wasser nur vor der Hütte. Alles muss hoch getragen und die Milch sofort verarbeitet werden. Um so beeindruckter war ich, dass die Sennerin ein 22-jähriges Mädel war, welches das mittlerweile schon zum vierten Mal macht.


    Auf unserem weiteren Abstieg wurden wir noch von 2 Mountainbikern überholt. Der Weg führte sehr schmal an einem steilen Hang entlang und ich dachte noch ‚Man muss auch nicht überall fahren’… Kaum waren sie hinter der nächsten Kurve verschwunden, hörten wir ein lautes ‚ Scheiße‘ und Geschepper. Wir malten uns schon die schlimmsten Szenarien aus. Zum Glück stand der Abgestürzte schon wieder als wir dort an kamen. Allerdings ca. 10m tiefer zwischen den Bäumen am Hang. Da sie uns nicht wieder überholten, scheint zumindest das Rad im A… gewesen zu sein und ich war heilfroh, dass nichts schlimmeres passiert war.

    Die Kultur darf ja auch nicht vernachlässigt werden und ein wenig Erholung tat auch mal gut, drum gab es am Sonntag noch einen Familienausflug zur ‚Magic City‘ Streetart Ausstellung im Olympiapark bzw. der kleinen Olympiahalle. Praktischerweise hat ein Freund von Chrissie die Austellungsarchitektur entworfen und uns auf die Gästeliste gesetzt 🙂  Absolut sehenswert, insbesondere die 3D Bilder, und auch Oskar hatte ordentlich Spaß.

    Damit der Abschied nicht schwer fällt bzw. der Kreis sich schließt, regnete es am letzten Tag ohne Ende. Im Norden soll es leider auch nicht besser sein…

  • Castillo Mayor – Berge, die nicht sein müssen

    Castillo Mayor – Berge, die nicht sein müssen

    Nachdem es letzte Nacht ein ordentliches Gewitter gegeben hatte, war es morgens sehr bedeckt und auch etwas kühler. Die anderen wollten heute nicht mehr wandern, aber Björn ließ sich überreden (was er hinterher bedauert haben dürfte…).


    Der Castillo Mayor (2015m) laut Wanderführer „eine Aussichtswarte ersten Ranges“, hielt nicht, was er versprach. Erst steil durch einen Wald, dann sehr steil auf Schotter, weiter durch Buchsbaum, im weiteren einen Hang hinauf, wo man zwischen dem Gestrüpp immer wieder den Weg verlor, bis zur Hochebene – La Plana. Die Hochebene wiederum war ganz schön, leider fing es aber an zu regnen und wir haben erstmal unter unserer Rettungsfolie gepicknickt. Von hier aus sollte es bis zum Gipfel nicht mehr sehr weit sein, noch ca. 250 Hm und gerade den breiten Karstrücken hinauf. Björn meinte, man könnte gleich darauf verzichten – ich wollte es gerne versuchen (die schöne Aussicht…). Mittlerweile hatte der Regen auch wieder aufgehört. Die Folge war, dass wir eine 3/4 Stunde den blöden Hang hochgestiefelt sind. Den beschriebenen Weg konnten wir nicht finden, da von den Orientierungspunkten „2 markante Ahornbäume“ schon mal einer fehlte (undwelcher ist dann der Linke?). Das scharfkantige, spaltenreiche und von großem Schotter durchsetzte Karrengestein nervte ziemlich bis sehr und so beschlossen wir, als immer noch kein Ende in Sicht war, bei einem großen Felsblock umzudrehen. Keine Aussicht, nur eine Schafherde, die man auf dem hellen Gestein fast nicht sehen konnte und ein Karstrücken, der sich beim hinunter gehen als noch garstiger entpuppte, als beim hinauf. Beim weiteren Abstieg, gab es zum Trost noch ein paar Geier und ganz unten wieder Regen 🙁 Wahrlich ein Berg der nicht sein muss. Zurück auf dem Campingplatz fiel mir erstmal auf, dass der Castillo Mayor von überall zu sehen ist und, dass uns wohl gerade mal 50 Hm bis zum höchsten Punkt gefehlt haben dürften…


    Pünktlich für den Weg zum Abendessen zeigten sich ein paar Geier bzw. Raubvögel überm Platz. Mittlerweile können wir schon richtig gut die Silhouetten erkennen. Heute waren es ein Milan, drei Gänsegeier, ein Schmutzgeier und eine Art Habicht. Das Wetter war auch wieder schön genug, so dass wir das letzte Essen auf dem Balkon genießen konnten.

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